Samstag, 16. Dezember 2017

Rezension zu "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" von John Green

Zum Buch


Die unendliche Gedankenspirale

Aza Holmes ist 16 Jahre alt und manchmal in ihrer eigenen Welt gefangen. Dann beherrschen sie Sorgen und Ängste, die sie einfach nicht aus ihren dunklen Gedanken verbannen kann. Doch da ist noch ihre beste Freundin Daisy, die ihr von einer Sache erzählt, für die Aza zurzeit eigentlich gar keinen Kopf hat:  Der milliardenschwere Unternehmer Russell Pickett ist verschwunden und für Hinweise, die zu seinem Auffinden beitragen, ist eine Belohnung von einhunderttausend Dollar ausgesetzt. Die furchtlose Daisy ist sofort dabei und möchte das Geheimnis um den Milliardär lüften, doch Aza ist zwiegespalten – kennt sie doch dessen Sohn Davis.
Für Aza ändert sich plötzlich einiges – gleichzeitig macht sie auch eine Reise in das Zentrum ihrer Gedankenspirale – schafft sie es, sich ihren Ängsten stellen?


„Ich hätte ihr gesagt, dass Davis und ich nie viel geredet oder uns angesehen hatten, aber das war egal, weil wir zusammen denselben Himmel sahen, was viel intimer ist, als einander in die Augen zu sehen. In die Augen kann man jedem sehen. Aber jemand zu finden, der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.“ – Seite 14


Nachdem mir Das Schicksal ist ein mieser Verräter schon so gut gefallen hat, war ich sehr gespannt auf John Greens neuestes Werk. Auch dieses überzeugt mit einer besonderen und ans Herz gehenden Geschichte: Die 16-Jährige Aza leidet unter Angststörungen – das Buch ist aus ihrer Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben und gibt so einen sehr detaillierten Einblick in ihre Sorgen, Ängste und Nöte. Dann ist da noch Daisy, Azas beste Freundin, die das absolute Gegenteil von ihr zu sein scheint: Schlagfertig, aufgeweckt und furchtlos. Aber gerade diese Freundschaft zwischen den beiden  finde ich toll und man merkt als Leser schnell, das Daisy für Aza eine wichtige Stütze ist:


„So oft konnte ich mich nicht vor meinen Ängsten retten, aber manchmal musste ich nur Daisy zuhören, und alles war wieder gut. Sie rückte etwas in mir zurecht, und dann hatte ich nicht mehr das Gefühl, von einem Strudel oder einer enger werdenden Spirale mitgerissen zu werden.“ – Seite 70


Für die Beiden beginnt schließlich ein Abenteuer: Die Suche nach einem verschwundenen Milliardär. Jedoch ist das nicht das zentrale Thema der Geschichte. Im Mittelpunkt stehen hier die Hauptfiguren, zu denen neben Aza auch Daisy und Davis stehen. Dieses Buch hat einen unheimlich tollen Sprachklang – es ist sensibel geschrieben, ich hätte am liebsten ganze Seiten zitiert. Die Handlung entwickelt sich in einem angenehmen Tempo, es wird mal traurig, mal etwas poetisch und beantwortet nach und nach alle aufkommenden Fragen.
Auch die Gestaltung des Buches ist einfach wundervoll: Neben dem auffallenden, schönen Cover mit dem besonderen Titel ist der Buchschnitt orange gefärbt, was ein wirklicher Hingucker ist. Dann gibt es noch eine Besonderheit: Der Buchumschlag hat zwei Cover – man kann die Innenseite nach außen klappen – dort verbirgt sich ein Cover, das in dem Stil von Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder auch Margos Spuren gehalten ist. Eine tolle Idee.
Was ich persönlich auch sehr interessant fand: Im Laufe des Buches erfährt man auch, was es mit dem englischen Originaltitel Turtles All The Way Down auf sich hat.


Mein Fazit: Ein besonderes und sehr hochwertiges Buch, das mir unheimlich gut gefallen hat. Eine Geschichte, die mit viel Gefühl erzählt wird und mit überzeugenden Charakteren, die oft tolle Dialoge führen. Der Schreibstil ist flüssig, es lässt sich sehr gut lesen. Mich hat das Buch sehr bewegt, es ist sehr berührend. Gelungene und anspruchsvolle Jugendliteratur, die aber in jedem Alter gelesen werden kann. 


Meine Bewertung: 






Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Autor: John Green
Genre: Jugenbuch / All Age
Seitenanzahl: 288
Verlag: Hanser

Vor kurzem ebenfalls von John Green gelesen:
Das Schicksal ist ein mieser Verräter

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