Mittwoch, 25. August 2021

Rezension zu "Der Tod und das dunkle Meer" von Stuart Turton

 

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Unterwegs in dunklen Wassern…

1634: Ein Schiff auf dem Weg von Indonesien nach Amsterdam. Eine dunkle Prophezeiung und ein Detektiv, der selbst Gefangener ist. Samuel Pipps und Arent Hayes stehen vor dem Fall ihres Lebens, denn der Teufel ist mit an Bord. Aberglaube, Hexenjagd, Machtgier – Stuart Turton führt uns ins dunkle Meer der menschlichen Abgründe.

Gerade noch hat Samuel Pipps im Auftrag der mächtigen Männer der Ostindien-Kompanie einen kostbaren Schatz in der Kolonie Batavia wiedergefunden. Nun befindet er sich auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Sein Assistent und Freund Arent Hayes ist mit an Bord der Saardam. Genau wie der Generalgouverneur und seine Frau Sara Wessel. Doch kaum auf See, beginnt der Teufel sie heimzusuchen. Unerklärliche Morde geschehen, und ein Flüstern weht durch das Schiff, das alle an Bord dazu verführt, ihren dunkelsten Wünschen nachzugeben. Pipps muss seinem Freund Arent und Sara dabei helfen, ein Rätsel zu lösen, das alle Passagiere verbindet und weit in die Vergangenheit zurückreicht. Bevor das Schiff sinkt und sie alle in die Tiefe reißt. (Quelle: Klappentext - Tropen Verlag)



Nach seinem gelungenen Debüt Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle gibt es nun einen neuen Roman von Stuart Turton. Der Tod und das dunkle Meer ist anders, aber genau so großartig geschrieben. Hier geht es zurück in das Jahr 1634: Eine Flotte der Ostindien-Kompanie bereitet sich im Hafen von Batavia auf die weite Reise von Indonesien nach Amsterdam vor. Auf der „Saardam“ finden sich die verschiedensten Persönlichkeiten wieder: Neben dem Generalgouverneur Jan Haan samt Familie und Angestellten befinden sich auch der Meisterdetektiv Samuel Pipps und sein Assistent Arent Hayes unter den Reisenden. Pipps wurde von der Ostindien-Kompanie beauftragt, einen gestohlenen Schatz von großem Wert wiederzufinden – was ihm auch gelungen ist. Doch nun befindet er sich in Ketten auf dem Rückweg nach Amsterdam, wo ihn seine Hinrichtung erwartet. Was ist passiert?

Schnell wird klar, dass jeder an Bord seine Geheimnisse hat – von geheimnisvollem Frachtgut über Intrigen und Feindschaften ist alles dabei. Doch nicht nur das: Das Schiff scheint verflucht zu sein – ist wirklich der Teufel mit an Bord, wie es eine Prophezeiung voraussagte? Plötzlich geschehen mysteriöse Dinge und der Schrecken nimmt seinen Lauf…

„Seine Stimme war leise und so schneidend, dass sie die Ameisen zu ihren Füßen hätte zerstückeln können.“ – Seite 33, eBook


Schon zu Beginn schafft Stuart Turton es, mit seinem tollem Schreibstil eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen – nach und nach wird es auf dem Schiff immer mysteriöser: Es kommt zu unheimlichen Begegnungen bis hin zu rätselhaften Mordfällen. Sehr spannend ist, wie sich langsam die vielen einzelnen Fäden zusammensetzen und ein unheimliches und zugleich überraschendes Bild ergeben…

„Der Kapitän wartete noch eine Sekunde länger, wartete darauf, dass die Stille zu Stein erstarrte.“ – Seite 84, eBook


Dazu wird Vergangenes mit Aktuellem verknüpft und dabei kommt so manch dunkles Geheimnis zum Vorschein. Als Leser*in kann man fleißig miträtseln, was es mit all den mysteriösen Geschehnissen auf sich hat – am liebsten möchte man das Buch in einem Rutsch durchlesen.

„Das Flüstern klang heiser und rau, als hätten die Worte Klauen, die sich in ihre Gedanken schlugen. Sie tastete ganz langsam nach dem Dolch, der auf ihrem Nachttisch lag, und ihre Finger schlossen sich um den Griff. (…)
Ihr einziger Gefährte war der Mond, der wegen der zerklüfteten Ränder der Wolken, hinter denen er hervorlugte, ein wenig so aussah, als hätte er Zähne.“
– Seite 316, eBook


Die Handlung ist komplex mit vielen Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, dennoch behält man den Überblick - das Buch lässt sich flüssig lesen und bleibt durchgehend spannend!

Mein Fazit: Unheimlich, düster und mysteriös: Stuart Turton überzeugt in seinem neuen Roman mit einer spannenden Handlung und starken Charakteren. Es wird abenteuerlich und mit jeder Seite rätselhafter, doch nach und nach setzen sich die einzelnen Teile zu einem überraschenden Gesamtbild zusammen. Sehr gelungen!


Meine Bewertung:



Titel: Der Tod und das dunkle Meer
Autor: Stuart Turton
Genre: Krimi / Mystery
Seitenanzahl: 608
Verlag: Tropen / Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 21. August 2021

Weitere Rezensionen findet ihr hier:
 - Weltenwanderer

Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 18. August 2021

Rezension zu "Kleine Wunder um Mitternacht" von Keigo Higashino

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Die magische Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit


Drei junge Einbrecher, die eine Nacht lang untertauchen müssen. Ein verlassener Laden, der aus der Zeit gefallen ist. Ein alter Mann, der mit Briefen das Schicksal der Menschen zum Guten wendet ...

Es ist kurz vor Mitternacht, als drei junge Einbrecher in einen verlassenen Gemischtwarenladen eindringen, um nach ihrem Raubzug unterzutauchen. Doch Atsuya, Shota und Kohei wird keine ruhige Stunde bis zum Morgengrauen gewährt: Ein Brief wird von außen durch einen Schlitz in den Laden geworfen, obwohl in der Dunkelheit vor der Tür kein Mensch zu sehen ist. Als ihn die erstaunten Kleinkriminellen öffnen, beginnt eine unglaubliche Geschichte, die eine Nacht lang das Leben unzähliger Menschen verändern wird – und eigentlich begann sie vor über dreißig Jahren, als ein weiser alter Mann mit seinen Worten kleine Wunder vollbringen konnte.
(Quelle: Klappentext - Limes Verlag)



Schon die Inhaltsangabe des neuen Romans von dem japanischen Autor Keigo Higashino verspricht eine besondere Geschichte – wie diese sich schließlich entwickelte, hat mich positiv überrascht.
Alles beginnt damit, dass drei junge Männer nach einem Einbruch für den Rest der Nacht ein Versteck suchen – so stoßen sie auf den ehemaligen Gemischtwarenladen von Yuji Namiya, der schon viele Jahre geschlossen hat. Doch ganz verlassen scheint dieser nicht zu sein, denn kurz nach ihrer Ankunft wird ein Brief durch den Briefschlitz im Laden geworfen – jedoch ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Zunächst verwirrt, beginnen die Drei dem Rätsel auf den Grund zu gehen - schon bald merken sie, dass hier auf wundersame Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind. Schließlich erleben sich etwas, dass viele Leben verändern wird und schon weit vor dreißig Jahren begann…

Dieses Buch lässt sich angenehm leicht lesen – anfangs wirkt es noch etwas unscheinbar und es hat einen kurzen Moment gebraucht, bis es mich packen konnte. Danach konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, denn der Roman entwickelt eine überraschende Tiefe. Nach und nach tauchen mehrere Figuren auf, von denen jeder eine ganz eigene Geschichte hat und mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen haben. Diese einzelnen Puzzleteile fügen sich mit jedem weiteren Kapitel zu einem sehr gelungenen Gesamtbild zusammen. Alle Fäden führen schließlich zu dem Laden Namiyas Gemischtwaren:

„Wenn man abends bei Namiya Gemischtwaren einen Brief durch den Schlitz im Rolladen steckt, wartet am nächsten Morgen eine Antwort im Milchkasten hinter dem Haus.“ – Seite 15, eBook


Der damals 72-Jähriger Besitzer Yuji Namiya hat Anfang der 1970er Jahre begonnen, Menschen kostenlose Ratschläge zu geben, die so manches Leben änderten.

„Eines Tages wird es deine Aufgabe sein, dich um deine Eltern zu kümmern. Um für diesen Tag bereit zu sein, musst du fleißig lernen und dir ein Leben aufbauen, Ich hoffe, dass dich nichts daran hindert. Glaub mir: Egal wie schlimm heute alles ist, morgen wird es besser sein.“ 
~ Namiya Gemischtwaren
– Seite 132, eBook


Der kleine Laden verbirgt so manches Wunder – nach und nach verbinden sich die Fäden und offenbaren, wie die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft ist. Gerade das und diese kleine magische Note haben mir sehr gut gefallen.


Mein Fazit: Eine wundervolle Geschichte mit einem Hauch Magie, in der viele kleine Fäden perfekt miteinander verknüpft sind. Anfangs noch etwas unscheinbar, entwickelt die Geschichte schon kurz darauf eine überraschende Tiefe und offenbart so manche Überraschung. Schön und leicht geschrieben mit vielen interessanten Figuren und Verbindungen. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung:





Titel: Kleine Wunder um Mitternacht
Autor: Keigo Higashino
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 416
Verlag: Limes
Erstveröffentlichung: 13. April 2021


Vielen Dank an das Bloggerportal und Limes für das Rezensionsexemplar!