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Der Kampf um Gerechtigkeit
Ruth Jefferson arbeitet seit zwanzig Jahren im Mercy-West
Haven Hospital in Connecticut und ist eine erfahrene Hebamme und
Säuglingsschwester. Jeden Tag hilft sie Babys auf die Welt und kümmert sich liebevoll
um Mutter und Kind. Doch eines Morgens ist plötzlich alles anders: Als Ruth ein
Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt – die
Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihr Kind berührt. Einige Zeit
später ist sie durch Zufall allein mit dem Kind, das plötzlich zum Notfall wird
– doch jede Hilfe kommt zu spät: Der Junge verstirbt. Voller Wut beschuldigt der
Vater Ruth – sie sei Schuld an dessen Tod und verklagt sie. Zusammen mit einem
nervenaufreibenen Verfahren beginnt gleichzeitig eine Hetzjagd und macht eines
wieder ganz deutlich: Der unterschwellige, alltägliche Rassismus, den es leider
nach wie vor gibt…
„Aber ich wurde an jenem Tag Zeugin eines viel größeren Wunders. Als Christina meine Hand hielt und Ms. Mina die Hand meiner Mutter hielt, gab es einen Moment – einen Herzschlag, einen Atemzug lang -, in dem alle Unterschiede in Ausbildung, Vermögen und Hautfarbe verpufften wie Luftspiegelungen in der Wüste. Wo alle gleich waren und es nur eine Frau gab, die einer anderen half.“ – Seite 12, eBook
Dieses Buch gehört mit zu den aufwühlensten, die ich in der
letzten Zeit gelesen habe. Jodi Picoult spricht hier ein Thema an, das nach wie
vor aktuell ist: Rassismus. Hier geht es um die Hebamme Ruth Jefferson, die aufgrund
ihrer Hautfarbe schon ein Leben lang mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Nun wird
ihr nach zwanzig Jahren als Hebamme vorgeworfen, Schuld an dem Tod eines Babys
zu sein – die Eltern des Kindes gehören einer rechtsradikalen Gruppierung an.
Doch Ruth setzt sich zur Wehr und hofft auf Gegerchtigkeit…
Das Buch ist aus drei Blickwinkeln geschrieben: Aus Sicht
von Ruth Jefferson, ihrer Anwältin Kennedy McQuarrie und Turk Bauer, der Vater
des verstorbenen Kindes. Alles aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Person
betrachtet, bekommt man einen besonders detaillierten, nahen und manchmal erschütternden
Einblick in deren so unterschiedliche Leben. Es gibt immer wieder Rückblicke in
die Vergangenheit: Bei Ruth wird klar, wie sie stets mit Vorurteilen kämpfen
musste – es ist sehr traurig, wie sie oftmals behandelt wurde/wird. Turk Bauers
Abschnitte haben mich sehr schockiert – allein sein Denken und Handeln haben
mich zutiefst erschüttert. Jodi Picoult beschönigt in diesem Roman nichts – der
Schreibstil ist klar, direkt und schonungslos.
Leider gibt es nach dem ersten starken Drittel eine kleine
Durststrecke, alles zieht sich etwas in die Länge. Doch im letzten Drittel hat
mich das Buch von Neuem gepackt, denn hier findet der Prozess statt, der
unheimlich spannend zu verfolgen ist. Und man stellt sich die ganze Zeit die
Frage: Wie geht es aus? Und gerade hier passiert etwas, mit dem man so nie gerechnet
hat…
Sehr interessant und lesenswert ist hier auch das Nachwort,
in dem die Autorin beschreibt, wie dieser Roman entstanden ist und berichtet
von ihrer Recherche.
Ich schlinge die Arme um seine Taille und halte ihn fest, presse mein Gesicht an seine Schulter, damit er die Tränen in meinen Augen nicht sieht.
„Wofür ist das?“
„Weil“, murmele ich, „durch dich die Welt zu einem besseren Ort wird.“ – Seite 133, eBook
Mein Fazit: Kleine große Schritte war mein
erstes Buch von Jodi Picoult und wird nicht mein letztes sein. Es ist ein sehr
wichtiges Buch, das sich mit einem ernsten Thema auseinandersetzt. Es ist
aufwühlend, ergreifend und hat mit Ruth Jefferson eine starke Hauptfigur. Der
Schreibstil ist klar, flüssig und sehr direkt. Bis auf kleinere Längen im
Mittelteil ist dieses Buch sehr gelungen.
Meine Bewertung:
Titel: Kleine große Schritte
Autorin: Jodi Picoult
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 592
Verlag: C Bertelsmann
Weitere Rezensionen:
Irve liest
Vielen Dank an das Bloggerportal und C. Bertelsmann für das Rezensionsexemplar! :)







