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Samstag, 21. Dezember 2024

Rezension zu "Vergissmeinnicht 3: Was die Welt zusammenhält" von Kerstin Gier

 

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Vergissmeinnicht – Band 3

Wenn Quinn nach seinen Abenteuern im Saum eines weiß, dann das: Matilda ist seine große Liebe, ganz egal, wie anstrengend ihre Familie ist. Eigentlich sollten sich die beiden gerade nur auf den großen Schulball freuen. Wenn da nicht dieses rätselhafte Sternentor-Ritual wäre, durch das Quinn als angeblicher Auserwählter die Welt retten soll. Und flüchtige Schwarzalben, die versteckt werden wollen, sowie ein ominöses Orakel, das im entscheidenden Moment immer wieder verschwindet. Mit anderen Worten: ein ganz normaler Dienstag. Dann gerät Matilda auch noch ins Visier mächtiger Feinde. Zusammen mit Quinn muss sie Geheimnisse entschlüsseln, die den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten …
(Quelle: Inhaltsangabe - S. Fischer Verlage)




Nachdem mir die ersten beiden Bände der Vergissmeinnicht-Trilogie so gut gefallen haben, war ich natürlich sehr gespannt auf das große Finale. In Was die Welt zusammenhält gibt es überraschende Entwicklungen, zudem werden alle Geheimnisse gelüftet.

Sehr hilfreich ist der Buchbeginn: Hier gibt es einen ausführlichen Rückblick - „Was bisher geschah“ wird mit der herrlich lockeren und etwas frechen Art vom liebgewonnenen Wasserspeierdämon Baximilian „Bax“ Grimm erzählt, der natürlich auch in diesem Band mit dabei ist. Zudem gibt es hinten im Buch noch ein Personenverzeichnis und ein Glossar, was den Wiedereinstieg sehr erleichtert.

Nach den letzten dramatischen Geschehnissen und den überraschenden Neuigkeiten rund um Quinn, der angeblich der Auserwählte ist und durch ein geheimnisvolles Sternentorritual die Welt retten soll, hofft das frisch verliebte Pärchen, etwas Ruhe zu finden. Doch um Matilda und Quinn passiert weiter einiges: Neben ganz irdischen Problemen, wie Matildas etwas anstrengende Familie sowie dem großen Schulball, der von einer ganz besonderen Frau höchstpersönlich organisiert wird, geschehen noch einige besorgniserregende Ereignisse im Saum. In der magischen Parallelwelt, die Quinn durch Portale aufgrund seiner Vorfahren betreten kann, versuchen er und seine Freunde ein ominöses Orakel zu retten, das möglicherweise wertvolle Hinweise zum Sternentorritual hat. Doch auch die gefährliche Schwarzmagierin Morena hat es auf das Orakel abgesehen…
Da Matilda als normale Erdenbürgerin den Saum nicht betreten kann, reist sie zusammen mit ihrer Cousine und besten Freundin Julie durch den Traumkorridor auf der Suche nach Antworten zu den vielen Fragen. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse und sowohl Matilda als auch Quinn geraten in Gefahr.

Der finale Band der Trilogie ist wieder in der Ich-Perspektive abwechselnd aus Matildas und Quinns Sicht geschrieben, sodass wir immer einen guten Überblick über die Ereignisse haben. Der Schreibstil ist angenehm locker und dank dem Rückblick kann man problemlos wieder in die etwas komplexe Geschichte einsteigen. Die vielen Rätsel und Geheimnisse werden hier nach und nach gelüftet bis hin zu einem großen Finale, das noch einige Überraschungen bereithält. Es wird spannend, dramatisch und auch abenteuerlich, doch zwischendurch blitzt immer wieder etwas Humor und der gewisse Jungendbuch-Flair auf, was hier gut passt.

Sehr gefallen haben mir wieder die detailreichen Schauplatzbeschreibungen – sowohl in der magischen Parallelwelt als auch auf der Erde wird alles sehr gut geschildert. Es gibt ein Wiedersehen mit schon bekannten Charakteren, aber auch ein paar neue kommen hinzu – manche mit düsteren Absichten.

„Das musste sie sein: Morena, die Schwarze Witwe, umgeben von einer Art unsichtbarer Dunkelheit, etwas zutiefst Bösartigem, das sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen schien wie im Rhythmus eines Herzschlags, bereit, nach mir zu greifen, wenn ich es denn ließe.“ (Quinn) – Seite 122, eBook



Ganz sympathisch ist natürlich der Wasserspeierdämon Bax, der mit seiner schlagfertigen Art die Geschichte immer herrlich aufmischt. Besonders gefreut hat es mich, dass er hier nun eine noch etwas zentralere Rolle spielt.

Höchstens drei Minuten, nachdem wir in den Tunnel gefahren waren, sahen wir Bax‘ gehörnten Fuchskopf in all seiner steinernen Herrlichkeit aus dem Rucksack ragen. (…)
„Ganz schon eng in diesem Rucksack. Außerdem riecht es, als wäre hier ein Eukalyptusbonbon drin gestorben.“
– Seite 251, eBook


Neben vielen magischen und phantastischen Elementen spannt die Autorin auch immer wieder Bögen zu ihren anderen Büchern, wie der Silber-Trilogie, in der es um Träume und den Korridor mit dem Traumtüren geht, in dem Matilda und Julie unterwegs sind.

„Sie drehte den Türknauf, und im nächsten Moment standen wir in einem schier unendlich langen, unendlich verzweigten Korridor voller Türen, von denen keine der anderen glich. Das hier war der Untergrund, der unterirdische Teil des Saums und der natürliche Lebensraum von Nachtmahren, Vampirmotten und diversen Dämonen.“ – Seite 105, eBook


Genau wie die beiden Vorgänger ist die Buchgestaltung wieder sehr gelungen: Es ist mit dem bunten Cover und dem farbigen Buchschnitt ein toller Hingucker im Bücherregal.



Mein Fazit: Ein gelungenes Finale der Fantasy-Trilogie – magisch, abenteuerlich und spannend. Nach und nach werden sämtliche Geheimnisse und Rätsel gelüftet und die Handlung hält noch einige Überraschungen bereit.
Mal unterhaltsam und etwas humorvoll mit typischen Jugendbuch-Elementen bis hin zu abenteuerlichen und gefahrvollen Abschnitten – eine Mischung, die Kerstin Gier gut gelungen ist. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung:




Titel: Vergissmeinnicht - Was die Welt zusammenhält
Autorin: Kerstin Gier
Genre: Fantasy / All Age
Seitenanzahl: 528
Verlag: FISCHER
Erstveröffentlichung: 27. November 2024


Vergissmeinnicht - die Trilogie:
Band 1 - Was man bei Licht nicht sehen kann
Band 2 - Was bisher verloren war
Band 3 - Was die Welt zusammenhält

Vielen Dank an die S. Fischer-Verlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!


Dienstag, 9. April 2024

Rezension zu "The Fort" von Gordon Korman

 

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Von Geheimnissen und einer unvergesslichen Zeit

Nach einem Hurricane ist nicht nur die kleine Stadt Canaan verwüstet. Der Sturm legt auch etwas frei, das den Sommer der Freunde Evan, Jason, Mitchell, C.J. und Ricky für immer verändern wird: Inmitten des Waldes finden sie einen Bunker. Er wird ihr Fort, ihr Rückzugsort. Hier teilen sie ihre Geheimnisse. Besonders C.J. sucht hier Schutz vor seinem gewalttätigen Stiefvater. Als Evans großer Bruder und sein gewaltbereiter Kumpel das Fort erobern wollen, wird aus einem Zufluchtsort für Spaß und Zusammenhalt ein Zufluchtsort zum Überleben.
(Quelle: Inhaltsangabe - Beltz Verlag)




Von Gordon Kormans neuem Roman The Fort habe ich schon einige positive Meinungen von anderen Bloggerinnen gelesen. Dementsprechend gespannt war ich auf die Geschichte, dessen Untertitel Das Geheimnis eines Sommers mich sofort an Stephen Kings Stand by me erinnert hat. Hier geht es ebenfalls um eine Gruppe von Jungen, die in einem Sommer Außergewöhnliches erleben. Auch wenn es hier um ähnliche Eckpunkte wie Zusammenhalt, Ängste und Freundschaft geht, sind die Geschichten aber völlig unterschiedlich.

Hauptfiguren hier sind die Freunde Evan, Mitchell, C.J., Jason und Ricky. Nach einem Hurricane, der in ihrer kleinen Heimatstadt Canaan eine große Zerstörung hinterlassen hat, machen die Jungs im Wald eine große Entdeckung: Der Sturm hat eine verborgene Falltür freigelegt, die der Eingang zu einem Bunker ist - dort ist alles vorhanden, um zu überleben. Der geheime Ort wird ihr Fort, ein Rückzugsort, an dem sie ihre Probleme für kurze Zeit vergessen können. Hier rückt die Gruppe, die aus so unterschiedlichen Jungs besteht, näher zusammen. Doch ihr Fort ist in Gefahr: Evans großer Bruder Luke und dessen gefährlicher Freund Jaeger merken, dass die Clique ein Geheimnis hat und versuchen mit allen Mitteln dahinter zu kommen. Als sich die Ereignisse überschlagen ist das Fort, das ihnen so viel Freude macht, plötzlich der einzig sichere Ort vor einer drohenden Gefahr…

„Ich muss den Jungs sagen, dass Luke und Jaeger uns beobachten. Ich bin vielleicht ein Außenseiter. Aber ich verteidige das Fort mit allem, was ich habe.“ (Ricky) – Seite 84, eBook


Die Handlung ist abwechselnd aus den Perspektiven der fünf Jungen geschrieben (ein Kapitel schildert auch kurz die Sicht von Evans Bruder Luke). Durch die Ich-Perspektive lernen wir die Charaktere sehr gut kennen – sie wachsen einem schnell ans Herz. Jeder hat mit eigenen Problemen und Ängsten zu kämpfen – manches wird mit den anderen besprochen, anderes halten sie auch voreinander geheim. Von Eltern, die einfach verschwunden sind, über Zwangsstörungen und finanziellen Sorgen bis hin zu einem Scheidungskrieg und häuslicher Gewalt - Evan, Mitchell, Jason und C.J. haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Aber auch der jüngere Ricky, der durch seine hohe Intelligenz eine Klasse übersprungen hat, ist ein Außenseiter – zunächst auch in der Gruppe, zu der er zufällig dazugestoßen ist. Doch mit seinem klaren und klugen Blick erkennt er vieles, was sonst vielleicht übersehen worden wäre.

„Während Mitchell Schwierigkeiten hat, Evan bei seinen Großeltern lebt und Jasons Eltern jeden Cent zählen, um ihn bei der Scheidung aufzuteilen, hat C.J. so viele PlayStations, dass er eine übrig hat. (…)
Und dennoch bemerke ich an ihm hin und wieder einen Blick, aus dem pure Verzweiflung schreit.“
(Ricky) – Seite 80, eBook


Schnell wird hier deutlich, wie wichtig das neu entdecke Fort für jeden Einzelnen von ihnen ist. Und dass sie diesen besonderen Ort auf jeden Fall vor anderen bewahren müssen. Dieses ist besonders gut beschrieben. Wie der Bunker entstanden ist, wird natürlich auch enthüllt.

Das Buch hat eine besondere Atmosphäre, die mich sofort gefangen genommen hat – man spürt schnell, wie der Zusammenhalt und die Freundschaft zwischen den Einzelnen wächst, aber auch, dass manche Geheimnisse immer größer werden und Missverständnisse auftauchen. Die einzelnen Schicksale sind oft berührend und man hofft, dass doch noch alles gut werden wird. Besonders die Geschichte von C.J. ist bedrückend.

„Es ist wie ein Geheimnis, das wir beide teilen – ein so gut gehütetes, dass wir nicht einmal untereinander darüber sprechen. Es ist einfach klar, dass keiner von uns irgendjemandem davon erzählt. In letzter Zeit frage ich mich, ob es besser für meine Mom wäre, wenn alle Bescheid wüssten.“ (C.J.) – Seite 73, eBook


Dann wird es aber auch mal leicht unheimlich, da besonders Lukes Freund Jaeger eine gefährliche Präsenz ausstrahlt - dieser schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Nach und nach steuert alles auf ein überraschendes Finale zu. Am Ende hat mir besonders gut gefallen, das kleine Nebensächlichkeiten, die im Laufe der Geschichte auftauchen, nochmal aufgegriffen und zu Ende geführt werden.



Mein Fazit: Ein berührender Roman, der mich mit seiner besonderen Atmosphäre und den so gut gezeichneten Charakteren sehr positiv überrascht hat. Von einem geheimen Fort, das der Rückzugsort für fünf Freunde wird, wo sie kurz ihre ganz eigenen Probleme und Ängste vergessen können bis hin zu einer Gefahr, die von außen droht – die Handlung lässt sich spannend verfolgen und durch die verschiedenen Perspektiven lernen wir jeden der Charaktere sehr gut kennen. Es wird bewegend und auch etwas dramatisch – aber in einer angenehmen leichten Schreibweise. Ein Lesehighlight.


Meine Bewertung:




Titel: The Fort - Die Geschichte eines Sommers
Autor: Gordon Korman
Übersetzt von: Kanut Kirches
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 249
Verlag: Beltz & Gelberg
Erstveröffentlichung: 07. Februar 2024


Weitere Rezensionen zum Buch findet ihr hier:
Weltenwanderer
Martinas Buchwelten

Vielen Dank an die Verlagsgruppe Beltz und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 19. August 2023

Rezension zu "Oracle" von Ursula Poznanski

 

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Von mysteriösen Visionen und überraschenden Ereignissen


Ich sehe was, was du nicht siehst, und das wird wahr

Als Kind hat Julian merkwürdige Visionen. Das sind nur Fehlschaltungen im Hirn, sagt seine Therapeutin, bedeutungslose Trugbilder. Und mit den richtigen Medikamenten sind die auch verschwunden. Jahre später wird Julian mit einer schockierenden Erkenntnis konfrontiert. Einige seiner Visionen scheinen wahr geworden zu sein. Sieht er Schatten, die die Zukunft vorauswirft? Könnte er also schlimme Ereignisse verhindern? Oder tritt er damit noch größere Katastrophen los?
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Loewe Verlag)



Oracle ist der neue All Age-Thriller von Ursula Poznanski und dieser hält wieder eine spannende und ziemlich mysteriöse Geschichte bereit.

Hauptfigur hier ist der achtzehnjährige Julian, für den mit dem Umzug in ein Studentenwohnheim ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Er hatte es in seiner Kindheit nicht einfach. Schon früh hatte er rätselhafte Visionen – bei einigen seiner Mitschüler sah er merkwürdige Veränderungen: Rote Schlieren am Körper, schwarze Balken oder Nebel, der die Augen umgab. Dank Medikamente und jahrelanger Therapie hat er die diagnostizierte Psychose nun gut unter Kontrolle.
Doch bei einem Klassentreffen erfährt er Schockierendes: Den Schülern, bei denen er damals diese sogenannten Marker gesehen hatte, ist verschiedenes zugestoßen. Waren seine Visionen ein Blick in die Zukunft und hätte er Schlimmeres verhindern können? Auf der Suche nach Antworten wagt er ein gefährliches Experiment und macht beängstigende Entdeckungen…

„Er hatte es gesehen, aber nicht verstanden. Verstand es immer noch nicht. Hatte nicht die leiseste Ahnung, was die Dinge, die er wahrgenommen hatte, bedeuteten.“ – Seite 39, eBook


Die Handlung ist aus der Sicht von Julian geschrieben und hat den gewohnt flüssigen Erzählstil der Autorin. Die Geschichte wird mit jeder Seite spannender und mysteriöser. Julians Weg lässt sich sehr gut verfolgen: Von seinen Ängsten und Gedanken, von glücklichen und verzweifelten Momenten bis hin zu dem Wunsch von einem normalen Leben. Auch, was er hinter den verschiedenen Markern und dem mysteriösen Nebel vermutet, wird immer deutlicher.

„Der klebrige Nebel hing in kleinen Fetzen in der Luft, Fetzen, die an sehr alte Spinnweben erinnerten. Und es kamen ständig neue nach, manche schwebten in Richtung Fenster, andere drifteten auf Julian zu.“ – Seite 73, eBook


Neben der Hauptfigur Julian sind auch die Nebenfiguren sehr gut gezeichnet – von Julians sympathischen Mitbewohnern aus dem Wohnheim über einige alte Klassenkameraden bis hin zu seiner langjährigen Therapeutin - sie alle spielen zentrale Rollen.

Nach und nach werden einige Rätsel gelöst und die Geschichte endet in einem packenden Finale. Auch wenn hier Licht ins Dunkel kommt und es sehr spannend wird, bleiben doch ein paar Kleinigkeiten unklar – da hätte ich mir gerne noch mehr Antworten gewünscht.

Mein Fazit:
Wieder ein lesenswerter All-Age Thriller aus der Feder von Ursula Poznanski. Nach kurzer Zeit nimmt die Geschichte an Fahrt auf – es wird mysteriös, spannend und besonders zum Ende hin packend. Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und Julians Suche nach Antworten lässt sich sehr gut verfolgen - mit überraschenden Erkenntnissen. Bis auf Kleinigkeiten ein sehr lesenswerter Roman!



Meine Bewertung:




Titel: Oracle
Autorin: Ursula Poznanski
Genre: Jugendthriller / All Age
Seitenanzahl: 432
Verlag: Loewe
Erstveröffentlichung: 16. August 2023


Eine weitere Rezension findet ihr hier:
Martinas Buchwelten


Vielen Dank an den Loewe-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!