Sonntag, 30. Juli 2023

Rezension zu "Das Kloster des geheimen Baumes - Die Thronfolgerin" von Samantha Shannon

 

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Das Kloster des geheimen Baumes – Band 1

Die Drachen erheben sich, um Verderben über die Menschheit zu bringen – die Vorgeschichte des Bestsellers Der Orden des geheimen Baumes.

Zwei Frauen stehen am Scheideweg ihres Schicksals – und ahnen nicht, dass sich ihre Wege kreuzen werden. Das größte Problem von Glorian, der zukünftigen Herrscherin von Ynis, scheint es zu sein, sich für einen zukünftigen Prinzgemahl zu entscheiden. Gleichzeitig erfährt im fernen Seiiki am anderen Ende der Welt die junge Dumai, dass sie die Tochter des Kaisers ist, und muss sich völlig unvorbereitet den Intrigen des Hofes stellen. Doch all die Machenschaften der Sterblichen werden unwichtig, als auf dem Gipfel des Furchtberges drei Drachen ihre Schwingen ausbreiten, um Verderben über die Menschheit zu bringen …
(Quelle: Inhaltsangabe - Penhaligon Verlag)



Das Kloster des geheimen Baumes
ist die neue High Fantasy-Dilogie von Samantha Shannon – im Auftaktband Die Thronfolgerin und dem Folgeband Die Drachenreiterin erzählt sie die Vorgeschichte der Reihe Der Orden des geheimen Baumes.

Die Thronfolgerin ist mein erster Roman der Autorin und gibt schon auf den ersten Seiten einen faszinierenden Einblick in die komplexe Fantasy-Welt.
Vorne im Buch sind mehrere Karten abgebildet, die einen guten Überblick über die einzelnen Königinnen-Reiche und deren Lage geben – im Anschluss an den Roman findet man zusätzlich noch ein Personenregister, ein Glossar und eine Zeittafel.

Zunächst gibt es einen etwas längeren Prolog, der verschiedene Begebenheiten in der Vergangenheit erzählt, bevor die Geschichte in der Gegenwart – mehrere Jahre später- beginnt.

Im Mittelpunkt stehen mehrere Personen aus verschiedenen Reichen – u.a. Prinzessin Glorian, die eines Tages die Herrscherin vom westlich gelegenen Ynis werden wird. Bald stehen Veränderungen an und sie muss entscheiden, wen sie einmal heiraten wird. Auch das Leben von Dumai, die ihr bisheriges Leben abgeschieden auf dem Berg Ipyeda im Osten verbracht hat, ändert sich schlagartig, als sie erfährt, dass sie die Tochter des Kaisers von Seiiki ist. Der Hof hält einige Herausforderungen für sie bereit, nicht alle sind ihr wohlgesonnen.

„Der Hof ist ein Ort, wo die Schicksale aufblühen wie Blüten im Frühling und vergehen wie Blätter im Herbst.“ – Seite 176, eBook


Auch weit im Süden, wo seit Jahrhunderten eine geheime Priorei liegt, die einen wertvollen Baum bewacht, tut sich einiges: Die Schwester Tunuva, ihre Lebensgefährtin Esbar und deren Tochter Siyu spielen zentralen Rollen. Genauso wie der junge Wulfert Glenn, der seit einiger Zeit in den Diensten von König Bardholt steht, der über das im Norden liegende Hróth herrscht.

„Er schaute den Schwurwald an, und der Schwurwald blickte zurück. Blind und allsehend. Seelenlos und ewig und lebendig.“ – Seite 170, eBook


Doch all die menschlichen Probleme treten in den Hintergrund, als plötzlich an verschiedenen Teilen des Landes seltsames passiert: Drachen erheben sich und mysteriöse Anzeichen deuten darauf hin, das schlimmes bevorsteht – schließlich kreuzen sich die Wege einiger Figuren…

„Die Gegenwart entglitt ihr.“ – Seite 151, eBook


Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich in dieser detailreichen Geschichte mit ihrer komplexen Fantasywelt zurechtgefunden habe. Von den vielen verschiedenen Orten über bestimmte Begriffe, Stammbäume und die unterschiedlichen Lebensweisen der Königinnenreiche – es gibt einiges zu entdecken, daher sollte man sich etwas Zeit nehmen beim Lesen. Doch es hat sich gelohnt – ich war sofort fasziniert von dieser besonderen Geschichte in einer sehr interessanten Welt, die einiges zu bieten hat.
Das Buch beginnt zunächst eher langsam und nimmt etwa nach der Hälfte an Fahrt auf, wo einiges passiert. Doch vorher lernt man die wichtigsten Personen besser kennen.

Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen verschiedenen Blickwinkeln der Hauptfiguren, die im ganzen Reich verstreut sind. So behält man einen sehr guten Überblick über die Geschehnisse im Osten, Westen, Norden und Süden des Landes. Nach und nach passiert einiges – es wird gefährlich, abenteuerlich und überraschend.

Von besonderer Magie und geheimen Orten, von Sagen, Mythen, Drachen und längst Vergessenem - es wird interessant und spannend.


Mein Fazit: Ein gelungener Auftakt der neuen High-Fantasy Dilogie von Samantha Shannon – angesiedelt in einer komplexen, aber faszinierenden Welt. Von detaillierten Schauplatzbeschreibungen, über gut ausgearbeitete Charaktere bis hin zu mysteriösen Geschehnissen im ganzen Land – es gibt einiges zu entdecken. Die Geschichte ist umfangreich mit vielen Details, man sollte sich daher etwas Zeit nehmen. Doch es lohnt sich. Ein lesenswertes Buch, das neugierig auf die Fortsetzung macht.



Meine Bewertung:




Titel: A Day of Fallen Night 1 - Das Kloster des geheimen Baumes: Die Thronfolgerin
Autorin: Samantha Shannon
Übersetzt von: Wolfgang Thon
Genre: High-Fantasy
Seitenanzahl: 640
Verlag: Penhaligon
Erstveröffentlichung: 12. Juli 2023



Die Bücher:

A Day of Fallen Night - Das Kloster des geheimen Baumes
(Prequel/ Vorgeschichte)
Band 1 - Die Thronfolgerin
Band 2 - Die Drachenreiterin ~ erscheint am 16. August 2023


The Priory of the Orange Tree - Der Orden des geheimen Baumes
Band 1 - Die Magierin
Band 2 - Die Königin



Vielen Dank an das Bloggerportal und Penhaligon für das Rezensionsexemplar!


Montag, 24. Juli 2023

Rezension zu "Nincshof" von Johanna Sebauer

 

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Vom Vergessen und Erinnern und dem Dorf im Schilf

Nincshof, ein kleines Dorf an der österreichisch-ungarischen Grenze, soll vergessen werden. So der Plan dreier Männer, die sich „die Oblivisten“ nennen und raus wollen aus der hektischen Zeit. Wenn niemand mehr von ihnen weiß, können sie und das ganze Dorf in Freiheit und Ruhe leben. Laut Legende ist das in Nincshof schon einmal so gewesen. Ausgerechnet die alte Erna Rohdiebl soll dabei helfen, dass dieses Vorhaben gelingt, denn die drei Männer glauben, dass die alte Frau die Freiheit im Blut hat und daher genau die Richtige für ihre Bewegung ist. Erna Rohdiebl wiederum hat in ihrem langen Leben selten Dümmeres als die Idee zu verschwinden gehört, aber ihre Neugierde siegt. Abend für Abend poltern die Oblivisten an ihre Eckbank und plotten bei Speckbroten und Pusztafeigenschnaps ihr Verschwinden. Alles scheint nach Plan zu verlaufen. Wenn da nicht die Neuen aus der Stadt wären. Ein turbulenter Sommer nimmt seinen Lauf!
(Quelle: Inhaltsangabe - DuMont Verlag)


Nincshof ist der Debütroman von Johanna Sebauer und überrascht mit einer außergewöhnlichen Geschichte und einem besonderen Schreibstil.

Im Mittelpunkt steht das kleine Dorf Nincshof. Es liegt im Burgenland an der österreichisch-ungarischen Grenze mit nur wenigen hundert Einwohnern. Alles geht seinen gewohnten Gang – bis zu dem Sommer, in dem Pläne geschmiedet werden, eine Legende wieder in den Vordergrund rückt und Vergangenes an die Oberfläche kommt.

„Nincshof ist das Dorf. Auf den ersten Blick, wie jedes Dorf, in keiner Weise besonders. Auf den zweiten, wie jedes Dorf, einzigartig.“ – Seite 10, eBook


Die fast achtzigjährige Erna Rohdiebl ist die Erste, die von dem verrückten Plan der drei Dorfbewohner erfährt, die dich die Oblivisten nennen: Sie möchten, dass Nincshof vergessen wird, damit sie zukünftig in aller Ruhe, fernab von Fahrradtouristen und Verpflichtungen, leben können. Dafür haben sie bereits einiges in die Wege geleitet. Erna betrachtet das alles mit einer gewissen Skepsis, aber da in Nincshof sonst nicht viel passiert und sie sehr neugierig ist, hört sie sich die Pläne der drei Männer an, die jeden Abend auf ihrer Eckbank zusammenkommen.

Dann ist da noch die ehemalige Filmemacherin Isa Bachgasser, die mit ihrer Familie aus der Stadt in die umgebaute Mühle am Dorfrand gezogen ist. Zunächst ist sie unsicher, was das neue Leben im Dorf angeht – auch den Plänen ihres Mannes, der als ehemaliger Architekt plötzlich Irrziegen züchten will, steht sie skeptisch gegenüber.
Eines Tages entdeckt Isa beim Joggen zufällig ein altes rostiges Schild, dessen eingravierte Sätze ihr einige Rätsel aufgeben – und sie zugleich neugierig auf die Vergangenheit des Dorfes machen. Bei ihren Recherchen stößt Isa auf eine mysteriöse Legende über ein verstecktes Dorf im Schilf und lernt Erna Rohdiebl kennen, die ihr ganzes Leben in Nincshof verbracht hat. Kann sie Licht ins Dunkel bringen?

„Heute, als fast Achtzigjährige, wusste sie, das Leben war ein Durcheinander, ein üppiger Strauß Wildblumen, in dem die schönsten und die giftigsten Blüten nebeneinander gediehen.“ – Seite 253, eBook


Den drei Oblivisten sind „die Neuen“ natürlich ein Dorn im Auge und wollen gegen einige Pläne, die das Dorf bekannter machen könnten, angehen – so nimmt schließlich alles seinen Lauf, der skurriler nicht sein kann…

„Die Nincshofer und besonders die Nincshoferinnen wussten alles voneinander. (…)
So war es doch verwunderlich, oder nicht?, dass in jenem Sommer, in dem diese Geschichte sich begab, Schwaden der Heimlichkeit ins Dorf zogen, sich da und dort zusammenbauschten und manches vernebelten.“
– Seite 27, eBook


Schon auf den ersten Seiten wird der besondere Schreibstil sichtbar, der im Gesamten aber sehr gut zu der Geschichte passt. Manche Kapitel (besonders zu Beginn) sind in etwas verschnörkelten, ausführlichen Sätzen verfasst, andere Abschnitte sind etwas einfacher geschrieben - immer den jeweiligen Geschehnissen angepasst. Auch wird diese typische Dorfatmosphäre hier wunderbar wiedergegeben – etwas verschlafen und mit einer etwas trügerischen Idylle.

Die Handlung ist aus der Sicht verschiedener Figuren geschrieben, die in allen Kapiteln immer mit Vor- und Nachnamen genannt werden. Ungewohnt, aber nicht störend. Nach und nach erfährt man auch einiges über Vergangenes - besonders Erna und Isa lernt man sehr gut kennen. Nur an manchen Stellen weichen längere Ausführungen etwas zu sehr vom Hauptgeschehen ab. Aber das ist nur ein sehr kleiner Kritikpunkt.

Ob das Dorf selbst, die Bewohner mit ihren Eigenheiten oder aber auch der Plan des Vergessenwerden – die Geschichte entwickelt sich zu einem unterhaltsamen Roman – besonders zum Ende hin. Sehr interessant sind die Pläne, wie das Dorf vergessen werden soll – herrlich schräg und auch etwas amüsant.

Mein Fazit: Ein Dorfroman der besonderen Art! Von sehr gut beschriebenen Schauplätzen und Charakteren mit schrägen Ideen bis hin zu einer sehr interessanten Vergangenheit des Dorfes, die auch in der Gegenwart eine Rolle spielt – eine unterhaltsame Geschichte, etwas schräg und auch amüsant. Eine sehr gute Sommerlektüre.



Meine Bewertung:



Titel: Nincshof
Autorin: Johanna Sebauer
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 368
Verlag: DuMont
Erstveröffentlichung: 18. Juli 2023

Vielen Dank an den DuMont-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!


Donnerstag, 20. Juli 2023

Rezension zu "Leonard und Paul" von Rónán Hession

 

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Aus dem Leben von Leonard und Paul

Leonard und Paul sind allerbeste Freunde. Während Leonard als Ghostwriter für Kinderenzyklopädien tätig ist, arbeitet Paul als Aushilfsbriefträger. Das Leben der beiden verläuft in ruhigen, wohlgeordneten Bahnen – bis jedem von ihnen etwas widerfährt, das eine ganze Reihe von Veränderungen in Gang setzt ...

In seinem hochgelobten Debütroman widmet Rónán Hession (Übersetzung: Andrea O’Brien) sich jenen Menschen, die im Alltag oftmals übersehen werden. Sie beteiligen sich nicht am Lärmen der Welt, sondern zeichnen sich durch Eigenschaften aus, die häufig unterschätzt werden: Freundlichkeit, Sanftmut und Bescheidenheit. (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Woywod & Meurer Verlag)



Leonard und Paul ist der Debütroman des irischen Autors Rónán Hession und wurde für mehrere Literaturpreise nominiert, u.a. stand er auf der Shortlist der Irish Book Awards. Auch wurde dieses wundervolle Buch in England und Irland zum absoluten Buchhändler*innen-Liebling.

Das Buch hat auch in Deutschland eine besondere Geschichte: Leonard und Paul führte zur Gründung des Verlages Woywod & Meurer und ist somit das erste Buch, das Frauke Meurer und Torsten Woywood mit viel Herz veröffentlicht haben – und mit Erfolg: Auch hier wurde es zu einem Leser*innen-Liebling.

„Es ist wichtig, dass wir die Menschen wertschätzen, solange uns noch die Zeit dazu bleibt. Vertröste sie nicht auf später. Verschiebe es nicht, weil du denkst, du kannst es ja irgendwann nachholen.“
– Seite 119

Die Hauptfiguren sind die beiden Männer Leonard und Paul. Beide sind Anfang dreißig, beste Freunde und führen eher ruhige und unaufgeregte Leben. Leonard arbeitet als Ghostwriter für Kinderenzyklopädien und wird sich nach dem Tod der Mutter seiner Einsamkeit bewusst. Paul lebt noch bei seinen Eltern Helen und Peter, arbeitet als Aushilfsbrieträger und geht alles mit einer großen Gelassenheit an. Doch demnächst steht ein Ereignis an: Pauls ältere Schwester Grace heiratet und alle sind eingeladen. Zudem erleben die beiden Freunde unabhängig voneinander einiges, dass ihr sonst so geordnetes Leben etwas auf den Kopf stellt.

„Wenn es eines gab, woran sich die innige Zuneigung der beiden Freunde ablesen ließ, dann war es der Enthusiasmus, mit dem sie ihre Freude über gute Neuigkeiten teilten, gewiss, dass jeder dem anderen nur das Allerbeste wünschte.“ – Seite 125, eBook


Das Buch hat von der ersten Seite an einen angenehm ruhigen Schreibstil – nach und nach lernen wird die Charaktere kennen und bekommen einen detaillierten Einblick in die Leben von Leonard und Paul – von der Kindheit bis in die Gegenwart. Auch Pauls Eltern, seine Schwester Grace und Leonards Kollegin Shelley sind ein zentraler Teil der Geschichte.
Es passiert eigentlich nicht viel, der Alltag der Charaktere werden beschrieben– dennoch ist es ein besonderes Buch, in das man eintaucht und beim Lesen die Zeit vergisst. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, die eher ruhige Geschichte widmet sich zwischenmenschlichen Dingen, was einfach sehr gut gelungen ist.



Sowohl die einzelnen Dialoge der Figuren, als auch Leonard und Pauls respektvoller Umgang miteinander sowie die plötzlichen Veränderungen in deren Leben sind interessant zu verfolgen. Es wird mal berührend und auch mal etwas humorvoll – alles ist schön aufeinander abgestimmt.


Mein Fazit: Ein wundervolles Buch, das zeigt, wie wertvoll doch alltägliche Dinge sind, die manchmal übersehen werden. Es ist eine sehr ruhige Geschichte, in die man eintauchen kann – unaufgeregt, aber sehr unterhaltsam, interessant und mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren. Ein Wohlfühlbuch, das wirklich lesenswert ist.


Meine Bewertung:





Titel: Leonard und Paul
Autor: Rónán Hession
Übersetzt von: Andrea O'Brien
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 320
Verlag: Woywod & Meurer (Hardcover) / Dumont (Taschenbuch, eBook)
Erstveröffentlichung: 20. März 2023