Sonntag, 20. November 2016

Rezension zu "Das Haus" von Mark Z. Danielewski

Zum Buch


Ein Haus, das ein Eigenleben führt...

Johnny Truant hatte es nicht immer leicht im Leben. Doch dieses ändert sich nochmal schlagartig, als der sonderbare alte Mann namens Zampanò stirbt. In dessen Nachlass findet Johnny etwas , das viel größer ist, als er zunächst ahnt: Unmengen an Seiten, Karten und Schnipsel - alles eng beschrieben. Denn Zampanò hat an einem Projekt gearbeitet, dem er den Namen Der Navidson Record gegeben hat. Eine Art Dokumentarfilm, das ein mysteriöses und unaussprechliches Geheimnis birgt. Der  preisgekrönte Fotojournalist Will Navidson, der einst den Pulitzer Preis erhielt, zieht mit seiner Familie in ein neues Haus. Schon bald merkt er, dass dieses über besondere Eigenschaften verfügt -  das Haus verfügt über Räume, die nicht im Grundriss verzeichnet sind. Anfangs ahnt Navidson noch nicht, in welchen Albtraum er geraten wird. Bei einer ersten Erkundung gerät er in Lebensgefahr. Schließlich zieht er Spezialisten hinzu und beginnt, die mysteriösen Ereignisse und das seltsame Eigenleben des Hauses filmisch festzuhalten...


"Das Ganze hier, nehmen Sie es einfach nur als das, was es ist. Und falls Sie irgendwann einmal zufällig an diesem Haus vorbeikommen sollten, bleiben Sie nicht stehen, gehen Sie auch nicht langsamer, sondern laufen Sie einfach weiter. Da ist nichts. Seien Sie vorsichtig." -Seite 5


Schon lange wollte ich dieses außergewöhnliche Debüt lesen. Außergewöhnlich und sehr speziell ist dieses Buch in der Tat: Die Story besteht aus verschiedenen Sichtweisen und  Erzählebenen. Sozusagen eine Geschichte in der Geschichte. In der Einleitung lernen wir zunächst Johnny Truant kennen, der in einer unheimlichen Art und Weise berichtet, wie er im Nachlass des verstorbenen Mannes Zampanò dessen Mammutprojekt namens Der Navidson Record entdeckt. Dieses ist eine Art Dokumentation, auf vielen Seiten festgehalten über ein Haus, dass ein schlimmes Geheimnis birgt... Im Laufe der Handlung erfährt man mehr über den eigenbrötlerischen Zampanó, der das Verhalten Will Navidsons und die Veränderungen des Hauses bis ins kleinste Detail durchleuchtet und analytisch festhält. Dem zugrunde liegen die Videoaufnahmen von Navidson. Die zentrale Geschichte dieses Romans bildet dann Zampanòs Aufzeichnungen - bestehend aus unzähligen Fußnoten und Kommentaren von Johnny Truant, dessen Erlebnisse ebenfalls fortgeführt werden. Im ersten Moment etwas kompliziert, doch wenn man sich erst mal eingelesen und sich an den Stil gewöhnt hat, ist das Buch sehr gut verständlich.
Nicht nur die Geschichte sondern auch deren Gestaltung ist speziell: Die Schriftarten ändern sich, Seiten, die spiegelverkehrt geschrieben sind. Manche Seite sind nur mit einem Wort bedruckt, andere sind eng beschrieben. Ein wahrlich sonderbares Leseabenteuer. Dennoch gerät durch die vielen Verschachtelungen, die eigentliche Geschichte um das Haus, das ein Eigenleben führt, in den Hintergrund. Dieses finde ich sehr schade, da gerade diese Abschnitte die Besten im ganzen Buch waren. Die vielen Unterbrechungen und analytischen Abschweifungen zerstören die gerade aufgebaute Spannung, zudem werden die eingestreuten Sichtweisen von Johnny Truant auf die Dauer etwas nervig.


"Das Zuhause der Navidsons war während ihrer Abwesenheit zu etwas anderem geworden, und wenn die Veränderung auch nicht unbedingt unheilvoll oder gar bedrohlich war, so hatte sie dennoch jedes Gefühl von Sicherheit oder Wohlbehagen zerstört." -Seite 36


Mein Fazit: Dieses Buch ist wohl das außergewöhnlichste, welches ich bisher gelesen habe. Es ist schon beeindruckend, was der Autor hier erschaffen hat. Leider konnte es mich nicht ganz überzeugen. Die Idee von einem Haus, dass sich verändert, ist perfekt und hätte als "Solo-Story" einen klasse Horror- bzw. Mysteryroman abgegeben. Mir war das ganze Drumherum zu viel, die Spannung wird zerstört, es wird etwas langweilig. Die innere Gestaltung des Buches ist allerdings etwas ganz besonderes mit seinen vielen Schreibarten, kreuz und quer beschriebenen Seiten, usw. Dieses Spezielle hat mir gut gefallen. Dieses Werk ist eine echte Herausforderung für das man sich Zeit nehmen sollte. Man kann es nicht mal eben nebenbei lesen und muss sich wirklich darauf einlassen.
Mich konnte es leider nicht ganz überzeugen, weil es einfach viel zu überladen ist. Ich vergebe hierfür zwei Sterne. Schade.

Meine Bewertung: 



Titel: Das Haus / House of Leaves
Autor: Mark Z. Danielewski
Genre: Roman
Seitenanzahl: 797
Verlag: Klett-Cotta (Hardcover) / btb (Taschenbuch)

Kommentare:

  1. Achweee, so lang drauf gefreut & dann das - hoffe dein nächstes Buch wird besser sein!!
    Neugierig bin ich dennoch (oder gerade deswegen) geworden, mal sehen, ob ich mich irgendwann mal ran traue ...

    Ganz liebe Grüße, Janna

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    1. Ja, es ist wirklich schade. Aber ich bin froh, es gelesen zu haben. Auch wenn es mich nicht ganz überzeugt hat, es ist auf jeden Fall ein außergewöhnliches Leseerlebnis.

      Falls du es lesen solltest, dann bin ich sehr gespannt auf deine Meinung. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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