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Von Monstern, Geheimnissen und dunkler Magie
Als Hexe hat Kosara viel Übung im Kampf gegen die gefährlichen Fabelwesen, die in jeder Neujahrsnacht über ihre Stadt herfallen. Es gibt nur ein Monster, das Kosara nicht besiegen kann: den Zmey, bekannt als Zar der Monster, dem sie als einzige je entkommen ist. Sie hat ihn einmal zu oft gereizt, und nun beginnt er sie zu jagen...
Nachdem Kosara ihren Hexenschatten – die Quelle ihrer Kräfte – kurz vor Mitternacht fast beim Kartenspiel an einen Fremden verloren hat, wird ihr klar, dass der Zmey sie verfolgt. Nun besteht ihre einzige Hoffnung darin, ihren Schatten gegen eine illegale Passage über die Mauer zur Nachbarstadt zu tauschen, wohin ihr die Monster nicht folgen können. Das Leben im sicheren Belograd wäre schön, doch Kosara entwickelt schon bald eine oft tödliche Krankheit, die schattenlose Hexen heimsucht. Nur die Rückgewinnung ihrer Magie kann sie heilen. Um ihren Schatten aufzuspüren, muss sie sich mit einem verdächtig aufrechten Ermittler zusammentun. Noch schlimmer als die Zusammenarbeit mit der Polizei ist – und alle Hinweise legen das nahe – dass Kosaras rettende Magie sich nun in den Händen des Zmey selbst befindet.
(Quelle: Inhaltsangabe - Hobbitpresse / Klett Cotta)
Tage einer Hexe ist das Debüt der bulgarischen Autorin Genoveva Dimova und überzeugt mit einer besonderen Fantasy-Geschichte, angelehnt an die slawische Mythologie.
„Sie waren allein auf der verschneiten Straße. Die Nacht war gerade erst angebrochen, und die Monster schliefen noch.“ – Seite 102, eBook
Hauptfigur hier ist die Hexe Kosara, die in der Stadt Chernograd lebt, die durch eine hohe unüberwindliche Mauer von der Stadt Belograd getrennt ist. Während in Belograd die Menschen friedlich leben und einigen Luxus genießen können, sieht es in Chernograd ganz anders aus: Die Stadt wird regelmäßig ab der Neujahrsnacht von Monstern heimgesucht. Während der darauffolgenden zwölf Tage, die auch als Schmutzige Tage bekannt sind, herrscht bei Anbruch der Dunkelheit für die Bewohner Gefahr. In dieser Zeit haben Hexen wie Kosara viel zu tun, um mit Bannkreisen und Amuletten die Monster auf Abstand zu halten. Für die Magieausübung ist ihr Hexenschatten lebenswichtig.
Doch in jener Neujahrsnacht ändert sich für Kosara alles: Der Zmey – der Zar aller Monster - kommt ihr zu nah. Um nach Belograd zu fliehen, verkauft sie ihren Hexenschatten – zu einem hohen Preis.
„Sein Schatten huschte am Fenster entlang. Mit der Hand rieb er den Raureif weg und spähte herein.
Seine Augen waren von jenem leuchtenden Blau, wie man es nur im Zentrum einer Flamme fand, sein Haar war wie geschmolzenes Gold. Sein Blick fiel in den Spiegel über dem Tresen, und der Spiegel zersprang.“ – Seite 25, eBook
Denn in der friedlichen Nachbarstadt angekommen, erleidet sie die Schattenkrankheit, die schattenlose Hexen oft bekommen und tödlich enden kann.
Während Kosara nun alles daran setzt ihren Schatten aufzuspüren, kommt sie nicht umhin mit dem Polizisten Asen Barachow zusammenzuarbeiten, der einen mysteriösen Mord aufklären will. Ihre Suche führt sie an abenteuerliche Orte, bringt sie in Gefahr und schließlich kommt der gefürchtete Zmey selbst ins Spiel…
Mich hat dieser Roman sehr positiv überrascht und ich war sofort begeistert von der Atmosphäre und dem gesamten Aufbau der Geschichte. Aus Sicht von der jungen Hexe Kosara erzählt, erfahren wir schnell, mit welchen Gefahren die Chernograder zu kämpfen haben und wie Kosara ihre Magie einsetzt. Anfangs umgeben sie und auch den Polizist Asen einige Rätsel und Geheimnisse, die nach und nach gelüftet werden. Auch, wer von den Nebencharakteren vertrauenswürdig ist und wer nicht, wird bald sichtbar.
Die unterschiedlichen Monster werden sehr gut beschrieben – hinten im Buch gibt es einen Leitfaden über sie und wie man sich während der Schmutzigen Tage verhalten soll. Für uns LeserInnen ein sehr guter Überblick über die so unterschiedlichen Wesen.
Sehr gelungen ist das gesamte Setting – die unterschiedlichen Schauplätze sind detailreich beschrieben und gibt die dort jeweilig herrschende Atmosphäre sehr gut wieder. Es wird oft sehr düster und atmosphärisch dicht, zwischendurch blitzt aber überraschend ein ganz klein wenig trocken-schwarzer Humor auf, was perfekt eingebunden ist.
„Schwarzbart kümmert sich nicht mal um ihr Grab. Ich bin froh, dass sie nicht auferstanden ist – wahrscheinlich wäre sie sonst vor lauter Scham gleich wieder gestorben.“ – Seite 181, eBook
Insgesamt gibt es viel zu entdecken: Von großartiger Magie, entfernten Palästen, dunklen Meeren und einer Mauer, die so manche Geheimnisse birgt…
„Die Mauer wand sich um die Stadt wie eine gewaltige Schlange, ihr tintenschwarzer Leib ruhte zwischen den Häusern und schnitt die Straßen entzwei.“ – Seite 98, eBook
Auch, dass neben düsterer Fantasy auch manchmal etwas dunkel-märchenhaftes aufblitzt, hat mir sehr gefallen.
Unbedingt erwähnenswert ist noch die Buchgestaltung: ich habe zwar das eBook gelesen, aber das wunderschöne Hardcover schon in der Buchhandlung bewundert. Zum tollen Cover gibt es einen sehr schönen farbigen Buchschnitt.
Mein Fazit: Ein großartiger Fantasyroman mit gelungener düsterer Atmosphäre und märchenhaften Zügen. Von detailreich geschilderten Schauplätzen, Hexen und düsteren Tagen bis hin zu gefährlichen Monstern, großen Geheimnissen und gefährlichen Abenteuern – hier gibt es viel zu entdecken. Die Charaktere lernt man nach und nach besser kennen und mit ihnen lüftet sich auch so manchens Geheimnis. Spannend und meist ziemlich düster, doch manchmal blitzt ein klein wenig trockener Humor hervor.
Ein Lesehighlight, das ich gern weiterempfehle.
Meine Bewertung:
Titel: Tage einer Hexe - Das Hexenkompendium der Monster
Autorin: Genoveva Dimova
Übersetzt von: Andrea Wandel / Wieland Freund
Genre: Dark-Fantasy / Märchen
Seitenanzahl: 464
Verlag: Hobbitpresse / Klett Cotta
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 2024


