Dienstag, 30. April 2019

Rezension zu "The Hate U Give" von Angie Thomas

Zum Buch

Ein Mädchen – zwei Welten

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen... (Quelle: Klappentext)



„Meine Eltern haben mir beigebracht, die Polizei nicht zu fürchten, sondern mich in ihrer Gegenwart einfach klug zu verhalten. Sie haben mir erklärt, dass es nicht klug ist, sich zu bewegen, während ein Cop dir den Rücken zudreht. Khalil macht genau das.“ – Seite 32


The Hate U Give stand schon länger auf meiner Wunschliste – nun ist das Buch bei mir eingezogen und ich habe es sofort gelesen. Hauptfigur hier ist das sechzehnjährige Mädchen Starr Carter, dessen Leben sich an einem Abend dramatisch ändert: Sie ist dabei, als Khalil – ihr bester Freund seit Kindertagen- erschossen wird. Gerade diese Szene wird eindringlich geschildert und die Umstände machen fassungslos. Erschreckend ist, wie schnell Khalil aufgrund seiner Hautfarbe anders behandelt und abgestempelt wird.  Es ist spannend zu verfolgen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und wie dieser Fall eine Lawine los tritt, die schließlich zur Gefahr für Starr und ihre Familie wird. Sie muss eine schwere Entscheidung treffen: Reden oder schweigen?
Mit Starr Carter hat die Autorin eine starke Hauptfigur geschaffen – in der Ich-Perspektive aus Starrs Sicht geschrieben, erfährt der Leser genau, was in dem Mädchen vorgeht. Ihr Weg ist spannend zu verfolgen, denn hat ihr Leben in zwei Teile geteilt: Die Starr, die auf die Privatschule geht, die fast ausschließlich Weiße besuchen, ist anders als die echte Starr, die zu Hause das Mädchen sein kann, die sie ist. Doch es wird zunehmend schwieriger die beiden Welten zu trennen…


„Ich hoffe, dass mich keiner nach meinen Ferien fragt. Die anderen waren in Taipeh, auf den Bahamas, in der Harry Potter World. Ich bin in meinem Viertel geblieben und habe mit angesehen, wie ein Cop meinen Freund erschoss.“ – Seite 92


Das Buch lässt sich flüssig lesen, man lernt Starrs Umgebung, ihr Umfeld und ihre Familie sehr gut kennen. Auch viele Hintergründe aus der Vergangenheit von ihrem Vater werden nach und nach geschildert und geben Antworten auf anfangs auftauchende Fragen. Es wird dramatisch und traurig, aber es gibt ab und an auch mal glückliche Momente – auf jeden Fall ist es ein Buch, das zum Nachdenken anregt.
Auch was es mit dem Titel The Hate U Give auf sich hat und wie er sich zusammensetzt, erfährt man im Laufe der Geschichte.

Mein Fazit: Ein packendes Drama, das sehr gut geschrieben ist und zum Nachdenken anregt. Mit der jungen Starr hat die Autorin eine starke Hauptfigur erschaffen, die Schlimmes erlebt hat, aber nicht aufgibt. Die Handlung ist detailreich, dramatisch und spannend – das Buch lässt sich nur schwer aus der Hand legen. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 




Titel: The Hate U Give
Autorin: Angie Thomas
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 512
Verlag cbj



Samstag, 27. April 2019

Rezension zu "Niemalswelt" von Marisha Pessl

Zum Buch

Gefangen in der Niemalswelt…

Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist wirklich passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen – bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt. Der Schlüssel zur Entscheidung scheint Jims Tod zu sein – in ihrer Verzweiflung beginnen die Freunde nachzuforschen, was wirklich mit ihm passiert ist, in jener Nacht, in der er in den Steinbruch stürzte. Und langsam wird klar, dass sie alle etwas zu verbergen haben …  (Quelle: Klappentext)


Er hatte keinen Schirm bei sich und es stand kein fremdes Auto in der Einfahrt. Wie war er dann hierher gekommen, ohne auch nur einen Tropfen abzukriegen? Die Frage hing beunruhigend in der Luft wie ein diffuser Gasgeruch.
„Ihre seid alle tot“, sagte er. – Seite 42


