Samstag, 30. September 2023

Rezension zu "Der Knochenwald" von Christina Henry

 

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Von Menschen und Monstern

Mattie lebt mit ihrem Ehemann William allein in einer entlegenen Berghütte. Er ist ein gewalttätiger Mensch, den die junge Frau niemals verärgern darf. Doch als Mattie im Wald die verstümmelte Leiche eines Fuchses entdeckt, weiß sie, dass die Eheleute nicht alleine in der Wildnis sind. Wer – oder was – stößt jene seltsamen Schreie in der Nacht aus? Wessen krallenbewehrte Fußabdrücke sind im Schnee um die Hütte zu sehen? Als drei Fremde auf dem Berggipfel auftauchen und im Wald nach einer geheimnisvollen Kreatur suchen, weiß Mattie, dass die Neuankömmlinge William verärgern werden. Und wenn William wütend ist, passieren wahrlich schreckliche Dinge…
(Quelle: Inhaltsangabe - Penhaligon Verlag)



Die Autorin Christina Henry ist vor allem bekannt für ihre düsteren Neuinterpretationen von Märchenklassikern, die ihr sehr gut gelungen sind. Nachdem im März 2023 der Roman Der Geisterbaum erschienen ist, folgt nun ein weiterer Roman aus dem Horror-Genre: Der Knochenwald.

Hauptfigur ist die junge Frau Mattie, die mit ihrem Mann William in einer abgelegenen Berghütte wohnt – fernab jeglicher Zivilisation. Doch die Einsamkeit ist nicht Matties größtes Problem: William ist gewalttätig – sie darf ihm niemals widersprechen, keine Fragen stellen und ihn vor allem nicht wütend machen – denn dann passiert Schlimmes.
Doch eines Tages merken sie, dass sie nicht mehr alleine in der Gegend sind – Mattie findet einen grausam zugerichteten Fuchs, dazu hören sie seltsame Schreie. Als auch noch merkwürdige Krallenspuren in der Nähe ihrer Hütte auftauchen und die beiden eine weitere grausame Entdeckung machen, hat William nur noch einen Plan: Er will die geheimnisvolle Kreatur töten.

„Ein seltsamer Schrei durchbrach die stille Luft.
Es klang nicht ganz wie das Brüllen eines Bären und auch nicht wie der Ruf eines Berglöwen oder das Kreischen eines Adlers, sondern wie eine nervenzerfetzende Kombination aus allen dreien, gemischt mit einem weiteren Ton – beinahe menschlich, aber nicht ganz.“
– Seite 17, eBook


Plötzlich tauchen drei Fremde auf dem Berggipfel auf, die ebenfalls auf der Suche nach der Kreatur sind. Mattie setzt alles daran, dass sie William nicht begegnen, denn das könnte verheerende Folgen haben – für alle. Doch kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse…

Die Geschichte ist von der ersten Seite an packend, sehr unheimlich und mit einer beklemmenden Atmosphäre. Die Handlung ist aus dem Blickwinkel von Mattie geschrieben, die in großer Angst vor ihrem Mann lebt. Ihr Leben ist bestimmt von den Regeln ihres Mannes, der schnell wütend und dann gewalttätig wird.

„Seine Eiszapfenaugen fingen ihren Blick ein, so sicher wie ein Kaninchen in der Schlinge.“
– Seite 19, eBook


Doch nach und nach tauchen immer mehr Erinnerungsfetzen auf. Aus ihrem früheren Leben – ihrer Kindheit, wo es anscheinend eine Schwester gab. Was ist damals passiert? Mit dem Auftauchen der mysteriösen Kreatur und dem Erscheinen der fremden Menschen - die Ersten die sie seit vielen Jahren sieht – verschiebt sich etwas in ihrer Wahrnehmung…

„Die Dunkelheit war zu dicht, drängte sich von allen Seiten an sie heran und machte es unmöglich, Luft zu holen.“ - Seite 33, eBook


