Samstag, 30. April 2022

Rezension zu "Der Morgenstern" von Karl Ove Knausgard

 

Zum Buch
Die Morgenstern-Serie - Band 1

Es ist Sommer in Norwegen. Eigentlich eine beschauliche, sonnengetränkte Zeit. Doch nun scheint etwas aus den Fugen geraten zu sein. Krabben spazieren an Land, Ratten tauchen an überraschenden Stellen auf, eine Katze kommt unter seltsamen Umständen ums Leben. Kurzum: Die Tiere verhalten sich wider ihre Natur. In seinem neuen Roman schildert Karl Ove Knausgård eine Welt, in der die Natur und die Menschen aus dem Gleichgewicht sind, obwohl das Buch eigentlich ganz realistisch vom Leben einiger Menschen, neun an der Zahl, während mehrerer Hochsommertage erzählt, und zwar in deren eigenen Worten. Da ist der Literaturprofessor Arne, der mit seiner Familie die Tage im Sommerhaus verbringt, an sich selbst zweifelt und mit seinem Nachbarn Egil über den Glauben an Gott diskutiert. Da ist die Pastorin Kathrine, die plötzlich merkt, dass sie ihre Ehe als Gefängnis empfindet. Da ist der Journalist Jostein, der auf einer exzessiven Trinktour von den mysteriösen Morden an Mitgliedern einer Death Metal Band hört, während seine Frau Turid in einer psychiatrischen Anstalt als Nachtwache arbeitet. Ihnen allen unerklärlich ist das Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel, den auch die Wissenschaft nicht wirklich erklären kann. Ist er der Vorbote von etwas Bösem oder im Gegenteil die Verheißung von etwas Gutem?
(Quelle: Inhaltsangabe - Luchterhand)


In seinem neuen Buch Der Morgenstern erzählt der norwegische Autor Karl Ove Knausgård von einem Sommer in Norwegen, in dem sich mysteriöse Vorgänge mit dem alltäglichen Leben von neun Menschen vermischen.
Schon auf den ersten Seiten beeindruckt der bildgewaltige Schreibstil des Autors – neben kleinsten Details aus dem Alltag der einzelnen Charaktere beschreibt er auch immer wieder die beeindruckende Natur. Das Buch ist aufgeteilt in einzelne Episoden: Insgesamt bekommt man einen sehr persönlichen Einblick in das Leben von neun Menschen – immer in der Ich-Perspektive der jeweiligen Person geschrieben. Einigen wird nur ein Abschnitt gewidmet, andere tauchen mehrmals auf. Jeder hat mit eigenen Sorgen, Ängsten und weiteren Gedanken zu kämpfen – alles wird sehr detailreich geschildert, auch bereits Vergangenes.
Das Besondere ist hier, dass jeweils die beiden Tage geschildert werden, als merkwürdiges geschieht: Plötzlich verhalten sich die Tiere seltsam und in der Nacht taucht ein neuer Stern am Himmel auf, der alles überstrahlt – nach und nach geschehen noch weitere mysteriöse Dinge…

„Ich ging zu der Scheune, die auf der anderen Seite der Wiese stand, und warf dabei immer wieder Blicke zu dem Stern hinauf. (…)
Er hatte etwas Unwirkliches. Oder vielleicht kam es einem auch nur so vor, weil er alles unwirklich machte.“
– Seite 148, eBook


Um diese unerklärlichen Geschehnisse ist der Roman angesiedelt und manches ist mit manchem verbunden. Die Verknüpfung von den mysteriösen Geschehnissen mit dem Alltag der Menschen in einem norwegischen Sommer ist dem Autor sehr gut gelungen.

„Der Himmel über den Bergen war heller geworden, und die Sterne waren so verblasst, dass sie fast unsichtbar waren, aber nicht der neue, der weiter hell und klar leuchtete.“ – Seite 282, eBook


Auch wenn mir dieser detailreiche Stil sehr gut gefallen hat, gibt es doch hin und wieder einzelne Längen, zudem hätte ich mir gewünscht, dass noch einiges aufgeklärt wird. Ich hoffe, dass es noch einen weiteren Band geben wird.

Mein Fazit: Eine außergewöhnliche Geschichte mit bildgewaltigem Schreibstil. Atmosphärisch dicht verwebt der Autor das alltägliche Leben von einzelnen Figuren mit mysteriösen Geschehnissen, die jeden der Figuren zum Nachdenken anregen. Besonders gelungen sind hier die sehr gut ausgearbeiteten Charaktere und die detailreich geschilderten Momentaufnahmen der Natur. Bis auf einzelne Längen und ein paar ungeklärten Fragen hat mir das Buch sehr gut gefallen!


Meine Bewertung:




Titel: Der Morgenstern
Autor: Karl Ove Knausgard
Übersetzt von: Paul Berf
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 896
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 11. April 2022


Die Morgenstern-Serie:
Band 1 - Der Morgenstern
Band 2 - Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit
Band 3 - Das dritte Königreich


Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!


Freitag, 22. April 2022

Rezension zu "Brüder des Windes" von Tad Williams

 

Zum Buch
Eine Vorgeschichte aus Osten Ard

Tausend Jahre vor den Ereignissen, die im Drachenbeinthron geschildert werden: Die (fast) unsterblichen Sithi herrschen über die nördlichen Regionen von Osten Ard. Da tauchen Gerüchte auf, dass einer der ältesten und tödlichsten Drachen von ganz oben im Norden in das Reich eingedrungen ist. Am nächsten Morgen ist einer der beiden Söhne der mächtigsten Familie der Sithi verschwunden…

Unter den Sithi Osten Ards gibt es keine anderen zwei, die so geliebt und bewundert werden wie die beiden Söhne der Herrscherfamilie: Hakatri, ein stets verlässlicher Junge, und sein stolzer und leidenschaftlicher kleiner Bruder Ineluki, der spätere Sturmkönig. Sein Temperament reißt den jüngeren hin, einen gleichermaßen kühnen wie schrecklichen Schwur zu leisten: Er will das tödliche und furchtbare Ungeheuer Hidohebhi zur Strecke bringen und vernichten. Aber damit bringt er nicht nur seinen Bruder und sich selbst in die größte Gefahr, sondern er beschwört auch eine Katastrophe für alle Sithi herauf, womöglich sogar auch für das ganze menschliche Geschlecht.
(Quelle: Inhaltsangabe - Klett Cotta)


Schon lange wollte ich die Bücher um die Welt Osten Ard von Tad Williams lesen. Bevor ich mit der Reihe Das Geheimnis der Großen Schwerter beginne, habe ich mich zunächst für sein neuestes Buch entschieden. Brüder des Windes erzählt eine Vorgeschichte, die ca. eintausend Jahre vor den Geschehnissen im Auftakt-Band Der Drachenbeinthron angesiedelt ist.

Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Pamon Kes geschrieben, der Waffenträger und die rechte Hand von Hakatri, dem ältesten der beiden „Brüder des Windes“. Er schildert die dramatischen Ereignisse, die sich damals zugetragen haben.
Hakatri und Ineluki sind Brüder, die zwar unzertrennlich sind, aber von ihrer Art unterschiedlicher nicht sein können. Als bekannt wird, dass sich einer der ältesten und gefährlichsten Drachen in einem der nördlich gelegenen Täler niedergelassen hat und dort für Tod und Zerstörung sorgt, leistet Ineluki einen Schwur: Er wird das Ungeheuer töten.
Zusammen mit seinem Bruder Hakatri und weiteren Verbündeten macht sich Ineluki auf den Weg – nicht ahnend, was er mit seinem Schwur auslösen wird…

Da dieses Buch mein erster Roman von Tad Williams ist, brauchte ich eine gewisse Zeit, um mich einzulesen – gerade die vielen Begriffe und Bezeichnungen sind zunächst etwas kompliziert. Doch nach und nach konnte ich in die Geschichte eintauchen und war sofort fasziniert von den detaillierten Schilderungen der vielen Schauplätze.

„Der düstere Himmel und der am Hang hängende Nebel dämpften alle Farben, und ich konnte mich kaum des Gefühls erwehren, durch eine ganz und gar fremde Welt zu reiten, die sich keinen Deut für uns interessierte.“ – Seite 69, eBook


Man bekommt einen guten Einblick in die Clans, Völker und Stämme, erfährt einzelne Geschichten aus vergangenen Zeiten, von Verbannten und dem Zusammenleben der verschiedenen Völker.
Auch spielt hier das wertvolle Hexenholz eine zentrale Rolle.
Die Handlung ist eher ruhig erzählt, ab und an wird es auch mal etwas langatmig – jedoch gibt es immer wieder spannende Abschnitte. Besonders der Kampf mit dem Drachen ist packend zu verfolgen:

„Ich erinnere mich an das klaffende, gezackte Riesenmaul und an eine schieferfarbene Zunge. Und ich erinnere mich auch, dass die schwarz-goldenen Augen wie Laternen glommen (…)

Er war noch größer, als ich bei unserer ersten Begegnung gedacht hatte, ein Alptraum aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt“
(Pamon) – Seite 142 / 143, eBook


Neben den Brüdern lernen wir auch den Erzähler Pamon gut kennen, der auf den Reisen auch einiges über sein eigenes Volk erfährt. Überraschend ist, wie sich die Geschichte in der zweiten Hälfte entwickelt, denn diese ist mir dem Kampf des Drachen noch lange nicht vorbei…

Zu Verbindungen mit den bereits erschienenen Romanen kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Mir hat dieses Buch auf jeden Fall gut gefallen – durch die vielen detaillierten Beschreibungen bekommen auch Erstleser einen guten und interessanten Einblick in die Welt. Perfekt wäre zu der abgebildeten Karte am Anfang des Buches hier noch ein Glossar gewesen.

Mein Fazit: Eine lesenswerte Vorgeschichte aus Osten-Ard, die im Handlungsverlauf einige Überraschungen bereithält. Detailreiche Beschreibungen der Schauplätze geben einen sehr guten Einblick in die Welt von Osten Ard. Die Geschichte selbst ist eher ruhig erzählt, hält aber auch einige Abenteuer bereit. Mir hat dieser Einstig gut gefallen und bin nun sehr gespannt auf den Drachenbeinthron.


Meine Bewertung:




Titel: Brüder des Windes
Autor: Tad Williams
Genre: High Fantasy
Seitenanzahl: 368
Verlag: Hobbit Presse / Klett Cotta
Erstveröffentlichung: 13. April 2022



Die bisher erschienen Bücher aus Osten Ard in chronologischer Reihenfolge und mit dem Datum der dt. Erstveröffentlichung:

-
Brüder des Windes (Vorgeschichte) (2022)

1. Reihe - Das Geheimnis der Großen Schwerter
- Band 1 - Der Drachenbeinthron (1988)
- Band 2 - Der Abschiedsstein (1993)
- Band 3 - Die Nornenkönigin (1996)
- Band 4 - Der Engelsturm (1996)

Das Herz der verlorenen Dinge (Zwischenband/Übergangsbuch zur 2. Reihe) (2017)

2. Reihe - Der letzte König von Osten Ard
- Band 1.1 - Die Hexenholzkrone 1 (2017)
- Band 1.2 - Die Hexenholzkrone 2 (2017)
- Band 2.1 - Das Reich der Grasländer 1 (2020)
- Band 2.2 - Das Reich der Grasländer 2 (2020)
-
Band 3.1 - In Vorbereitung (geplant Herbst 2022)



Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar!