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| Zum Buch |
Außergewöhnliche Verwicklungen und ein
Leben in Abgeschiedenheit...
Die junge Frau Ludovica lebt seit jeher zurückgezogen
bei ihrer Schwester Odete und dessen Mann Orlando, als sich am Abend vor der
angolanischen Revolution die Ereignisse überschlagen: Sie erfährt, dass ihre
Schwester und ihr Schwager anscheinend
spurlos verschwunden sind und erschießt aus Notwehr einen Mann vor ihrer
Wohnungstür. Diesen begräbt sie auf der Dachterrasse. Aus Angst vor den Konsequenzen
und den Unruhen in Angola mauert sie sich in ihrer Wohnung ein und schottet somit
komplett von der Außenwelt ab - dreißig Jahre lang.
Draußen vergehen die Jahre, vieles ändert
sich. Opfer und Täter begegnen sich und verstricken sich in außergewöhnliche
und sonderbare Verwicklungen. Doch auch Ludovicas Leben und Überleben geht
weiter, alles hält sie in ihrem Tagebuch
fest. Nachdem ihr das Papier ausgeht, beschreibt sie die Wände ihrer Wohnung.
Eines Tages schließlich, findet auch für sie eine Veränderung statt...
"Wenn wir im Schlaf davon träumen, zu schlafen, können wir dann, wenn wir wach sind, aufwachen in einer helleren Wirklichkeit?" - Seite 33
Mir ist dieses Buch gleich aus mehreren Gründen ins Auge
gefallen: Der außergewöhnliche Titel zusammen mit dem auffallenden rot-orangen
Cover in Kombination mit dem Nilpferd war ein Grund. Der andere war der
Klappentext, der eine wirklich besondere Geschichte verspricht: Eine Frau
mauert sich für dreißig Jahre in ihrer Wohnung ein, nachdem sie einen Mann aus
Notwehr erschossen hat. Während draußen die angolanische Revolution ausbricht
und sich verschiedene Figuren auf schicksalhaften Wegen begegnen, kämpft Ludovica
drinnen ums überleben. Nach und nach erfährt man schließlich den traurigen
Grund, warum sie schon ihr ganzes Leben die Öffentlichkeit meidet.
Der Schreibstil ist klar, erzählerisch beschreibt der Autor
nicht nur Ludovicas Situation, sondern widmet sich auch den interessanten Nebenfiguren,
deren anfangs lose erscheinenden Fäden geschickt miteinander verwoben werden. Vor
allem das Finale ist gut gelungen und mehr als überraschend. Besonders
berührend sind auch die Tagebucheinträge Ludovicas, die in den Abschnitten
immer mal wieder auftauchen. Leicht poetisch, melancholisch und berührend:
"Es regnet, es läuft alles über. Nachts ist es, als sänge die Dunkelheit. Die Nacht steigt und wirft Wellen, verschlingt die Gebäude." - Seite 93
Völlig überraschend und absolut unvorhersehbar ist der ganze
Verlauf des Romans, in dem alles zu finden ist: Traurige Schicksale,
interessante Verwicklungen und rührende Momente , vermischt mit manchmal
skurrilen Augenblicken, die mal zum Schmunzeln sind und mal zum Nachdenken
anregen.
"Es gibt Vergangenheiten, die Jahrhunderte überdauern, ohne dass ihnen die Zeit etwas anhaben kann." - Seite 145
Mein Fazit: Ein ganz außergewöhnlicher
Roman, der mit seiner Erzählweise und seiner überraschenden Entwicklung
überzeugt. Atmosphärisch sehr dicht und eng verwoben, muss man manchmal
aufpassen, dass man nichts "überliest". Auch wenn es ein sehr gutes
Buch ist, hätte ich mir an manchen Stellen einfach noch mehr Ausführungen
gewünscht - manches kommt auf den insgesamt nur 197 Seiten einfach etwas zu
kurz. Auch Ludovica hätte ich gern noch etwas genauer kennen gelernt. Daher
ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten hat mir dieses Buch sehr gut gefallen und
kann es nur weiterempfehlen!
Meine Bewertung:
Titel: Eine allgemeine Theorie des Vergessens
Autor: José Eduardo Agualusa
Genre: Roman
Seitenanzahl: 197
Verlag: C.H. Beck
Vielen Dank an Lovelybooks für die tolle Leserunde und an den C.H. Beck-Verlag für das
Rezensionsexemplar!


