Donnerstag, 23. März 2017

Rezension zu "Das Labyrinth der Lichter" von Carlos Ruiz Zafón

Zum Buch


Band 4 aus der Reihe um den Friedhof der Vergessenen Bücher

Barcelona, im Jahr 1959: An einem grauen Wintertag im Dezember kehrt die junge Frau Alicia Gris von Madrid in ihre Heimatstadt Barcelona zurück. Sie hat den Auftrag, dem mysteriösen und plötzlichen Verschwinden den Ministers Mauricio Valls nachzugehen. Dessen Auto wurde verlassen in den Straßen Barcelonas gefunden. Bei ihren Recherchen findet sie in Valls' Besitz ein geheimnisvolles und äußerst seltenes Buch, das dieser sehr gut versteckt hatte. Um mehr über das besondere Buch zu erfahren, führt ihr Weg sie unter anderem in die Buchhandlung Sempere & Söhne. Schon beim Betreten des Ladens kommen bei Alicia Kindheitserinnerungen auf, zuerst nur schemenhaft - die besondere Atmosphäre und die vielen Bücher nehmen sie sofort gefangen...
Doch nicht nur die Erinnerungen an ihre Vergangenheit, sondern auch der aktuelle Fall erfordert ihre ganze Aufmerksamkeit. Noch ahnt sie nicht, dass sie bereits mitten in einer dunkle Intrige mit noch ungeahntem Ausmaß  steckt...


"Ich durchschritt den Gang bis zu einem Bogen, hinter dem sich ein mächtiges Gewölbe auftat, und blieb hier stehen. Vor mir erhob sich das große Labyrinth wie eine unendliche Luftspiegelung. Eine Spirale aus Treppen, Tunneln, Brücken und Bögen verflocht sich zu einer ewigen, aus sämtlichen Büchern der Welt errichteten Stadt und stieg zu einer riesigen Glaskuppel an." -Seite 10


Da mir von Carlos Ruiz Zafón besonders die Bücher um den Friedhof der Vergessenen Bücher gefallen haben, war ich dementsprechend gespannt auf den neuen und finalen Band der Reihe. Auch wenn bei mir das Lesen der drei vorigen Bände schon eine Weile her ist, war der Zauber der Bücher sofort wieder da. Schon ganz an Anfang wird man (innerhalb eines Traums) schon kurz wieder an den besonderen Ort mitgenommen: In die Kathedrale, die von oben bis unten bestückt ist mit alten Büchern.
Das Buch beginnt mit einigen losen Erzählsträngen, wo man noch nicht genau weiß, wie sie sich später zusammenfügen werden. Doch danach findet man sich sehr gut zurecht. Man lernt Alicia kennen, die den Auftrag erhält, einen hochangesehenen Minister zu finden, der vor kurzem spurlos verschwand. Während ihrer manchmal speziellen und ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden findet sie unglaubliches heraus...
Es wird überraschend spannend mit einigen Krimi- und Thriller-Elementen - doch trotzdem geht der "Bücher-Zauber" nicht verloren. Denn auch die Welt der Bücher spielt hier eine zentrale Rolle - hier steht neben den rätselhaften Verschwinden von Mauricio Valls (dass noch ungeahnte Ausmaße annehmen wird) auch ein äußerst seltenes Buch und dessen Autor im Vordergrund, um den sich einige Geheimnisse ranken. Das hat mir besonders gut gefallen, genauso wie das Ende des Buches, das noch einige Überraschungen bereithält.

Das Cover finde ich sehr passend - schlicht und mit dem Jungen, der sich die Nase an dem Schaufester einer Buchhandlung plattdrückt sehr nostalgisch und sympathisch - passend zum Stil der Zafón-Bücher.
Der Autor erwähnt am Anfang des Buches, dass man den Zyklus um den Friedhof der Vergessenen Bücher in beliebiger Reihenfolge oder auch einzeln lesen kann. Am besten ist natürlich, wenn man die Bände der Reihe nach liest, da die Bücher alle durch Personen und Handlungen miteinander verbunden sind, doch das ist kein Muss. Auch wenn vielleicht einige Fragen auftauchen, kann man Das Labyrinth der Lichter auch ohne Vorkenntnisse lesen. Es ist trotz Verbindungen schon eine eigene Geschichte.


