Freitag, 22. Dezember 2017

Rezension zu "Das Erbe der Rosenthals" von Armando Lucas Correa

Zum Buch


Eine Reise in die Vergangenheit

Berlin, im Jahr 1939: Da das Leben für die elfjährige Hannah Rosenthal und ihre jüdische Familie in Deutschland von Tag zu Tag gefährlicher wird, beschließen sie nach Kuba fliehen. Die „St. Louis“, ein großes Passagierschiff, soll sie und viele andere sicher auf die ferne und unbekannte Insel bringen. Was niemand ahnt: Nur wenige von ihnen dürfen das Schiff vor Ort verlassen. Auch Hannahs Familie wird auseinander gerissen – ein Drama beginnt…


New York, im Jahr 2014: Die elfjährige Anna hat ihren Vater bei dem Terroranschlag 9/11 verloren und trauert Tag für Tag um den Mann, den sie nie kennenlernen durfte. Als eines Tages ein Brief von ihrer Großtante eintrifft, dem viele alte Fotos beiliegen, möchte sie unbedingt mehr über die Wurzeln ihres Vaters herausfinden. So reist sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Kuba, wo sie auf Antworten hofft…


„Ich schloss die Augen und sagte mir: Diesen Moment darfst du niemals vergessen. Ich zählte alles auf, was ich mir ins Gedächtnis eingravieren musste: die Brokattapeten, das Licht im Flur, den samtbezogenen Sessel, Mamas Parfum. Doch das Allerwichtigste war mir schon entglitten: Papas Gesicht.“ – Seite 86, eBook


Auf dieses Buch, dass im Dezember 2017 erschienen ist, bin ich durch die sehr interessante Inhaltsangabe aufmerksam geworden. Von Anfang an erzählt der Autor sehr feinfühlig und detailreich die Geschichten der beiden gleichaltrigen Mädchen, zwischen denen über sechs Jahrzehnte liegen. Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen den Geschehnissen in der Vergangenheit (1939) und den aktuellen Ereignissen im Jahr 2014. Beide Schicksale werden jeweils aus der Ich-Perspektive der beiden Mädchen Hannah und Anna erzäht, die mehr gemeinsam haben, als man zunächst ahnt.
Die Geschichte ist sehr ergreifend und gleichzeitig unheimlich interessant – nach und nach werden alle Fragen beantwortet, Geheimnisse gelüftet und die Verbindungen hergestellt…
Der Schreibstil ist sehr detailreich – ob es die Charaktere sind, die oft dramatischen Geschehnisse oder auch die Schauplätze – alles wird sehr bildgewaltig beschrieben.
Das Cover ist schön und sehr passend gewählt: Ein junges Mädchen mit einem Koffer in der Hand auf einem Schiff – denn genau der Abschnitt an Bord der „St. Louis“ spielt eine große und zentrale Rolle in der Geschichte. Im Nachwort findet man neben den historischen Fakten rund um die schicksalshafte Fahrt des Schiffes auch Ausschnitte der damaligen Passagierliste – es ist schockierend, was damals geschehen ist.


„Allmählich wurde mir bewusst, dass ich von nun an für die anderen immer das bedauernswerte Mädchen sein würde, das seinen Vater an einem Tag im September verloren hatte.“ – Seite 89, eBook


Mein Fazit: Ein gelungenes und sehr ergreifendes Debüt. Armando Lucas Correa erzählt hier die Lebensgeschichten von zwei jungen Mädchen, dessen Schicksale eng miteinander verknüpft sind. Gegenwartsliteratur mit einem historischen Hintergrund machen das Buch zu etwas Besonderem. Es wird traurig, dramatisch und rührend – und alles sehr bildgewaltig beschrieben. Es ein sehr lesenswertes und emotionales Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte. 


Meine Bewertung: 

 



Titel: Das Erbe der Rosenthals
Autor: Armando Lucas Correa
Übersetzt von: Ute Leibmann
Genre: Gegenwartsliteratur / Historischer Roman
Seitenanzahl: 432
Verlag: Bastei Lübbe 
Erstveröffentlichung: 21. Dezember 2017


Vielen Dank an Bastei Lübbe und Netgalley für das Rezensionsexemplar!



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