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Im Herbst des Jahres 1950 reist der junge Historiker Max
Schreiber aus seiner Heimatstadt Wien in ein kleines Tiroler Bergdorf, um mehr
über ein mysteriöses Verbrechen zu erfahren, das sich Mitte des 19.
Jahrhunderts dort ereignet hat. Als Max, der den ganzen Winter dort verbringen
will, sich bei den Dorfbewohnern umhört, stößt er auf Misstrauen und Ablehnung.
Irritiert von dem Verhalten zieht sich der 25-jährige immer mehr zurück,
konfrontiert mit der Abgeschiedenheit der Berge. Einzig eine stumme junge Frau
erweckt seine Aufmerksamkeit...
Doch eines Tages überschlagen sich die Ereignisse: Es gibt
einen seltsamen Todesfall, eine Scheune brennt bis auf die Grundmauern nieder und
der Winter hält Einzug - in diesem Jahr mit einer unglaublichen Wucht. Mit den
Schneemassen brechen tödliche Lawinen über das Dorf herein. Doch damit nicht
genug: Max Schreiber gerät unter Mordverdacht und plötzlich fehlt jede Spur von
ihm.
Über fünfzig Jahre später reist ein älterer Mann in die Gegend
mit dem Ziel, die Wahrheit herauszufinden. Was ist damals, als der Winter mit
aller Macht kam, wirklich passiert? Die Spurensuche beginnt...
"Es gibt Momente, Orte, die dir Angst machen. Du weißt, dass da etwas ist, das auf dich wartet, gesichtslos, namenlos, jenseits aller Begriffe, jenseits aller Konturen, und doch, es ist da, du spürst es, und du weißt nur eines: Es ist nichts Gutes." - Seite 20
Dieses Buch hat mir mit seinem beeindruckendem Erzählstil
sehr gefallen! Es ist eine Mischung aus Krimi, einer kleinen Liebesgeschichte
und einem großen Drama - alles angesiedelt in einem kleinen Tiroler Bergdorf.
Vor einem beeindruckendem Bergpanorama spielt sich eine Geschichte ab, die sich
langsam dramatisch zuspitzt - die unerwarteten Schneemassen spielen dabei eine traurige
Rolle...
Die Handlung hat zwei Erzählebenen: Zuerst lernen wir den
älteren Mann Mr. Miller kennen, der zu einer Reise aus den USA nach Innsbruck
aufbricht, mit der Hoffnung, dort die Wahrheit zu finden: Anfang der fünfziger
Jahre verschwand ein Verwandter spurlos. Dabei wird er immer wieder von
Erinnerungen eingeholt. Dann geht es in die Vergangenheit, ins Jahr 1950, als
sich der Wiener Historiker Max Schreiber in ein abgeschiedenes Bergdorf
aufmacht, um dort nach einem Verbrechen zu forschen, dass ein Jahrhundert
zurückliegt. Doch mit dem, was er in diesem Winter erlebt, hat er nicht
gerechnet...
Die regelmäßigen Wechsel der beiden Ebenen sind sehr gut
aufeinander abgestimmt, nach und nach kommt alles ans Licht.
Dieses Buch sticht vor allem mit einem heraus: Dem
bildgewaltigen, großartigem Erzählstil. Sehr detailreich und mit einer
poetischen Note schildert der Autor hier die Atmosphäre des kleinen Dorfes und
des Winters, dessen Idylle trügt. Gerade die Momente, als der Schnee alles
einhüllt, sind sehr aussagekräftig. Doch neben den Schauplätzen gibt es auch
eine sehr spannende Handlung, die einiges zu bieten hat. Die Sätze sind oft
verschachtelt und lang - aber gerade das macht diesen leicht poetischen
Schreibstil aus.
Das Cover -ganz in Weiß gehalten mit einer einsamen Gestalt,
die durch den Schnee stapft- ist, genau wie der Titel, sehr gut auf den Inhalt
abgestimmt.
"Und er blickt zurück zum Dorf, alles liegt unter einer dicken weißen Schneedecke, auf der die Sonne blinkt, fast schon meterhoch die Schneewände auf den Seiten der freigeschaufelten Straßen, Gassen und Wege, eine idyllische Szene, eine friedliche Szene, die nichts verrät von den Leichen, die im Keller liegen, und Schatten, die nachts ihrer Wege gehen." -Seite 249
Mein Fazit: Ein beeindruckendes Buch, dass mit seiner
wunderbaren Erzählweise überzeugt. Ein detailreich geschildertes
Winterpanorama, hinter dem sich eine tödliche Gefahr verbirgt. Dazu gibt es
noch eine packende Handlung, die einerseits sehr spannend ist, andererseits
aber -aufgrund der Katastrophe- auch berührend und traurig ist. Es gibt
ausgewählte Momentaufnahmen, in denen man die Hauptcharaktere sehr gut kennen
lernt - ihr Denken und Handeln wird bis in kleinste Detail beschrieben. Alles
ist sehr gut aufeinander abgestimmt.
Ein sehr gelungener Roman - anders, besonders und sehr
lesenswert!
Meine Bewertung:
Titel: Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod
Autor: Gerhard Jäger
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur / Krimi
Seitenanzahl: 400
Verlag: Blessing /Heyne
Vielen Dank an das Bloggerportal
und Blessing für das Rezensionsexemplar!



