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Montag, 26. August 2024

Rezension zu "Cleopatra und Frankenstein" von Coco Mellors


Zum Buch

Eine Liebe in New York

Ein Silvesterabend in New York: Cleo, Mitte zwanzig, britische Kunststudentin, Bohémienne a.k.a. ewig pleite, trifft Frank, Mitte vierzig, Amerikaner, Inhaber einer Werbeagentur und ungleich gesettleter, im Aufzug einer Partylocation. Es ist die vielbeschworene Liebe auf den ersten Blick. Hals über Kopf stürzen Cleo und Frank sich in eine amour fou, mit der sie selbst kaum Schritt halten können - geschweige denn die, die ihnen nahestehen.
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Eichborn-Verlag)


Am 30. August 2024 erscheint der neue Roman Blue Sisters von Coco Mellors, auf den ich schon sehr gespannt bin. Doch zuvor habe ich den Debütroman der Autorin gelesen - Cleopatra und Frankenstein überrascht auf vielen Ebenen.




Im Mittelpunkt stehen Cleo und Frank, die sich an einem Silvesterabend in New York zufällig im Fahrstuhl begegnen. Cleo ist eine junge Kunststudentin aus England und Frank, der mit Mitte vierzig gut zwanzig Jahre älter ist als sie, ist Inhaber einer Werbeagentur. Trotz vieler Gegensätze verlieben sie sich auf den ersten Blick ineinander. So schnell ihre Liebe begann, so rasant geht es auch in ihrer Beziehung weiter – Hochzeit, Zusammenleben und auch der Alltag, der nach und nach Risse bekommt. Ihre Freunde, die genau so unterschiedlich sind wie die beiden selbst, können kaum mit ihrem Tempo mithalten und erleben die Liebe von Cleo und Frank auf verschiedene Weise…

„Sie stiegen die Treppe hoch bis zum ersten Absatz. Um im Erdgeschoss zu landen, müssten sie zehn Stufen überwinden. Es war eine Mutprobe unter Kindern, die einander herausfordern, höher zu steigen, noch eine Stufe und noch eine. Er nahm ihre Hand. Sie hielt seine fest. Dann sprangen sie.“ – Seite 29


Das Handlung erzählt nicht nur die besondere Geschichte der beiden Hauptfiguren, sondern auch die der Nebenfiguren. Aus verschiedenen Blickwinkeln – mal aus der Sicht von Cleo und Frank, dann aber auch aus den Perspektiven der engsten Freunde, Bekannten und Kollegen - erfahren wir nicht nur, wie sich Cleos und Franks gemeinsames Leben entwickelt, sondern bekommen auch Einblicke in die Leben der ihnen Nahestehenden. Zunächst musste ich mich daran gewöhnen, doch im Laufe der Geschichte fand ich diese Perspektivwechsel sehr passend. Auch wie die Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die Beziehung der beiden erleben, ist interessant zu verfolgen.




Der Schreibstil der Autorin ist besonders: Sehr direkt und manchmal schonungslos, gleichzeitig dann auch berührend und sehr einnehmend. Sie beschreibt schöne Augenblicke und schillernde Momente ebenso detailreich wie tieftraurige und dramatische Ereignisse. Auch werden manchmal tiefe Abgründe sichtbar.

„Bei Menschen ist es genauso, weißt du?“, sagt er schließlich. „Wir zerbrechen. Und setzen uns wieder zusammen. Die Risse sind das Beste an uns. Du musst sie nicht verstecken.“ – Seite 453


Manchmal wird es ziemlich direkt, wild und auch mal schräg, dann aber auch wieder ruhig und ernster mit längeren Dialogen - das Buch hat viele Facetten. Man muss sich auf die Handlung, die manchmal etwas speziell ist, einlassen. Einige wenige Momente waren mir etwas zu abgehoben, aber davon mal abgesehen hat mir die Geschichte, die einige Überraschungen bereithält, gut gefallen.

„Das Café auf der gegenüberliegenden Seite leuchtete wie ein Lampion. Gesprächsfetzen und Gelächter von den Grüppchen, die um die kleinen runden Tische gedrängt im Freien saßen, perlten zu Cleo herüber und zerplatzten auf ihrer Haut.“ – Seite 154


Mein Fazit: Ein beeindruckendes Debüt, das mit einem ganz eigenen Stil überrascht. Im Mittelpunkt steht die Liebe von Cleo und Frank, aber auch um die beiden herum passiert einiges – ebenso wie mit ihnen selbst. Die Story hat viele Facetten – es wird mal etwas wild und schräg, dann wieder traurig und berührend – und oft auf besondere Weise fesselnd. Die Nebencharaktere spielen hier eine ganz zentrale Rolle, was sehr gut eingefügt ist. Die Geschichte wird aus verschiedensten Perspektiven erzählt – detailreich, nah und einnehmend.
Bis auf Kleinigkeiten ein lesenswertes Buch, das mich im Gesamten positiv überrascht hat. Empfehlenswert für alle, die gerne außergewöhnliche Romane lesen.



Meine Bewertung:



Titel: Cleopatra und Frankenstein
Autorin: Coco Mellors
Übersetzt von: Lisa Kögeböhn
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 512
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 25. August 2023



Mittwoch, 10. Juli 2024

Rezension zu "The Stranger Times 4: Relight my Fire" von C.K. McDonnell

Zum Buch

The Stranger Times - Band 4

Stella genießt ihr Leben als Fast-Studentin; zumindest bis ein Mann direkt vor ihr vom Himmel fällt und ein großes Loch im Bürgersteig hinterlässt. Auf die offensichtliche Frage, wie er überhaupt in den Himmel gekommen ist, gibt es keine offensichtliche Antwort. Als der Verdacht aufkommt, Stella könnte etwas mit dem mysteriösen Ereignis zu tun haben, muss die Redaktion der Stranger Times ihre Unschuld beweisen - und herausfinden, was zum Teufel wirklich vor sich geht.

Leider werden die Ermittlungen von dem üblichen Wahnsinn in Manchester gestört: sturen Ghulen, widerspenstigen Gnomen und einer rauschenden Party voller Stars, die eine königliche Hochzeit in den Schatten stellen würde. (Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)



RELIGHT MY FIRE ist der vierte Band der herrlich schrägen Stanger-Times-Reihe von Autor C.K. McDonnell. Im Mittelpunkt steht die Wochenzeitung THE STRANGER TIMES, die nicht über Alltägliches berichtet, sondern den seltsamen Phänomenen, allem Übernatürlichen und mysteriösen Sichtungen auf den Grund geht – denn die gibt in Manchester häufiger als gedacht.

Der vierte Band beginnt kurz nach den letzten Ereignissen, die im Vorgängerband zu einem spannenden Finale geführt haben. In der Stanger-Times Redaktion ist wieder der Alltag eingekehrt, Mitarbeiterin Stella hat ein inoffizielles Studium begonnen und fühlt sich schon fast wie eine normale Studentin – bis ein Mann direkt vor ihre Füße vom Himmel fällt. Während noch nach Antworten gesucht wird, wie dieser überhaupt hoch oben mitten in der Luft schweben konnte, kommt schnell der Verdacht auf, dass Stella etwas mit den Geschehnissen zu tun haben könnte. Um dies zu widerlegen, nimmt die Stanger-Times sofort die Ermittlungen auf und stößt auf Spuren, die weiter reichen als gedacht.

Wie schon bei den Vorgängern ist die Handlung wieder herrlich schräg und ziemlich skurril. Und natürlich sind die bekannten Hauptfiguren wieder mit dabei – einer von ihnen ist der spezielle Chefredakteur Vincent Bancroft, der seinen ganz eigenen Stil hat:

„Die Absperrung wurde aufgeschoben, und Vincent Banecroft marschierte hindurch. Er trug einen grünen Mantel, der wahrlich schon bessere Tage gesehen hatte, und einen braunen Anzug, von dem man dies bei aller Liebe nicht behaupten konnte. Als er näher kam, wurde deutlich, dass Sakko und Hose keineswegs zum selben braunen Anzug gehörten. Die Wirkung war wenig erfreulich. Und seine blauen Turnschuhe machten es auch nicht besser.“ – Seite 46, eBook


Neben dem Rätsel um den schwebenden Mann muss sich Banecroft zudem noch mit einem unheimlichen Verfolger herumschlagen, der ihm ein höllisches Ultimatum stellt.

Während die stellvertretene Chefredakteuerin Hannah zusammen mit Stella und den anderen Mitarbeitern einigen mysteriösen Spuren folgt, wird nach und nach klar, dass etwas Großes im Gange ist – gut, dass sie weitere Unterstützung haben, auch wenn diese nicht immer ganz menschlich sind:

„Brian, der Ghul, saß am äußersten Kopfende des ungemachten Einzelbettes und hatte sich die langen, knochigen Arme um den Oberkörper geschlungen.“ – Seite 231, eBook


Die Handlung wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven – einige davon sind anfangs sehr rätselhaft, doch nach und nach setzen sich die losen Fäden zu einem überraschenden und spannenden Gesamtbild zusammen. Der Schreibstil ist wie gewohnt locker, es gibt viel Skurriles, einiges an schwarzem Humor und erfrischende Dialoge. Nicht zu vergessen die besonderen Charaktere – es gibt ein Wiedersehen mit schon bekannten Figuren, aber auch neue kommen hinzu.

Von Geistern und höllischen Deadlines, einem verängstigten Ghul mit einer Vorliebe für Kekse, von seltsamen Geschehnissen auf dem Friedhof bis zu einem ehemaligen Rockmusiker, der seine ganz eigenen Pläne hat – und mittendrin die Stranger Times. Es gibt einiges zu entdecken.

Unbedingt erwähnenswert ist das sehr gelungene Cover – die ganze Reihe hat eine wunderschöne besondere Gestaltung, die ein echter Hingucker ist. Es ist durchaus möglich, das Buch ohne Vorkenntnisse zu lesen, da alles Wichtige erklärt wird.
Doch um alle Zusammenhänge genau zu verstehen, würde ich dennoch empfehlen, zunächst die Vorgänger zu lesen – auch weil einige der Charaktere eine große Entwicklung machen.



Mein Fazit:
Auch der vierte Band hält ein spannendes Abenteuer bereit – herrlich schräg, ziemlich skurril und mit viel schwarzem Humor. Das alles in Kombination mit besonderen Charakteren, die nicht immer ganz menschlich sind und einer Handlung, die sich spannend und ziemlich überraschend entwickelt. Sehr lesenswert und eine große Empfehlung an alle, die außergewöhnliche Geschichten lieben.



Meine Bewertung:




Titel: Relight my Fire
Autor: C.K. McDonnell
Übersetzt von: André Mumot
Genre: Fantasy / Mystery / Humor
Seitenanzahl: 560
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 28. Juni 2024


Die Bücher der Reihe:
Band 1 - The Stranger Times
Band 2 - This Charming Man
Band 3 - Love Will Tear Us Apart
Band 4 - Relight My Fire



Vielen Dank an den Eichborn-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Dienstag, 18. Juni 2024

Rezension zu "Ihr wollt es dunkler" von Stephen King

 

Zum Buch


Zwölf unheimliche Erzählungen


Nach einer außerweltlichen Begegnung in den Wäldern von Maine machen zwei Freunde urplötzlich große Karriere; ihr Geheimnis nehmen sie mit in den Tod. Danny träumt von einer Leiche, die er dann tatsächlich findet; in den Augen der Polizei kann nur er der Mörder sein. Vic macht Ferien in Florida, wo er eine verschrobene alte Frau kennenlernt; eine Bekanntschaft, die in einem Horrorstrudel endet.

Das sind nur drei von zwölf neuen Storys, die Stephen King in Ihr wollt es dunkler versammelt – viele Genres umspannende Geschichten über das gegenwärtige Amerika, über finstere Mächte und existenzielle Fragen. (Quelle: Inhaltsangabe - Heyne Verlag)



Ihr wollt es dunkler ist die neue Kurzgeschichtensammlung von Stephen King und enthält zwölf Geschichten – ganz im typischen King-Stil. Inhaltlich sind sie völlig unterschiedlich und doch haben sie eines gemeinsam: Sie sind immer auf eine besondere Weise unheimlich.

Von einer geheimnisvollen Begegnung im Wald, die das Leben von zwei Freunden komplett verändert (Zwei begnadete Burschen), über eine Unterhaltung im Central Park, die anders endet als gedacht (Der fünfte Schritt), bis hin zu einem Mann der einen bösen Traum hat, dieser schließlich Wirklichkeit wird und einiges nach sich zieht (Danny Coughlins böser Traum).

„Da ist nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste, denkt Danny, nichts, wovor man Angst haben sollte. Wobei er sich keine Sorgen macht, und Angst hat er auch nicht. Ihn hat das blanke Grauen gepackt.“ – aus DANNY COUGHLINS BÖSER TRAUM, Seite 126


Dazu kommt noch eine folgenschwere Begegnung mit zwei Verbrechern an einem unheimlichen Ort (Auf der Slide Inn Road), einem besonderen Hund, der nicht von der Seite seines Herrchens weicht (Laurie) und einem Wiedersehen mit einer Figur aus dem Roman Cujo, die viele Jahre später unheimliches erlebt (Klapperschlangen).

„Die Welt ist voller Klapperschlangen. Manchmal tritt man auf sie, und doch beißen sie nicht zu. Und manchmal steigt man über sie hinweg, und sie beißen trotzdem zu.“ - aus KLAPPERSCHLANGEN, Seite 512


Dieses ist nur ein kleiner Einblick in die Hälfte der Geschichten, die alle auf besondere Weise fesselnd sind. Wie schon bekannt, siedelt Stephen King auch hier öfter mal das Grauen in einer normalen Gegend an. Mal einfach nur unheimlich, dann wieder gruselig mit einer kleinen Portion Horror und manchmal taucht das Übernatürliche in einer ziemlich düsteren Version auf. Auch die verschiedensten Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet – manche haben ziemlich unangenehme Wesenszüge, andere wiederum sind sehr sympathisch.






So unterschiedlich wie die einzelnen Themen, sind auch die Längen der Geschichten. Einige sind nur wenige Seiten lang, andere gehen weit über einhundert Seiten – die längste Erzählung ist Danny Coughlins böser Traum mit knapp 225 Seiten. Diese Mischung von kurzen Erzählungen und etwas ausführlicheren Storys ist sehr gut gelungen. Auch wenn einzelne Geschichten nur unterhaltsam für zwischendurch waren, haben andere mich wiederum sehr gefesselt.

„Ich weiß nicht, was das Universum zu bedeuten hat, aber ich habe so eine ungefähre Ahnung. (…) Aber so viel kann ich verraten: Hüten Sie sich vor Träumen. Träume sind gefährlich. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.“ - aus DIE TRÄUMENDEN, Seite 609


Mein Fazit: Zwölf lesenswerte Erzählungen, die alle eine besondere und sehr unheimliche Note haben. Mal spannend mit etwas Übernatürlichen, dann ziemlich gruselig mit einer Portion Horror und manchmal einfach nur ziemlich düster und fesselnd – Stephen King hat ein besonderes Talent dafür, auf wenigen Seiten eine Story zu erschaffen, die sehr gut ausgearbeitet ist, alles Wichtige enthält und die man so schnell nicht vergessen wird. Wieder eine gelungene Kurzgeschichtensammlung vom Meister des Grauens.



Meine Bewertung:



Titel: Ihr wollt es dunkler
Autor: Stephen King

Übersetzt von: Wulf Bergner, Jürgen Bürger, Karl-Heinz Ebnet, Gisbert Haefs, Marcus Ingendaay, Bernhard Kleinschmidt, Kristof Kurz, Gunnar Kwisinski, Friedrich Sommersberg, Sven-Eric Wehmeyer

Genre: Horror / Unheimliches / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 736
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 30. Mai 2024


Eine weitere Rezension findet ihr bei Weltenwanderer.


Dienstag, 28. Mai 2024

Rezension zu "Das Reich der Verdammten - A Tale of Pain and Hope" von Jay Kristoff

 

Zum Buch

Das Reich der Vampire – Band 2

Nachdem Gabriel de León den Orden der Silberwächter verlassen hat, begibt er sich zusammen mit seiner mysteriösen Verbündeten Liathe auf die Suche nach dem Ursprung der Vampirherrschaft: Er soll den Gral zu einem Weisen des uralten Volks der Esani bringen, um zu erfahren, wann der Fluch begann – und wie er sich beenden lässt.

Doch verfolgt von den Kindern des Ewigen Königs und der Heiligen Inquisition, ist kein Schritt gefahrlos, denn Verrat lauert hinter jeder Ecke. Und dass Gabriel und seine Gefährten in einen Krieg hineingezogen werden, der seit Jahrhunderten in der Dunkelheit ausgefochten wird, verbessert ihre Erfolgsaussichten auch nicht gerade… (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - FISCHER Tor)



Das Reich der Verdammten – A Tale of Pain and Hope ist der zweite Band der Dark-Fantasy-Reihe Das Reich der Vampire von Jay Kristoff und erzählt die düstere Geschichte von einer Vampiren beherrschten Welt spannend weiter.

Anfangs hatte ich etwas Sorge, nicht wieder in die komplexe Geschichte hineinzufinden, da seit dem ersten Band gut zwei Jahre vergangen sind. Doch direkt am Anfang gibt es anhand von einem Register mit den wichtigsten Charakteren auch gleichzeitig einen Rückblick, der eine gut Erinnerungsstütze ist. So war ich nach wenigen Seiten wieder mittendrin in der Story.

Zum Handlungsverlauf möchte ich gar nicht so viel schreiben, da ich sonst ziemlich spoilern würde. Aber ich versuche hier, ein wenig zu beschreiben, was uns LeserInnen in dieser Fortsetzung erwartet – ohne zu viel zu verraten. Der zweite Band setzt fast nahtlos an den Vorgänger an, wo gerade zum Ende hin einiges passiert ist und so manche Geheimnisse ans Licht kamen.

Eine der Hauptfiguren hier ist wieder Gabriel de León - der Letzte der Silberwächter, der nach vielen Jahren zu einer Legende wurde – und inzwischen ein Gefangener ist. Nach einem kleinen „Zwischenfall“ sitzt er wieder dem Vampir Jean-Francois Chastain gegenüber. Der Chronist wurde von seiner mächtigen Herrscherin beauftragt, die Geschichte des berühmten Silberwächters nieder zu schreiben.

„Der Vampir und sein Gefangener blieben allein zurück, und eine Kühle hing in der Luft, die vom Schatten eines leeren Leuchtturms und dem Raunen unvergessener Geister verdüstert wurde.“ – Seite 179, eBook


Hier gibt es die überraschende Neuigkeit, dass nicht nur Gabriels Geschichte erzählt wird, sondern auch die von zwei weiteren Figuren – eine davon ist ebenfalls Jean Francois´ Interviewpartner.

Im zweiten Band lernen wir noch mehr von der Welt kennen, die seit über 27 Jahren eine andere ist – der „Tagestod“ ermöglichte es den Vampiren, nun auch tagsüber für Angst und Schrecken zu sorgen. So eroberten sie in vielen blutigen Schlachten weitläufige Gebiete und Ortschaften.
Nachdem Gabriel de Leon von einer Prophezeiung erfahren hat, die aufzeigt, dass der Tagestod mithilfe eines geheimnisvollen Grals beendet werden kann, sieht er etwas Hoffnung in der dunklen Welt. Zusammen mit der geheimnisvollen Liathe versucht er, den Gral zu einem Weisen an einem schwer erreichbaren Ort zu bringen, der zu dem uralten Volk der Esani gehört. Doch dieser Weg ist gefährlich, blutig und hält einige böse Überraschungen bereit.

Gabriel musste indes Schlimmes durchmachen und sinnt auf Rache an dem Ewigen König - gleichzeitig verlässt ihn die Hoffnung nie, dass die Schreckensherrschaft doch noch beendet werden kann und er zudem noch das Geheimnis des Ursprungs der Vampirherrschaft lüften kann.

Bei was es sich bei dem heiligen Gral handelt und wer genau die Frau Liathe ist, wird noch im ersten Band enthüllt. Dieses würde aber hier denjenigen zu viel verraten, die das Buch noch nicht gelesen haben.
Neben Gabriel treten noch weitere Charaktere in den Vordergrund, dessen Wege interessant zu verfolgen sind. Es gibt ein zudem ein Wiedersehen mit längst verlorenen geglaubten Figuren. Gleichzeitig erfahren wir hier noch mehr über die vier mächtigen Blutlinien – uralte und sehr mächtige Vampire, die gegenseitig tief verfeindet sind.

„Die Vampire standen still wie Statuen, ließen sich nicht aus den Augen und vermittelten allein durch ihre Haltung eine enorme Bedrohung. Aber nach einer atemlosen Ewigkeit wandte der jüngere Blutsauger den Blick ab.“ – Seite 295, eBook


Auch das Reich Elidaen wird hier sehr detailreich beschrieben. Die Handlung ist von Anfang an fesselnd, entwickelt sich spannend und hält viele überraschende Wendungen bereit.
Was mir persönlich nicht so gefallen hat, waren die detaillierten Sexszenen, die der Roman wirklich nicht gebraucht hätte. Auch der ausschweifend beschriebene Blutrausch mit viel Gewalt im dritten Teil war manchmal etwas zu übertrieben. Da dieses aber nur einen kleinenTeil der über 1.000 Seiten einnimmt, kann ich darüber hinwegsehen. Es passiert sehr viel und besonders zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse…
Insgesamt ist diese Fortsetzung noch um einiges dunkler, brutaler und oftmals ziemlich blutig. Es wird sehr unheimlich – Jay Kristoff fängt das Grauen und den Schrecken in dieser von Vampiren beherrschten Welt sehr gut ein.

„Gabriel leerte seinen Kelch, dann starrte er das Ungeheuer an, das ihm gegenübersaß. Alles Licht im Raum schien sich in den dunklen Teichen der Vampiraugen zu sammeln, die wie Sterne funkelten.“ – Seite 224, eBook


Besonders gefallen hat mir das folgende Zitat, das auch ähnlich im ersten Band auftauchte:

„Ein Leben ohne Bücher ist ein nicht gelebtes Leben. Es liegt eine Magie ohnegleichen in ihnen. Ein Buch aufzuschlagen, das ist, als würde man eine Tür öffnen – zu einem anderen Ort, einer anderen Zeit, einem anderen Verstand.“ – Seite 80, eBook


Unbedingt erwähnenswert sind noch die passend-düstere Umschlaggestaltung und die vielen Illustrationen im Buch, die verschiedene Charaktere und Momentaufnahmen wiedergeben. Diese kommen auch im eBook sehr gut zur Geltung. Zudem findet man noch eine Karte von einem Ort, der im Laufe der Geschichte noch eine zentrale Rolle spielt.


Mein Fazit: Wieder fesselnde Dark-Fantasy auf über 1000 Seiten. Spannend, und noch um einiges dunkler als der Vorgänger. Von mächtigen Vampiren, die blutig über eine verdüsterte Welt herrschen, uralten Feindschaften und abgrundtiefe Dunkelheit bis hin zu jemanden, der alles dafür tun würde, um die Schreckensherrschaft zu beenden – es wird spannend und mit überraschenden Wendungen, detailreichen Schilderungen und einer Atmosphäre, wie sie unheimlicher nicht sein kann. Bis auf kleine Kritikpunkte eine gelungene Fortsetzung, die es in sich hat und 4,5 Sterne von mir bekommt. Sehr lesenswert.


Meine Bewertung:






Titel: Das Reich der Verdammten - A Tale of Pain and Hope
Autor: Jay Kristoff
Übersetzt von: Kirsten Borchardt
Illustrationen: Bon Orthwick
Genre: Dark-Fantasy
Seitenanzahl: 1.008
Verlag: FISCHER Tor
Erstveröffentlichung: 01. Mai 2024 (eBook) / 29. Mai 2024 (Print)


Das Reich der Vampire - die Bücher:
Band 1: Das Reich der Vampire - A Tale of Blood and Darkness
Band 2: Das reich der Verdammten - A Tale of Pain and Hope


Vielen Dank an die S. Fischer-Verlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!