Der Handlungsverlauf ist spannend zu verfolgen – es wird ziemlich unheimlich und auch mal grausam – dennoch kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen will, was es mit allem auf sich hat. Die Figur von Mattie ist gut ausgearbeitet – sehr detailreich schildert die Autorin von dem Schicksal der jungen Frau, das erschreckender nicht sein kann. Nach und nach kommen einige düstere Geheimnisse ans Licht. Auch die mysteriöse Kreatur gibt dem Buch nochmal eine zusätzliche, unheimliche Note. Jedoch rückt diese später etwas zu sehr in den Hintergrund. Auch wenn das Buch insgesamt sehr packend ist, war das Ende etwas ernüchternd – es bleiben so einige Fragen offen. Hier hätte ich mir gern noch ein paar Seiten mehr gewünscht.

Wie bei den anderen Romanen der Autorin ist auch hier die Covergestaltung wieder ein richtiger Hingucker.

„Der Wald war still geworden, so wie immer, wenn das Ungeheuer in der Nähe war.“ – Seite 133, eBook


Mein Fazit:
Ein packender Horrorroman – düster, spannend und ziemlich gruselig. Mit einer unheimlichen Atmosphäre, dunklen Geheimnissen und einer mysteriösen Kreatur hat Christina Henry hier wieder eine besondere Geschichte erschaffen. Auch die dünne Grenze zwischen Erklärbaren und Unerklärlichem ist sehr gut gelungen. Einzig das Ende war etwas zu abrupt und lässt einiges offen. Ich vergebe 4,5 Sterne.


Meine Bewertung:



Titel: Der Knochenwald
Autorin: Christina Henry
Genre: Horror /Mystery
Seitenanzahl: 368
Verlag: Penhaligon
Erstveröffentlichung: 20. September 2023



Vielen Dank an das Bloggerportal und Penhaligon für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 27. September 2023

Rezension zu "Holly" von Stephen King

 

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Von Verschwundenen und dunklen Abgründen


Privatermittlerin Holly Gibney steckt in einer Lebenskrise, da erhält sie einen Anruf: „Meine Tochter Bonnie ist vor drei Wochen verschwunden, und die Polizei unternimmt nichts.“ Ihre Nachforschungen führen Holly zu einer weit zurückreichenden Liste ungelöster Vermisstenfälle. Alle spielen im Umfeld eines inzwischen emeritierten Ernährungswissenschaftlers mit dem Spitznamen „Mr. Meat“. Holly hat schon gegen grausame Gegner bestanden, aber hier begegnet sie dem schlimmsten aller Ungeheuer: dem Menschen in seinem Wahn.
(Quelle: Inhaltsangabe - Heyne Verlag)





HOLLY ist der mit Spannung erwartete neue Roman von Stephen King, der am 20. September 2023 – ein Tag vor seinem 76. Geburtstag- hier in Deutschland erschienen ist.

Als Hauptfigur hat der Autor jemand ganz besonderes gewählt: Holly Gibney, die schon in der Bill Hodges-Trilogie (Mr. Mercedes / Finderlohn / Mind Control) auftauchte und zuletzt in Der Outsider und der Novelle Blutige Nachrichten eine zentrale Rolle gespielt hat. Hier steht sie nun im Mittelpunkt.
Zusammen mit ihrem Team von Finders Keepers konnte die Privatermittlerin in der Vergangenheit schon grausamen Gegnern gegenüber und konnte mysteriöse Fälle aufklären.
Doch aktuell hat Holly mit mehreren Sorgen zu kämpfen: Gerade ist ihre Mutter gestorben und muss sich um deren Nachlass kümmern, gleichzeitig ist ihr Kollege Pete Huntley an Corona erkrankt und die Pandemie noch allgegenwärtig.
Als jedoch eine verzweifelte Mutter sie bittet, ihre Tochter Bonnie zu finden, die vor drei Wochen spurlos verschwand, nimmt sie den Fall trotz eigener Probleme an – und dieser lässt sie nicht mehr los. Während ihrer Ermittlungen stößt Holly auf weitere Vermisstenfälle, die nie aufgeklärt wurden. Anfangs ahnt sie noch nicht, dass ihre Nachforschungen ihr die dunkelsten Abgründe der Menschheit aufzeigen werden…

Auch in diesem Roman siedelt Stephen King das Grauen in einem scheinbar harmlosen Viertel an – zwar nicht in Form von Übernatürlichem, aber dennoch keineswegs weniger schrecklich – es wird ziemlich heftig.

„Sobald man meint, man hätte das Schlimmste gesehen, was Menschen zu bieten haben, stellt man fest, dass man sich geirrt hat. Das Böse ist einfach grenzenlos.“ (Izzy) – Seite 473, eBook


Die Handlung ist gut und spannend aufgebaut: Neben den aktuellen Geschehnissen, die im Juli 2021 angesiedelt sind, gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, wo nach und nach erkennbar wird, wie die Täter vorgehen und was mit den Vermissten passiert ist. Neben Hollys Ermittlungen gibt es auch detaillierte Einblicke in das Leben der Opfer und Täter.
Schließlich setzten sich die einzelnen Puzzleteile aus Vergangenheit und Gegenwart zusammen und offenbaren Schreckliches…

Neben ihren Ermittlungen bekommen wir auch ein guten Einblick in Hollys Leben und ihrer Gefühlswelt. Hier lernt man die Frau, die schon gegen die schrecklichsten Gegner bestehen musste noch besser kennen. Durch den Tod ihrer Mutter kommen verdrängte Kindheitserinnerungen zurück an die Oberfläche – zudem stößt sie auf ein unglaubliches Geheimnis ihrer Mutter…

„Sie zieht die Tür zu und beobachtet durch das Fenster darin, wie Emerson zu seinem Wagen geht. Lügen, denkt sie. So viele Lügen.“ – Seite 165, eBook


Der Schreibstil ist wie gewohnt detailreich und sehr ausführlich – man kann jeden Schritt und jedes kleinste Ereignis genauestens verfolgen. Es gibt auch einige ruhige Abschnitte, dennoch bleibt diese gewisse Spannung und die unheimliche Atmosphäre die ganze Zeit über bestehen.
Überraschend fand ich zunächst, dass King hier auch die Corona-Pandemie zu einem zentralen Thema macht. Gleichzeitig verankert er dadurch aber die grausigen Geschehnisse hier in der ganz normalen Welt.

„Sie denkt daran, wie Bill Hodges mit ihr eines Tages auf der Treppe zu seinem kleinen Haus gesessen hat. Manchmal wirft uns das Universum ein Seil zu, hat er da gesagt. Wenn es das tut, musst du rauf klettern. Und nachsehen, was da oben ist.“ – Seite 194, eBook


Wer die Bill Hodges Romane und „Der Outsider“ gelesen hat wird einige weitere bekannte Figuren entdecken. Auch Barbara Robinson, mit der Holly inzwischen eine tiefe Freundschaft verbindet, taucht hier häufiger auf, was mir sehr gut gefallen hat. Zudem werden vergangene Geschehnisse immer mal wieder erwähnt. Zwar ist es natürlich von Vorteil, wenn man die Bücher kennt, jedoch kann man HOLLY auch ohne Vorkenntnisse lesen, da es eine eigene abgeschlossene Geschichte ist.


Mein Fazit:
Ein gelungener Krimi, der eine große Portion Horror enthält. Die Story ist spannend, unheimlich und lässt in die tiefsten Abgründe der Menschheit blicken. Der Erzählstil ist wie gewohnt detailreich, sehr ausführlich und die Charaktere – Gut und Böse – sind stark ausgearbeitet. Nach und nach verbinden sich die losen Fäden und ergeben schließlich ein Gesamtbild, das grausamer nicht sein kann. Sehr packend und auch mal heftig - aber sehr lesenswert.



Meine Bewertung:




Titel: Holly
Autor: Stephen King
Übersetzt von: Bernhard Kleinschmidt
Genre: Horror / Krimi
Seitenanzahl: 640
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 20. September 2023

Eine weitere Rezension findet ihr Weltenwanderer.

