Dienstag, 30. Januar 2024

Rezension zu "Sword Catcher - Die Chroniken von Castellan" von Cassandra Clare

 

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Sword Catcher – Band 1


Kel war ein Straßenkind ohne Eltern, ein Niemand ohne Zukunft. Doch dann wurde er zum Schwertfänger – zum Doppelgänger des königlichen Erben von Castellan, Prinz Conor Aurelian. Kel wuchs mit Conor auf, sie sind wie Brüder, doch ein Schwertfänger hat nur einen Zweck: statt des Thronfolgers zu sterben. Ein vereiteltes Attentat führt Kel mit der Heilerin Lin an den Hof des gefürchteten Lumpensammlers, den Herrscher über Castellans Unterwelt. Und dort entdecken Lin und Kel eine Verschwörung, welche ihre Welt ins Chaos zu stürzen vermag. Denn eine Liebe, die nicht sein darf, steht im Begriff das Königreich zu zerstören …
(Quelle: Inhaltsangabe - Penhaligon Verlag)





Sword Catcher – Die Chroniken von Castellan ist der erste Band der neuen Fantasy-Saga von Cassandra Clare. Bisher habe ich die Reihen Die Chroniken der Unterwelt und Die Dunklen Mächte aus der Schattenjäger-Welt gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Mit Sword Catcher hat die Autorin ihren ersten High-Fantasy-Roman geschrieben, der vom Stil her etwas anders ist und mich sehr positiv überrascht hat.

Hauptfigur hier ist der junge Kellian -genannt Kel-, der in einem Waisenhaus aufgewachsen ist. Doch mit zehn Jahren änderte sich sein Leben komplett – er wurde zum Schwertfänger. Fortan wächst er im königlichen Palast auf und wird zum engsten Vertrauten des gleichaltrigen Prinz Conor Aurelian. Doch ein Schwertfänger hat einen ganz bestimmten Zweck: In gefährlichen Situationen tritt Kel als Doppelgänger des Prinzen auf, um mögliche Attentate abzufangen – und somit im schlimmsten Falle anstelle des Thronfolgers zu sterben.

„Kel hatte einen Großteil seines Lebens das Geheimnis um seine wahre Identität sorgsam gehütet. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass die Situation außer Kontrolle geriet und die Achse seiner Welt sich gefährlich zur Seite neigte.“ – Seite 187, eBook


Während in Castellan politische Machenschaften zwischen den Adligen mit ihren Charta-Rechten ihren gewohnten Lauf nehmen und Verschwörungen unter der Oberfläche brodeln, entdeckt der inzwischen dreiundzwanzigjährige Kel einige Geheimnisse im Königshaus. Als er ein Attentat dank der Askhar-Heilkundigen Lin Castor überlebt, führt ihn sein Weg in Castellans Unterwelt, wo der König der Lumpensammler regiert. Und dort entdecken er eine Verschwörung, die alles verändern kann…

Die Handlung entwickelt sich zunächst eher langsam. Der ausführliche Prolog zeigt, wie der damals zehnjährige Kel als Schwertfänger an den Hof kommt und gibt ebenfalls einen Einblick in die etwas komplexe Struktur des Reiches. Danach folgt ein Zeitsprung von etwa dreizehn Jahren – auch hier geht es zunächst ruhig und mit vielen detaillierten Beschreibungen weiter, bis es dann plötzlich richtig spannend wird. Nach und nach wird klar, dass überall Verschwörungen und Intrigen lauern, die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen. Kel und auch Lins Weg sind spannend zu verfolgen, auch der Weg von Kronprinz Conor ist interessant und enthält einige Geheimnisse.

„Sie sah aus dem Fenster und entdeckte ihren blutbefleckten Schal, der auf den Pflastersteinen flatterte wie der gebrochene Flügel eines Vogels. Irgendetwas an diesem Anblick wirkte unheilvoll. Lin schauderte und wandte rasch den Blick ab.“ – Seite 75, eBook


Besonders gefallen haben mir die Abschnitte mit dem König der Lumpensammler – eine sehr interessante Figur, die doch etwas anders ist zunächst gedacht. Er herrscht über das Verbrechen und die finsteren Gassen von Castellan, die als „das Labyrinth“ bekannt sind. Doch plötzlich ist da noch ein Gegenspieler, der einiges ins Wanken bringt…

„Das Mauerwerk schien das Licht zu absorbieren, statt es zu reflektieren. Jeder in Castellan kannte das Palais mit der roten Tür, die wie Blutstropfen leuchtete, und wusste, wer dort wohnte – wer allem Anschein nach schon immer dort gewohnt hatte.
Der König der Lumpensammler.“
– Seite 251, eBook


Auf den 800 Seiten gibt es viel zu entdecken: Die Fantasywelt und deren Anordnung, den verschiedenen Reichen, Regeln und Strukturen ist etwas komplex, aber durch die detaillierten Beschreibungen gut verständlich. Auch gibt es hier Magie, dessen Macht aber vor vielen Jahren verloren ging.
Auch die verschiedenen Figuren – von den Mitgliedern des Königshauses und den Adligen, die abgeschottet auf dem Hügel leben, dem Volk der Ashkar, die noch ein Rest Magie wirken können, bis hin zum einfachen Volk und dem König der Lumpensammler – sind sehr gut ausgearbeitet und halten so manche Überraschung bereit.

„In diesem Moment gab es nur Stille, Dunkelheit, seinen eigenen Atem und das Messer an seiner Kehle.“ – Seite 94, eBook


Anfangs ist die Story zunächst etwas unscheinbar, doch dieses hebt sich nach kurzer Zeit auf und wird zu einem tollen High-Fantasy-Roman. Natürlich gib es zwischen den spannenden Momenten immer wieder ruhigere Abschnitte, in denen vieles erklärt wird – das muss man natürlich mögen. Mir hat das Buch mit seinem gesamten Stil sehr gut gefallen.

Mein Fazit: Überraschend, spannend, geheimnisvoll und ein klein wenig düster - ein gelungener Auftakt der neuen High-Fantasy Saga von Cassandra Clare. Nach einem eher ruhigen Start wird es plötzlich richtig spannend – von politischen Machenschaften, Verschwörungen, dunklen Geheimnissen bis hin zu Plänen, die die Welt verändern könnten. Alles angesiedelt in einer komplexen, aber gut konstruierten Fantasy-Welt, die noch einiges zu bieten hat. Auch um die verlorene Magie ranken sich einige Geheimnisse. Dazu gibt es sehr gut gezeichnete und interessante Figuren, die manchmal anders sind als zunächst geahnt.
Der Auftakt ist vom Stil her anders als die Schattenwelt-Romane – mich hat Sword Catcher jedoch sehr positiv überrascht und ist zu einem Lesehighlight geworden.



Meine Bewertung:


Titel: Sword Catcher - Die Chroniken von Castellan
Autorin: Cassandra Clare
Übersetzt von: Heinrich Koop, Franca Fritz
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 800
Verlag: Penhaligon
Erstveröffentlichung: 25. Oktober 2023


Vielen Dank an das Bloggerportal und Penhaligon für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 24. Januar 2024

Rezension zu "Lichtungen" von Iris Wolff

 

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Vom Gehen und Bleiben

Zwischen Lev und Kato besteht seit ihren Kindertagen eine besondere Verbindung. Doch die Öffnung der europäischen Grenzen weitet ihre Lebensentwürfe und verändert ihre Beziehung für immer. Voller Schönheit und Hingabe erzählt Iris Wolff in ihrem großen neuen Roman von zeitloser Freundschaft und davon, was es braucht, um sich von den Prägungen der eigenen Herkunft zu lösen.

Als der elfjährige Lev über Wochen ans Bett gefesselt ist, wird ausgerechnet die gescheite, aber von allen gemiedene Kato zu ihm ans Krankenbett geschickt, um ihm die Hausaufgaben zu bringen. Zwischen dem ungleichen Paar entsteht eine unverbrüchliche Verbindung, die Lev aus seiner Versteinerung löst und den beiden Heranwachsenden im kommunistischen Vielvölkerstaat Rumänien einen Halt bietet. Ein halbes Leben später läuft Lev noch immer die Pfade ihrer Kindheit ab, während Kato schon vor Jahren in den Westen aufgebrochen ist. Geblieben sind Lev nur ihre gezeichneten Postkarten aus ganz Europa. Bis ihn eines Tages eine Karte aus Zürich erreicht, darauf nur ein einziger Satz: "Wann kommst du?" (Quelle: Inhaltsangabe - Klett Cotta Verlag)


Nachdem mir im Jahr 2020 Die Unschärfe der Welt von Iris Wolff so gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman. Auch dieser überzeugt mit einer einzigartigen Erzählweise.

Die Hauptfiguren sind Lev und Kato, wobei die Geschichte aus Levs Sicht erzählt wird. Jedoch spielt Kato in dessen Leben aber immer wieder eine zentrale Rolle. Ihre Freundschaft beginnt, als Lev elf Jahre alt ist und für längere Zeit ans Bett gefesselt ist. Kato wird damit beauftragt, ihm regelmäßig die Hausaufgaben zu bringen. Dabei entsteht zwischen den beiden so unterschiedlichen Kindern eine enge Freundschaft, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Jedoch entwickeln sich ihre Lebenswege unterschiedlich: Kato zieht es hinaus in die Welt, Lev bleibt in Rumänien und hängt seinen Kindheitserinnerungen nach. Von Kato sind ihm einzig die vielen Postkarten geblieben, die sie ihm aus ganz Europa geschickt hat.

„Du hättest zurücksehen müssen, dachte er, allein um zu wissen, ob sie sich nach die umgewandt hat.“ – Seite 49, eBook


Bis eines Tages eine Karte aus Zürich kommt, mit einer einzigen Frage: Wann kommst du?
Schafft es Lev, sich auf den Weg zu machen?

Die Antwort auf diese Frage bekommt man bereits ganz am Anfang des Romans. Denn das Besondere hier ist, dass die Autorin die Geschichte rückwärts erzählt – von den aktuellen Geschehnissen bis zurück in Levs früheste Kindheit. Die Kapitel sind ebenfalls absteigend – von neun bis eins. Somit erzählt jedes Kapitel einen besonderen Abschnitt aus Levs Leben – meist sehr berührend und mit detaillierten Momentaufnahmen.

„Wolken zogen auf, die Straße wurde dunkel.
In dieser Dunkelheit ließ sich die Distanz besser überwinden zwischen Zugehörigkeit und Fremdsein, Erinnern und Vergessen.“
– Seite 31, eBook

An diese Besonderheit musste ich mich erst gewöhnen, da manche Geschehnisse und verschiedene Personen zunächst rätselhaft sind, sich aber dann, mit Blick in die Vergangenheit klären und somit ein komplettes Bild ergeben. Eine sehr interessante Leseerfahrung.

Wie schon bei ihrem Roman Die Unschärfe der Welt wird bereits auf den ersten Seiten der einzigartige Schreibstil sichtbar: Atmosphärisch dicht und leicht poetisch, gleichzeitig mit einer besonderen Ruhe erzählt Iris Wolff die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft. Der Roman ist eher leise, aber detailreich und oft berührend. Ob einzelne Momentaufnahmen von Menschen, Tieren, Umgebung oder Natur – alles ist in deinem wundervollen Stil erzählt.


„In allem gab es diese Dunkelstellen, wo die Erfahrung aufhörte und die Erinnerung anfing. Etwas blieb, und etwas ging verloren, manches schon im Augenblick des Geschehens, und wie sehr man sich auch bemühte, es tauchte nie wieder auf. Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen. Man begegnete ihnen nur zufällig und wusste nie, was man darin fand.“ – Seite 67, eBook


Auch das Cover ist wunderschön gestaltet und sehr passend gewählt.


Mein Fazit:
Ein besonderer Roman mit einem einzigartigen Erzählstil: Atmosphärisch dicht und leicht poetisch, gleichzeitig ruhig und klar erzählt Iris Wolff die Geschichte einer Freundschaft – über die Grenzen hinweg. Die Charaktere sind hier sehr gut gezeichnet. Die Geschichte wird rückwärts erzählt und ist zunächst manchmal etwas rätselhaft: Angefangen mit der Gegenwart geht es Kapitel für Kapitel zurück bis in Levs Kindheit, wo sich schließlich alles zusammenfügt. Zunächst sehr ungewohnt, aber gleichzeitig auch sehr passend zur Geschichte, die etwas episodenhaft erzählt wird. Ein wunderbares und auch besonderes Leseerlebnis.


Meine Bewertung:



Titel: Lichtungen
Autorin: Iris Wolff
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 256
Verlag: Klett Cotta
Erstveröffentlichung: 13. Januar 2024


Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar!


Sonntag, 21. Januar 2024

Rezension zu "Betrug" von Zadie Smith

 

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Auf der Suche nach der Wahrheit...


London 1873. Mrs. Eliza Touchet ist die schottische Haushälterin und angeheiratete Cousine des einstmals erfolgreichen Schriftstellers William Ainsworth. Eliza ist aufgeweckt und kritisch. Sie zweifelt daran, dass Ainsworth Talent hat. Und sie fürchtet, dass England ein Land der Fassaden ist, in dem nichts so ist, wie es scheint.
Mit ihrer Schwägerin besucht sie die Gerichtsverhandlungen des Tichborne-Falls, in der ein ungehobelter Mann behauptet, der seit zehn Jahren verschollene Sohn der reichen Lady Tichborne zu sein. Andrew Bogle, ehemaliger Sklave aus Jamaika, ist einer der Hauptzeugen des Prozesses. Eliza und Bogle kommen ins Gespräch und der Wahrheit näher. Doch wessen Wahrheit zählt?
Basierend auf realen historischen Ereignissen ist „Betrug“ ein schillernder Roman über Wahrheit und Fiktion, Jamaika und Großbritannien, Betrug und Authentizität und das Geheimnis des Andersseins. (Quelle: Inhaltsangabe - KiWi-Verlag)


BETRUG ist der neue Roman von Autorin Zadie Smith und gleichzeitig mein erstes Buch von ihr. Hier geht es zurück ins 19. Jahrhundert und zu einer Gerichtsverhandlung, die damals für großes Aufsehen sorgte: Der Tichborne-Fall.

Die Hauptfigur hier ist jedoch Mrs. Eliza Touchet, die nach dem Tod von Ehemann und Sohn eine Stelle als Haushälterin bei ihrem angeheirateten Cousin, dem Schriftsteller William Ainsworth annimmt, um dessen Familie zu unterstützen. Nach vielen Jahren und einigen Veränderungen in Ainsworths Leben ist Eliza immer noch an dessen Seite und hat sich ihre eigene Meinung zu vielen Dingen gebildet. Zusammen mit ihrer jungen Schwägerin wird sie schließlich auf den Tichborne-Fall aufmerksam, der in jenen Tagen die Zeitungen beherrscht: Ein Mann behauptet, der seit zehn Jahren verschollene und todgeglaubte Sir Roger Tichborne zu sein – der Sohn und einziger Erbe von Lady Tichborne. Doch es gibt viele Ungereimtheiten. Eliza und Sarah, die nicht immer einer Meinung sind, besuchen die Gerichtverhandlungen, die immer größere Ausmaße annehmen. Später kommt Eliza mit Andrew Bogle ins Gespräch – er ist der Hauptzeuge in dem Verfahren und hat eine ganz eigene Geschichte…

Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass der Roman einen außergewöhnlichen Schreibstil hat – zunächst gewöhnungsbedürftig, doch schon bald wird deutlich, dass genau jene Erzählweise sehr gut dem ganzen Roman passt. Zunächst lernen wir Eliza Touchet kennen und erfahren einiges über ihr Leben - auch wie sie schließlich die Haushälterin ihres Cousins wurde. Auch in das Leben des Autors William Ainsworth gibt es einen detaillierten Einblick, u.a. in seine Treffen mit anderen Literaten, zu denen auch Charles Dickens gehörte.
Die Handlung wechselt oft zwischen den aktuellen Geschehnissen, die in den 1860er- und 1870er Jahren angesiedelt sind, und der Vergangenheit, die einige Jahrzehnte zurückreicht.
So setzt sich nach und nach die Lebensgeschichte von Eliza, die es alles andere als einfach hatte, zusammen.
In der ersten Hälfte wird der Tichborne-Fall nur am Rande erwähnt, erst später wird er ein zentrales Thema des Romans – gerade hier wird es sehr fesselnd. Auch Andrew Bogle, der jahrelang als Kammerdiener für die Tichbornes tätig war, rückt in den Fokus – und mit ihm seine Lebensgeschichte, die als Sklave in Jamaika begann.

„Mein Leben besteht aus mehreren Teilen“, erzählte Bogle. „Es fällt mir schwer zu sagen, wie viele Leben ich gelebt habe und wo meine Geschichte wahrhaft beginnt. Eins weiß ich aber genau: Meine Geschichte verlief nicht so, wie sie hätte verlaufen sollen.“ – Seite 312, eBook


Der Tichborne-Fall ist zunächst sehr undurchsichtig mit verschiedensten Namen, Anwesen und Erben. Erst nach und nach, durch Bogles Geschichte kommt Licht ins Dunkel. Schließlich setzt sich ein Gesamtbild zusammen und offenbart einiges…

„Mr. Bogle war das ruhige Auge im Zentrum des Sturms aus Aberwitz. (…)
Die Vergangenheit wurde am Beispiel der Gegenwart umgestaltet. Die Gegenwart mit Blick auf die Zukunft – und den eigenen Vorteil – frisiert. Bogles Geschichte hingegen veränderte sich nie.“
– Seite 301, eBook


Zunächst war für mich die Figur Eliza Touchet nicht ganz greifbar, was wahrscheinlich an dem Schreibstil lag. Auch, dass die Rückblicke in die Vergangenheit nicht immer chronologisch sind, hat es nicht einfacher gemacht. Erst als sie Andrew Bogle und dessen Sohn Henry begegnet, war sie besser zu verstehen. Auch, nach was sie im Leben strebt und das dieses auch später noch einige Überraschungen bereithält, wird deutlich und ist gut zu verfolgen.

„(…) Ja, da überließ sie sich sogar dem Genuss, an Zufälle zu glauben – jene Löcher im Gewebe, durch die sich ein Blick auf das Gewirk der Ewigkeit erhaschen ließ -, und nahm es als Zeichen der Vorsehung, dass sie sich auf dem richtigen Weg befand.“ – Seite 237, eBook


Zadie Smith hat hier gekonnt und historische Persönlichkeiten, Fakten und natürlich auch den Tichborne-Fall mit fiktiven Einzelheiten verwoben.
Insgesamt – und nach etwas Einlesezeit- hat mir der Roman mit seinem außergewöhnlichen Stil gut gefallen – manche Themen sind nicht immer einfach und durchleuchten die dunkle Vergangenheit und einen Kampf um Gerechtigkeit. Dazu geht es noch um Wahrheit und Betrug, Schein und Sein und der Wunsch nach Freiheit. Sehr spannend zu verfolgen ist der Tichborne-Fall. Ebenso lesenswert und informativ ist das Nachwort.


Mein Fazit: Ein gelungener Roman, der auf außergewöhnliche Weise den Tichborne-Fall beleuchtet. Angesiedelt im 19. Jahrhundert und mit einem besonderen Schreibstil hat Zadie Smith hier gekonnt historische Fakten und Persönlichkeiten, sowie fiktionale Momente zu einem spannenden Roman verwoben. Anfangs hat es etwas gedauert, bis ich mich in der Geschichte zurechtgefunden habe, doch im Laufe der Handlung wird es sehr interessant und spannend. Eine Leseempfehlung.


Meine Bewertung:



Titel: Betrug
Autorin: Zadie Smith
Übersetzt von: Tanja Handels
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 528
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erstveröffentlichung: 02. November 2023


Vielen Dank an den KiWi-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!