"Sie eilte die Treppe hinunter und blieb erst stehen, als sie in ihrem Zimmer war. Dort lehnte sie sich an die Tür und rutschte dann auf den Boden; sie spürte, dass ein Fluch die Luft vergiftet hatte und dass diese Nacht die letzte in diesem trüben Märchen war, dass sie allzu lange Jahre inszeniert hatten." -Seite 94


Mein Fazit: Das Finale des Zyklus um den Friedhof der Vergessenen Bücher ist sehr gelungen. Neben dem wunderbaren Bücher-Zauber wartet auch ein wirklich spannender Krimi, verbunden mit dem besonderen Schreibstil Zafóns. Zu Anfang braucht man einen Moment, um die vielen Fäden der Geschichte zu ordnen, doch im Laufe des Buches fügt sich alles zusammen. Er schafft es auch hier wieder, einzelne Orte wundervoll zu beschreiben - man ist sofort gefangen von der Geschichte! Es wird spannend und abenteuerlich mit einigen überraschenden Wendungen. Mir hat dieser Roman mit seinen vielen Facetten sehr gut gefallen. Mit einem perfekten Ende ein würdiger Abschluss der Reihe!

Meine Bewertung: 





Titel: Das Labyrinth der Lichter
Autor: Carlos Ruiz Zafón
Genre: Roman
Seitenanzahl: 944
Verlag FISCHER

Die Bücher der Reihe um den Friedhof der Vergessenen Bücher:
Band 1 - Der Shatten des Windes
Band 2 - Das Spiel des Engels
Band 3 - Der Gefangene des Himmels
Band 4 - Das Labyrinth der Lichter


Zum Schluss noch ein Dankeschön an Lovelybooks für das Rezensionsexemplar und die tolle Leserunde zum Buch! :)



#Leseparty - Die Alternative zur #lbm17


Hallo ihr Lieben,

endlich ist es wieder soweit: Heute startet die Leipziger Buchmesse! Leider kann ich wieder nicht vor Ort sein, daher freue ich mich, dass es auch in diesem Jahr wieder die #Leseparty gibt - die schöne Alternative für alle Daheimgebliebenen.

Die Leseparty wird von Jess und Petzi von Primeballerina und Die Liebe zu den Büchern, sowie von Alexandra und Evelyn vom Bücherkaffee und Literat(o)ur veranstaltet und findet im Zeitraum vom 23. - 26. März 2017 statt. Alle weiteren Infos findet ihr hier.

Ich werde der Leseparty hauptsächlich auf Twitter unter dem Hashtag #Leseparty folgen. Alternativ gibt es aber auch noch eine Veranstaltung auf Facebook. Ich freue mich auf ein buchiges Wochenende und verfolge wie immer immer sehr gespannt alle Berichte von Bloggern, Verlagen und Autoren. :)

Das kommende Wochenende steht also ganz im Zeichen der Literatur: Es wird gelesen, gebloggt und natürlich die Bücherliebe geteilt. :)
Mein Büchertürmchen, das gelesen werden will, steht schon bereit. Neben Das Labyrinth der Lichter, dem wunderbaren neuen Roman von Carlos Ruiz Zafón, den ich heute noch zuende lesen werde, freue ich mich noch auf folgende Bücher:
Selfies von Jussi Adler-Olsen, AchtNacht von Sebastian Fitzek und Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands von Salvatore Basile.

Ich wünsche allen Messebesuchern viel Spaß und hoffe auf viele interessante Beiträge und einen tollen Austausch auf der Leseparty!

Liebe Grüße
eure Nicole

Dienstag, 21. März 2017

Gemeinsam Lesen #98

Die Aktion findet ihr jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

- Ich lese gerade "Das Labyrinth der Lichter" von Carlos Ruiz Zafón und bin auf Seite 508 von 944.

 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Zum Buch


"Fermin nickte und trat den Rückzug an."


3. Was willst du unbedingt zu deinem Buch loswerden?

- Ich lese den neuen Roman von Carlos Ruiz Zafón zurzeit in einer tollen Leserunde bei Lovelybooks und bin bisher ganz begeistert von dem Buch. Es ist der vierte und finale Band des Zyklus um den Friedhof der Vergessenen Bücher und hat eine spannende Geschichte zu bieten. Neben krimimäßigen Elementen kommt auch der bekannte "Bücher-Zauber" nicht zu kurz. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht.