Vielen Dank an das Bloggerportal und Heyne für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 23. September 2023

Rezension zu "Drifter" von Ulrike Sterblich

 

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Mysteriöse Ereignisse in der Wirklichkeit


Wenzel und Killer sind Freunde seit Ewigkeiten und stehen mitten im Leben, Killer als PR-Chef einer großen Firma, Wenzel betreut die Social-Media-Kanäle eines TV-Senders. Doch alles ändert sich, als Vica in ihr Leben tritt: eine Frau in goldenem Kleid, meist begleitet von zwei treuen Adjutanten und einem riesigen Zottelhund. Mit jeder Begegnung ploppen neue Fragen auf: Woher weiß sie so viel über Wenzel und Killer? Wieso besitzt sie ein Exemplar des neuen Buchs von Drifter, einer ominösen Schriftstellerfigur, obwohl es überhaupt noch nicht auf dem Markt ist? Und wo hat ihr Hund das Tanzen gelernt? Als Vica schließlich auch noch den Wohnblock ihrer Kindheit in Beschlag nimmt, gerät die Welt der beiden Freunde ins Wanken.
Virtuos, ja geradezu fantastisch erzählt Ulrike Sterblich von zwei Freunden, deren Wirklichkeit sich zunehmend verschiebt. (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Rowohlt Verlag)



DRIFTER ist der neue Roman von Autorin Ulrike Sterblich und ist aktuell für den Deutschen Buchpreis 2023 nominiert. Dieser wird am 16. Oktober 2023 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Mich hat hier vor allem die Inhaltsangabe sehr neugierig gemacht – sehr positiv überrascht hat mich der Erzählstil, der sich sehr angenehm lesen lässt. Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Wenzel Zahn geschrieben. Er erzählt, wie sich sein Leben und das seines besten Freundes Marco „Killer“ Killmann nach dem Auftauchen einer mysteriösen Frau auf etwas schräge Weise verändert.

„Das erste Mal sah ich sie in der S-Bahn. (…)
Schwer zu sagen, was mir zuerst auffiel: der absurd riesige Zottelhund mit dem glitzernden Halsband, der zu ihren Füßen saß, ihr langes goldenes Kleid oder das Buch, in dem sie eher nachlässig herumblätterte, als darin zu lesen.“
– Seite 10/11, eBook


Doch nicht nur das außergewöhnliche Auftreten und das merkwürdige Zeichen, das sie Wenzel kurz vorm Verlassen der S-Bahn gibt, stellen ihn vor ein Rätsel: Es ist auch das Buch, das sie in den Händen hält. Ein unbekannter bzw. unveröffentlichter Roman von der geheimnisvollen Schriftstellerfigur K:B Drifter, der nirgendswo gelistet ist. Da Wenzel ein Fan von Drifter ist, forscht er nach und stößt auf Seltsames.

Nach und nach merkt Wenzel, dass sich langsam einiges in seinem und dem Leben von Killer verschiebt – besonders Killer macht nach einem kleinen Unfall einige Veränderungen durch, die für Wenzel nicht ganz nachvollziehbar sind.

„Es ist nicht so, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Aber er hat das Geschirr neu sortiert.“ – Seite 59, eBook


Auch Vica – die mysteriöse Unbekannte- taucht immer öfter auf und mietet für ihr Unternehmen einen großen Teil des alten Wohnblocks, in dem Wenzel und Killer ihre Kindheit verbracht haben. Immer mehr Fragen tauchen auf bis hin zu skurrilen Begebenheiten…

Klar und detailreich, gleichzeitig aber auch mit einer besonderen und rätselhaften Note erzählt die Autorin die Geschehnisse rund um Wenzel und seinem besten Freund. Anfangs noch überwiegend mit erklärbaren Ereignissen, wird es besonders in der zweiten Hälfte ziemlich schräg. Vica, ihre beiden Assistenten und natürlich ihr großer Hund sind sehr geheimnisvoll, aber zugleich unheimlich interessante Figuren.

„Man neigt dazu, Verbindungen zu ziehen zwischen Ereignissen.“ (Vica) – Seite 107, eBook


Und dann ist da noch das unveröffentlichte Buch von Drifter – besonders die Begebenheiten um Buch und Autor sind spannend zu verfolgen.
Zwischen den aktuellen Geschehnissen gibt es durch Erinnerungen von Wenzel immer wieder Rückblicke in seine Vergangenheit: Seine Freundschaft und Kindheitserinnerungen mit Killer, die Entdeckungen von Drifters Bücher oder auch gescheiterte Beziehungen – manches ist etwas in die Länge gezogen, aber dennoch erhält man genau durch diese Schilderungen ein Gesamtbild von Wenzels Lebensweg.

Wie schon erwähnt, wird es ab einem gewissen Punkt ziemlich skurril – die Story nimmt einen ungewöhnlichen Verlauf - mal abgedreht und dann auch etwas merkwürdig – aber immer etwas rätselhaft. Gleichzeitig haftet der Erzählung aber immer etwas Ruhiges an. Den Verlauf sowie die vielen verschiedenen Figuren muss man natürlich mögen – ich fand es irgendwie faszinierend.


Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman mit einer ziemlich schrägen Note. Von Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten über mysteriöse Zufälle bis hin zu unerklärlichen Geschehnissen – eine manchmal etwas seltsame Geschichte, die aber dennoch sehr interessant und unterhaltsam ist. Der Erzählstil ist überraschend angenehm. Bis auf Kleinigkeiten hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es allen, die gern außergewöhnliche Geschichten lesen.


Meine Bewertung:




Titel: Drifter
Autorin: Ulrike Sterblich
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 288
Verlag: Rowohlt
Erstveröffentlichung: 18. Juli 2023


Vielen Dank an den Deutschen Buchpreis und Netgalley für das Rezensionsexemplar!


Dienstag, 19. September 2023

Rezension zu "Dreizehnfurcht" von Wieland Freund

 

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Die Geheimnisse der Zwölf- und Dreizehnwelt

Momme Bang hat panische Angst vor der Zahl 13. Dann wird er ausgerechnet in einen verborgenen 13. Bezirk Berlins gelotst und landet in einer merkwürdigen Zeit, in der alle Errungenschaften der Moderne abgelehnt werden. Doch hinter der traditionalistischen Fassade dieses bizarren in der Zeit eingefrorenen Berliner Stadtteils tobt ein Machtkampf, und Momme findet sich im Zentrum einer Verschwörung wieder …

Ein verlassenes Gästehaus ist seine letzte Chance: Auf der Flucht vor seinen krankhaften Zwängen kommt Momme in dem Gemäuer als Haushüter unter. Seiner Angst vor der 13 aber entkommt er nicht: Momme entdeckt ein 13. Zimmer, das es angeblich nicht gibt. Auch scheint im Haus das Gespenst einer weißen Frau umzugehen. Auf ihrer Spur gelangt Momme in einen geheimen Stadtteil Berlins, der das Gegenteil der modernen Metropole ist: Elektrizität ist dort verboten, gegen den Fortschritt hat man die Rückkehr zu einer ewigen Wahrheit gestellt. Mommes Eindringen aber bringt die Verhältnisse ins Rutschen. Oberst Secundus Falke etwa, der den Fall Bang untersucht, spielt ebenso ein doppeltes Spiel wie ein gewisser Hinckeldey, der die radikale „Legion des Heiligen Uriel“ befehligt. Und das Schicksal des Mannes, der Momme eingeschleust hat, scheint eng verknüpft mit dem Widerstand einer Organisation namens „Die Schwestern“. Bald geht es um Leben und Tod.
(Quelle: Inhaltsangabe - Klett-Cotta - Verlag)


Dreizehnfurcht ist der neue Roman von Autor Wieland Freund und überrascht – sowohl mit einer besonderen Erzählweise als auch mit einem abwechslungsreichen Handlungsverlauf.

Zunächst lernen wir den ehemaligen Studenten Moritz „Momme“ Bang kennen. Er lebt mitten in Berlin und hat eine panische Angst vor der Zahl 13. Diese „Dreizehnfurcht" schränkt ihn in allen Bereichen seines Lebens ein. Als er sich eines Tages auf eine besondere Stellenanzeige bewirbt – als Haushüter eines alten Gästehauses am Rande von Brandenburg – ahnt er noch nicht, dass sein Leben bald eine komplette Wendung nimmt. Die gefürchtete 13 ist auch hier präsent - angefangen mit einem 13. Zimmer, das es eigentlich gar nicht gibt bis hin zu vermeintlichen Gespenstern…

„Er war so verdammt groß darin, Angst zu haben, dass er oft vergaß, sich zu fürchten.“ – Seite 49, eBook


Und plötzlich findet er sich in einem Berlin wieder, dass scheinbar aus der Zeit gefallen scheint – Dreizehneichen ist der 13. Bezirk der Stadt, in dem Strom strengstens verboten ist, auch wird jede Neuerung und Fortschritt ausgeschlossen. Selbst die Uhren ticken anders:

„Mommes Blick verschwamm. Er musste ihn erst wieder scharf stellen. Er beugte sich schwankend vor. Er erkannte eine X, eine XI, eine VII und ganz oben eine XIII.
„Die dreizehnte Stunde, Moritz“, flüsterte Wallasch. „Wenn Sie es wirklich wollen, Moritz, dann gehört diese Stunde Ihnen. Und dazu eine ganze Welt.“
– Seite 85, eBook


Während Momme versucht, sich in dem geheimen Bezirk zurechtzufinden, erfährt er nach und nach mehr über diese eigenartige Welt. Auch wird schnell klar, dass sein plötzliches Auftauchen einiges durcheinander gebracht hat. Zudem sind einige Bewohner von Dreizehneichen sonderbar – manch einer hütet gefährliche Geheimnisse, die weit reichen…

„Er war auf das Hochseil einer Lüge gestiegen, von nun an würde er über einem Abgrund balancieren. Ab jetzt wollte jeder Schritt gut überlegt sein.“ – Seite 145, eBook


Der Handlungsverlauf hat mich positiv überrascht – die Geschichte ist faszinierend anders mit einem besonderen Erzählstil, der sich der jeweiligen Welt anpasst (die „Zwölfwelt“ mit dem normalen modernen Berlin, und dem etwas antiken angestaubten Dreizehneichen, wo es die 13. Stunde gibt)

„Wallaschs Uhr zeigte halb zwölf. In einer Stunde wäre es halb 13.“ – Seite 85, eBook


Der Buchbeginn hat mir besonders gut gefallen. Als es dann in die Parallelwelt geht, bleibt zunächst vieles rätselhaft, aber nach etwas Einlesezeit bekommt man einen guten Überblick über die Lebensweise und Geschehnisse in Dreizehneichen. Genauso speziell wie der Ort sind auch deren Bewohner, von denen einige ganz eigene, finstere Pläne schmieden.
Spannend zu verfolgen ist, wie sich nach und nach einzelne Fäden aus beiden Welten zusammensetzen und ein interessantes Bild ergeben. Etwas schade ist, dass einzelne starke Figuren vom Anfang später etwas zu sehr in den Hintergrund geraten. Ansonsten hat mir das Geheimnisvolle und Rätselhafte, was der ganzen Geschichte anhaftet, gut gefallen.

Sehr gelungen ist die Covergestaltung, die mich sofort angesprochen hat. Zudem gibt es hinten im Buch noch zwei Karten - von Dreizehneichen und dem heutigen Berlin mit seinen zwölf Bezirken.

Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman – faszinierend anders und mit einem besonderen Erzählstil. Interessante Charaktere, eine außergewöhnliche Welt und gut platzierte Fantasyelemente machen den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Nach etwas Einlesezeit findet man sich gut zurecht, spannende und ruhigere Abschnitte wechseln sich ab. Trotz kleinerer Schwächen hat mir das Buch sehr gut gefallen und empfehle es gern weiter.


Meine Bewertung:




Titel: Dreizehnfurcht
Autor: Wieland Freund
Genre: Fantasy / Phantastik
Seitenanzahl: 448
Verlag: Hobbitpresse / Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 16. September 2023


Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar!