Sonntag, 27. Juni 2021

Rezension zu "Das Gift der Lüge" von Ambrose Parry

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Die Morde von Edinburgh – Band 2


Edinburgh, 1850. Obwohl die Stadt an der Spitze der modernen Medizin steht, scheinen die Heilmittel der Ärzte wirkungslos. Überall sterben Menschen. Selbst dem geschätzten Dr. James Simpson wird die Schuld für den fragwürdigen Tod eines seiner Patienten zugeschoben. Sein Schützling Will Raven und das ehemalige Hausmädchen Sarah Fisher sind entschlossen, Simpsons Namen reinzuwaschen. Doch auf der Suche nach der wahren Ursache der Todesfälle müssen sie bald feststellen, dass manche Wahrheiten zu unvorstellbar sind, um an sie zu glauben…
(Quelle: Klappentext - Pendo/Piper Verlag)





Ambrose Parry ist das Pseudonym des Ehepaars Christopher Brookmyre und Marisa Haetzman. Nach Die Tinktur des Todes ist Das Gift der Lüge ihr zweiter gemeinsamer Roman. Dieser spielt wieder im historischen Edinburgh Mitte des 19. Jahrhunderts, beginnend im Jahr 1849 - ca. zwei Jahre nach den letzten Geschehnissen. Nachdem Will Raven einige Zeit im Ausland verbracht hat, kehrt er nun nach Edinburgh in die Praxis von Dr. Simpson zurück, bei dem er einst als Famulus angestellt war. Inzwischen ist er selbst Arzt hat einige Erfahrungen gesammelt. Auch Sarah, die wissbegierige und kluge junge Frau ist mit Leidenschaft weiterhin in Dr. Simpsons Praxis tätig. Jedoch hat sich einiges verändert, seitdem Will gegangen ist.
Doch nicht nur private Probleme machen Will zu schaffen, auch eine Reihe seltsamer Todesfälle hält Edinburgh in Atmen. Ist es eine neue, noch unentdeckte Krankheit, die sich ausbreitet oder doch etwas ganz anderes? Gemeinsam mit Sarah begibt sich Will auf Spurensuche….

Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen den Blickwinkeln von Will Raven und Sarah Banks – schnell wird klar, dass jeder mit ganz persönlichen Problemen zu kämpfen hat. Auch gibt es noch eine geheimnisvolle dritte Person, die nach und nach Schlimmes ans Licht bringt.

Neben dem aktuellen Verlauf ist hier auch die medizinische Forschung wieder ein sehr interessantes Thema. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die anästhetischen Eigenschaften von Chloroform entdeckt, jedoch kam es bei der Suche nach der perfekten Dosierung noch oftmals zu tödlichen Unfällen.
Vieles, was heute als selbstverständlich gilt, wie. z.B. Operationen oder die Hygiene, war damals noch unbekannt oder noch nicht ausgereift:

„Raven war etwas enttäuscht, so wie immer, wenn er sich der Erkenntnis stellen musste, wie viel in der Medizin noch rätselhaft war. Jeder Fortschritt und jede neue Entwicklung war eine neue Kerze in der Dunkelheit, die einem jedoch manchmal umso mehr die Weite des unbekannten Raumes vor Augen führte.“ – Seite 205, eBook


Wie auch im Vorgänger hat das Autorenehepaar dazu hervorragend recherchiert und schildert die Vorgänge sehr detailreich und verständlich.

„Raven hielt einen Augenblick inne und dachte darüber nach, wie flüchtig unsere Existenz war, wie plötzlich der Tod kommen konnte.“ – Seite 201, eBook


Was die Story angeht, wirkte sie zunächst etwas vorhersehbar – es wird ziemlich schnell klar, was vor sich geht. Allerdings wird es gerade im letzten Drittel nochmal spannend und es gibt noch einige Überraschungen.

„Raven konnte sich nicht erinnern, Dr. Simpson jemals wahrhaft erschüttert gesehen zu haben, doch nun trug sein Gesicht einen Ausdruck vollkommener Fassungslosigkeit. Raven war selbst kaum weniger entsetzt.“ – Seite 373, eBook


Mein Fazit: Ein gelungener zweiter Band der historischen Krimireihe. Es gibt ein Wiedersehen mit schon bekannten Charakteren, die einiges erleben. Neben den interessanten medizinischen Details und einer spannenden Story sind auch die Schauplätze sehr gut beschrieben. Trotz kleinerer Schwächen wieder ein lesenswerter Roman, der besonders am Ende noch ein paar Überraschungen bereithält.



Meine Bewertung:




Titel: Das Gift der Lüge
Autor: Ambrose Parry
Genre: Historischer Krimi
Seitenanzahl: 496
Verlag: Piper / Pendo
Erstveröffentlichung: 31. Mai 2021


Die Morde von Edinburgh - Die Bücher:
Band 1 - Die Tinktur des Todes
Band 2 - Das Gift der Lüge


Vielen Dank an den Piper-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 23. Juni 2021

Rezension zu "English Monsters" von James Scudamore

 

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Dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit


Als der zehnjährige Max auf ein Internat kommt, endet abrupt seine idyllische Kindheit. Die magische Freiheit auf dem Bauernhof seines Großvaters und das unstete Leben mit seinen überwiegend abwesenden Eltern weichen einer reglementierten Welt voller willkürlicher Strafen. Gleichzeitig erfährt Max auch Geborgenheit in der Gemeinschaft seiner Klassenkameraden. Jahre später wird ein dunkles Geheimnis ihrer Schultage aufgedeckt und führt die inzwischen erwachsenen Männer wieder zusammen. Wer wusste was, und wann? Und wer wird Gerechtigkeit walten lassen, unabhängig davon, welche Konsequenzen es für alle hat?
(Quelle: Klappentext - hanserblau)




Schon auf den ersten Seiten von English Monsters wird klar, dass James Scudamore hier einen atmosphärisch dichten und detailreichen Roman geschrieben hat. Hauptfigur hier ist der anfangs zehnjährige Max Denyer, für den sich im Jahr 1986 alles ändert. Nachdem er einen schönen Sommer auf dem Bauernhof seiner Großeltern verbracht hat, muss er fortan ein strenges Eliteinternat besuchen. Max fällt es zunächst schwer, sich einzuleben, doch er findet nach und nach Freunde. Jedoch erfährt er bald, welche Regeln hier herrschen und ist erschüttert über das, was er sieht und erlebt…
Viele Jahre später treffen sich die einstigen Freunde von damals wieder und entdecken ein dunkles Geheimnis, dass schrecklicher nicht sein kann. Während andere das Thema am liebsten nie wieder aufgreifen möchten, lässt Max es auch Jahre später nicht los und überlegt, was er unternehmen kann, um Gerechtigkeit zu forden…

Der Roman ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Max Denyer geschrieben. Schnell entwickelt sich eine sehr beklemmende Atmosphäre, als geschildert wird, was die Jungen erleben mussten. Beginnend im Jahr 1986 bis hin ins Jahr 2015 erfahren wir, wie Max‘ Leben verläuft. Später, als Max erwachsen ist, gibt es neben den aktuellen Geschehnissen immer wieder Rückblicke in seine Zeit im Internat – so setzt sich nach und nach ein komplettes und oftmals erschreckendes Bild aus Angst und Schmerz zusammen.

„Nach dem ersten Schuljahr nahm alles an Fahrt auf, und die Erinnerungen von Jahren koexistieren wie Gerümpel auf dem Dachboden. Vorfälle, Gewohnheiten und Mythos sind ununterscheidbar. Das alltägliche Seltsame wurde akzeptiert, und fortan blieben mir Ereignisse aus weniger offensichtlichen Gründen im Bewusstsein oder aus Gründen, die erst viel später ins Blickfeld rückten.“
(Max) – Seite 113/114, eBook


Das Buch ist keine leichte Lektüre, oftmals auch nur schwer erträglich. Der Autor schreibt klar, direkt und ehrlich, gleichzeitig aber auch sensibel mit dem richtigen Ton. Die einzelnen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet, der Zusammenhalt der Freunde wird sichtbar und spielt über die Jahrzehnte eine zentrale Rolle.
Neben erschreckenden Details gibt es dann aber auch wieder die besonderen Augenblicke, die Max mit seinem Großvater verbringt – manchmal in Erinnerungen verpackt und sein Anker in den schwierigen Zeiten. Gerade diese Abschnitte sind angenehm zu lesen. Die ersten Seiten wirkten zunächst ziemlich seltsam, jedoch wird später klar, wie eng das Band zwischen ihm und seinen Großeltern ist.

„Er sang mit, in seinem Sessel gestrandet. (…) Seine Stimme hatte die herzzerreißende Brüchigkeit des Alters.“ – Seite 146, eBook


Zunächst weiß man nicht, wohin die Geschichte führen und was alles an Licht kommen wird – erst nach und nach wird klar, was wirklich passiert ist und wer was erlebt hat – die dunkelsten Geheimnisse kommen ans Licht. Auch, wie das Buch schließlich endet, ist lange unklar und hält einige Überraschungen bereit.

Mein Fazit: Ein bewegender Roman, den man nicht so schnell vergisst. Eine Geschichte mit einer beklemmenden Atmosphäre - mal brutal ehrlich, dann wieder leise und nachdenklich erzählt. Keine leichte Lektüre, manchmal habe ich mich mit einigen Inhalten schwer getan. Dennoch hat der Autor hier einen fesselnden Roman geschrieben mit einer starken Hauptfigur, der neben den schrecklichen Ereignissen auch über Freundschaft und Mut erzählt und somit fünf Sterne verdient hat - lesenswert!


Meine Bewertung:







Titel: English Monsters
Autor: James Scudamore
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 464
Verlag: hanserblau
Erstveröffentlichung: 17. Mai 2021


Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar!