Donnerstag, 27. Oktober 2016

Rezension zu "Mind Control" von Stephen King


Zum Buch
Bill Hodges - Band 3

Über sechs Jahre ist es her, als Brady Hartsfield das Mercedes-Killer-Massaker verübt hat. Kurz bevor ein weiteres Attentat verüben konnte wurde er außer Gefecht gesetzt. Seitdem liegt er in einer Klinik für Hirnverletzungen im Wachkoma und dämmert vor sich hin. So hat es zumindest den Anschein. Doch Brady ist längst wieder hellwach und plant Schreckliches...
Der pensionierte Detektive Bill Hodges und seine Partnerin Holly Gibnes, die damals den Mercedes-Killer überführt haben, glauben nicht an den hilflosen Zustand Hartsfields. Das wird ihnen immer mehr klar, als in der Stadt ungewöhnliche und  viele Selbstmorde geschehen. Und alle Hinweise scheinen in Zimmer 217 zusammen zu laufen. Denn dort ist etwas aufgewacht, das neue, tödliche Kräfte besitzt und nur eines will: Rache. Ein mörderischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt...


"Dunkelheit! Er schrie es aus vollem Halse, zumindest innerlich." -Seite 139

Der dritte Teil der Reihe um den pensionierten Detective Bill Hodges ist der unheimlichste Band der Trilogie. Ich habe schon länger kein Buch mehr gelesen, wo ein Charakter so dermaßen furchteinflößend wirken kann. Denn der Mercedes-Killer Brady Hartsfield hat seinen Schrecken auch im finalen Band in keinster Weise verloren. Es gibt immer wieder Rückblicke aus Mr. Mercedes, dem Auftakt der Trilogie. Dieses finde ich sehr hilfreich, gerade wenn es mit dem Lesen des Buches schon eine Weile her ist. Die Geschichte ist sehr gut aufgebaut und entwickelt sich in einem Ausmaß, mit dem man am Anfang so gar nicht rechnet. Auch gibt ein Wiedersehen mit vielen bekannten Figuren, die man schon aus den beiden Vorgängern kennt.
Das Cover von Mind Control ist sehr gut gewählt, weil genau diese Fische eine ganz zentrale Rolle spielen.


"Eigentlich kann Hodges es selbst kaum glauben, aber die Puzzleteile fügen sich zusammen, und auch wenn das Bild, das sich ergibt, absolut irrsinnig ist, weist es eine gewisse scheußliche Logik auf." -Seite 276


Mein Fazit: Ein sehr guter Abschluss der Trilogie, der fast an den gelungenen Vorgänger Finderlohn heranreicht.  Hier wird es nochmal richtig spannend, es warten einige Überraschungen und viel Übernatürliches - am Ende gibt es ein dramatisches Finale. Die Horror-Elemente sind sehr gut eingesetzt und geben diesem Thriller eine furchteinflößende Note.  Ein sehr lesenswerter King, dem ich 4,5 Sterne gebe.


Meine Bewertung:


Titel: Bill Hodges 3: Mind Control
Autor: Stephen King
Genre: Horror / Thriller
Seitenanzahl: 528
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 12. September 2016


Die Bücher der Bill Hodges-Trilogie:
Band 1 - Mr. Mercedes
Band 2 - Finderlohn
Band 3 - Mind Control


Sonntag, 23. Oktober 2016

Rezension zu "Totenfang" von Simon Beckett


Zum Buch
Band 5 der David Hunter-Reihe

Nachdem sich David Hunter von den letzten dramatischen Ereignissen erholen konnte, ist es beruflich ruhig bei ihm geworden. Doch das ändert sich schlagartig, als der forensische Anthropologe einen Anruf erhält - seine Kenntnisse sind erneut gefragt. In den Backwaters, einem abgelegenen Mündungsgebiet in Essex wird ein Toter auf einer Sandbank gefunden. Die Wasserleiche ist in einem schlechten Zustand und auf den ersten Blick nicht zu identifizieren, zudem fehlen Hände und Füße. Detective Inspektor Lundy, der Hunter um Hilfe gebeten hat, klärt ihn schließlich über ein rätselhaftes Verschwinden auf: Seit mehreren Wochen wird der 31-jährige Leo Villiers vermisst. Der rebellische Sohn einer einflussreichen Familie aus der Gegend soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben und steht im Verdacht, Emma Darby etwas angetan zu haben - denn die Frau ist seit über sechs Monaten spurlos verschwunden.
Durch unglückliche Umstände beschließt David Hunter schließlich, in der Gegend zu bleiben und mietet ein zum Ferienhaus umgebautes Bootshaus an. Der Besitzer begegnet ihm zuerst alles andere als freundlich. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Neben einem einzelnen Fuß spülen die Gezeiten noch weitere dunkle Geheimnisse ans Land.


