Sonntag, 29. Januar 2023

Rezension zu "The Ceremonies" von T.E.D. Klein

 

Zum Buch

Wenn das Grauen sich langsam nähert…

Eigentlich wollte Jeremy Freirs sich für den Sommer aufs Land zurückziehen, um an seiner Doktorarbeit zu schreiben. Doch er merkt schnell, dass die Bewohner des verschlafenen Dorfes Gilead einer religiösen Sekte angehören und seltsame Rituale befolgen. Jeremy wird immer tiefer in die Ereignisse verstrickt, bis in der Sommerhitze ein uraltes Grauen erwacht, das nicht aus dieser Welt stammt …
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Piper Verlag)


The Ceremonies ist der erste und bisher einzige Roman von T.E.D. Klein, der erstmals im Jahr 1984 erschienen ist, in Deutschland damals unter dem Namen Morgengrauen. Nun wurde der Horrorklassiker vom Autor nochmal leicht überarbeitet und im Piper-Verlag neu veröffentlicht.



Schon der Prolog ist unheimlich – denn dieser zeigt auf, das vor vielen Jahren etwas auf die Erde kam und auf den richtigen Zeitpunkt wartete – im Verborgenen. Die unheimliche Atmosphäre ist auf diesen ersten Seiten schon sehr gelungen.

„Der dunkle Wald schien sich enger um ihn zu schließen, als wollte er ihm jeden Fluchtweg abschneiden.“ – Seite 14, eBook


Die Handlung ist in den 1970er Jahren angesiedelt. Einer der Hauptfiguren ist der neunundzwanzigjährige Jeremy Freirs, der den Sommer nutzen möchte, um an seiner Dissertation zu arbeiten – da kommt ihm das kleine Gästehaus, das ein Ehepaar auf dem Land vermieten möchte gerade recht. Die Farm von Deborah und Sarr Poroth liegt abgeschieden in der Nähe des verschlafenen Ortes Gilead. Schnell merkt Jeremy, dass hier einiges anders ist: Die Bewohner des Dorfes gehören einer Art religiösen Gruppierung an, die etwas Unheimliches an sich hat. Das Leben der Menschen wirkt aus der Zeit gefallen und seltsame Rituale werden abgehalten.

„Das Haus sah eigentlich ganz brauchbar aus, und doch rief es abermals eine gewisse Unruhe in ihm wach. (…)
Die Fester auf der Rückseite. Sie waren zu groß, zu nah an den Bäumen und schienen sich zu einer anderen Welt zu öffnen, einem Zwielicht aus verknoteten Ästen und schemenhaften schwarzen Schatten.“
– Seite 25, eBook


Nach und nach erfährt er mehr über das Dorf – über deren Bewohner, ihre Religion und von Geschehnissen, die längst vergangen sind. Doch die Vergangenheit ruht nicht und Jeremy wird in Ereignisse hereingezogen, die nach und nach Schreckliches enthüllen…

Das Buch ist vom Aufbau her besonders: Die Handlung verläuft zwar chronologisch (die Kapitel tragen das jeweilige Datum), jedoch wechselt diese regelmäßig zwischen verschiedenen Figuren. Durch die verschiedenen Blickwinkel, die manchmal ziemlich rätselhaft sind, setzen sich nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammen und offenbaren ein Bild, das unheimlicher nicht sein könnte. Schon während des Lesens merkt man, dass sich etwas zusammenbraut - doch was es genau ist, wird erst viel später klar.

„Die Wirklichkeit hängt an einem seidenen Faden.“ – Seite 401, eBook


Die unheimliche Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht, ist zwar sehr gelungen, dennoch wird die Handlung etwas in die Länge gezogen. Gerade in der ersten Hälfte verliert sich der Autor ist langen Beschreibungen von Szenen, die gar nicht so wichtig sind, auch die immer wieder mal auftauchenden erotischen Abschnitte fand ich hier überflüssig. Manchmal fehlte der Fokus auf die spannenden Dinge. Der Gruselfaktor ist schon da, auch Horrorelemente wurden gut eingebaut. Es hätte aber noch mehr aus der Story herausgeholt werden können.

Neben den Poroths und Jeremy Freirs spielen noch die junge New Yorkerin Carol Conklin und ein rätselhafter älterer Mann eine zentrale Rolle. Die verschiedenen Charaktere waren mir nicht sonderlich sympathisch, sie blieben insgesamt eher oberflächlich. Das Ende ist nach dem langen Handlungsaufbau etwas wirr. Aber dennoch fand ich es auf besondere Weise spannend, sodass ich doch unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht.


Mein Fazit:
Ein Horrorklassiker mit Stärken und Schwächen. Sehr gut gelungen ist die unheimliche Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht, auch die Schauplatzbeschreibungen sind detailliert und bildgewaltig. Die Handlung lässt schon zu Anfang Dunkles erahnen, jedoch verliert sich der Autor in Nebensächlichkeiten, was die gerade aufgekommene Spannung immer wieder dämpft. Doch trotz kleiner Schwächen war ich ziemlich neugierig, wo die Geschichte letztendlich hinführt – es wird durchaus gruselig und vor allem ziemlich mysteriös. Ich vergebe 3 Sterne hierfür.

Meine Bewertung:





Titel: The Ceremonies
Autor: T.E.D. Klein
Genre: Horror / Mystery
Seitenanzahl: 528
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 1984
Neuveröffentlichung: 01. Dezember 2022

Vielen Dank an den Piper-Verlag  und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 25. Januar 2023

Rezension zu "Wer die Hölle kennt" von Leigh Bardugo

 

Zum Buch

Alex Stern – Band 2

Seit Jahrhunderten ziehen acht mächtige studentische Verbindungen der Elite-Universität Yale die Fäden hinter Politik und Wirtschaft – das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie.

Zwar ist es Geisterseherin Alex Stern gelungen, im Auftrag des neunten Hauses eine Verschwörung auf dem Campus aufzuklären, doch dabei wurde ihr Mentor Daniel Arlington entführt. Obwohl Alex' Gefühle für Daniel in zwei sehr unterschiedliche Richtungen tendieren, unternimmt sie alles, um ihn zu retten. Auch wenn sie dafür buchstäblich durch die Hölle gehen muss!
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Knaur Verlag)




Wer die Hölle kennt ist die mit Spannung erwartete Fortsetzung von Das neunte Haus, das im Februar 2020 erschienen ist. Auch der zweite Band ist ziemlich packend und führt die Geschichte um die Geisterseherin Alex Stern fort.
Der Schauplatz hier ist die Eliteuniversität Yale in New Haven, wo die acht großen Häuser verschiedenste Magie und Rituale ausüben. Da diese die Geister der Toten anziehen, wurde das neunte Haus Lethe geschaffen, um die Aktivitäten von Yales Geheimverbindungen zu überwachen und die Geister fernzuhalten. Ebenfalls versuchen die Mitglieder des neunten Hauses die Mysterien zu enthüllen, die hinter dem Schleier im Jenseits liegen. Auch Galaxy „Alex“ Stern gehört dazu, da sie die Fähigkeit besitzt, die Geister ohne Hilfsmittel zu sehen. Doch bei den letzten Geschehnissen musste sie noch einen Schritt weiter gehen – seitdem ist einiges anders:

„Sie hatte sie zu sich gerufen und ihre Namen genannt. Sie hatten geantwortet. Sie hatten sie gerettet. Und Rettung hatte ihren Preis. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Grauen schon sehen können; nun konnte sie sie auch hören. Sie waren jetzt viel näher, so viel schwerer zu ignorieren.“ – Seite 27, eBook


Bei den letzten dramatischen Ereignissen wurde ihr Mentor Daniel Arlington, auch Darlington genannt, entführt. Während einige ihn schon für tot erklärt haben, ist Alex fest davon überzeugt, dass er noch lebt und gefangen ist – in der Hölle. Alex und Pamela Dawes versuchen alles, um ihn zu retten – mit gefährlichen Folgen für sie alle.
Zudem geht auf dem Campus seltsames vor: Todesfälle, mysteriöse Geschehnisse und undurchsichtige Personen sind nur ein Teil davon. Auch holt Alex ihre Vergangenheit erneut ein…

„Sie hatte eine Falle erwartet, aber eben nicht die, die er für sie aufgestellt hatte. Und sie war einfach hineingelaufen. Wie ein weiser Narr.“
– Seite 97, eBook


Die Fortsetzung ist von der ersten Seite an fesselnd. Zunächst hatte ich Bedenken, ob ich nach gut drei Jahren wieder in die Geschichte reinfinden würde, da diese bereits im ersten Teil komplex war. Doch ich habe mich schnell wieder zurechtgefunden. Es geht los mit einem mysteriösen Prolog, wo Alex eine unheimliche Entdeckung macht. Danach geht es ein paar Wochen zurück. Zusammen mit weiteren Einblicken in die Vergangenheit setzten sich nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammen und ergeben ein düsteres Bild. Zudem machen sich Alex und ihre Verbündeten auf einen – im wahrsten Sinne des Wortes – höllischen Weg.

„Du hast immer ausgesehen, als würdest du vor dem Ärger davonlaufen.“
Alex drückte den Knopf zum Schließen der Tür. „Und?“
„Jetzt siehst du aus, als hätte er dich erwischt.“
– Seite 87, eBook


Leigh Bardugo hat hier die Universität Yale zu einem spannenden Schauplatz gemacht – mit Bibliotheken, die uralte Geheimnisse hüten, mysteriösen Geheimbünden, dunkler Magie und Ritualen, die unheimlicher nicht sein können – es wird spannend, magisch und schön düster. Vorne im Buch findet man eine Karte des weitläufigen Gebiets der Yale Universität. Wie schon bei dem ersten Band sollte man sich hier wieder etwas Zeit nehmen – die Story ist komplex mit vielen Details. Aber es lohnt sich.

Mein Fazit: Magisch, ziemlich düster und unheimlich spannend – eine gelungene Fortsetzung. Tolle und detailreich beschriebene Schauplätze, interessante Charaktere und ein Verlauf, der die Figuren an ihre Grenzen bringt – alles umhüllt von einer gelungenen dunklen Atmosphäre. Tolle Fantasy!



Meine Bewertung:




Titel: Wer die Hölle kennt
Autorin: Leigh Bardugo
Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 576
Verlag: Knaur
Erstveröffentlichung: 13. Januar 2023



Alex Stern - Die Bücher:
Band 1 - Das neunte Haus
Band 2 - Wer die Hölle kennt


Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!