4. Gibt es ein Buch das du erst mochtest, mittlerweile aber nicht mehr?

- Ja, da gibt es sogar eine Buch-Reihe: Tagebuch eines Vampirs von Lisa J. Smith, auf dessen Büchern die TV-Serie The Vampire Diaries basiert. Nachdem ich damals die erste Staffel der Serie geschaut habe, war ich ziemlich neugierig auf die Buchvorlage und habe dann tatsächlich die ersten neun Bände gelesen (mittlerweile gibt es dreizehn Bücher). Erst fand ich die Bücher ganz gut, heute im Nachhinein, nicht mehr so. Sie wirken tatsächlich neben der Serie sehr blass.

Ich mag die TV-Serie sehr gerne und muss daher sagen, dass hier tatsächlich die Verfilmung viel besser ist als die Buchvorlage. (Sowas kommt ja eigentlch nur sehr selten vor) :D Liegt wahrscheinlich daran, dass The Vampire Diaries bis auf einzelne Szenen und Namen so gar nichts mit den Büchern gemeinsam hat.


Montag, 20. März 2017

Montagsfrage #91


Die Montagsfrage gibt es jede Woche bei Buchfresserchen.
Die Frage in dieser Woche:


Was war dein letzter Re-Read, bzw. welches gelesene Buch hast du zuletzt erneut gelesen? 

                                  

Das war Das zweite Gesicht von Kai Meyer, das ich im Dezember 2016 erneut gelesen habe.
Kurz zuvor konnte ich noch eines der letzten Exemplare der auf 666 Stück limitierten Sammlerausgabe ergattern. Da bot sich ein re-read ja geradezu an. :) Auch beim zweiten Mal war dieses Buch immer noch genau so spannend wie bei ersten Lesen.
Meine Rezension findet ihr hier: Kai Meyer - Das zweite Gesicht

Freitag, 17. März 2017

Rezension zu "Der Muschelsammler" von Anthony Doerr

Zum Buch


Der Zauber von Meer und Natur..

Der Muschelsammler ist erstmals im Jahr 2002 in der amerikanischen Originalausgabe erschienen und Anthony Doerrs preisgekröntes Debüt. Die acht wunderbaren Erzählungen sind zwar inhaltlich völlig unterschiedlich, jedoch haben sie alle etwas gemeinsam: Den beeindruckenden Erzählstil Doerrs. Oft steht das Meer mit seinen vielen Facetten im Vordergrund, aber auch der Zauber des Winters wird hier mit Liebe zum Detail beschrieben.  

Das Buch enthält folgende Geschichten:

 - Der Muschelsammler
 - Die Frau des Jägers
 - So viele Chancen
 - Lange Zeit war das Griseldas Geschichte
 - Der 4. Juli
 - Der Hausmeister
 - Verwicklungen am Rapid River
  - Mkondo

"Über ihm zogen die Sterne herauf in myriadenfachem Erschauern. Sein Leben hatte die letzte Windung  vollführt und tauchte hinab. Dorthin, wo es nicht mehr weiterging, wo es am dunkelsten war, wo sich das Schneckenhaus im Schattenhaften verlor." - Seite 39 (Der Muschelsammler)

Nachdem ich schon mit Begeisterung die anderen Werke des Autors gelesen habe, war ich nun sehr gespannt auf diese Erzählungen, die nun im März 2017 als Taschenbuch veröffentlicht wurden. (Die gebundene Ausgabe erschien bereits 2007).
Die einzelnen Geschichten sind völlig unterschiedlich: In "Der Muschelsammler" entdeckt ein blinder Muschelsammler zufällig die Heilkraft einer hochgiftigen Meeresschnecke;  in "So viele Chancen" begeistert sich ein vierzehnjähriges Mädchen nach einem Umzug ans Meer für das Fliegenfischen und in "Der 4. Juli" spielt ein skurriler Wettkampf eine zentrale Rolle.
Die Erzählungen sind in dem typischen Stil Anthony Doerrs erzählt, den man schon aus "Winklers Traum vom Wasser" oder auch "Alles Licht, das wir nicht sehen" kennt - immer leicht poetisch, zwischendurch -besonders bei Beschreibungen von Landschaften- auch immer mal in langen, verschachtelten Sätzen. Die Kurzgeschichten, die zwischen 20 und 50 Seiten lang sind, haben alle ausdrucksstarke Charaktere, die man selbst auf den wenigen Seiten sehr gut kennen lernt. Dieses hat mir sehr gut gefallen.

