Sonntag, 30. Juli 2017

Rezension zu "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" von José Eduardo Agualusa

Zum Buch


Außergewöhnliche Verwicklungen und ein Leben in Abgeschiedenheit...

Die junge Frau Ludovica lebt seit jeher zurückgezogen bei ihrer Schwester Odete und dessen Mann Orlando, als sich am Abend vor der angolanischen Revolution die Ereignisse überschlagen: Sie erfährt, dass ihre Schwester und ihr Schwager  anscheinend spurlos verschwunden sind und erschießt aus Notwehr einen Mann vor ihrer Wohnungstür. Diesen begräbt sie auf der Dachterrasse. Aus Angst vor den Konsequenzen und den Unruhen in Angola mauert sie sich in ihrer Wohnung ein und schottet somit komplett von der Außenwelt ab - dreißig Jahre lang.
Draußen vergehen die Jahre, vieles ändert sich. Opfer und Täter begegnen sich und verstricken sich in außergewöhnliche und sonderbare Verwicklungen. Doch auch Ludovicas Leben und Überleben geht weiter,  alles hält sie in ihrem Tagebuch fest. Nachdem ihr das Papier ausgeht, beschreibt sie die Wände ihrer Wohnung. Eines Tages schließlich, findet auch für sie eine Veränderung statt...


"Wenn wir im Schlaf davon träumen, zu schlafen, können wir dann, wenn wir wach sind, aufwachen in einer helleren Wirklichkeit?" - Seite 33


Mir ist dieses Buch gleich aus mehreren Gründen ins Auge gefallen: Der außergewöhnliche Titel zusammen mit dem auffallenden rot-orangen Cover in Kombination mit dem Nilpferd war ein Grund. Der andere war der Klappentext, der eine wirklich besondere Geschichte verspricht: Eine Frau mauert sich für dreißig Jahre in ihrer Wohnung ein, nachdem sie einen Mann aus Notwehr erschossen hat. Während draußen die angolanische Revolution ausbricht und sich verschiedene Figuren auf schicksalhaften Wegen begegnen, kämpft Ludovica drinnen ums überleben. Nach und nach erfährt man schließlich den traurigen Grund, warum sie schon ihr ganzes Leben die Öffentlichkeit meidet.
Der Schreibstil ist klar, erzählerisch beschreibt der Autor nicht nur Ludovicas Situation, sondern widmet sich auch den interessanten Nebenfiguren, deren anfangs lose erscheinenden Fäden geschickt miteinander verwoben werden. Vor allem das Finale ist gut gelungen und mehr als überraschend. Besonders berührend sind auch die Tagebucheinträge Ludovicas, die in den Abschnitten immer mal wieder auftauchen. Leicht poetisch, melancholisch und berührend:


"Es regnet, es läuft alles über. Nachts ist es, als sänge die Dunkelheit. Die Nacht steigt und wirft Wellen, verschlingt die Gebäude." - Seite 93


Völlig überraschend und absolut unvorhersehbar ist der ganze Verlauf des Romans, in dem alles zu finden ist: Traurige Schicksale, interessante Verwicklungen und rührende Momente , vermischt mit manchmal skurrilen Augenblicken, die mal zum Schmunzeln sind und mal zum Nachdenken anregen.


"Es gibt Vergangenheiten, die Jahrhunderte überdauern, ohne dass ihnen die Zeit etwas anhaben kann." - Seite 145


Mein Fazit: Ein ganz außergewöhnlicher Roman, der mit seiner Erzählweise und seiner überraschenden Entwicklung überzeugt. Atmosphärisch sehr dicht und eng verwoben, muss man manchmal aufpassen, dass man nichts "überliest". Auch wenn es ein sehr gutes Buch ist, hätte ich mir an manchen Stellen einfach noch mehr Ausführungen gewünscht - manches kommt auf den insgesamt nur 197 Seiten einfach etwas zu kurz. Auch Ludovica hätte ich gern noch etwas genauer kennen gelernt. Daher ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten hat mir dieses Buch sehr gut gefallen und kann es nur weiterempfehlen! 

Meine Bewertung: 




Titel: Eine allgemeine Theorie des Vergessens
Autor: José Eduardo Agualusa
Genre: Roman
Seitenanzahl: 197
Verlag: C.H. Beck


Vielen Dank an Lovelybooks für die tolle Leserunde und an den C.H. Beck-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Kommentare:

  1. Hallo Nicole,

    schöne Rezension, das Buch wandert auf meine Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Hallo Silke,

      das freut mich! Dann hoffe ich, dass das Buch bald bei dir einziehen wird und es dir ebenso gut gefällt. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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