Mittwoch, 15. Februar 2017

Rezension zu "Das Mädchen" von Stephen King

Zum Buch


Verirrt im endlosen Wald...

Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder Pete unternimmt die neunjährige Trisha McFarland einen Wanderausflug. Während sich die beiden vor ihr mal wieder streiten, verlässt das Mädchen kurz den Hauptweg - und verläuft sich daraufhin völlig. Fest davon überzeug, schon bald wieder auf den markierten Wanderweg zu stoßen, geht Trisha weiter - doch sie gerät nur noch tiefer in den riesigen und schier endlosen Wald. Bald steigt Panik in ihr auf: Noch ahnt niemand, dass sie verschwunden ist und ist damit ganz auf sich allein gestellt. Mutig läuft Trisha weiter, in der Hoffnung bald wieder auf die Zivilisation zu stoßen. Doch dann wird es langsam dunkel - neben Durst, Hunger und den Mückenschwärmen macht ihr auch die Einsamkeit zu schaffen. Und dann ist da noch die Angst vor dem Unbekannten, dass durch die Wälder streift und sie zu verfolgen scheint...


"Die Welt hatte Zähne, und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte." - Seite 11


Ich habe Das Mädchen vor über zwölf Jahren schon einmal gelesen und war auch jetzt, beim zweiten Mal wieder völlig gefesselt von der Geschichte. Morgens um zehn sitzt Trisha noch sicher bei ihrer Mutter im Auto, um elf hatte sie sich hoffnungslos im Wald verirrt und muss von nun an gegen Angst und Einsamkeit kämpfen.
Auch wenn der Roman mit 304 Seiten eher kurz ist, hat er eine große Intensität. Perfekt beschreibt King den Weg des erst neunjährigen Mädchens - ihre Handlungen, Gedanken und Hoffnungen werden sehr lebendig. Auch Trishas Begeisterung für die Red Sox und ihrem großen Idol Tom Gordon spielen eine zentrale Rolle - zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, so oft von dem Baseball-Team zu lesen, doch im Nachhinein betrachtet sehr gut platziert. Daher passt der Titel der amerikanischen Ausgabe -The Girl who loved Tom Gordon- schon sehr gut.
Die Geschichte ist eher ruhig - doch das mindert die Spannung keineswegs. Man fiebert und leidet  richtig mit der sympathischen Trisha mit und hofft, dass alles gut ausgeht. Denn sie ist nicht allein im Wald...


"Wenigstens scheint der Mond", sagte sie, als sie so neben dem Baum stand und sich nervös auf ihrer kleinen halbmondförmigen Lichtung umsah. Sie wirkte jetzt noch kleiner, als seien die Bäume und das Unterholz näher heran gekrochen, während sie geschlafen hatte. Heimlich näher gekrochen. -Seite 113


Der Roman, der erstmals im Jahr 2000 in Deutschland erschien, hatte im Laufe der Jahre verschiedene Cover. Mein Exemplar (aus dem Schneekluth-Verlag, Abbildung unten) stammt aus dem Jahr und ist eine Klappenbroschur, eher schlicht gehalten und hat als sowohl auf dem Cover, als auch im Buch viele Mücken abgebildet. Diese Details machen das Buch auf unheimliche Weise zu einem richtigen Hingucker. 
Doch auch das aktuelle, oben abgebildete Cover ist sehr gut gelungen.


"Trisha weinte nicht, nicht jetzt. In diesem Augenblick hatte sie zu viel Angst, um zu weinen. Irgendwas beobachtete sie. Irgend etwas." - Seite 116


Mein Fazit: Das Mädchen gehört mit zu meinen liebsten Büchern von Stephen King. Zwar nicht der typische Horror, den man von ihm gewohnt ist und in zahlreichen seiner Bücher findet, aber nicht weniger intensiv. Es ist ein eher leises Buch, unheimlich und packend, aber auch sehr berührend. Mit der neunjährigen Trisha hat King einen sehr eindrucksvollen Charakter geschaffen. Sie gehört meiner Meinung nach zu seinen besten Figuren. Wer mal etwas ruhigeres mit gut platzierten Horrorelementen lesen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Für mich ein Lesehighlight!

Meine Bewertung: 






Titel: Das Mädchen
Autor: Stephen King
Genre: leichter Horror
Seitenanzahl: 304
Verlag: Knaur TB (aktuelle Ausgabe)


Kommentare:

  1. Huhu!
    'Das Mädchen' mochte ich auch total gerne. Wie du beschreibst, ist etwas anders, weil es nicht ganz so blutig/ brutal ist, wie andere Bücher, aber es ist sehr intensiv.
    Ich habe das Buch mal im Deutschunterrichtin einem Referat vorgestellt - meine Mitschüler waren begeistert, meine Lehrerin leider nicht (obwohl sie uns die Lektüre frei und ohne Einschränkung wählen lies). Naja... aus der schlechten Note wurde dann nach einer Beschwerde meinerseits eine gute Note (die Begründung, warum ich eine schlechte Note bekam, war: 'Das Mädchen' sei nicht gerade vernünftige Lektüre und ich hätte das Referats-Thema verfehlt - Es ging einfach nur darum, den Inhalt des Buches vorzustellen). Danach waren die Lehrerin und ich keine Freundinnen mehr, aber waren wir eh nie. Dabei mochte ich Deutsch eigentlich sehr.

    Liebe Grüße,
    Linda

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    1. Hallo Linda,

      ja, ich finde gerade den unblutigen und eher leisen Horror hier sehr gelungen.
      Das Buch in einem Referat vorzustellen, finde ich persönlich sehr gut, gerade über den Verlauf lässt sich bestimmt viel berichten. Allerdings ist es wirklich sehr schade, dass deine Lehrerin nicht so begeistert war.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. King habe ich bislang nur in Form von Kurzegischten gelesen, aber "Mr. Mercedes" wartet hier bereits als Hörbuch. Eine Freund von mir ist absoluter King-Fan, hat dieses Buch jedoch abgebrochen, zu viel Verirrungen im Wald :D Aber schön das dich das Buch so begeistern konnte.

    Liebe Grüße & einen feinen Do. gewünscht (=

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    1. Hi Janna!

      Ich habe schon gesehen, dass bei diesem Buch die Meinungen sehr auseinander gehen. :D
      Da bin ich mal gespannt, wie dir "Mr. Mercedes" gefallen wird. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Zunächst muss ich schauen wann ich dazu komme. Abends geht schon mal nicht, da mein Freund und ich bezgl. Hörbücher nicht die gleiche Vorliebe teilen und tagsüber komm ich eig. kaum dazu ...

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  3. Hy.

    Ich habe auch schon "Das Mädchen" gelesen und wie es aufgebaut ist der Hammer. Gerade weil es nicht blutig ist,sondern die Fantasy anregt,ist es so erschreckend. Den das was in dem Buch passiert ist, kann ja auch in echt passieren. Und das wäre der Horror. Ich liebe die Büchervon Stephen King.

    Lg backmausi81

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    1. Hi :)

      Deiner Meinung schließe ich mich an: Gerade weil es so "leise" ist, ist es so erschreckend.
      Im Nachwort steht, dass es diese großen Waldgebiete in New England wirklich gibt.

      Liebe Grüße
      Nicole

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