Das Cover ist mit dem einzelnen Segelboot auf dem Meer eher schlicht gehalten und passt meiner Meinung nach sehr gut zu dem Inhalt.

"Der Fluss taute auf und trieb riesige Eisschollen in Richtung Missouri. Das Glucksen und Plätschern des fließenden Wassers, das Geräusch der Befreiung, des Schmelzens drang durch die offenen Fenster der Hütte herein. Der Jäger spürte die alte Erregung, spürte, wie seine Seele auflebte." - Seite 60 (Die Frau des Jägers)

Mein Fazit: Acht Kurzgeschichten, jede auf besondere Art erzählt. Auch hier sticht Doerrs einzigartiger Erzählstil hervor: Leicht poetisch und mit detailreiche Beschreibungen, die aber perfekt zu den Storys passen. Das nur 256 Seiten dünne Buch lässt sich flüssig lesen, eine schöne Lektüre für zwischendurch. Insgesamt hat mir diese Story-Sammlung sehr gut gefallen - nur bei ein, zwei Geschichten war das Ende etwas zu abrupt, es blieben ein paar Fragen offen. Ansonsten ein sehr lesenswertes, wunderbares Buch. Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür.

Meine Bewertung: 





Titel: Der Muschelsammler
Autor: Anthony Doerr
Genre: Kurzgeschichten / Erzählungen
Seitenanzahl: 256
Verlag: btb



Vielen Dank an das Bloggerportal und btb für das Rezensionsexemplar! :)

Donnerstag, 16. März 2017

Top Ten Thursday #75

Bei dem Top Ten Thursday geht es um Bücherlisten, die jeden Donnerstag zu einem vorgegebenen Thema erstellt werden können. Eine Aktion von Steffis Bücher-Bloggeria.

Das Thema in dieser Woche:

10 Bücher, deren Titel mit einem "F" beginnen




Frostfeuer - Comic-Adaption

Frostfeuer - Roman

Kai Meyer







Flavia de Luce 3 - Halunken, Tod und Teufel

Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord

Alan Bradley


Freie Geister
Ursula K. Le Guin

Freiheit
Jonathan Franzen








Finderlohn

Frühling, Sommer Herbst und Tod

Stephen King








Fräulein Smillas Gespür für Schnee
Peter Hoeg

Fünf
Ursula Poznanski





Mittwoch, 15. März 2017

Rezension zu "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara

Zum Buch

Ein Leben, von der Vergangenheit gezeichnet...

Die Begegnung von vier jungen Männern am College ist zugleich der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Malcolm ist angehender Architekt und kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus und Jean Baptiste (JB) ist ein aufstrebender Künstler und stellt mit seinen Aktionen die Freundschaft immer wieder auf die Probe. Willem hofft auf eine Schauspielerkarriere und ist wohl am engsten mit Jude befreundet. Jude St. Francis ist ein besonderer junger Mann - ein aufstrebender Anwalt mit guten Karrierechancen, er ist sympathisch und freundlich - doch innerlich zutiefst verzweifelt und zerbrochen . Seine Freunde, insbesondere Willem, kümmern sich liebevoll um ihn, doch manchmal, in seinen dunkelsten Stunden kommen selbst sie nicht an ihn heran. Über seine Vergangenheit hüllt Jude sich in Schweigen. Was ist in der Kindheit vorgefallen, dass ihn zu einem so gebrochenen Menschen gemacht hat?


"Und dann trieb die Sonne davon, der Wagen ratterte gleichgültig von ihr fort, und die Welt nahm wieder ihre normalen traurigen Formen und Farben an, die Menschen ihren normalen traurigen Zustand, eine Veränderung, die sich so grob und abrupt vollzog, als wäre sie vom Zauberstab eines Magiers herbeigeführt worden." -Seite 34, eBook


Schon an dem Klappentext ahnt man, dass dieses Buch ein sehr Emotionales sein wird - und das ist es auch. Es erzählt die Geschichte von vier jungen Männern bis weit ins Erwachsenenalter hinein. Jeder von ihnen erfährt Freud und Leid, Höhen und Tiefen, Erfolg und Missgunst. Doch niemand hat so viel Leid erfahren wie Jude St. Francis, dessen Leben von seiner Vergangenheit gezeichnet ist - körperlich und auch seelisch. Zugleich möchte er aber niemanden zur Last fallen, hat große Angst, dass er die Menschen, die ihm inzwischen so viel bedeuten, plötzlich den Rücken kehren könnten. Dabei hat er Freunde, die komplett hinter ihm stehen und für ihn da sind - dieses ist sehr eindrucksvoll und schön geschrieben.
Nach und nach erfährt man schließlich, was Jude in seiner Kindheit widerfahren ist - und das ist so erschütternd und leidvoll, dass es einem kalt den Rücken runter läuft - es wird sehr ergreifend.
Sehr sensibel schildert die Autorin verschiedenste Ereignisse - nicht nur aus der Vergangenheit , sondern auch aus der Gegenwart, in der das Vergangene immer noch nachhallt und sich mit aktuellen Geschehnissen verbindet.
Die Geschichte ist aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben und auch nicht chronologisch. Man erfährt nach und nach immer Ausschnitte aus der Vergangenheit, hauptsächlich natürlich aus Judes Leben, aber auch aus Willems, Malcolms und JBs Leben erfährt man einiges. Der Aufbau zusammen mit der ganzen Schreibweise ist sehr gut gewählt, auch wenn man manchmal kurz überlegen muss, in welchem Zeitabschnittt man sich gerade befindet.  Das Buch ist mit seinen 960 Seiten zwar ein sehr ausführliches und detailreiches Werk, aber tatsächlich an keiner Stelle langatmig. Es fesselt den Leser und zieht ihn mit.


"Wäre ich eine andere Art von Mensch, würde ich vielleicht sagen, dass dieser Vorfall eine Art Metapher für das Leben als Ganzes ist: Dinge gehen kaputt, und manchmal können sie wieder repariert werden, und meistens stellt man fest, dass das Leben, egal was zerstört wurde, einen Weg findet, den Verlust wiedergutzumachen, manchmal auf ganz wunderbare Weise. Und weißt du was - vielleicht bin ich diese Art von Mensch." (Harold Stein zu Jude St. Francis) -Seite 149, eBook


Noch kurz zum Cover: Ich muss zugeben, dass mich das Cover zuerst nicht so sehr angesprochen hat - doch im Nachhinein habe ich meine Meinung darüber geändert: Es passt perfekt zu dem Roman. Der abgebildete junge Mann mit dem schmerzvollen Gesichtsausdruck spiegelt genau das wieder, was Jude widerfahren ist.


"Er starrte mich an, mit diesem gewissen Blick, bei dem man merkt, dass er innerlich vor einem zurückweicht, obwohl er einen ansieht, bei dem man sieht, wie sich die Tore in seinem Inneren schließen und verriegeln, wie die Brücken über den Schlossgraben hochgezogen werden." -Seite 389, eBook


Mein Fazit: Ein sehr besonderes Buch, dass noch lange nachhallt. Eine sensible, sehr tiefgründige Geschichte, die mit großem Feingefühl erzählt wird. Die Autorin hat hier den richtigen Ton und Erzählweise getroffen. Es ist oft sehr erschütternd und tieftraurig, was Jude widerfahren ist und wie dieses ihn in seinem Erwachsenenleben noch immer wieder einholt. Man muss so manches Mal innehalten, um das gerade Gelesene zu verarbeiten.
 Doch es gibt auch schöne Momente, die berühren, besonders die unerschütterliche Freundschaft ist sehr gelungen beschrieben.
Kurz gesagt: Besondere Charaktere, eine außergewöhnliche Geschichte, fesselnd geschrieben. Ein sehr lesenswertes Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Meine Bewertung: 




Titel: Ein wenig Leben
Autorin: Hanya Yanagihara
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 960
Verlag: Hanser



Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar! :)