Mittwoch, 31. Juli 2019

Rezension zu "Die Spiegelreisende 2: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" von Christelle Dabos

Zum Buch

Band 2 der Spiegelreisenden-Saga

Nach der abenteuerlichen Reise auf die eisige Arche Pol hat Ophelia schon einiges  in der für sie fremden Welt erlebt. In der schwebenden Himmelsburg lauerten einige Gefahren – eine Zeit voller Gefahr und Intrigen hat sie überstanden. Vorerst. Die Hochzeit mit ihrem Verlobten Thorn rückt immer näher. Gerade als sie dachte, dass sie sich eingelebt hat, steht sie vor einer neuen Herausforderung: Der Familiengeist Faruk ernennt sie zur Vize-Erzählerin des Hofes. Das bedeutet zugleich Schutz vor ihren Feinden, aber auch Gefahr, falls sie Faruk enttäuschen sollte. Doch dann erhält Ophelia plötzlich mysteriöse Drohbriefe, gleichzeitig verschwinden bedeutende Persönlichkeiten spurlos aus dem so sicheren Mondscheinpalast. Kurzerhand beauftragt Faruk Ophelia mit der Suche nach den Vermissten. Noch ahnt sie nicht, wie gefährlich die Ermittlungen wirklich werden und das an deren Ende eine folgenschwere Entscheidung steht…


‚Sie wollen ihn alle glauben machen dass er die Fäden in der Hand hält‘, dachte sie, ‚dabei ist er nur ihre Marionette.“  (Ophelia) – Seite 92


Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast ist der 2. Band der großartigen Spiegelreisenden-Saga und steht dem gelungenen Auftakt in nichts nach. Die Handlung knüpft nahtlos an die letzten Geschehnisse des Vorgängers an und entwickelt sich spannend. Sofort taucht man wieder in diese einzigartige Welt voller Magie ein, die so manches gefährliches Abenteuer bereithält. Auf der schwebenden Himmelsburg gehen die trügerischen Illusionen und bösartigen Intrigen weiter. Ophelias Feinde sind nicht weniger geworden, doch sie schlägt sich tapfer. Jedoch hat sie einige erschütternde Entdeckungen gemacht…
Sehr gut gefallen hat mir hier, dass man die schon bekannten Charaktere nun noch besser kennen lernt. Um Ophelias Verlobten Thorn und dessen Familie werden einige Geheimnisse gelüftet. Auch den Familiengeist der Arche Pol –Faruk- lernen wir kennen – eine ganz eigene und seltsame Persönlichkeit. 
Das Szenario, in dem diese Fantasy-Geschichte spielt, ist nach wie vor außergewöhnlich: Die Welt wurde vor langer Zeit in 21 große Teile zerschlagen, die als Archen bekannt sind. Auf jeder lebt ein Familiengeist mit seinen weitverzweigten Angehörigen, die besondere Fähigkeiten besitzen. Hier stellt sich erstmals die Frage, wie es zu dem Riss in der Welt kam – gerade hier bleibt es weiterhin  spannend. Auch Ophelias Suche nach den Vermissten wird abenteuerlich  - das Finale stellt nochmal alles auf den Kopf und hält Überraschungen bereit…


‚Um durch Spiegel zu gehen‘, hatte ihr Großonkel einmal zu ihr gesagt, ‚musst du dir selbst gegenübertreten. Diejenigen, die ihr wahres Gesicht verbergen, die sich selbst belügen, sich für besser halten, als sie sind, wären dazu niemals imstande.‘
Wann hatte Ophelia aufgehört, aufrichtig zu sich selbst zu sein? – Seite 434


Beindruckend sind die Beschreibungen der Schauplätze – neben der schwebenden Himmelsburg lernen wir noch weitere Orte des Pols kennen, wie etwa das Seebad „Opalsand“.
Erwähnenswert ist auch das erneut großartig gestaltete Cover. Dieses zeigt wieder ein bestimmtes Szenario , das im Laufe des Romans auftaucht. Zudem gibt es vorn im Buch noch eine hilfreiche Übersicht der Familien des Pols, sowie eine Illustration der Himmelsburg mit den wichtigsten Schauplätzen.


Mein Fazit: Der 2. Band der Spiegelreisenden-Saga  steht seinem Vorgänger in nichts nach – er ist wundervoll geschrieben, spannend und voller Fantasy. Ob es die Gegenstände, die magischen Fähigkeiten der Charaktere oder die Schauplätze voller Illusionen sind – alles wird großartig beschrieben. Man möchte das Buch am liebsten in einem Rutsch durchlesen. Ophelia ist eine sympathische Hauptfigur  und erlebt wieder einiges – es wird gefährlich und überraschend. Ich freue mich schon sehr auf den 3. Band, der im November 2019 erscheinen wird. Diese phantastische Reihe ist ein wirkliches Lesehighlight! 


Meine Bewertung: 





Titel: Die Spiegelreisende 2 - Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
Autorin: Christelle Dabos
Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 613
Verlag: Insel
Erstveröffentlichung: 27. Juli 2019


Die Bände der Spiegelreisenden-Saga
Band 2 - Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
Band 4 - Im Sturm der Echos 



Viele weitere Infos rund um die Autorin und die Spiegelreisenden-Saga und findet ihr hier: https://www.diespiegelreisende.de/

Freitag, 26. Juli 2019

Rezension zu "Ein notwendiges Übel" von Abir Mukherjee

Zum Buch


Band 2 der Sam Wyndham-Reihe

Kalkutta, 1920: Ein Jahr nach seiner Ankunft in Britisch-Indien wird der ehemalige Scotland-Yard-Ermittler Sam Wyndham mit einer heiklen Mission betraut. Der Thronfolger von Sambalpur wurde ermordet. Die Kolonialregierung hat ein hohes Interesse an der Ergreifung des Täters, verfügt in dem unabhängigen Fürstenstaat jedoch über keinerlei polizeiliche Befugnisse. Sam und sein indischer Sergeant Surrender-not Banerjee reisen als verdeckte Ermittler ins Reich des Maharadschas, das für seinen unsagbaren Reichtum, die prunkvollen Tempel, und die jährliche Großwildjagd bekannt ist ...  
(Quelle: Klappentext)



„Der erste Schuss durschlug die Windschutzscheibe, die mit berstendem Knall zersplitterte. Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie Surrender-not verzweifelt nach dem Prinzen griff, um ihn nach unten zu ziehen. Doch alles zu spät. Beim Krachen der nächsten beiden Schüsse wusste ich, dass sie ihr Ziel finden würden.“ (Sam Wyndham) – Seite 24


In Ein notwendiges Übel wird es schon auf den ersten Seiten sehr dramatisch. Und damit wartet auf  Captain Sam Wyndham und seinen Kollegen, Sergeant Surrender-not Banerjee ein neuer spannender Fall. Ihre Ermittlungen hierzu führen sie von Kalkutta in den Fürstenstaat Sambalpur. Um der Ermordung des Thronfolgers dort auf den Grund zu gehen, müssen sie äußerst vorsichtig vorgehen, da in Sambalpur vieles anders ist als in Kalkutta. Schon bald tauchen neue Rätsel auf und es wird brenzlig für die Beiden…
Auch im zweiten Band der besonderen Krimireihe beeindruckt der Autor mit detailreichen Schilderungen der Schauplätze aus dem 20. Jahrhundert. Auch die historischen Begebenheiten und die unruhige Lage in Indien im Jahre 1920 werden hier gut verständlich wiedergegeben. Neben den spannenden Ermittlungen gibt es einen interessanten Einblick in das Leben des damaligen Fürstenstaates.
Die Handlung ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Sam Wyndham geschrieben, den Verlauf kann man so sehr gut verfolgen. Es gibt auch ein paar Erinnerungsstützen, was ich sehr hilfreich fand - u.a., warum sein Kollege von allen Surrender-not genannt wird und mit welchen privaten Problemen Wyndham zu kämpfen hat. So ist man sofort wieder mitten im Geschehen. Die Story entwickelt sich sehr interessant, nach und nach kommt mehr ans Licht als zunächst gedacht und weitere Verstrickungen in dem Mordfall tun sich auf.


„Ich brauchte Zeit zum Nachdenken, musste mir in aller Ruhe überlegen, was zum Teufel hier eigentlich los war.“ (Sam Wyndham) – Seite 365


Hinten im Buch findet man noch ein interessantes Nachwort sowie ein hilfreiches Glossar, in denen indische Begriffe und Historisches erläutert werden, was eine sehr gute Lesehilfe darstellt.

Mein Fazit: Wieder ein spannender historischer Krimi mit außergewöhnlichem Szenario. Neben einem interessanten Fall mit überraschenden Wendungen werden die einzelnen Schauplätze detailreich beschrieben, man bekommt einen sehr guten Einblick in das Indien der 1920er Jahre. Von kleinen Längen abgesehen ist „Ein notwendiges Übel“ genau so stark und lesenswert wie der Vorgänger – ich vergebe 4,5 Sterne.



Meine Bewertung:



Titel: Ein notwendiges Übel - Sam Wyndham 2
Autor: Abir Mukherjee
Genre: Historischer Krimi
Seitenanzahl: 496
Verlag: Heyne

Die Bücher der Sam Wyndham-Reihe:
Band 1 - Ein angesehener Mann
Band 2 - Ein notwendiges Übel
Band 3 - Eine Handvoll Asche

Montag, 22. Juli 2019

Rezension zu "Das Labyrinth des Fauns" von Cornelia Funke & Guillermo del Toro

Zum Buch


Zwischen Magie und Wirklichkeit…

Spanien, 1944: Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald, der ihr neues Zuhause umgibt, wird für Ofelia zur Zufluchtsstätte vor ihrem unbarmherzigen Stiefvater: ein Königreich voller verzauberter Orte und magischer Wesen.
Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie diese, ist sie die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hineingezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich. Kann Unschuld über das Böse siegen? 
(Quelle: Klappentext)




„Die geflügelte Kreatur beobachtete sie vom Ast einer Tanne aus. Sie hatte schon lange auf dieses Mädchen gewartet: Das Mädchen, das so viel verloren hatte und noch so viel mehr verlieren musste, um das zu finden, was ihr rechtmäßig gehörte.“ – Seite 14


Das Labyrinth des Fauns ist die Romanfassung zu Guillermo del Toros Film Pans Labyrinth, der 2006 erschien. Sehr interessant ist, dass das Buch nach der Filmvorlage geschrieben wurde -  meistens ist es ja umgekehrt. Zu dem Film kann ich nichts sagen, bisher habe ich ihn noch nicht gesehen. Jedoch bin ich dank des Buches nun sehr neugierig darauf geworden.
Hauptfigur ist das dreizehnjährige Mädchen Ofelia, die in ihrem neuen Zuhause etwas phantastisches entdeckt und mehr und mehr in eine Märchenwelt eintaucht, bis die Grenzen zwischen Realität und Fantasy mehr und mehr verschwimmen.


„Der Ledereinband fühlte sich an wie verwitterte Baumrinde, und die Seiten waren immer noch leer, doch Ofelia ahnte, dass sich das bald ändern würde. Alle wirklich wichtigen Dinge offenbaren sich nicht sofort. Ofelia war noch jung genug, um das zu wissen.

Und tatsächlich, aus einer der leeren Seiten begann braune und blassgrüne Tinte zu bluten, als Ofelia sie berührte.“ – Seite 74


Dieses Märchen ist sehr düster und überraschend grausam, daher ist es nicht für Kinder geeignet. Mir hat es bis auf Kleinigkeiten gut gefallen. Zwischen den Geschehnissen in der Wirklichkeit werden immer wieder Ausschnitte eines  Märchens eingewoben – dieses gibt nach und nach ein komplettes Bild  – dieses ist Cornelia Funke sehr gut gelungen. Die magischen Wesen und Gegenstände sind unheimlich toll beschrieben, genauso wie die Schauplätze. Nach und nach wird klar, worauf alles hinausläuft – es wird sehr unheimlich und düster…
Was ich mir hier gewünscht hatte, wären noch mehr Details – manches bleibt eher wage und etwas verschwommen. Mehr Ausführungen vom Labyrinth, das viel Geheimnisvolles ausstrahlt, wären toll gewesen. Das Buch hätte gerne umfangreicher sein können.

Unbedingt erwähnenswert ist noch die gesamte Buchgestaltung: Nicht nur der Umschlag ist wunderschön, sondern auch das Hardcover selbst, dass eine besondere Szene aus dem Buch zeigt. Im Buch selbst findet man weitere schöne Illustrationen, die bestimmte Augenblicke aus der Handlung darstellen.





Mein Fazit: Ein düsteres Märchen, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasy immer mehr verschwimmen – das ist wirklich sehr gelungen. Womit ich nicht gerechnet habe, ist, dass die Geschichte überraschend grausam ist – daher nicht für Kinder geeignet! Mir als Erwachsene hat vor allem die düstere Atmosphäre sehr gefallen. Die Geschichte hätte auch gerne noch detailreicher sein können, manches bleibt eher wage. Ansonsten hat mir Das Labyrinth des Fauns sehr gefallen und vergebe vier Sterne hierfür.


Meine Bewertung: 








Titel: Das Labyrinth des Fauns
Autoren: Cornelia Funke / Guillermo del Toro
Genre: Märchen / Fantasy
Seitenanzahl: 320
Verlag: FISCHER

Freitag, 19. Juli 2019

Rezension zu "Das Fleisch der Vielen" von Kai Meyer

Zum Buch


Das Grauen in einem verlassenen Hotel…

Dreihundertfünfzig Zimmer, die seit Jahrzehnten leer stehen. Das Grand Hotel Astoria liegt im Herzen der Stadt, die Fenster blind, die Zugänge verriegelt. Bis zu seiner Schließung haben hier zehntausende Menschen übernachtet – und alle haben Spuren hinterlassen, die jetzt ein schleichendes, flüsterndes Grauen gebären. Als Jana und Tim in dem Gemäuer Zuflucht suchen, ahnen sie nicht, dass sie gerufen wurden. Bis sie eine Stimme aus den Schatten hören: Das Fleisch der Vielen stillt den Hunger des Kollektivs. Die Vergangenheit erwacht zum Leben, und diesmal wird ihr niemand entkommen…
(Quelle: Klappentext)



„Er stand ganz am Rand des Scheins, blass und seltsam blutleer. Die Umgebung wirkte wie ein Schwarz-Weiß-Bild. Mit den Menschen hatten auch die Farben das Hotel verlassen.“ Seite 75


Im Oktober 2015 erschien das großartige Musikalbum Verfallen Folge 1: Astoria der Band ASP, für das Autor Kai Meyer seine Horror-Kurzgeschichte Das Fleisch der Vielen schrieb. Da ich seit 2006 begeisterte Hörerin von ASP bin, war ich dementsprechend gespannt auf die Musik und natürlich auf Kai Meyers Story dazu. Diese gehört zu denjenigen, dessen Details mir bis heute noch gut in Erinnerung geblieben sind. Schauplatz ist hier das Hotel Astoria in Leipzig, das seit Jahrzehnten leersteht. Und genau dieses Szenario mit den vielen verlassenen Zimmern und dunklen Fluren eignet sich perfekt für eine Horrorstory. Welches Grauen wirklich auf Jana und Tim warten, ist überraschend und könnte unheimlicher nicht sein…


„Etwas fiel in Janas Kapuze. (…) Das Etwas in ihrer Kapuze bewegte sich.“ – Seite 77/78


Nun ist im November 2018 die Comic Adaption der Horror-Story erschienen, die ich nun gelesen habe. Zunächst zur Ausstattung: Auf 96 Seiten findet man neben dem Comic selbst hinten im Buch auch die komplette Kurzgeschichte sowie Skizzenmaterial. Ich habe zunächst noch einmal die Story gelesen und danach den Comic.
Die Illustrationen stammen von Jurek Malottke, der hier einen speziellen Zeichenstil angewandt hat: Alles bleibt eher verschwommen, die Konturen der Gesichter sind meist verwischt - die Farben sind jedoch passend zu der jeweiligen Szene kräftig und ausdrucksstark.
Die einzelnen Szenen lassen mich zweigeteilt zurück: Manches hat mir nicht so gut gefallen, da hätte ich mir persönlich mehr Details gewünscht. Ich denke, dass der komplette Stil einfach Geschmackssache ist.  Andere Abschnitte wiederum fand ich unheimlich gut gelungen, wie beispielsweise die Darstellung der Szene mit den Telefonen im Flur (Seite 41). Ebenfalls sehr gefallen haben mir auch die Charakterentwürfe der beiden Hauptfiguren, die hinten im Romanteil zu finden sind.
Der Comic selbst ist, wie vom Splitter-Verlag gewohnt, sehr hochwertig und das Cover passend gewählt.

Mein Fazit: Die Kurzgeschichte Das Fleisch der Vielen hat mir sehr gut gefallen – die unheimliche Atmosphäre kommt auf den wenigen Seiten sehr gut zur Geltung, der Schauplatz ist super gewählt und der Verlauf könnte gruseliger nicht sein.
Nach dem Lesen der Story habe ich mich der Comic-Adaption gewidmet, die mich zweigeteilt zurücklässt. Es liegt wahrscheinlich an dem Zeichenstil, der bestimmt viele begeistern mag – ich persönlich hätte mir oft mehr Details und Konturen gewünscht. Dennoch ist die Farbgebung meist sehr gelungen und einzelne Szenen haben mir gut gefallen. Ich vergebe 3,5 Sterne hierfür und möchte das Buch trotz meiner kleinen Kritik allen Comic- und Horrorfans ans Herz legen.


Meine Bewertung: 





Titel: Das Fleisch der Vielen (Comic-Adaption)
Autor: Kai Meyer 
Illustrator: Jurek Malottke
Genre: Horror / Comic
Seitenanzahl: 96
Verlag: Splitter
Erstveröffentlichung: 2018