Freitag, 29. November 2024

Rezension zu "Das Haus der Bücher und Schatten" von Kai Meyer

 

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Das Graphische Viertel - Band 3

Baltikum, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Tiefer Schnee und endlose Wälder schneiden ein Herrenhaus von der Welt ab. Hierher reist die junge Lektorin Paula Engel aus Leipzig, um das Manuskript des Schriftstellers Aschenbrand einzusehen. Paula und ihr Verlobter Jonathan begegnen einem faszinierenden Exzentriker, der ein dunkles Mysterium wahrt.
Leipzig, 1933. Im legendären Graphischen Viertel rettet der von den Nazis entlassene Kommissar Cornelius Frey einem Mädchen das Leben. Bei ihrem Abschied flüstert sie „Sie weinen alle im Keller ohne Treppe“. In der nächsten Nacht liegt sie ermordet neben einem toten Polizisten. Auf der Spur des Mörders kämpft Cornelius sich zurück in seinen alten Beruf und stößt auf ein Netz aus Okkultisten und Verschwörern, Freimaurern und Fanatikern. In welcher Verbindung standen sie zu Paula und Jonathan, die vor zwanzig Jahren spurlos im Baltikum verschwanden? (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Knaur-Verlag)


Nach Die Bücher, der Junge und die Nacht und Die Bibliothek im Nebel ist Das Haus der Bücher und Schatten der dritte Roman von Autor Kai Meyer, der im damaligen Graphischen Viertel in der Bücherstadt Leipzig angesiedelt ist.

„Alles war vom Büchergeruch erfüllt, ein Duft, der nichts anderem gleicht.“ – Seite 241



Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen zwei Zeitebenen.
Im Jahr 1913 reist die junge Lektorin Paula Engel zusammen mit ihrem Verlobten Jonathan von Leipzig ins tief verschneite Baltikum. Dort lebt der Schriftsteller Aschenbrand in einem abgelegenen Herrenhaus und arbeitet aktuell an seinem dritten Buch. Paula, die den Autor betreut, möchte das Manuskript, das noch niemand zu Gesicht bekommen hat, einsehen und es dann zum Leipziger Verlag bringen. Doch die Reise entwickelt sich anders als gedacht – das weitläufige und abgelegene Anwesen scheint einige Geheimnisse zu haben – genauso wie der Autor selbst…

Zwanzig Jahre später, im Jahr 1933, arbeitet der ehemalige Kommissar Cornelius Frey als Nachtwächter im Graphischen Viertel und rettet eines nachts einer jungen Frau das Leben. Bevor sie geht, flüstert sie ihm einen Satz zu, den er nie vergessen wird: „Sie weinen alle im Keller ohne Treppe.“
In der Nacht darauf wird sie zusammen mit einem Polizisten tot aufgefunden. Cornelius kehrt daraufhin in seinen Beruf zurück und macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Bei seinen Ermittlungen gerät er in Kreise, die mysteriöser und auch manchmal gefährlicher nicht sein können. Dabei stößt er auf ein weiteres Rätsel, das viele Jahre zurückliegt…

„Es dauerte lange, bis die Worte durchs Zimmer herüberwehten, als müssten sie Wände von Eis durchdringen.
„Sie weinen“, wisperte die brüchige Stimme. „Sie weinen alle im Keller ohne Treppe.“
– Seite 173


Wie auch schon in den beiden Vorgängern wird hier wieder der klare und detaillierte Schreibstil sichtbar. Gekonnt wechselt Kai Meyer regelmäßig zwischen den beiden Zeitebenen und gibt die jeweilige Atmosphäre dort sehr gut wieder. Langsam erfahren wir mehr über die unterschiedlichen Charaktere, von denen manche einige Geheimnisse umgeben.
Nach und nach werden die anfangs lose wirkenden Fäden miteinander verknüpft – dadurch werden Verbindungen sichtbar, die überraschen.

„Ich spürte, dass ich belogen wurde, aber ich konnte die Lüge nicht greifen.“ – Seite 251


Der historische Krimi enthält an einigen Stellen eine gute Portion Mystery, was mir sehr gut gefallen hat. Vieles bleibt zunächst sehr rätselhaft und auch geheimnisvoll, doch später wird einiges sichtbar.

Die Geschehnisse in beiden Zeitebenen lassen sich gut verfolgen, die verschiedensten Schauplätze sind detailreich beschrieben.
Die Ereignisse im 1913 sind in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Paula Engel geschrieben – hier hat mir besonders die leicht unheimliche Atmosphäre rund um das Anwesen gefallen.

„Und nun standen wir hier, in der Einsamkeit der Winterwelt, und wussten zu viel und irgendwie doch nichts übereinander, denn die beiden Menschen, die sich diese Briefe geschrieben hatten, hätten auch andere gewesen sein können.“ – Seite 165


Im Jahr 1933 begleiten wir Cornelius Frey, der bei seinen Ermittlungen u.a. auch auf Okkultes stößt. Hier ist die Atmosphäre oftmals beklemmend – die dunkle Zeit von damals ist spürbar.

Auch wenn es der dritte Roman ist, in dem das ehemalige Graphische Viertel in Leipzig eine Rolle spielt, kann man dieses Buch unabhängig von den anderen lesen. Sehr gefallen hat mir, dass es ein Wiedersehen mit einigen Figuren gibt, die kurz am Rande auftauchen.


Mein Fazit: Ein spannender historischer Krimi mit einigen Geheimnissen und gelungener Mystery. Der regelmäßige Wechsel zwischen zwei Zeitebenen ist sehr gelungen – atmosphärisch dicht und detailreich schildert der Autor die Geschehnisse, die sich nach und nach miteinander verknüpfen und überraschende Verbindungen offenlegen. Mal spannend und mysteriös, manchmal auch etwas dunkel und unheimlich – besonders im letzten Drittel nimmt die Geschichte an Fahrt auf und offenbart einiges. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung:




Titel: Das Haus der Bücher und Schatten
Autor: Kai Meyer
Genre: Historischer Krimi/ Mystery
Seitenanzahl: 528
Verlag: Droemer Knaur
Erstveröffentlichung: 04. November 2024



Die Bücher um das verlorene Graphische Viertel der Bücherstadt Leipzig:
Band 1 - Die Bücher, der Junge und die Nacht
Band 2 - Die Bibliothek im Nebel
Band 3 - Das Haus der Bücher und Schatten





Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!


Montag, 18. November 2024

Rezension zu "Ghost Mountain" von Rónán Hession

 

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Von Ghost Mountain seinen Menschen


Wo zuvor nur Felder waren, steht plötzlich über Nacht ein Berg und verändert das Leben der umliegenden Gemeinde. Anhand eines Reigens ganz gewöhnlicher und doch einzigartiger Charaktere erkundet dieser feine Roman die Gipfel und Abgründe des menschlichen Daseins. Warmherzig, humorvoll, weise, zart und geradezu im Vorbeigehen macht er dabei ganze Welten auf. 
(Quelle: Inhaltsangabe - Blessing Verlag)








Nachdem mir Rónán Hessions Debütroman Leonard und Paul so gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf seinen neuen Roman. Ghost Mountain ist ebenfalls eine ruhig erzählte Geschichte, die jedoch einige Überraschungen im Handlungsverlauf bereithält.


In einem ruhigen Ort taucht plötzlich ein kleiner Berg auf, der aufgrund von bestimmten Merkmalen schnell den Namen Ghost Mountain bekommt. Die Bewohner der Gemeinde gehen mit der neuen Sensation unterschiedlich um – genauso unterschiedlich, wie sie selbst sind: Da ist das Ehepaar Ruth und Ocho, die mit verschiedensten Problemen zu kämpfen haben.

„Die Grundfesten seiner Persönlichkeit waren erschüttert. Oberflächlich deutete nichts darauf hin. Doch er spürte in sich einen feinen Riss, der ihn mit Sorge erfüllte. Diese Sorge sollte das dünne Mauerwerk der Selbstsicherheit zersetzen, das ihn zusammenhielt.“ – Seite 26, eBook


Dann ist da die Frau, die Ghost Mountain entdeckt hat und gleichzeitig einen Verlust erlitten hat, sowie ein Mann, der zunächst nur der „stadtbekannte Säufer“ genannt wird. Auch ein Landeskartenbeamter – ebenfalls zunächst namenlos – spielt eine Rolle. Diese und noch einige weitere Figuren sind oft speziell, aber sehr gut ausgearbeitet.
Nach und nach und mit einer eher ruhigen Art gibt der Autor Einblicke in die so verschiedenen Leben. Dabei spielt Ghost Mountain immer eine Rolle - mal nur am Rande und dann wieder sehr zentral. Der Berg löst unterschiedliche Gedanken bei den Menschen aus.

"Ghost Mountain beeindruckte sie. (…)
Am meisten beeindruckte sie aber die Art, wie Ghost Mountain erschienen war. Nicht die Plötzlichkeit. Nicht das Rätselhafte. Am meisten beeindruckte sie, dass er erschienen war und keine Botschaft hatte.“
– Seite 84, eBook


Zwischendurch und besonders im ersten Teil ist da auch ein leiser Humor, der einen ab und an schmunzeln lässt:

„Ocho war zum ersten Mal seit Monaten wieder beim Joggen. Er wollte mit seinem Körper Kontakt aufnehmen, aber sein Körper wollte das nicht. Schon vor dem Wendepunkt pfiff er aus dem letzten Loch.“ – Seite 80, eBook


Später geht es mit interessanten Einblicken weiter: Manchmal tiefsinnig und bewegend und dann ziemlich erschütternd mit Geschehnissen, die man so nicht erwartet hätte. Die Geschichte ist insgesamt in drei Teile aufgeteilt, die zugleich Zeitsprünge sind. Das ist ganz gut gelungen. Auch wenn einiges und auch manchmal ziemlich skurriles passiert, bleibt der ruhige und manchmal unaufgeregte Stil erhalten.


Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman, der ruhig erzählt wird und zugleich einiges bereithält. Anfangs mit leisem Humor, später überraschend, bewegend und auch mal erschütternd. Gleichzeitig bleibt der ruhige Erzählstil die ganze Zeit erhalten. Von unterschiedlichen Charakteren und ihren Leben bis hin zu einem geheimnisvollen Berg – der Handlungsverlauf hält einige Überraschungen bereit. Nur ab und an fand ich manche Abschnitte etwas zu merkwürdig. Nicht ganz so stark wie der Roman Leonard und Paul aber dennoch ein lesenswertes und besonderes Buch.



Meine Bewertung:




Titel: Ghost Mountain
Autor: Rónán Hession
Übersetzt von: Andrea O'Brien
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 352
Verlag: Karl Blessing
Erstveröffentlichung: 16. Oktober 2024



Vielen Dank an das Bloggerportal und Blessing für das Rezensionsexemplar!