Als ich den Klappentext von Niemalswelt gelesen habe war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Hauptfigur ist Beatrice „Bee“ Hartley, die sich nach dem Tod ihrer großen Liebe Jim Mason von ihren Freunden zurück gezogen hatte. Nun trifft sie Whitley, Martha, Kipling und Cannon wieder und gerät in mit ihnen in die Niemalswelt – eine Zeitschleife zwischen Leben und Tod. Die Handlung ist in drei Teile aufgeteilt und in der Ich-Perspektive aus Sicht von Bee geschrieben. Die Niemalswelt, die von dem Wächter  -einem geheimnisvollen Mann- bewacht wird, wird mit ihren besonderen Begebenheiten sehr gut geschildert. Auch wenn die Idee der Geschichte mit der Zwischenwelt sehr gut ausgearbeitet ist und es viele spannende Momente gibt, konnte ich mich zunächst mit den Charakteren nicht wirklich anfreunden. Die Freunde von Bee fand ich in der ersten Hälfte des Romans allesamt zu übertrieben skurril und unnahbar. Dieses legt sich zum Glück später. Besonders gefallen hat mir daher die zweite Hälfte des Romans, in dem sich das Rätsel um Jims Tod löst und so manches Geheimnis der Charaktere ans Licht kommt. Es wird überraschend!


„Wir sind alle Anthologien. Wir sind Tausende von Seiten lang, voller Märchen und Poesie, Geheimnisse und Tragödien und vergessener Geschichten ganz am Ende, die nie jemand lesen wird.“ – Seite 374


Unbedingt erwähnenswert ist noch die Buchgestaltung: Neben einem wunderschönen Cover auf dem Buchumschlag ist auch das Buch selbst sehr schön gestaltet. Ein schöner Hingucker! 




 
Mein Fazit: Ein packender Roman, der voller Rätsel und dunkler Geheimnisse steckt. Die Niemalswelt enthält ein spannendes Szenario und die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden Pageturner. Bis auf kleine Schwächen bei den Charakteren in der ersten Hälfte ist es ein gelungenes Buch!


Meine Bewertung: 




Titel: Niemalswelt
Autorin: Marisha Pessl
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 384
Verlag: Carlsen

Dienstag, 23. April 2019

Rezension zu "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky

Zum Buch

Was man von hier aus sehen kann…

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.
Was man von hier aus sehen kann ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan …
(Quelle: Inhaltsangabe - Dumont Verlag)


„Alle im Dorf wussten, dass der Optiker Selma liebte – der Optiker aber wusste nicht, dass alle es wussten. Er dachte immer noch, dass seine Liebe zu Selma eine Wahrheit wäre, die sich verbergen ließe, und alle fragten sich seit Jahren, wann der Optiker, endlich damit herausrücken würde, mit etwas, das längst herausgerückt war.“ – Seite 55, eBook


Was man von hier aus sehen kann ist ein Buch, das ich schon lange lesen wollte und gehört mit zu jenen Geschichten, dessen Charaktere dem Leser sofort ans Herz wachsen. Im Mittelpunkt stehen neben Selma noch ihre Enkelin Luise, der Optiker (der lange namenlos bleibt) und Alaska, der riesengroße Hund. Die Handlung ist in der Ich-Perspektive aus Luises Sicht geschrieben und ist in drei Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt beginnt in Luises Kindheit, im Jahr 1983. Später gibt es dann einen Sprung in ihr junges Erwachsenenalter. Zunächst lernt man Selma, das kleine Dorf und dessen Bewohner sehr gut kennen und auch, was  ihr bedeutungsvoller Traum mit dem Okapi bei den Menschen auslöst. Die Geschichte ist oft herzerwärmend und schön erzählt, aber auch mal traurig und nachdenklich. Doch die lockere Art bleibt während der ganzen Zeit erhalten und es gibt einen sehr interessanten Verlauf.


