Donnerstag, 27. Juli 2017

Rezension zu "Der Gentleman" von Forrest Leo

Zum Buch
Der Teufel als Gentleman

London, in den 1850er Jahren: Lionel Savage ist zweiundzwanzig Jahre alt, Dichter und lebt in seinem Haus namens Pocklington Place. Aus einem Grund, der nichts mit Liebe zu tun hat, hat er vor sechs Monaten geheiratet. Unglücklicherweise kann er seitdem keine einzige Zeile mehr aufs Papier bringen. Um dieser misslichen Lage endgültig zu entfliehen plant er, sich zu erschießen. Doch nach Einwänden seines treuen Butlers Simmons verwirft er diese Idee wieder. Denn dieser müsste hinter ihm aufräumen. Während seiner Grübelei betritt plötzlich ein Gentleman sein Arbeitszimmer - und stellt sich als den Teufel persönlich vor. Savage ist sofort angetan von dem netten Mann und ehe er sich versieht, hat er seine ungeliebte Frau an den Teufel ausgeliefert - das glaubt er zumindest, denn diese ist plötzlich verschwunden. Und plötzlich steht Savages Gefühlswelt Kopf, denn er will sie unbedingt wiederfinden - doch wo genau lebt der Teufel eigentlich? Ein abenteuerliche Suche beginnt...


"Der Teufel ist in Wirklichkeit kein böser Seelendieb und Verführer von Jungfrauen - sondern ein melancholischer Mann, zwischen 1,50 und 2 Meter groß (ich habe kein gutes Auge für solche Dinge), der leicht stottert und Bücher mag und gerne mehr gemocht würde. Das hat natürlich Folgen für die Literatur der letzten zweitausend Jahre." (Lionel Savage) - Seite 87


Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich durch das Cover - skurril und kunterbunt, genau wie der Roman selbst. Hauptfigur ist der zweiundzwanzigjährige Dichter Lionel Savage, der eines Abends einem Gentleman begegnet, der behauptet, der Teufel persönlich zu sein. Und plötzlich steht Lionels sonst so geordnetes Leben auf dem Kopf...
Die Geschichte besticht durch die tollen Dialoge und seine besonderen Charaktere. Die Figuren rund um Savage sind herrlich anders als der etwas eigenwillige Hausherr. Besonders interessant hier ist der Schreibstil: Aus Lionel Savages Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben, der zudem noch sein Geschriebenes mit Hilfe seines angeheirateten Cousins Sir Hubert Lancaster veröffentlicht hat. Dieser hat den Text dann noch mit zahlreichen Fußnoten versehen, über die man das ein oder andere mal schmunzeln muss.
Die Handlung an sich ist sehr überschaubar, doch das gleichen die interessanten und oft herrlich komischen Dialoge wieder aus.  Oft zum schmunzeln, manchmal mit etwas schwarzem Humor und alles verpackt in dem nostalgischem Flair des 19. Jahrhunderts. Eine spezielle, aber richtig gute Kombination.


"Ich lüge nie. Manchmal lasse ich allerdings die Wahrheit weg." (Lionel Savage) - Seite 93


Mein Fazit: Eine herrlich verrückte Geschichte, die vor allem durch die tollen Dialoge und den besonderen Figuren überzeugt: Ob es der Dichter ist, der seine Frau nicht liebt, der Teufel in Gestalt eines Gentleman oder die lieben Verwandten - eine Story der etwas anderen Art.  Die Handlung hätte gern etwas stärker sein können, daher ziehe ich einen halben Stern ab, aber ansonsten ist der Der Gentleman ein Lesevergnügen: Humorvoll im Londoner Flair des 19. Jahrhunderts gehalten, außergewöhnlich und mit einem tollen Finale. Sehr lesenswert!

Meine Bewertung: 





Titel: Der Gentleman
Autor: Forrest Leo
Genre: Roman
Seitenanzahl: 296
Verlag: Aufbau

Kommentare:

  1. Ich musste deine Rezension unbedingt lesen, weil mir das Cover sofort ins Auge gesprungen ist. Aufhören zu lesen wollte ich eigentlich als ich las, dass das Buch in den 1850er Jahren spielt, aber ich las weiter und bin jetzt total begeistert von dieser verrückten Geschichte :-) Ist sofort auf meine Wunschliste gewandert. Danke für deine Rezi.
    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Liebe Anna,

      das freut mich, danke für deinen Kommentar! :)
      Die Geschichte spielt zwar im 19. Jahrhundert, aber es ist kein historischer Roman. Der Flair passt sehr gut zur ganzen Geschichte.
      Falls du das Buch lesen solltest, wünsche ich dir viel Spaß dabei! :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Hallo Nicole,
    wenn ein Buch viel gutes Beiwerk zu bieten hat, muss eine ausgefeilte, dichte Handlung gar nicht unbedingt sein. Klingt gut!!
    Liebe Grüße, Heike

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    1. Liebe Heike,

      ja es ist trotz wenig Handlung sehr gut gelungen. Gerade der außergewöhliche Stil ist hier klasse. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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