"Ich ging zu meinem Wagen und dachte über die Szene am Kai nach. Egal, wie oft ich das Ganze im Kopf durchging oder meine Einschätzung des Todeszeitpunkts nachrechnete, ich war nicht beruhigt." - Seite 62


Der neue Fall für den forensischen Anthropologen David Hunter hat es in sich: Diesmal führt ihn eine Wasserleiche ihn ein abgelegenes Gebiet in Essex, wo sich die Grenzen von Land und Wasser durch die Gezeiten auflösen und die überschwemmten Gebiete schnell zur Gefahr werden können. Während er versucht, den Toten zu identifizieren, wird er unfreiwillig Zeuge von rätselhaften und gefährlichen Ereignissen...
Auch in seinem fünften Band um David Hunter geht Simon Beckett wieder ins Detail: Hier gibt es wieder genaue Zustandsbeschreibungen der Toten und die Vorgehensweise eines forensischen Anthropologen. Die Obduktionen bringen wieder einiges ans Licht. Vielleicht nicht unbedingt ein Roman, den man beim Essen lesen sollte, doch lesenswert ist er allemal. In der Ich-Perspektive aus Hunters Sicht geschrieben, bekommt man neben dem Fall auch wieder einen guten Einblick in dessen Leben und in das, was ihn beschäftigt. Neben den Toten sind das auch die dunklen Geheimnisse, die die Bewohner der einsamen Gegend zu haben scheinen.
Das Cover ist schlicht und wie gewohnt in schwarz-weiß. Damit passt es perfekt zu den anderen Bänden der Reihe, die im gleichen Stil gestaltet wurden. 

Die Bände der David Hunter-Reihe


" 'Das nennen Sie also die Füße stillhalten, ja?' - Es wurde ohne Vorwurf gesagt. Aber wir wussten beide, dass das hier etwas anderes war als der Fund des Turnschuhs. Es änderte alles." - Seite 201


Mein Fazit: David Hunter ist zurück - und das mit einem sehr spannenden Fall! Von Anfang an packend, die Handlung birgt so einige Geheimnisse. In Kombination mit dem unheimlichen Schauplatz ein sehr gelungener Roman. Als Leser kann man miträtseln, was es mit den mysteriösen Geschehnissen auf sich hat. Wie sich schließlich die Puzzleteile am Schluss zusammenfügen ist mehr als überraschend. Totenfang ist wieder ein sehr guter Thriller, den man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Lesenswert!

Meine Bewertung: 



Titel: David Hunter 5: Totenfang
Autor: Simon Beckett
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 560
Verlag: Rowohlt Wunderlich

Die Bücher der David Hunter-Reihe:
Band 1 - Die Chemie des Todes
Band 2 - Kalte Asche
Band 3 - Leichenblässe
Band 4 - Verwesung
Band 5 - Totenfang


Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Rezension zu "Anton hat kein Glück" von Lars Vasa Johansson


Zum Buch
Ein Berufszauberer trifft auf Magie...

Anton ist 45 Jahre alt und arbeitet seit vielen Jahren als professioneller Zauberer. Doch er merkt, dass es mit seiner Karriere immer weiter bergab geht. Ganz anders sieht es da bei seinem ehemaligen Jugendfreund und inzwischen Erzfeind Sebastian aus - er tourt mit Antons Ex-Freundin Charlotta als Zauberer-Duo erfolgreich durchs ganze Land.
Noch ahnt er nicht, dass sich an seinem 45. Geburtstag einiges in seinem Leben ändern wird: Nach einer kurzen, einsamen Feier mit sich selbst auf einem Rastplatz und einem eher mäßigen Auftritt in einem Altenheim beschließt er, noch in der Nacht nach Hause zu fahren. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Er kommt vom Weg ab, wandert auf der Suche nach Hilfe durch einen dichten Wald und begegnet dort einem Mädchen, das ihn bittet, sieben Blumen für sie zu pflücken. Anton lehnt entnervt ab und wird danach plötzlich vom Pech verfolgt. Ein freundliches Paar, das am Waldrand lebt, klärt ihn schließlich auf: Das Mädchen ist eine Waldfee und hat Anton nun mit einem Todesfluch belegt. Anton will das alles nicht so recht glauben: Er als professioneller Zauberer glaubt er schließlich nicht an Magie...


"Nachdem ich mir die Seerosen unters Kinn geklemmt hatte, schwamm ich ans Ufer. Schließlich entstieg ich mit schwankenden Schritten dem See und sank ermattet auf einen Baumstumpf. Ich sammelte mich ein paar Minuten, bis ich merkte, dass der Stumpf Teil eines gigantischen Ameisenhaufens war." -Seite 120


Eine ereignisreiche Begegnung mit einem roten Chesterfield-Sofa bringt Antons Leben gehörig durcheinander. Ein kleines Mädchen entpuppt sich als Waldfee, die ihm seine Ablehnung sehr übelnimmt und den armen Anton verflucht. Doch es besteht die Möglichkeit, den Fluch aufheben zu lassen - was aber gar nicht so einfach ist...
Dieses Buch fällt einem schon aufgrund des besonderen Cover ins Auge: Der schwarze Umriss eines Mannes vor einem leuchtend grünen Wald - es passt perfekt zum Inhalt. Diese Geschichte ist gespickt mit einigem Humor und einer guten Portion Magie. Der etwas grummelige Anton ist mit seiner speziellen Art eine interessante Figur. Doch auch wenn er mir anfangs noch ganz sympathisch war, entwickelt er sich zwischenzeitlich auch mal zu einem etwas anstrengenden Protagonisten.
Was hier aber sehr gut gelungen ist, sind die magischen Elemente, die sehr schön in die Geschichte eingebracht wurden. Es tauchen viele interessante, skurrile Figuren auf und auch die Schauplätze sind schön beschrieben. Besonders im Wald Tiveden gibt es einigen Zauber zu entdecken.


"Wir wohnen seit sieben Monaten hier, sagte Janine. Der Spiegel hängt schon seit unserem Einzug dort, doch der Großvater hat erst vor einigen Wochen angefangen zu spuken" - Seite 225


Mein Fazit: Ein herrliche, leicht verrückte Geschichte um einen schwedischen Zauberer, der Magie bisher für unmöglich gehalten hat. Aus Sicht der Hauptfigur Anton geschrieben, gibt es immer mal wieder etwas zum schmunzeln. Kleine Schwächen gab es im Mittelteil, wo sich ein bestimmter Abschnitt etwas zog und Anton etwas anstrengend wird. Zum Glück ändert sich das zum Finale wieder, das Ende hat mir sehr gut gefallen. Eine wirklich interessante Story mit besonderem Charme!

Meine Bewertung: 



Titel: Anton hat  kein Glück (HC) / Holla die Waldfee! (TB)
Autor: Lars Vasa Johansson
Genre: Roman / Humor
Seitenanzahl: 416
Verlag: Rowohlt / Wunderlich


Eine kleine Anmerkung: Das Hardcover ist 2016 unter dem Titel Anton hat kein Glück erschieben - mit der Taschenbuchausgabe, die im Februar 2018 erschien wurde der Titel in Holla die Waldfee! geändert.

Vielen Dank an Lovelybooks und Wunderlich für das Leseexemplar und die tolle Leserunde zum Buch! :)

Sonntag, 16. Oktober 2016

Rezension zu "Geister" von Nathan Hill


Zum Buch
Die Geister der Vergangenheit...

Der 34-jährige Englischprofessor Samuel Anderson unterrichtet Literatur und führt ein eher unaufgeregtes Leben. Das ändert sich schlagartig, als er einen Anruf von der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers erhält: Mr. Rogers ist der Anwalt seiner Mutter, die vor einigen Tagen den Gouverneur und Präsidentschaftskandidaten Sheldon Packer tätlich angegriffen haben soll. Und nun bittet man Samuel für sie zu bürgen. Im ersten Moment unvorstellbar für den jungen Mann - seit zwanzig Jahren besteht kein Kontakt zu seiner Mutter. Faye Anderson hatte ihren Sohn von heute auf morgen verlassen als er elf Jahre alt war. Die schmerzhafte Erinnerung sitzt tief.
Doch da Samuel beruflich in der Klemme steckt und er darüber hinaus endlich wissen will, was damals wirklich geschehen ist, sucht er seine Mutter auf. Das Wiedersehen läuft schließlich ganz anders als erwartet - schon ihre ersten Worte wecken schmerzhafte Erinnerungen in ihm. Die Vergangenheit ist plötzlich wieder ganz nah und er macht sich auf der Suche nach der Wahrheit...


"Die Worte brennen sich tief in ihm ein, reichen Jahrzehnte zurück und machen ihn aufs Neue zu dem schüchternen Jungen, der er einst war. 'Hab keine Angst'. Das war das Letzte, was sie zu ihm gesagt hat." - Seite 79 eBook


Mit Geister hat Nathan Hill ein beeindruckendes Debüt hingelegt. Der 864 Seiten starke Roman erzählt die Geschichte von Samuel Anderson, der es nicht immer leicht im Leben hatte und nun nach zwanzig Jahren Funkstille wieder auf seine Mutter trifft.
Schon die ersten Kapitel überraschen den Leser: Denn sie sind so ganz anders, als man erwartet. Sehr besonders sind hier die Ausführungen zu Samuels aktuellem Hobby, in das man einen ausführlichen Einblick bekommt. Neben dem Hauptprotagonisten, in dessen gesamtes Leben man im Laufe der Kapitel einen sehr guten Einblick erhält, lernt man auch Samuels Mutter Faye nach und nach immer besser kennen. Die Frau, dessen Bild plötzlich überall in der Presse ist, hatte kein leichtes Leben. Was schließlich ans Licht kommt, ist sehr überraschend.
Auch alle anderen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. So unterschiedlich und manchmal skurril sie auch sind - es passt alles sehr gut zusammen. Die Geschichte wechselt regelmäßig zwischen der Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen. Dieses ist gut gewählt, denn so bekommt man einen genauen und manchmal auch sensiblen Einblick in Vergangenes, was hier eine sehr große Rolle spielt.
Im Laufe der Handlung erfährt man auch, was es mit dem Buchtitel Geister und auch dem englischen Originaltitel The Nix auf sich hat. Das fand ich persönlich sehr interessant und besonders. Auch das Cover gefällt mir unheimlich gut. Es ist so schön schlicht gehalten und passt mit dem Titel perfekt zum Inhalt des Romans.


"Warum hatte sie ihn verlassen? Das war die Frage, die ihn jahrelang Nacht für Nacht wach gehalten hatte, bis es ihm gelungen war, sie herunterzuschlucken, zu verleugnen, dass es überhaupt eine Frage gab. Sie jetzt zu stellen, ließ alles wieder hervorbrechen. Scham, Einsamkeit und Selbstmitleid erfüllten ihn." -Seite 190, eBook


Mein Fazit: Ein ganz großes Werk, beeindruckend geschrieben. Die Geschichte ist atmosphärisch dicht und psychologisch sehr spannend. Es gibt viele detailreiche Einblicke in das Leben der Charaktere - genau dieses ist dem Autor hier sehr gut gelungen. Ich war im Vorfeld ziemlich gespannt auf dieses Debüt und wurde nicht enttäuscht. Ein Roman, der gerade durch die perfekte Ausarbeitung der Figuren besticht und viele Facetten hat: Oft wird es dramatisch und mal erschütternd, dann wieder berührend und irgendwie auch spannend mit einem Ende, dass einige Überraschungen bietet. Auch wenn es zwischendurch hin und wieder kleinere Längen gab, so hat dieses außergewöhnliche Buch doch 5 Sterne verdient. Ich hoffe, wir werden in Zukunft noch viel von Nathan Hill hören und lesen! 

Meine Bewertung: 




Titel: Geister
Autor: Nathan Hill
Übersetzt von: Werner Löcher-Lawrence, Kathrin Behringer
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 864
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 04. Oktober 2016

 
Vielen Dank an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Nachtrag: Oben ist das Cover der Hardcover-Ausgabe abgebildet. Hier noch ein Bild der aktuellen Taschenbuchausgabe: