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Ein Mädchen und ihr großer Traum
Im Jahr 1912: Die elfjährige Francie Nolan lebt mit ihrer
Familie in einer Mietwohnung in Williamsburg, Brooklyn. Trotz der eher
bescheidenen Verhältnisse ist sie ein wissbegieriges Mädchen, das dem tristen
Alltag strotzt - am liebsten sitzt sie auf der Feuerleiter im Schatten eines großen Baumes und liest ein Buch nach dem
anderen. Auch wenn ihr noch so junges Leben nicht immer einfach ist und sie mit
Vorurteilen zu kämpfen hat, gibt die kluge Francie ihren großen Traum nicht
auf: Das College besuchen und Schriftstellerin werden.
Das Leben von ihr und ihrer Familie hält in den nächsten
Jahren noch einige Überraschungen bereit - positive wie negative...
"Francie glaubte, in der Bücherei seien alle Bücher der Welt, und ihr Plan war, alle Bücher der Welt auch zu lesen. Sie las ein Buch pro Tag in alphabetischer Reihenfolge und übersprang auch nicht die trockenen. Sie erinnerte sich, dass der erste Autor Abbott gewesen war." - Seite 32
Ein Baum wächst in Brooklyn ist erstmals im Jahr
1943 erschienen und war ein Jahr später für den Pulitzerpreis nominiert. Bis
heute hat dieser Klassiker nichts von seiner Besonderheit verloren. Das Buch
ist sehr vielschichtig: Die junge Mutter Katie Nolan versucht alles, um ihren
beiden Kindern Neeley und Francie ein gutes Leben zu ermöglichen - dazu gehört
auch die Schulbildung. Sie arbeitet hart und muss so manchen Rückschlag
einstecken. Neben berührenden und auch traurigen Momenten gibt es aber auch immer
wieder kleine Glücksmomente - das erlebt auch Francie, die eigentliche
Hauptfigur in dieser Geschichte. Das junge Mädchen liebt Bücher, ist klug, hat
eine gute Beobachtungsgabe und kämpft für ein besseres Leben. Doch sie merkt
schnell, dass das Leben nicht immer gerecht ist...
"Wären alle Lehrer wie Miss Bernstone und Mr. Morton gewesen, dann hätte Francie genau gewusst, was der Himmel ist. Doch so war es auch gut. Es musste ja dunkle und trübe Gewässer geben, damit die Sonne einen Hintergrund für ihre strahlende Herrlichkeit hatte." - Seite 210
Die Handlung beginnt im Jahr 1912 mit einem detaillierten
Einblick in Francies Alltag - dank des unheimlich tollen Schreibstils kann man sich
die damalige Atmosphäre sehr gut vorstellen. Man ist sofort gefangen von der
Geschichte und hofft zusammen mit der Familie Nolan, die sich ein besseres Leben
ohne Armut wünschen. Es wird oft sehr
berührend.
Woran man sich hier erst gewöhnen muss ist der zeitliche
Ablauf, der nicht chronologisch ist, sondern wild durcheinander gewürfelt. So
gibt es nach dem Anfang im Jahr 1912 einen Sprung zurück in die Jugend von
Francies Eltern, später dann Einblicke in Francies und Neeleys Kindheit. Doch
es bleibt alles gut verständlich und entwickelt sich nach und nach - man kann
das Buch dann nur sehr schwer aus der Hand legen.
Die Neuauflage, die am 23. Oktober 2017 im Insel-Verlag
erschienen ist, hat eine sehr schöne Gestaltung: Das Cover ist schlicht und mit
schönen Farben - es passt sehr gut zum Inhalt. Die gebundene Ausgabe ist
kleines Schmuckstück im Regal.
Mein Fazit: Ein wundervoller Klassiker, den ich jeden ans
Herz legen kann. Die Geschichte ist vielschichtig: Mal berührend und mal
traurig, aber auch glückliche Momente sind vorhanden. Atmosphärisch sehr dicht
schildet Betty Smith hier das Leben der Familie Nolan mit allen Höhen und
Tiefen. Besonders Francie wächst einem ans Herz. Ein sehr schönes Buch, das ein
wirkliches Lesehighlight ist!
Meine Bewertung:
Autorin: Betty Smith
Genre: Roman / Klassiker
Seitenanzahl: 621
Verlag: Suhrkamp / Insel



