Freitag, 29. Dezember 2017

Rezension zu "Den Mund voll ungesagter Dinge" von Anne Freytag

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Veränderungen und Gefühlschaos

Die siebzehnjährige Sophie lebte bisher mit ihrem Vater zusammen in Hamburg. Doch das ändert sich nun: Mit seiner neuen Freundin Lena wird es ernst und so ziehen sie nach München – gegen Sophies Willen und dann auch noch kurz vor dem Abitur. Plötzlich findet Sophie sich in einem großen Haus wieder, mit einer „Stiefmutter“,  zwei kleinen Jungs und einem struppigen Hund. Sie fühlt sich trotzdem einsam und leer – ihre leibliche Mutter hat sie nie kennengelernt, der Schmerz sitzt nach wie vor tief. Doch dann lernt sie das Nachbarsmädchen Alex kennen, die Sophie mit ihrem ansteckenden Lachen ein anderes Leben zeigt. Plötzlich fühlt sie sich verstanden – bis eines Tages ein außergewöhnlicher Augenblick alles verändert…


„Ich atme ein und wieder aus, und die Luft verlässt wie Nebel meine Lungen – doch der in meinem Gehirn bleibt. Manchmal glaube ich, dass die Monster, die früher unter meinem Bett gewohnt haben, irgendwann unbemerkt in meinen Kopf gezogen sind. Und da bleiben sie jetzt, weil da oben immer was los ist." – Seite 85/86


Nachdem mir Mein bester letzter Sommer so gut gefallen hatte, war ich ziemlich neugierig auf Anne Freytags aktuelles Buch. Auch hier gibt es wieder eine starke weibliche Hauptfigur, die zwar nicht unheilbar krank ist, aber dennoch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat. Sophie ist siebzehn Jahre alt und hat ihre leibliche Mutter nie kennen gelernt. Nun beschließt ihr Vater zu seiner neuen Freundin zu ziehen – und Sophie muss mit. In der Ich-Perspektive aus Sophies Sicht geschrieben, schildert die Autorin sehr detailreich, wie es in Sophies Gedankenwelt aussieht – was sie belastet, was ihr fehlt und auch, was sie glücklich machen würde. Natürlich auch, wie sie ihr neues Zuhause und die neugewonnene Patchworkfamilie erlebt. Und dann tritt Alex in ihr Leben…
Die Geschichte lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Gerade das Sophie eine Hauptfigur mit Ecken und Kanten ist, macht sie zu einem besonderen Charakter. Doch ich wurde nicht richtig warm mit ihr. Mir waren die Nebencharaktere etwas sympathischer: Lena, die „Stiefmutter“ oder auch Alex, die noch eine großer Rolle spielen wird.
Leider gab es mittendrin ein paar Abschnitte, wo sich die Geschichte einige Zeit auf der Stelle tritt. Doch glücklicherweise löst sich das nach einiger Zeit auf. Die Handlung hat insgesamt aber eine gute Mischung aus vielen Facetten: Es wird mal traurig, mal schön, mal sehr direkt und auch mal nachdenklich. Besonders gut gefallen hat mir aber das letzte Kapitel.

Das Cover ist ein Hingucker – leuchtend rot und doch von der Gestaltung her dezent. Ich finde es toll. Das Buch ist eine Klappenbroschur und hat, wie auch schon bei „Mein bester letzter Sommer“ hinten wieder Playlisten mit Songs, die Sophie und auch Alex durch die Zeit begleiten.


„Ich stehe unsicher im Türrahmen, und mein Mund füllt sich mit Worten. Wie eine Badewanne, die irgendwann überläuft. Doch bevor das passieren kann, drehe ich mich um und gehe.“ – Seite 114


Mein Fazit: Ein lesenswerter Roman, der sehr gut geschrieben ist, mich dennoch aber manchmal nicht ganz erreichen konnte. Das liegt wohl daran, dass mir die Hauptfigur irgendwie nicht immer so symphatisch war - wohl wegen ihrer Sturrheit. Obwohl sie von der Autorin unheimlich gut beschrieben wurde, haben mir manche Nebencharaktere besser gefallen. Die Geschichte an sich hat eine bunte Mischung aus schönen und traurigen Momenten, mal dramatisch und rührend und auch mal etwas zum Schmunzeln. Doch zwischendurch hätte ich mir noch dieses fesselnd-besondere gewünscht, was den Roman  Mein bester letzter Sommer so einmalig gemacht hat. Auch wenn ich diesem Buch nur 3,5 Sterne gebe, ist Anne Freytag mit diesem Buch ein guter, neuer Jugendroman gelungen.


Meine Bewertung: 





Titel: Den Mund voll ungesagter Dinge

Autorin: Anne Freytag
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 400
Verlag: Heyne fliegt
Erstveröffentlichung: 06. März 2017

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Rezension zu "Mein bester letzter Sommer" von Anne Freytag



Zum Buch

Eine unvergessliche Reise

Tessa ist siebzehn Jahre alt und weiß, dass sie niemals achtzehn werden wird. Denn sie ist unheilbar krank. Seit Monaten nun kreisen ihre Gedanken um das, was unaufhaltsam näher rückt. Doch plötzlich tritt Oskar in ihr Leben – ganz unerwartet und mit voller Wucht. Tessa verliebt sich und geht mit Oskar auf eine ganz besondere Reise: Italien. Eine wundervolle Zeit, die auch traurige Momente haben wird, bricht an und Oskar versucht alles, um Tessa einen unvergesslich letzten Sommer zu bereiten. Wird ihm das gelingen ? Denn die Zeit ist knapp…


„Eine fremde Stadt sieht man mit anderen Augen. Man beachtet sie und geht nicht einfach an ihr vorbei.“ – Seite 246


Dieses Buch hatte ich lange auf der Wunschliste und habe mich nun sehr gefreut, dass es nun bei mir eingezogen ist. Schon auf den ersten Seiten wird eines klar: Es wird traurig. Doch die Geschichte ist wundervoll erzählt: Es geht um die siebzehnjährige Tessa, die weiß, dass sie bald sterben wird.  Als sie sich schon so gut wie selbst aufgegeben hat, lernt sie Oskar kennen. Und er verändert alles. Zusammen machen sie eine Reise nach Italien, die unvergesslich wird…
Mir hat besonders der tolle, detailreiche Schreibstil gefallen. Hauptsächlich in der Ich-Perspektive von Tessa erzählt, erfährt man den Schmerz und ihre Hoffnungslosigkeit sehr nah. Doch auch die vielen schönen Momente sind anrührend. Es ist eben auch eine schöne außergwöhnliche Liebesgeschichte und dabei kein bisschen kitschig.
Auch der Handlungsverlauf birgt einige Überraschungen – die Grundstory ist bekannt, aber was auf den einzelnen Seiten dazwischen wirklich alles passiert, bleibt offen und erfährt man beim Lesen nach und nach. Besonders rührend fand ich einen Brief, den Oskar an Tessa geschrieben hat. Hier ein kleiner Auszug:


„Es ist Zeit. Für dich und mich. Zum ersten Mal weiß ich wieder, warum man sie nicht verschwenden darf. Weil sie kostbar ist. Weil die Uhr tickt. Deine leider schneller als meine. Zeit ist das kostbarste, was wir haben und ich will so viel wie möglich von meiner mir dir verbringen.“  – Seite 133


Die Buchgestaltung ist sehr schön – ein schlichtes Cover, aber mit allen wichtigen Details, die das Buch ausmachen.  Zudem findet man am Anfang noch eine Skizzevon Tessas und Oskars Reiseroute, sowie am Ende eine Playlist mit Musiktiteln, die die beiden begleitet haben.


Mein Fazit: Ein sehr berührendes und wundervolles Buch. Es gibt viele traurige, aber auch schöne Momente - eine außergewöhnliche Liebesgeschichte ohne kitschig zu sein und eine aufregende Reise mit etwas wertvollem, was sehr begrenzt ist: Zeit. Mir hat das Buch im Gesamten sehr gut gefallen – auch das Anfangs noch einiges offen bleibt und man nicht weiß, wie alles verlaufen wird.  Der Schreibstil ist detailreich, schön und macht die Geschichte zu etwas Besonderem. Eine Geschichte die ans Herz geht – sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 







Titel: Mein bester letzter Sommer
Autorin: Anne Freytag
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 368
Verlag: Heyne fliegt
Erstveröffentlichung: 08. März 2016

Sonntag, 24. Dezember 2017

Rezension zu "Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel" von Jean-Francois Parot

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Band 1 der Reihe um Commissaire Le Floch

Paris, im Jahr 1761: Über ein Jahr ist es her, als der junge Nicolas Le Floch auf Empfehlung seines Patenonkels nach Paris gereist ist, um für den Polizeipräfekt de Sartine zu arbeiten. Dieser teilt ihn schnell dem Polizeibeamten Lardin zu, der überwiegend mit geheimen Missionen betraut ist. Als Lardin eines Tages spurlos verschwindet, beauftragt der Polizeipräfekt Nicolas mit der Suche – denn Lardin steckte mitten in einem heiklen Fall. So begibt sich Nicolas Le Floch gemeinsam mit einem Kollegen auf Spurensuche. Diese führt ihn schließlich in die dunkelsten Ecken von Paris. Noch ahnt er nicht, dass sein Fall bald ungeahnte Ausmaße annehmen wird. Plötzlich geschehen Morde und auch Nicolas schwebt in Gefahr…


„Ihr wurde nicht bewusst, was sie da sah, denn nicht nur ihr Körper, auch ihre Vorstellungskraft wurde von einer namenlosen Angst gepeinigt.“ – Seite 17, eBook


Da ich gerne historische Krimis lese, war ich dementsprechend neugierig auf den ersten Fall von Commissaire Nicolas Le Floch, der mit einem Auftrag betraut wird, der ungeahnte Außmaße annimmt. Die Handlung spielt mitten im 18. Jahrhundert in Paris – besonders die vielen Schauplätze inner- und außerhalb der Stadt werden sehr gut beschrieben. Auch die etwas düstere Atmosphäre ist sehr gut gelungen – gerade der Prolog ist unheimlich und macht neugierig auf den weiteren Verlauf.
Auch wenn es viel positives (wie oben erwähnt) über die Handlung zu berichten gibt, so gab es auch ein paar Dinge, die mir nicht so gefallen haben. Leider bleibt die Hauptfigur, der junge Mann Nicolas Le Floch etwas blass – ich wurde manchmal nicht so richtig schlau aus ihm und seine Handlungen und hätte gern noch mehr Details über ihn erfahren. Der Handlungsverlauf bietet zwar viele spannende Abschnitte und auch die Verknüpfungen sind sehr gut gewählt – jedoch geht der Spannungsbogen immer wieder verloren durch zu lange, nebensächliche Ausführungen. Das Finale hingegen hat mir wieder sehr gut gefallen und beantwortet einige offene Fragen. Auch wenn mein persönlicher Eindruck eher zweigeteilt ist, kann ich sagen, dass es hochwertiger Krimi ist, der das historische Flair sehr gut rüberbringt.


„Nicolas beobachtete interessiert die Wendung, die der Streit nahm. Zwei Feuersteine, die aneinandergeschlagen werden, erzeugen einen Funken. Lassen wir die Männer ruhig streiten, sagte er sich, vielleicht kommt ja die Wahrheit ans Tageslicht.“ – Seite 76, eBook


Mein Fazit: Ein guter historischer Krimi, der seine Stärken und Schwächen hat. Wie schon oben erwähnt, ist meine persönliche Meinung zweigeteilt. Die düstere Atmosphäre ist gelungen und die vielen spannenden Schauplätze in Paris sind detailreich beschrieben. Die Hauptfigur hingegen war etwas undurchsichtig und auch der Spannungsbogen flacht zwischendurch immer wieder etwas ab.
Dennoch würde ich diesen Auftakt als ganz gut bezeichnen und auch weiterempfehlen, da einfach der historische Flair unheimlich gut rüberkommt und es wirklich interessante Verstrickungen gibt. Ich vergebe hierfür drei Sterne.


Meine Bewertung: 





Titel: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel
Autor: Jean-Francois Parot
Genre: Historischer Kimi
Seitenanzahl: 480
Verlag: Blessing
Erstveröffentlichung: 25. September 2017


Die Bücher der Reihe um Nicolas Le Floch:
Band 1 - Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel
Band 2 - Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten
Band 3 - Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale
Band 4 - Commissaire Le Floch und Gift der Liebe
Band 5 - Commissaire Le Floch und die silberne Hand


Vielen Dank an das Bloggerportal und Blessing für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 22. Dezember 2017

Rezension zu "Das Erbe der Rosenthals" von Armando Lucas Correa

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Eine Reise in die Vergangenheit

Berlin, im Jahr 1939: Da das Leben für die elfjährige Hannah Rosenthal und ihre jüdische Familie in Deutschland von Tag zu Tag gefährlicher wird, beschließen sie nach Kuba fliehen. Die „St. Louis“, ein großes Passagierschiff, soll sie und viele andere sicher auf die ferne und unbekannte Insel bringen. Was niemand ahnt: Nur wenige von ihnen dürfen das Schiff vor Ort verlassen. Auch Hannahs Familie wird auseinander gerissen – ein Drama beginnt…


New York, im Jahr 2014: Die elfjährige Anna hat ihren Vater bei dem Terroranschlag 9/11 verloren und trauert Tag für Tag um den Mann, den sie nie kennenlernen durfte. Als eines Tages ein Brief von ihrer Großtante eintrifft, dem viele alte Fotos beiliegen, möchte sie unbedingt mehr über die Wurzeln ihres Vaters herausfinden. So reist sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Kuba, wo sie auf Antworten hofft…


„Ich schloss die Augen und sagte mir: Diesen Moment darfst du niemals vergessen. Ich zählte alles auf, was ich mir ins Gedächtnis eingravieren musste: die Brokattapeten, das Licht im Flur, den samtbezogenen Sessel, Mamas Parfum. Doch das Allerwichtigste war mir schon entglitten: Papas Gesicht.“ – Seite 86, eBook


Auf dieses Buch, dass im Dezember 2017 erschienen ist, bin ich durch die sehr interessante Inhaltsangabe aufmerksam geworden. Von Anfang an erzählt der Autor sehr feinfühlig und detailreich die Geschichten der beiden gleichaltrigen Mädchen, zwischen denen über sechs Jahrzehnte liegen. Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen den Geschehnissen in der Vergangenheit (1939) und den aktuellen Ereignissen im Jahr 2014. Beide Schicksale werden jeweils aus der Ich-Perspektive der beiden Mädchen Hannah und Anna erzäht, die mehr gemeinsam haben, als man zunächst ahnt.
Die Geschichte ist sehr ergreifend und gleichzeitig unheimlich interessant – nach und nach werden alle Fragen beantwortet, Geheimnisse gelüftet und die Verbindungen hergestellt…
Der Schreibstil ist sehr detailreich – ob es die Charaktere sind, die oft dramatischen Geschehnisse oder auch die Schauplätze – alles wird sehr bildgewaltig beschrieben.
Das Cover ist schön und sehr passend gewählt: Ein junges Mädchen mit einem Koffer in der Hand auf einem Schiff – denn genau der Abschnitt an Bord der „St. Louis“ spielt eine große und zentrale Rolle in der Geschichte. Im Nachwort findet man neben den historischen Fakten rund um die schicksalshafte Fahrt des Schiffes auch Ausschnitte der damaligen Passagierliste – es ist schockierend, was damals geschehen ist.


„Allmählich wurde mir bewusst, dass ich von nun an für die anderen immer das bedauernswerte Mädchen sein würde, das seinen Vater an einem Tag im September verloren hatte.“ – Seite 89, eBook


Mein Fazit: Ein gelungenes und sehr ergreifendes Debüt. Armando Lucas Correa erzählt hier die Lebensgeschichten von zwei jungen Mädchen, dessen Schicksale eng miteinander verknüpft sind. Gegenwartsliteratur mit einem historischen Hintergrund machen das Buch zu etwas Besonderem. Es wird traurig, dramatisch und rührend – und alles sehr bildgewaltig beschrieben. Es ein sehr lesenswertes und emotionales Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte. 


Meine Bewertung: 

 



Titel: Das Erbe der Rosenthals
Autor: Armando Lucas Correa
Übersetzt von: Ute Leibmann
Genre: Gegenwartsliteratur / Historischer Roman
Seitenanzahl: 432
Verlag: Bastei Lübbe 
Erstveröffentlichung: 21. Dezember 2017


Vielen Dank an Bastei Lübbe und Netgalley für das Rezensionsexemplar!