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Wenn die idyllische Fassade bröckelt
Für Fine und Tim ist das malerische Fischbach vor den Toren der Großstadt das Familienparadies, von dem sie geträumt haben. Unter den anderen Eigenheimbesitzern finden sie schnell Freunde für sich und ihre Tochter. Als ein älterer Herr einen kleinen Laden für Honig, Tee und Deko eröffnet, scheint er das letzte Mosaiksteinchen im Idyll zu sein: Immer hat er ein offenes Ohr für die Mütter und einen Kakao für die Kinder.
Jeder in Fischbach liebt den Honigmann – bis ein schockierendes Gerücht über seine Vergangenheit die Runde macht. Plötzlich steht alles, das so sicher schien, zur Disposition: Freundschaften, Beziehungen, Wohlstand. Wie weit wird Fine gehen, um ihre Vorortidylle zu beschützen? (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Droemer Knaur Verlag)
Der Honigmann ist der neue Roman von Autor Peter Huth und erzählt von einer vermeintlichen Vorstadtidylle – mit einer unheimlichen Entwicklung.
Im Mittelpunkt steht das kleine Städtchen Fischbach – ein Vorort, wie er idyllischer nicht sein kann. Das einstige Dorf bekam im letzten Jahrzehnt großen Zulauf von jungen, wohlhabenden Familien aus der Stadt – so entstanden neue Wohnsiedlungen am malerischen und namensgebenden Bach.
Eines Tages zieht ein älterer Mann in den Ort und eröffnet einen kleinen Laden, in dem er neben Dekoartikeln auch rumänischen Honig und Tee verkauft. Schnell schauen die Mütter regelmäßig bei dem Honigmann vorbei und für die Kinder aus der nahegelegenen Schule hat er immer einen Kakao bereit.
„Fischbach, das ist für uns eigentlich gar kein Wohnort, sondern eine Art Ferienresort, nur eben für das ganze Leben. Dachten wir. Hier ist alles gut.“ (Tim) – Seite 18, eBook
Alles könnte so harmonisch sein, bis eines Tages ein Gerücht die Runde macht – über die Vergangenheit des Honigmanns. Plötzlich ändert sich in Fischbach einiges: Nicht nur wird der Honigmann gemieden, auch entsteht eine andere Dynamik – unerschütterliche Freundschaften bekommen Risse.
„Alles hatte sich verändert. Die Grillparty, als das Drama nur eine Andeutung über einen ominösen Brief war, lag gefühlt Monate zurück. Aber noch war nicht alles geklärt. Und das Schlimmste konnte noch kommen." – Seite 124/125, eBook
Die Handlung entwickelt sich langsam – zunächst lernt man die Hauptfiguren kennen: Diese sind drei Familien die einer kleinen Siedlung am Bach wohnen und sich zu einer Grillparty im Garten von Fine und Tim treffen. Besonders zu Beginn wird Fischbach sehr detailliert aus den Augen verschiedener Figuren beschrieben – und natürlich mit der vollkommenen Idylle, die sie alle schätzen. Doch diese beginnt schnell zu bröckeln – es werden kleine Unstimmigkeiten zwischen den Personen sichtbar und als dann noch ein dunkles Gerücht über den beliebten Honigverkäufer die Runde macht, wird plötzlich alles anders.
Überraschend ist, dass wir sehr schnell erfahren, um welches Gerücht es geht – ein Geheimnis aus der Vergangenheit des Honigmanns, wie es dunkler und schrecklicher nicht sein kann. Darum herum entwickelt sich die Geschichte weiter, es taucht eine Unsicherheit auf, wie man sich jetzt verhalten soll und natürlich brodelt es unter der Oberfläche. Bis Fine etwas lostritt, deren Ausmaße sie so nicht geplant hatte.
„Fine spürte die Blicke der anderen Gäste, als ob feine Fäden aus deren Augen zu ihr herübergeschossen würden und auf ihrem Körper landeten. Als sie über den Hof ging, (…) zog sie ein ganzes Knäuel dieser Fäden der Aufmerksamkeit hinter sich her.“ – Seite 163, eBook
Die Geschichte ist mit 256 Seiten relativ kurz und wird aus ständig wechselnden Blickwinkeln erzählt – auch von Figuren, die nur ganz am Rande vorkommen. Dieses fand ich bei der überschaubaren Romanlänge etwas zu viel. In die Leben der Hauptfiguren gibt es gerade am Anfang einen guten Einblick, jedoch blieben die immer etwas blass. Für mich waren sie nicht richtig greifbar. Auch ging der rote Faden (wo es um ein schweres und sensibles Thema geht) ab und an durch Nebensächlichkeiten verloren.
Doch trotz meiner Kritik gab es auch Abschnitte, die gut geschrieben waren und ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte.
Mein Fazit: Ein Roman, der seine Stärken und Schwächen hat. Der Schreibstil ist gut, gerade anfangs wird alles sehr detailreich beschrieben, auch bekommt man einen guten Einblick in die Idylle, die dann nach und nach anfängt zu bröckeln. Jedoch geht durch zu viele Blickwinkel und Nebensächlichkeiten der rote Faden ab und an leider etwas verloren, auch konnte ich mich mit den Figuren nicht richtig anfreunden. Manches war nicht richtig greifbar.
Dennoch gab es auch immer wieder Abschnitte, die mich dann doch wieder neugierig gemacht haben wohin alles führen wird. Ich vergebe drei Sterne für dieses Buch und kann es durchaus empfehlen.
Meine Bewertung:
Titel: Der Honigmann
Autor: Peter Huth
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 256
Verlag: Droemer-Knaur
Erstveröffentlichung: 01. August 2024




