Mittwoch, 23. August 2023

Rezension zu "Prophet" von Sin Blaché und Helen Macdonald

 

Zum Buch

Gefährliche Nostalgie…

Im ländlichen England taucht ein amerikanisches Diner auf, hell, warm, einladend – aber ohne Strom, ohne Anschluss an die echte Welt. Als in der Nähe eine Leiche gefunden wird, werden zwei ungleiche Ermittler hinzugezogen: Dem zugeknöpften Adam Rubenstein widerstrebt alles an seinem chaotischen Partner Sunil Rao. Doch im Kampf gegen eine neue, bedrohliche Realität entwickelt sich zwischen den beiden eine unentrinnbare Anziehungskraft. Ein spektakulär spannender Roman über die beängstigende Macht nostalgischer Verklärung. Ein brillantes Spiel mit unseren Gewissheiten, ein messerscharfer Blick auf unsere Gegenwart und die mitreißende Liebesgeschichte zwischen zwei Geheimagenten.
(Quelle: Inhaltsangabe - Hanser Verlag)





PROPHET ist der erste gemeinsame Roman der Autorinnen Sin Blaché und Helen Macdonald. Die Inhaltsangabe verspricht ein spannendes Buch mit einer Story, die mehr als außergewöhnlich ist – und genau das ist sie auch.

Als in England etwas Merkwürdiges vor sich geht, werden zwei Ermittler herangezogen, die unterschiedlicher nicht sein können: Colonel Adam Rubenstein, der äußerlich kühl und distanziert wirkt und sein Partner Sunil Rao, der etwas chaotisch ist. Zugleich besitzt Rao aber eine besondere Fähigkeit: Er erkennt, wenn jemand lügt, kann Fälschungen aufdecken hat ein perfektes Erinnerungsvermögen.
Ihr Fall könnte skurriler nicht sein: Mitten in der englischen Landschaft taucht ein amerikanisches Diner auf – auf den ersten Blick voll ausgestattet, hell und einladend. Doch ohne Stromanschluss, Zufahrtswege und Menschen.

„Je länger sich Rao umschaut, desto mehr Falschheit wird offengelegt.“ – Seite 20, eBook


Kurz darauf wird ganz in der Nähe eine Leiche gefunden, dessen Todesumstände Rätsel aufgibt sowie mehrere unterschiedliche Gegenstände, die alle etwas Seltsames aufweisen.

„Außen sind es Rosen. Doch innen ist der Strauß ein Monstrum. (…) Als er die Finger wegzieht, schnappt der Strauß zu.
Und sieht wieder aus wie ein Strauß Rosen.“
– Seite 37, eBook


Nach und nach bringen die Ermittler Licht ins Dunkel und machen eine gefährliche Entdeckung – dabei kommen sie selbst an Ihre Grenzen und sich gleichzeitig immer näher…

Das Buch entwickelt sich auf den ersten Seiten sehr spannend – besonders die Entdeckung des amerikanischen Diners und deren „Falschheit“, was Rao aufgrund seiner Gabe, die Wahrheit in Dingen zu erkennen, schnell herausfindet, sind interessant zu verfolgen. Auch, was hinter allem steckt und wohin der Weg führt, ist gut beschrieben.
Neben den aktuellen Geschehnissen gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, denn Adam und Sunil kennen sich schon – nach und nach wird ihre gemeinsame Geschichte und auch ihre aktuelle Situation immer klarer. Jeder hat mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, wo beide – sowohl zusammen also auch unabhängig voneinander- einiges durchmachen mussten. Dazwischen gibt es immer wieder Abschnitte, die das Leben eines Kindes beschreiben, dass es nicht einfach hat. Wie alles zusammenhängt, wird später deutlich.

„Die Erinnerung hat ihn gefunden und sich auf ihn gestürzt.“ – Seite 176, eBook


Die Grundidee und auch der Genremix ist gelungen: Eine Mischung aus Thriller mit Science-Fiction- Elementen, etwas Übernatürlichen und einer ganz außergewöhnlichen Atmosphäre – dazu noch zwei Ermittler, die unterschiedlicher nicht sein könnten und gleichzeitig eine besondere Verbindung zueinander haben.

Während sich die Geschichte um die seltsamen Vorkommnisse interessant entwickelt, ist die Kommunikation zwischen Adam und Sunil manchmal etwas schwerfällig. Oft gibt es interessante Dialoge, aber manchmal verlieren diese sich auch in unwichtigen Nebensächlichkeiten, wodurch der rote Faden der Geschichte abreißt. Dieses hätte ein wenig gekürzt werden können. Doch trotzdem konnte mich die Story dann doch immer wieder einfangen. Nach und nach wird klar, dass Erinnerungen und Nostalgie eine zentrale Rolle spielen und gleichzeitig auch zu einer gefährlichen Waffe werden können. Manche Abschnitte – und besonders das letzte Drittel – sind so schräg, dass ich manchmal hin- und hergerissen war, ob es mir gefällt oder es doch zu abgehoben ist. Das Buch steckt in jedem Fall voller Überraschungen.
Auch, was es mit dem Buchtitel PROPHET auf sich hat, wird im Laufe des Romans gelüftet.

Mein Fazit: Ein interessanter Thriller mit Science Fiction-Elementen, Übernatürlichem und einer außergewöhnlichen Atmosphäre. Die Grundidee der Story ist genial, auch was hinter den seltsamen Vorkommnissen steckt, ist zunächst gut ausgearbeitet. Die Handlung hat Stärken und Schwächen – mal sehr spannend, dann wieder etwas in die Länge gezogen und auch mal ziemlich abgehoben - aber auf jeden Fall besonders. Auch wenn mir nicht alles gefallen hat, ist das Buch schon ein beeindruckendes Werk, das man nicht so schnell vergisst. Ich vergebe 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle, die gern außergewöhnliche Bücher lesen.


Meine Bewertung:





Titel: Prophet
Autorinnen: Sin Blaché / Helen Macdonald
Übersetzt von: Thomas Gunkel
Genre: Thriller / Science Fiction
Seitenanzahl: 528
Verlag: Hanser
Erstveröffentlichung: 21. August 2023


Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 19. August 2023

Rezension zu "Oracle" von Ursula Poznanski

 

Zum Buch


Von mysteriösen Visionen und überraschenden Ereignissen


Ich sehe was, was du nicht siehst, und das wird wahr

Als Kind hat Julian merkwürdige Visionen. Das sind nur Fehlschaltungen im Hirn, sagt seine Therapeutin, bedeutungslose Trugbilder. Und mit den richtigen Medikamenten sind die auch verschwunden. Jahre später wird Julian mit einer schockierenden Erkenntnis konfrontiert. Einige seiner Visionen scheinen wahr geworden zu sein. Sieht er Schatten, die die Zukunft vorauswirft? Könnte er also schlimme Ereignisse verhindern? Oder tritt er damit noch größere Katastrophen los?
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Loewe Verlag)



Oracle ist der neue All Age-Thriller von Ursula Poznanski und dieser hält wieder eine spannende und ziemlich mysteriöse Geschichte bereit.

Hauptfigur hier ist der achtzehnjährige Julian, für den mit dem Umzug in ein Studentenwohnheim ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Er hatte es in seiner Kindheit nicht einfach. Schon früh hatte er rätselhafte Visionen – bei einigen seiner Mitschüler sah er merkwürdige Veränderungen: Rote Schlieren am Körper, schwarze Balken oder Nebel, der die Augen umgab. Dank Medikamente und jahrelanger Therapie hat er die diagnostizierte Psychose nun gut unter Kontrolle.
Doch bei einem Klassentreffen erfährt er Schockierendes: Den Schülern, bei denen er damals diese sogenannten Marker gesehen hatte, ist verschiedenes zugestoßen. Waren seine Visionen ein Blick in die Zukunft und hätte er Schlimmeres verhindern können? Auf der Suche nach Antworten wagt er ein gefährliches Experiment und macht beängstigende Entdeckungen…

„Er hatte es gesehen, aber nicht verstanden. Verstand es immer noch nicht. Hatte nicht die leiseste Ahnung, was die Dinge, die er wahrgenommen hatte, bedeuteten.“ – Seite 39, eBook


Die Handlung ist aus der Sicht von Julian geschrieben und hat den gewohnt flüssigen Erzählstil der Autorin. Die Geschichte wird mit jeder Seite spannender und mysteriöser. Julians Weg lässt sich sehr gut verfolgen: Von seinen Ängsten und Gedanken, von glücklichen und verzweifelten Momenten bis hin zu dem Wunsch von einem normalen Leben. Auch, was er hinter den verschiedenen Markern und dem mysteriösen Nebel vermutet, wird immer deutlicher.

„Der klebrige Nebel hing in kleinen Fetzen in der Luft, Fetzen, die an sehr alte Spinnweben erinnerten. Und es kamen ständig neue nach, manche schwebten in Richtung Fenster, andere drifteten auf Julian zu.“ – Seite 73, eBook


Neben der Hauptfigur Julian sind auch die Nebenfiguren sehr gut gezeichnet – von Julians sympathischen Mitbewohnern aus dem Wohnheim über einige alte Klassenkameraden bis hin zu seiner langjährigen Therapeutin - sie alle spielen zentrale Rollen.

Nach und nach werden einige Rätsel gelöst und die Geschichte endet in einem packenden Finale. Auch wenn hier Licht ins Dunkel kommt und es sehr spannend wird, bleiben doch ein paar Kleinigkeiten unklar – da hätte ich mir gerne noch mehr Antworten gewünscht.

Mein Fazit:
Wieder ein lesenswerter All-Age Thriller aus der Feder von Ursula Poznanski. Nach kurzer Zeit nimmt die Geschichte an Fahrt auf – es wird mysteriös, spannend und besonders zum Ende hin packend. Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und Julians Suche nach Antworten lässt sich sehr gut verfolgen - mit überraschenden Erkenntnissen. Bis auf Kleinigkeiten ein sehr lesenswerter Roman!



Meine Bewertung:




Titel: Oracle
Autorin: Ursula Poznanski
Genre: Jugendthriller / All Age
Seitenanzahl: 432
Verlag: Loewe
Erstveröffentlichung: 16. August 2023


Eine weitere Rezension findet ihr hier:
Martinas Buchwelten


Vielen Dank an den Loewe-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!