![]() |
| Zum Buch |
Vom Vergessen und Erinnern und dem Dorf im Schilf
Nincshof, ein kleines Dorf an der österreichisch-ungarischen Grenze, soll vergessen werden. So der Plan dreier Männer, die sich „die Oblivisten“ nennen und raus wollen aus der hektischen Zeit. Wenn niemand mehr von ihnen weiß, können sie und das ganze Dorf in Freiheit und Ruhe leben. Laut Legende ist das in Nincshof schon einmal so gewesen. Ausgerechnet die alte Erna Rohdiebl soll dabei helfen, dass dieses Vorhaben gelingt, denn die drei Männer glauben, dass die alte Frau die Freiheit im Blut hat und daher genau die Richtige für ihre Bewegung ist. Erna Rohdiebl wiederum hat in ihrem langen Leben selten Dümmeres als die Idee zu verschwinden gehört, aber ihre Neugierde siegt. Abend für Abend poltern die Oblivisten an ihre Eckbank und plotten bei Speckbroten und Pusztafeigenschnaps ihr Verschwinden. Alles scheint nach Plan zu verlaufen. Wenn da nicht die Neuen aus der Stadt wären. Ein turbulenter Sommer nimmt seinen Lauf!
(Quelle: Inhaltsangabe - DuMont Verlag)
Nincshof ist der Debütroman von Johanna Sebauer und überrascht mit einer außergewöhnlichen Geschichte und einem besonderen Schreibstil.
Im Mittelpunkt steht das kleine Dorf Nincshof. Es liegt im Burgenland an der österreichisch-ungarischen Grenze mit nur wenigen hundert Einwohnern. Alles geht seinen gewohnten Gang – bis zu dem Sommer, in dem Pläne geschmiedet werden, eine Legende wieder in den Vordergrund rückt und Vergangenes an die Oberfläche kommt.
„Nincshof ist das Dorf. Auf den ersten Blick, wie jedes Dorf, in keiner Weise besonders. Auf den zweiten, wie jedes Dorf, einzigartig.“ – Seite 10, eBook
Die fast achtzigjährige Erna Rohdiebl ist die Erste, die von dem verrückten Plan der drei Dorfbewohner erfährt, die dich die Oblivisten nennen: Sie möchten, dass Nincshof vergessen wird, damit sie zukünftig in aller Ruhe, fernab von Fahrradtouristen und Verpflichtungen, leben können. Dafür haben sie bereits einiges in die Wege geleitet. Erna betrachtet das alles mit einer gewissen Skepsis, aber da in Nincshof sonst nicht viel passiert und sie sehr neugierig ist, hört sie sich die Pläne der drei Männer an, die jeden Abend auf ihrer Eckbank zusammenkommen.
Dann ist da noch die ehemalige Filmemacherin Isa Bachgasser, die mit ihrer Familie aus der Stadt in die umgebaute Mühle am Dorfrand gezogen ist. Zunächst ist sie unsicher, was das neue Leben im Dorf angeht – auch den Plänen ihres Mannes, der als ehemaliger Architekt plötzlich Irrziegen züchten will, steht sie skeptisch gegenüber.
Eines Tages entdeckt Isa beim Joggen zufällig ein altes rostiges Schild, dessen eingravierte Sätze ihr einige Rätsel aufgeben – und sie zugleich neugierig auf die Vergangenheit des Dorfes machen. Bei ihren Recherchen stößt Isa auf eine mysteriöse Legende über ein verstecktes Dorf im Schilf und lernt Erna Rohdiebl kennen, die ihr ganzes Leben in Nincshof verbracht hat. Kann sie Licht ins Dunkel bringen?
„Heute, als fast Achtzigjährige, wusste sie, das Leben war ein Durcheinander, ein üppiger Strauß Wildblumen, in dem die schönsten und die giftigsten Blüten nebeneinander gediehen.“ – Seite 253, eBook
Den drei Oblivisten sind „die Neuen“ natürlich ein Dorn im Auge und wollen gegen einige Pläne, die das Dorf bekannter machen könnten, angehen – so nimmt schließlich alles seinen Lauf, der skurriler nicht sein kann…
„Die Nincshofer und besonders die Nincshoferinnen wussten alles voneinander. (…)
So war es doch verwunderlich, oder nicht?, dass in jenem Sommer, in dem diese Geschichte sich begab, Schwaden der Heimlichkeit ins Dorf zogen, sich da und dort zusammenbauschten und manches vernebelten.“ – Seite 27, eBook
Schon auf den ersten Seiten wird der besondere Schreibstil sichtbar, der im Gesamten aber sehr gut zu der Geschichte passt. Manche Kapitel (besonders zu Beginn) sind in etwas verschnörkelten, ausführlichen Sätzen verfasst, andere Abschnitte sind etwas einfacher geschrieben - immer den jeweiligen Geschehnissen angepasst. Auch wird diese typische Dorfatmosphäre hier wunderbar wiedergegeben – etwas verschlafen und mit einer etwas trügerischen Idylle.
Die Handlung ist aus der Sicht verschiedener Figuren geschrieben, die in allen Kapiteln immer mit Vor- und Nachnamen genannt werden. Ungewohnt, aber nicht störend. Nach und nach erfährt man auch einiges über Vergangenes - besonders Erna und Isa lernt man sehr gut kennen. Nur an manchen Stellen weichen längere Ausführungen etwas zu sehr vom Hauptgeschehen ab. Aber das ist nur ein sehr kleiner Kritikpunkt.
Ob das Dorf selbst, die Bewohner mit ihren Eigenheiten oder aber auch der Plan des Vergessenwerden – die Geschichte entwickelt sich zu einem unterhaltsamen Roman – besonders zum Ende hin. Sehr interessant sind die Pläne, wie das Dorf vergessen werden soll – herrlich schräg und auch etwas amüsant.
Mein Fazit: Ein Dorfroman der besonderen Art! Von sehr gut beschriebenen Schauplätzen und Charakteren mit schrägen Ideen bis hin zu einer sehr interessanten Vergangenheit des Dorfes, die auch in der Gegenwart eine Rolle spielt – eine unterhaltsame Geschichte, etwas schräg und auch amüsant. Eine sehr gute Sommerlektüre.
Meine Bewertung:
Titel: Nincshof
Autorin: Johanna Sebauer
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 368
Verlag: DuMont
Erstveröffentlichung: 18. Juli 2023

Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenDas Buch ist mir auch schon durch das witzige Cover aufgefallen und die Geschichte klingt sehr abgefahren, auf eine ruhige Art, irgendwie :D Jedenfalls bin ich neugierig geworden und werde es mir mal auf die Wunschliste packen!
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo liebe Aleshanee,
Löschendu hast es gut beschrieben - abgefahren, aber auf eine ruhige Art. :D
Das Cover finde ich auch sehr passend und schön gestaltet.
Falls du es lesen solltest, wünsche ich dir viel Spaß!
Liebe Grüße
Nicole
Ja mal schauen. Es hat jetzt keine so hohe Priorität und wird noch warten müssen. Aber ich habs auf meiner Wunschliste ;)
Löschen