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Verirrt im endlosen Wald...
Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder Pete
unternimmt die neunjährige Trisha McFarland einen Wanderausflug. Während sich
die beiden vor ihr mal wieder streiten, verlässt das Mädchen kurz den Hauptweg
- und verläuft sich daraufhin völlig. Fest davon überzeug, schon bald wieder
auf den markierten Wanderweg zu stoßen, geht Trisha weiter - doch sie gerät nur
noch tiefer in den riesigen und schier endlosen Wald. Bald steigt Panik in ihr
auf: Noch ahnt niemand, dass sie verschwunden ist und ist damit ganz auf sich
allein gestellt. Mutig läuft Trisha weiter, in der Hoffnung bald wieder auf die
Zivilisation zu stoßen. Doch dann wird es langsam dunkel - neben Durst, Hunger
und den Mückenschwärmen macht ihr auch die Einsamkeit zu schaffen. Und dann ist
da noch die Angst vor dem Unbekannten, dass durch die Wälder streift und sie zu
verfolgen scheint...
"Die Welt hatte Zähne, und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte." - Seite 11
Ich habe Das Mädchen vor über zwölf Jahren schon einmal
gelesen und war auch jetzt, beim zweiten Mal wieder völlig gefesselt von der
Geschichte. Morgens um zehn sitzt Trisha noch sicher bei ihrer Mutter im Auto,
um elf hatte sie sich hoffnungslos im Wald verirrt und muss von nun an gegen
Angst und Einsamkeit kämpfen.
Auch wenn der Roman mit 304 Seiten eher kurz ist, hat er
eine große Intensität. Perfekt beschreibt King den Weg des erst neunjährigen
Mädchens - ihre Handlungen, Gedanken und Hoffnungen werden sehr lebendig. Auch
Trishas Begeisterung für die Red Sox und ihrem großen Idol Tom Gordon spielen
eine zentrale Rolle - zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, so oft von dem
Baseball-Team zu lesen, doch im Nachhinein betrachtet sehr gut platziert. Daher
passt der Titel der amerikanischen Ausgabe -The Girl who loved Tom Gordon- schon
sehr gut.
Die Geschichte ist eher ruhig - doch das mindert die
Spannung keineswegs. Man fiebert und leidet richtig mit der sympathischen Trisha mit und
hofft, dass alles gut ausgeht. Denn sie ist nicht allein im Wald...
"Wenigstens scheint der Mond", sagte sie, als sie so neben dem Baum stand und sich nervös auf ihrer kleinen halbmondförmigen Lichtung umsah. Sie wirkte jetzt noch kleiner, als seien die Bäume und das Unterholz näher heran gekrochen, während sie geschlafen hatte. Heimlich näher gekrochen. -Seite 113
Der Roman, der erstmals im Jahr 2000 in Deutschland
erschien, hatte im Laufe der Jahre verschiedene Cover. Mein Exemplar (aus dem
Schneekluth-Verlag, Abbildung unten) stammt aus dem Jahr und ist eine Klappenbroschur, eher
schlicht gehalten und hat als sowohl auf dem Cover, als auch im Buch viele
Mücken abgebildet. Diese Details machen das Buch auf unheimliche Weise zu einem
richtigen Hingucker.
Doch auch das aktuelle, oben abgebildete Cover ist sehr gut
gelungen.
"Trisha weinte nicht, nicht jetzt. In diesem Augenblick hatte sie zu viel Angst, um zu weinen. Irgendwas beobachtete sie. Irgend etwas." - Seite 116
Mein Fazit: Das Mädchen gehört mit zu meinen Favoriten von Stephen King. Zwar nicht der typische Horror, den man von ihm
gewohnt ist und in zahlreichen seiner Bücher findet, aber nicht weniger
intensiv. Es ist ein eher leises Buch, unheimlich und packend, aber auch sehr
berührend. Mit der neunjährigen Trisha hat King einen sehr eindrucksvollen
Charakter geschaffen. Sie gehört meiner Meinung nach zu seinen besten Figuren.
Wer mal etwas ruhigeres mit gut platzierten Horrorelementen lesen möchte, dem kann ich
dieses Buch sehr empfehlen. Für mich ein Lesehighlight!
Meine Bewertung:
Titel: Das Mädchen
Autor: Stephen King
Genre: Mystery / Horror
Seitenanzahl: 288
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 2000
Neuveröffentlichung: 09. November 2020
Eine weitere Rezension findet ihr hier:
Weltenwanderer


