Freitag, 7. Juli 2017

Rezension zu "Ein Leben mehr" von Jocelyne Saucier

Zum Buch


Eine Geschichte über die Freiheit, die Liebe und den Zauber der kanadischen Wälder...

Tief in den nordkanadischen Wäldern, fernab von jedem Trubel leben drei alte Männer. Vor langer Zeit haben sie sich entschlossen, ihrem alten Leben den Rücken zu kehren. Ted, Charlie und Tom lieben die Freiheit und ihr Einsiedlerleben. Doch eines Tages ist es damit vorbei: Zuerst taucht eine Fotografin auf, die auf der Suche nach einem gewissen Boychuck ist - der Mann, der damals die Großen Brände überlebt hat. Kurz darauf stößt noch die zweiundachtzigjährige Marie-Deseignes zu ihnen - eine zierliche Dame mit einer Vergangenheit, in die sie niemals zurückkehren möchte. Die Männer sind zunächst verwirrt über das Eindringen in ihr Einsiedlerleben. Doch während die beiden Frauen  versuchen, das Rätsel um Boychucks Überleben zu entschlüsseln, geschieht in der kleinen Gruppe schließlich etwas, was niemand erwartet hätte...


"Ich liebe Geschichten, ich liebe es, wenn man mir ein Leben von Anfang an erzählt, mit allen Umwegen und Schicksalsschlägen, die dazu geführt haben, dass ein Mensch sechzig oder achtzig Jahre später vor mir steht, mit einem ganz bestimmten Blick, ganz bestimmten Händen und einer  ganz bestimmten Art zu sagen, dass das Leben gut oder schlecht gewesen ist." -Seite 22


Auf dieses Buch bin ich vor einiger Zeit durch dieses großartige Cover aufmerksam geworden - der ältere Mann im Profil spiegelt sehr gut die Geschichte wieder, die das Buch zu bieten hat - diese ist zwar außergewöhnlich, aber wirklich großartig. Es geht um drei Männer, alle über achtzig, die sich vor langer Zeit entschieden haben, aus dem alltäglichen Leben auszusteigen, um in Freiheit zu leben. Jeder hat einen anderen Grund, warum er sich für dieses Einsiedlerleben tief in den kanadischen Wäldern entschieden hat. Die Gründe und wie es schließlich bei jedem dazu gekommen ist, erfährt man nach und nach. Die Charaktere sind hier besonders stark dargestellt - ob es die Männer selbst sind oder die weiteren Personen, die ebenfalls eine zentrale Rolle spielen - man lernt jeden Charakter auf ganz eigene Weise kennen. Auch der Schreibstil ist speziell - jeder Abschnitt ist aus verschiedenen Perspektiven und Blickwinkeln geschrieben. Gerade dieses passt sehr gut zur Geschichte.
Auch die Schauplätze sind beeindruckend - alles ist bildgewaltig und detailreich beschrieben - man kann sich die kanadischen Wälder, aber auch weitere Orte wirklich gut vorstellen.
Die gesamte Entwicklung der Handlung ist sehr gut. Durch die verschiedenen Perspektiven erfährt man nach und nach die einzelnen Geschichten der Figuren. Bei vielem, was anfangs noch unklar ist, kommt Licht ins Dunkel. Die Rückblicke in die Vergangenheit, die besonders die dramatischen Geschehnisse des Großen Brandes im Jahr 1916 schildern, ist aufschlussreich und berührend. Auch spielen sie eine zentrale Rolle bei den Geschehnissen in der Gegenwart, die knapp achtzig Jahre später angesiedelt ist. Gerade hier nimmt die Handlung einen überraschenden und unerwarteten Verlauf.


"Etwas lag an diesem Spätsommerabend in der Luft, etwas, das sie alle tief berührte. Der laue Abend lud dazu ein, an das Vergehen der Zeit zu denken, bei ihr zu verweilen und sie dann ziehen zu lassen." -Seite 160


Mein Fazit: Ein wundervoller Roman, der eine ganz besondere Erzählkraft hat. Ich war sofort gefesselt von der Geschichte und von dem detailreichen, klaren Schreibstil. Starke Charaktere in einer einzigartigen Kulisse und einem Handlungsverlauf, der überrascht und berührt. Obwohl das Buch nur 192 Seiten umfasst, ist es dennoch eine große Geschichte. Ich bin beeindruckt und vergebe fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung!


Meine Bewertung: 





Titel: Ein Leben mehr
Autorin: Jocelyne Saucier
Genre: Roman
Seitenanzahl: 192
Verlag: Suhrkamp / Insel


Vielen Dank an den Suhrkamp-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    ja auf den 192 Seiten bekommt hier wirklich viel geboten. Eine sehr nachhaltige Geschichte, die mir noch immer gut in Erinnerung ist!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,

      da bin ich ganz deiner Meinung. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Ich bin im Internet auf verschiedenen Blogs jetzt schon so oft über dieses Buch gestolpert. Und ja, auch ich bin besonders über das eindrucksvolle Cover auf das Buch aufmerksam geworden. Ich kann gar nicht glauben, das so viel Geschichte auf nicht mal 200 Seiten erzählt werden kann. Das macht mich ja wirklich sehr neugierig auf das Buch. Vielleicht wird es Zeit, dass ich es endlich mal lese. Und deine sehr gute Bewertung bestärkt mich natürlich noch darin. Also danke dafür. ;)
    Liebe Grüße, Julia

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