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Veränderungen und Gefühlschaos
Die siebzehnjährige Sophie lebte bisher mit ihrem Vater
zusammen in Hamburg. Doch das ändert sich nun: Mit seiner neuen Freundin Lena
wird es ernst und so ziehen sie nach München – gegen Sophies Willen und dann
auch noch kurz vor dem Abitur. Plötzlich findet Sophie sich in einem großen Haus
wieder, mit einer „Stiefmutter“, zwei
kleinen Jungs und einem struppigen Hund. Sie fühlt sich trotzdem einsam und
leer – ihre leibliche Mutter hat sie nie kennengelernt, der Schmerz sitzt nach
wie vor tief. Doch dann lernt sie das Nachbarsmädchen Alex kennen, die Sophie
mit ihrem ansteckenden Lachen ein anderes Leben zeigt. Plötzlich fühlt sie sich
verstanden – bis eines Tages ein außergewöhnlicher Augenblick alles verändert…
„Ich atme ein und wieder aus, und die Luft verlässt wie Nebel meine Lungen – doch der in meinem Gehirn bleibt. Manchmal glaube ich, dass die Monster, die früher unter meinem Bett gewohnt haben, irgendwann unbemerkt in meinen Kopf gezogen sind. Und da bleiben sie jetzt, weil da oben immer was los ist." – Seite 85/86
Nachdem mir Mein bester letzter Sommer so gut gefallen
hatte, war ich ziemlich neugierig auf Anne Freytags aktuelles Buch. Auch hier
gibt es wieder eine starke weibliche Hauptfigur, die zwar nicht unheilbar krank
ist, aber dennoch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat. Sophie ist
siebzehn Jahre alt und hat ihre leibliche Mutter nie kennen gelernt. Nun beschließt
ihr Vater zu seiner neuen Freundin zu ziehen – und Sophie muss mit. In der Ich-Perspektive
aus Sophies Sicht geschrieben, schildert die Autorin sehr detailreich, wie es
in Sophies Gedankenwelt aussieht – was sie belastet, was ihr fehlt und auch,
was sie glücklich machen würde. Natürlich auch, wie sie ihr neues Zuhause und
die neugewonnene Patchworkfamilie erlebt. Und dann tritt Alex in ihr Leben…
Die Geschichte lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Gerade
das Sophie eine Hauptfigur mit Ecken und Kanten ist, macht sie zu einem
besonderen Charakter. Doch ich wurde nicht richtig warm mit ihr. Mir waren die
Nebencharaktere etwas sympathischer: Lena, die „Stiefmutter“ oder auch Alex,
die noch eine großer Rolle spielen wird.
Leider gab es mittendrin ein paar Abschnitte, wo sich die
Geschichte einige Zeit auf der Stelle tritt. Doch glücklicherweise löst sich
das nach einiger Zeit auf. Die Handlung hat insgesamt aber eine gute Mischung
aus vielen Facetten: Es wird mal traurig, mal schön, mal sehr direkt und auch
mal nachdenklich. Besonders gut gefallen hat mir aber das letzte Kapitel.
Das Cover ist ein Hingucker – leuchtend rot und doch von der
Gestaltung her dezent. Ich finde es toll. Das Buch ist eine Klappenbroschur und
hat, wie auch schon bei „Mein bester letzter Sommer“ hinten wieder Playlisten
mit Songs, die Sophie und auch Alex durch die Zeit begleiten.
„Ich stehe unsicher im Türrahmen, und mein Mund füllt sich mit Worten. Wie eine Badewanne, die irgendwann überläuft. Doch bevor das passieren kann, drehe ich mich um und gehe.“ – Seite 114
Mein Fazit: Ein lesenswerter Roman, der sehr gut geschrieben
ist, mich dennoch aber manchmal nicht ganz erreichen konnte. Das liegt wohl
daran, dass mir die Hauptfigur irgendwie nicht immer so symphatisch war - wohl wegen ihrer Sturrheit. Obwohl
sie von der Autorin unheimlich gut beschrieben wurde, haben mir manche
Nebencharaktere besser gefallen. Die Geschichte an sich hat eine bunte Mischung
aus schönen und traurigen Momenten, mal dramatisch und rührend und auch mal
etwas zum Schmunzeln. Doch zwischendurch hätte ich mir noch dieses
fesselnd-besondere gewünscht, was den Roman Mein bester letzter Sommer so einmalig
gemacht hat. Auch wenn ich diesem Buch nur 3,5 Sterne gebe, ist Anne Freytag
mit diesem Buch ein guter, neuer Jugendroman gelungen.
Meine Bewertung:
Titel: Den Mund voll ungesagter Dinge
Autorin: Anne Freytag
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 400
Verlag: Heyne fliegt
Erstveröffentlichung: 06. März 2017



