![]() |
| Zum Buch |
Ein Buchdiebstahl und dunkle Geheimnisse
June Hayward und Athena Liu könnten beide aufstrebende Stars der Literaturszene sein. Doch während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena für ihre Romane gefeiert wird, fristet June ein Dasein im Abseits. Niemand interessiert sich für Geschichten "ganz normaler" weißer Mädchen, so sieht es June zumindest.
Als June Zeugin wird, wie Athena bei einem Unfall stirbt, stiehlt sie im Affekt Athenas neuestes, gerade vollendetes Manuskript, einen Roman über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des Ersten Weltkriegs.
June überarbeitet das Werk und veröffentlicht es unter ihrem neuen Künstlernamen Juniper Song. Denn verdient es dieses Stück Geschichte nicht, erzählt zu werden, und zwar egal von wem? Aber nun muss June ihr Geheimnis hüten. Und herausfinden, wie weit sie dafür gehen will.
(Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)
YELLOWFACE ist das neue Buch der Bestsellerautorin Rebecca F. Kuang, die mich im letzten Jahr bereits mit ihrem Roman BABEL begeistern konnte. Dementsprechend gespannt war ich auf ihr neues Werk, das einige Überraschungen im Verlauf bereithält.
Hauptfiguren sind die beiden jungen Schriftstellerinnen June Hayward und Athena Liu. Während Athena mit siebenundzwanzig schon drei Romane veröffentlicht hat und sehr erfolgreich ist, bleibt der gewünschte Erfolg bei June aus. Ihr Debüt geriet schnell in Vergessenheit – der Neid auf Athenas Ruhm ist groß.
Doch eines Abends überschlagen sich die Ereignisse: June wird Zeugin, als Athena stirbt – durch einen dramatischen Unfall. Noch während sie unter Schock steht, stiehlt sie aus Athenas Schreibzimmer deren neuestes Manuskript mit dem Titel Die letzte Front, das die Geschichte der chinesischen Arbeiter im Ersten Weltkrieg erzählt. Niemand hat es bisher gelesen.
June widmet sich dem Manuskript und bearbeitet es, um es schließlich als ihr Werk auszugeben – unter dem Pseudonym Juniper Song. Und plötzlich steht sie im Mittelpunkt – alle sind davon überzeugt, dass ihr Buch der neue Bestseller wird. Doch je weiter das Projekt voranschreitet, desto größer wird Junes Angst, dass ihr Geheimnis auffliegen könnte. Wie weit wird sie gehen um dieses zu bewahren?
„Eine Lüge lässt sich am besten vor aller Augen verstecken.“ – Seite 48, eBook
Der Roman hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Juniper „June“ Hayward geschrieben, die uns ihre Geschichte selbst erzählt. Wir erfahren, wie sie Athena in frühen Collegejahren kennengelernt hat und wie diese zur Bestsellerautorin wurde. Gleichzeitig wird aber auch Missgunst und Neid auf Athena deutlich. Als es dann schließlich zu einem Unfall kommt (und WAS für ein Unfall!) stiehlt June kurzerhand Athenas gerade fertiggestelltes Manuskript an sich und beschließt, es als ihr eigenes Buch auszugeben – was Folgen hat…
Der Schreibstil von Rebecca F. Kuang ist detailreich und bildgewaltig, die Geschichte sehr facettenreich mit vielen aktuellen Themen. Anfangs sind die Verlagsarbeit und die Buchentstehung zentrale Punkte. Besonders packend zu verfolgen ist, wie Athenas Manuskript langsam immer mehr zu Junes Buch wird und sie sämtliche Erkennungsmerkmale überarbeitet.
„Aber dann machte ich einfach weiter. Ich konnte nicht aufhören. Man sagt, es sei viel einfacher, einen schlechten Entwurf zu überarbeiten, als eine leere Seite zu füllen, und es stimmt – ich bin in diesem Moment überzeugt von meiner Arbeit. (…) Ich erkenne, wo das Tempo nachlässt und streiche die abschweifenden Lückenfüller gnadenlos raus. Ich ziehe den roten Faden in die Länge, wie einen hellen, kraftvollen Ton. Ich räume auf; ich stutze und verschönere; Ich lasse den Text singen.“ – Seite 33, eBook
Aber auch Junes Zerrissenheit zwischen Gewissensbissen und die Gier nach Erfolg und Anerkennung (die meist die Oberhand gewinnt) ist spannend zu verfolgen – und gleichzeitig ziemlich unheimlich. Nach und nach lernen wir sowohl June als auch Athena besser kennen und jede hat so ihre dunklen Geheimnisse.
Interessant ist der Verlauf, der sich ziemlich überraschend entwickelt – denn Junes Erfolg hat auch Schattenseiten und löst hitzige Debatten, Diskussionen und einen großen Shitstorm aus. Es wird manchmal etwas beklemmend, dann bitterböse bis hin zu Entscheidungen von June, die sie immer tiefer in das Lügengeflecht ziehen…
„Die Realität entgleitet mir, und ich hänge nur noch an einem seidenen Faden.“ – Seite 258, eBook
Zwischen Wahrheit und Lüge, von Missgunst und Schuldgefühlen und die Gier nach Erfolg, von Diskriminierungen, Rassismus und der Macht von Social-Media bis hin zu Realitätsverlust – der Roman hat einiges zu bieten, ist nicht immer einfach und regt zum Nachdenken an. Neben ruhigeren Abschnitten die aber gleichzeitig eine unheimliche Atmosphäre haben, gibt es viele auch spannende Abschnitte, die sich lesen wie ein Krimi.
Noch zur Buchgestaltung: Ich habe das eBook gelesen, aber die wunderschöne Printausgabe schon in der Buchhandlung bewundert. Der farbige Buchschnitt in schwarz-gelb passt perfekt zum schlichten aber ziemlich auffälligen gelben Cover. Unter dem Schutzumschlag gibt es noch eine Besonderheit: Auf dem Buchdeckel ist der Titel des gestohlenen Manuskriptes Die letzte Front abgeduckt – mit Juniper Song als Autorin und dem durchgestrichenen Namen von Athena Liu.
Mein Fazit: Rebecca F. Kuang überzeugt in ihrem neuen Roman wieder mit einem detaillierten und klaren Schreibstil. Im Mittelpunkt stehen ein gestohlenes Manuskript und zwei Autorinnen zwischen Neid und Ruhm – eine Geschichte die sich so spannend wie ein Krimi liest.
Die Handlung hat einiges zu bieten vielen aktuellen Themen, die nicht immer einfach sind. Dennoch ist die Geschichte unheimlich spannend zu verfolgen, richtig interessant und regt zum Nachdenken an. Eine Leseempfehlung!
Meine Bewertung:
Titel: Yellowface
Autorin: Rebecca F. Kuang
Übersetzt von: Jasmin Humburg
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 384
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 29. Februar 2024
Autorin: Rebecca F. Kuang
Übersetzt von: Jasmin Humburg
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 384
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 29. Februar 2024
Vielen Dank an den Eichborn-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen