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Wenn das Grauen sich langsam nähert…
Eigentlich wollte Jeremy Freirs sich für den Sommer aufs Land zurückziehen, um an seiner Doktorarbeit zu schreiben. Doch er merkt schnell, dass die Bewohner des verschlafenen Dorfes Gilead einer religiösen Sekte angehören und seltsame Rituale befolgen. Jeremy wird immer tiefer in die Ereignisse verstrickt, bis in der Sommerhitze ein uraltes Grauen erwacht, das nicht aus dieser Welt stammt …
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Piper Verlag)
The Ceremonies ist der erste und bisher einzige Roman von T.E.D. Klein, der erstmals im Jahr 1984 erschienen ist, in Deutschland damals unter dem Namen Morgengrauen. Nun wurde der Horrorklassiker vom Autor nochmal leicht überarbeitet und im Piper-Verlag neu veröffentlicht.
Schon der Prolog ist unheimlich – denn dieser zeigt auf, das vor vielen Jahren etwas auf die Erde kam und auf den richtigen Zeitpunkt wartete – im Verborgenen. Die unheimliche Atmosphäre ist auf diesen ersten Seiten schon sehr gelungen.
„Der dunkle Wald schien sich enger um ihn zu schließen, als wollte er ihm jeden Fluchtweg abschneiden.“ – Seite 14, eBook
Die Handlung ist in den 1970er Jahren angesiedelt. Einer der Hauptfiguren ist der neunundzwanzigjährige Jeremy Freirs, der den Sommer nutzen möchte, um an seiner Dissertation zu arbeiten – da kommt ihm das kleine Gästehaus, das ein Ehepaar auf dem Land vermieten möchte gerade recht. Die Farm von Deborah und Sarr Poroth liegt abgeschieden in der Nähe des verschlafenen Ortes Gilead. Schnell merkt Jeremy, dass hier einiges anders ist: Die Bewohner des Dorfes gehören einer Art religiösen Gruppierung an, die etwas Unheimliches an sich hat. Das Leben der Menschen wirkt aus der Zeit gefallen und seltsame Rituale werden abgehalten.
„Das Haus sah eigentlich ganz brauchbar aus, und doch rief es abermals eine gewisse Unruhe in ihm wach. (…)
Die Fester auf der Rückseite. Sie waren zu groß, zu nah an den Bäumen und schienen sich zu einer anderen Welt zu öffnen, einem Zwielicht aus verknoteten Ästen und schemenhaften schwarzen Schatten.“ – Seite 25, eBook
Nach und nach erfährt er mehr über das Dorf – über deren Bewohner, ihre Religion und von Geschehnissen, die längst vergangen sind. Doch die Vergangenheit ruht nicht und Jeremy wird in Ereignisse hereingezogen, die nach und nach Schreckliches enthüllen…
Das Buch ist vom Aufbau her besonders: Die Handlung verläuft zwar chronologisch (die Kapitel tragen das jeweilige Datum), jedoch wechselt diese regelmäßig zwischen verschiedenen Figuren. Durch die verschiedenen Blickwinkel, die manchmal ziemlich rätselhaft sind, setzen sich nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammen und offenbaren ein Bild, das unheimlicher nicht sein könnte. Schon während des Lesens merkt man, dass sich etwas zusammenbraut - doch was es genau ist, wird erst viel später klar.
„Die Wirklichkeit hängt an einem seidenen Faden.“ – Seite 401, eBook
Die unheimliche Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht, ist zwar sehr gelungen, dennoch wird die Handlung etwas in die Länge gezogen. Gerade in der ersten Hälfte verliert sich der Autor ist langen Beschreibungen von Szenen, die gar nicht so wichtig sind, auch die immer wieder mal auftauchenden erotischen Abschnitte fand ich hier überflüssig. Manchmal fehlte der Fokus auf die spannenden Dinge. Der Gruselfaktor ist schon da, auch Horrorelemente wurden gut eingebaut. Es hätte aber noch mehr aus der Story herausgeholt werden können.
Neben den Poroths und Jeremy Freirs spielen noch die junge New Yorkerin Carol Conklin und ein rätselhafter älterer Mann eine zentrale Rolle. Die verschiedenen Charaktere waren mir nicht sonderlich sympathisch, sie blieben insgesamt eher oberflächlich. Das Ende ist nach dem langen Handlungsaufbau etwas wirr. Aber dennoch fand ich es auf besondere Weise spannend, sodass ich doch unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht.
Mein Fazit: Ein Horrorklassiker mit Stärken und Schwächen. Sehr gut gelungen ist die unheimliche Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht, auch die Schauplatzbeschreibungen sind detailliert und bildgewaltig. Die Handlung lässt schon zu Anfang Dunkles erahnen, jedoch verliert sich der Autor in Nebensächlichkeiten, was die gerade aufgekommene Spannung immer wieder dämpft. Doch trotz kleiner Schwächen war ich ziemlich neugierig, wo die Geschichte letztendlich hinführt – es wird durchaus gruselig und vor allem ziemlich mysteriös. Ich vergebe 3 Sterne hierfür.
Meine Bewertung:
Titel: The Ceremonies
Autor: T.E.D. Klein
Genre: Horror / Mystery
Seitenanzahl: 528
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 1984
Neuveröffentlichung: 01. Dezember 2022
Vielen Dank an den Piper-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