„Luise“, rief Frederik, „was ist eigentlich ein Okapi?“
Ich drehte mich um. „Das Okapi ist ein abwegiges Tier, das im Regenwald lebt“, rief ich, „es ist das letzte Säugetier, das der Mensch entdeckt hat. Es sieht aus wie eine Mischung aus Zebra, Tapir, Reh, Maus und Giraffe.“
„Hab ich noch nie von gehört“, rief Frederik. – Seite 102, eBook


Mein Fazit: Ein wundervolles Buch mit Charakteren, die dem Leser sofort ans Herz wachsen. Die Geschichte ist mal locker und humorvoll, aber auch mal traurig und berührend – aber immer herzerwärmend. Von allem die richtige Mischung. Mir hat es sehr gut gefallen und kann es allen empfehlen, die besondere Geschichten mögen!


Meine Bewertung: 








Titel: Was man von hier aus sehen kann
Autorin: Mariana Leky
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 320
Verlag: Dumont
Erstveröffentlichung: 18. Juli 2017

Donnerstag, 18. April 2019

Rezension zu "Die Legenden der Albae: Die vergessenen Schriften" von Markus Heitz

Zum Buch



Die Legenden der Albae - Erzählungen

SPIEGEL-Bestseller-Autor Markus Heitz führt alle Fans der Albae in neue Abenteuer und enthüllt die Geschichten, die in den Romanen noch nicht beleuchtet wurden. Diese Erzählungen künden von den Eroberungen der Dorón Ashont, Horgàtas Kampf gegen die Elbinnen, den Zeitaltern der Niederlagen und Siege. In »Die Vergessenen Schriften« werden Geheimnisse gelüftet, Schicksale geklärt und von legendären, vergessenen Taten der dunklen Geschöpfe berichtet. 
(Quelle: Inhaltsangabe vom Verlag)





„Als sich vier Reiterinnen anschickten, auf sie einzuschwenken, trotz der Geschosse, die iher Schilde und Rüstungen durchdrangen, musste die Albin erneut ihre besondere Kraft einsetzen. Sie sammelte blitzartig die in ihr steckende Magie und wandelte sie in abgrundtiefe Furcht.“ – Seite 102/103


Der 5. Band der Legenden der Albae enthält die gesammelten Werke des bekannten Albs Carmondai  - dem Schriftmeister der Albae. Die Figur des Carmondai fand ich in den Romanen immer besonders interessant. Er taucht meist immer am Rande auf, aber ist dennoch eine zentrale Figur, dessen Ziel es ist, möglichst viele legendäre Momente und besondere Leistungen der Albae festzuhalten – in Schriften und Bildern. Dieses Buch enthält über zwanzig Kurzgeschichten  –  viele davon lüften die letzten Geheimnisse rund um die Albae und enthüllen neben einzelnen unbekannten Abenteuern auch, was mit manchen Nebenfiguren  geschehen ist. Mit dabei sind neben Carmondai selbst auch die bekannten Albae Sinthoras und Caphalor. Aber auch über die anderen Bewohner und Kreaturen  des Jenseitigen Landes werden letzte Geheimnisse enthüllt – wir erfahren beispielsweise, wie es den Dorón Ashont (auch als Wandelnde Türme bekannt) gelang, die Albae zu besiegen.
Markus Heitz klärt letzte Rätsel und Vergessenes aus den Romanen auf und hat hier eine spannende Sammlung von einzelnen Erzählungen zusammengestellt.


„Der größte Moment der Unendlichkeit wurde zugleich der dunkelste für die Albae.“ – Seite 327



Mein Fazit: Ein gelungener Band voller spannender Erzählungen, die auch die letzten Geheimnisse rund um die Albae lüften. Es wird wie gewohnt dunkel, packend-düster und auch mal grausam. Für alle, denen die Romane um die Legenden der Albae gefallen haben, sind Die vergessenen Schriften eine tolle Ergänzung! 


Meine Bewertung: 





Titel: Die Legenden der Albae 5: Die vergessenen Schriften
Autor: Markus Heitz
Genre: High-Fantasy / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 592
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 2013
Neuveröffentlichung als Sammelband: 02. Oktober 2018

Hier eine Übersicht der einzelnen Bände der Zwergen- und Albae-Reihe:

Die Legenden der Albae:


Band 1 - Gerechter Zorn
Band 2 - Vernichtender Hass
Band 3 - Dunkle Pfade
Band 4 - Tobender Sturm
Band 5 - Die vergessenen Schriften (Erzählungen)
Band 6 - Dunkles Erbe

Die Zwergen-Saga:

Band 1 - Die Zwerge
Band 5 - Der Triumph der Zwerge 
Band 6.1 - Die Rückkehr der Zwerge 1
Band 6.2 - Die Rückkehr der Zwerge 2
Band 7.1 - Das Herz der Zwerge 1
Band 7.1 - Das Herz der Zwerge 2


Sonntag, 14. April 2019

Rezension zu "Herkunft" von Sasa Stanisic

Zum Buch

Über Herkunft und Heimat…

HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.
HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.
HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.
In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.
Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić. (Quelle: Inhaltsangabe - Luchterhand Verlag)


„Diese Geschichte beginnt mit dem Befeuern der Welt durch das Addieren von Geschichten.
Nur noch eine! Nur noch eine!
Ich werde einige Male ansetzen und einige Enden finden, ich kenne mich doch. Ohne Abschweifung wären meine Geschichten überhaupt nicht meine. Die Abschweifung ist Modus meines Schreibens. My own Adventure.“ – Seite 34, eBook


Auf dieses besondere Buch aufmerksam wurde ich durch einen Bericht im Rahmen der Leipziger Buchmesse – der unheimlich gut geschriebene Klappentext führte dazu, dass ich dieses Buch sehr  gern lesen wollte.
Herkunft ist ein Buch mit einer guten Mischung aus vielen biografischen Abschnitten und interessanten Essays, in denen Saša Stanišić über Momente aus seinem Leben und das seiner Vorfahren erzählt. Besonders seine Groß- und Urgroßeltern spielen dabei eine zentrale Rolle. Er berichtet über Erlebnisse aus seiner Kindheit in Jugoslawien – einem Land, das es heute nicht mehr gibt, über die Flucht vor dem Bosnienkrieg, die ihn und seine Eltern 1992 nach Heidelberg führte und über die Bedeutung von Heimat und Herkunft.
Zentrale Punkte in dem Buch sind u.a. sein Besuch bei seiner Großmutter im Jahr 2009 in Visegrad. Sie zeigt ihm ein Ort, mit dem sie viele Erinnerungen verbindet: Oskorusa - ein kleines Dorf in den bosnischen Bergen, in dem nur noch dreizehn Menschen leben.


„Ihre Hände, dieses Haus, Oskorusa. Der bitter-süße Tag mit den Lebenden und den Toten, einer leibhaftigen Schlange oder einem symbolischen Tier. Das Picknick am Grab meiner Urgroßeltern. Das alles ist eine Art Urszenerie geworden für mein Selbstporträt mit Ahnen. Es ist auch ein Porträt meiner Überforderung mit dem Selbstporträt.“ – Seite 45, eBook


Saša Stanišić erzählt über Herkunft und was diese bedeutet. Der Schreibstil ist locker – gleichzeitig aber auch detailreich und fesselnd. Nach und nach erfährt der Leser etwas über das Thema Herkunft und wie viele Facetten diese eigentlich hat. Daneben schildert der Autor, der heute in Hamburg lebt, viele interessante und auch mal rührende Anekdoten aus dem Leben seiner Verwandten und natürlich aus seinem eigenen Leben: Begegnungen, Momente und Erinnerungen. Mal wahr und mal fiktiv. Gleichzeitig regt das Buch aber auch zum Nachdenken an.

Das Buch ist nicht chronologisch geschrieben – die Blickwinkel wechseln ständig zwischen verschiedenen Momenten in Vergangenheit und Gegenwart. Eigentlich finde ich diese Art oftmals sehr verwirrend, hier aber nicht. Dieser Stil passt zu diesem besonderen Roman sehr gut.


Mein Fazit: Ein besonderes Buch, das mit seiner Mischung aus Erzählungen und vielen biografischen Abschnitten mitreißend geschrieben ist. Im lockeren Schreibstil erzählt Saša Stanišić über die Herkunft und dessen Bedeutung, schildert Begebenheiten aus seinem Leben und das seiner Ahnen. Mal interessant, mal anrührend und mal ernst, mal zum Staunen und Nachdenken – alles ist dabei. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 




Titel: Herkunft
Autor: Saša Stanišić
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur / Erzählungen / Biografie
Seitenanzahl: 360
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 18. März 2019



 Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!