Montag, 17. Mai 2021

Rezension zu "Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?" von John Green

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Interessante Fakten und Unterhaltsames aus dem aktuellen Erdzeitalter


John Green verbindet sein eigenes Leben mit den großen Fragen der Menschheit: Was hat ein Teddybär mit Macht und Ohnmacht zu tun oder das Googeln mit unserer Endlichkeit? Mit seinem Blick für Seltsames, Wichtiges und Überraschendes bewertet John Green die menschengemachte Gegenwart auf einer Skala von 1 bis 5.
Das Anthropozän ist das aktuelle Erdzeitalter, in dem wir den Planeten grundlegend verändern. John Green versammelt Facetten dieser Epoche: Seine absurden, erhellenden und ganz persönlichen Funde spiegeln unser Leben mit allen Höhen und Tiefen.

Ob Monopoly oder Pest, Klimaanlage oder Internet, Super Mario Kart oder Sonnenuntergänge –
Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?
erzählt mit großer Leichtigkeit von unserer Lebenswirklichkeit und den existentiellen Erfahrungen des Menschseins.
(Quelle: Auszug aus dem Klappentext - Hanser-Verlag)



„…ich weiß, dass wir Menschen zur Selbstüberschätzung neigen, aber ich finde, wir sind bei weitem das Interessanteste, das je auf der Erde passiert ist. Man vergisst zu leicht, wie wundersam Menschen sind, wie eigenartig und liebenswert.“ (aus DIE ZEITLICHE VERBREITUNG DER MENSCHHEIT)– Seite 31


Als begeisterte Leserin der Romane von John Green war ich dementsprechend gespannt auf sein neues Buch – dieses ist kein Roman, sondern ein Sachbuch. Schon der Titel Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen? ist besonders – genau so wie der Inhalt des Buchs. Es ist kein klassisches Sachbuch, sondern eine Sammlung von Essays, die unterschiedlicher nicht sein können: Von unserer Fähigkeit zu Staunen über die regelmäßige Wiederkehr des Halleyschen Kometen, von entdeckten Höhlenmalereien über Dr. Pepper bis hin zu besonderen Orten: John Green widmet sich hier verschiedenen Themen mit einer leichten und angenehmen Erzählweise. In den meisten Essays erzählt der Autor auch immer wieder von sich selbst – die Mischung aus interessanten und gut recherchierten Fakten, eigenen Erfahrungen und Momentaufnahmen aus seinem Leben ist ihm sehr gut gelungen.

Anfangs erfahren wir, wie ihm die Idee zu diesem außergewöhnlichen Buch kam. Zudem erläutert er den Begriff Anthropozän nochmal etwas genauer und wie die Erde vor vielen Jahrmillionen schon ohne uns existiert hat. Besonders die Essays über bestimmte Tiere und der Natur sind sehr lesenswert und zeigen oft auf, wie sich unsere Welt verändert. Besonders hier ist auch, dass er auf das Thema Bewertungen und die Fünf-Sterne-Skala näher eingeht und am Ende eines jeden Kapitels eine Sternebewertung hinterlässt. Gut gewählt sind auch die Zitate, die immer wieder auftauchen:


Herman Melville bezeichnete Weiß einmal als „farblose Allfarbe“. Er schrieb, dass Weiß „die Schatten von herzlosen Leeren und Unermesslichkeiten des Universums vorauswirft“. Die Bonneville Salt Flats sind sehr, sehr weiß. (aus DIE BONNEVILLE SALT FLATS) – Seite 203


Die einzelnen Geschichten sind immer nur wenige Seiten lang und nie zu ausschweifend. Neben unterhaltsamen Abschnitten mit interessanten und unterhaltsamen Details gibt es auch Kapitel, die nachdenklich stimmen. Eine gute Mischung.

„Die Menschen sind in der Geschichte dieses Planeten nicht die Protagonisten. Wenn es eine Hauptfigur gibt, dann ist es das Leben selbst, das aus Erde und Sternenlicht mehr macht als Erde und Sternenlicht.“ (aus DIE BONNEVILLE SALT FLATS) – Seite 203


Am Ende des Buches gibt es noch einen ausführlichen Anhang zu jedem Essay, wo John Green für Interessierte weiterführende Literatur zu dem jeweiligen Thema empfiehlt.

Mein Fazit: Ein sehr gelungenes Sachbuch, das aus einer besonderen Sammlung von Essays besteht. Die einzelnen Themen rund um das Leben auf der Erde können unterschiedlicher nicht sein, doch gerade das macht das Buch so interessant: Jedes Essay enthält eine Mischung aus Fakten und der eigenen Sichtweise von John Green. Mal unterhaltsam und mal nachdenklich, aber immer sehr lesenswert. Ein tolles Buch für zwischendurch!


Meine Bewertung:



Titel: Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?
Autor: John Green
Genre: Sachbuch
Seitenanzahl: 320
Verlag: Hanser
Erstveröffentlichung: 18. Mai 2021


Ich habe dieses Buch bei einem Gewinnspiel von Thalia im Rahmen einer Voarbleseaktion gewonnen. Vielen Dank dafür auch an die Hanser-Literaturverlage, die mir vorab das eBook für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben!
Das versprochene Printbuch kam dann auch noch. :-)



Samstag, 15. Mai 2021

Rezension zu "Achtsam morden am Rande der Welt" von Karsten Dusse

 

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Achtsam morden - Band 3


Finde dich selbst. Bevor es ein anderer tut.
Um der Midlifecrisis zu entgehen, begibt sich Björn Diemel auf Anraten seines Therapeuten auf Pilgerreise. Schnell stellt sich als Erkenntnis auf dem Jakobsweg heraus, dass Björns Leben die Mitte bereits längst überschritten haben könnte: Ein unbekannter Mitpilger versucht, ihn zu töten.Während bei den scheiternden Anschlägen auf ihn ein Pilger nach dem anderen seinen Lebensweg verlässt, versucht Björn ganz achtsam, sich seiner Haut zu wehren. Seine Pilger-Fragen nach Leben, Tod und Erfüllung bekommen plötzlich eine sehr praxisnahe Relevanz.
(Quelle: Klappentext - Heyne Verlag)



Auch im dritten Band um Rechtsanwalt Björn Diemel geht es unterhaltsam weiter. Nachdem er bereits Achtsamkeit erlernt und sich mit seinem inneren Kind auseinandergesetzt hat, ist er nun auf der Suche nach sich selbst. Die Handlung beginnt zwei Jahre nach den letzten Ereignissen. Inzwischen ist der 45-jährige Björn regelmäßig bei Joschka Breitner in Therapie, aktuell wegen drohender Midlifecrisis. Dieser rät Björn zu einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Nach reiflicher Überlegung nimmt sich Björn eine Auszeit von seinem stressigen Alltag und pilgert los. Doch die erhoffte Ruhe zur Selbstfindung tritt erstmal nicht ein: Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass anscheinend jemand versucht ihn umzubringen, jedoch immer nur seine Mitpilger erwischt. Achtsam wie immer ersinnt Björn nun einen Plan und setzt diesen in die Tat um:

„Es war gerade einmal acht Uhr dreißig am Morgen. Die Sonne schien aus einem wolkenlosen Himmel. Ich hatte bereits an einem Stierrennen teilgenommen, einen Menschen getötet und einem mutmaßlichen Mörder vergeben." (Björn) – Seite 216, eBook


Wie auch schon der Vorgänger beginnt der dritte Teil etwas ruhiger. Anfangs erfahren wir, wie es Björn in den letzten Jahren ergangen ist und wie seine letzten Therapiesitzungen mit Joschka Breitner verlaufen sind. Nach denkwürdigen (und ziemlich schrägen) Ereignissen auf seinem fünfundvierzigjährigen Geburtstag geht Björn schließlich auf Pilgerreise - 800km auf dem Jakobsweg.
Zunächst wird er auf das Pilgern von seinem Therapeuten vorbereitet und erfährt auch die Geschichte hinter dem Jakobsweg. Da das Buch wieder in der Ich-Perspektive aus Sicht von Björn geschrieben ist, verfasst er die Fakten um Jakobus ganz trocken auf seine ganz eigene Art:

„Jakobus war ein Jünger Jesu. Nach dessen –Jesu- Tod teilten sich die Jünger die Welt in verschiedene Wirkungsgebiete auf. Ich kannte dieses Vorgehen nur zu gut aus der Revierverteilung im Drogenhandel.“ (Björn) – Seite 82, eBook


Auch der dritte Band ist wieder herrlich schräg mit einigem schwarzen Humor und somit sehr unterhaltsam. Die Handlung nimmt nach und nach an Fahrt auf. Während des Pilgerns gibt es immer wieder kleine Rückblicke auf bestimmte Geschehnisse, die zunächst zusammenhanglos wirken, aber sich zu einem überraschenden Bild zusammenfügen. Im letzten Drittel, als die Geheimnisse um Björns Verfolger gelüftet werden, wird es nochmal ziemlich spannend und überraschend.

„Meine Pilgerschaft hatte eine neue Dimension bekommen. Es ging nicht mehr darum, mich selbst zu finden. Es ging vor allem darum, nicht gefunden zu werden.“ (Björn) – Seite 244, eBook


Neben den Krimi-Elementen besonders am Ende, blitzt natürlich zwischendurch immer wieder der schon gewohnte trockene Humor in Kombination mit sehr schrägen Ereignissen auf. Überraschend ist, dass es auch mal berührende Momente gibt. Inzwischen kennt man viele der Haupt- und Nebenfiguren (sofern sie denn noch leben) sehr gut – es ist interessant zu verfolgen wie sie sich entwickelt haben.

Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es wieder Tipps von Joschka Breitner, der natürlich auch einen Pilger-Ratgeber geschrieben hat. Diesen zieht Björn natürlich wieder regelmäßig zurate.

Mein Fazit: Auch der dritte Band um Anwalt Björn Diemel hält eine sehr unterhaltsame und ziemlich schräge Geschichte bereit – wieder gespickt mit viel schwarzem Humor. Zunächst eher ruhiger, nimmt die Story nach und nach an Fahrt auf und steuert auch ein spannendes Finale zu, wo einige Überraschungen warten. Wieder sehr lesenswert!


Meine Bewertung:




Titel: Achtsam morden am Rande der Welt - Band 3
Autor: Karsten Dusse
Genre: Krimi /Humor
Seitenanzahl: 384
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 26. April 2021


Die Bücher der Achtsam morden-Reihe:
Band 1 - Achtsam morden
Band 2 - Das Kind in mir will achtsam morden
Band 3 - Achtsam morden am Rande der Welt

Vielen Dank an das Bloggerportal und Heyne für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 13. Mai 2021

Rezension zu "Das Kind in mir will achtsam morden" von Karsten Dusse

 

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Achtsam morden – Band 2


Björn Diemel hat die Prinzipien der Achtsamkeit erlernt, und mit ihrer Hilfe sein Leben verbessert. Er hat den stressigen Job gekündigt und sich selbstständig gemacht. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Tochter und streitet sich in der Regel liebevoller mit seiner Frau. Ach ja, und nebenbei führt er noch ganz entspannt zwei Mafia-Clans, weil er den Chef des einen ermordet und den des anderen im Keller eines Kindergartens eingekerkert hat. Warum nur kann Björn das alles nicht genießen? Warum verliert er ständig die Beherrschung? Hat er das Morden einfach satt? Ganz so einfach ist es nicht. Sein Therapeut Joschka Breitner bringt ihn endlich auf die richtige Spur: Es liegt an Björns innerem Kind!
(Quelle: Klappentext - Heyne Verlag)



Nachdem der erste Band mit einem fiesen Cliffhanger endete, war ich dementsprechend neugierig auf die Fortsetzung. In einem kurzen Prolog setzt die Story auch genau dort an und lässt erahnen, wie es weitergeht.
Die eigentliche Geschichte beginnt aber ein halbes Jahr nach den letzten Geschehnissen. Trotz der Anwendung der Achtsamkeitsregeln ist der 43-jährige Anwalt Björn Diemel gestresster als je zuvor. Zwar hat er seine ungeliebte Stelle in der Kanzlei gekündigt und ist nun selbstständig, hat aber trotzdem einiges um die Ohren: Da er vor gut einem halben Jahr seinen Mandant -den kriminellen Mafiaboss Dragan- ermordet hat und dessen Rivale Boris in einem Keller eingesperrt hat, muss er nun zwei verfeindete Mafia-Clans leiten – natürlich ohne, das die jeweiligen Mitglieder etwas von dem Verbleib ihrer Chefs erfahren.
Nebenbei hat er auch noch einen Kindergarten übernommen, wo er sich mit Problemen ganz anderer Art befassen muss. Als dann auch noch ein nerviger Erpresser auftaucht, ist es mit der Achtsamkeit vorbei: Björn sucht seinen damaligen Therapeuten erneut auf:

„Herr Breitner trug die gleiche legere Kleidung wie immer. (…)
Er vermittelte dabei nicht den Eindruck, als wäre die Zeit spurlos an ihm vorübergegangen. Er vermittelte den Eindruck, als sei er selbst die Zeit, und die Welt wäre spurlos an ihm vorübergegangen.“
– Seite 20, eBook


Joschka Breitner ahnt auch schnell, warum Björn so gestresst ist: Es liegt an seinem inneren Kind, mit dem er sich nun auseinandersetzen muss.
Dieser Teil ist etwas ruhiger als der Vorgänger, aber genau so unterhaltsam. Das achtsame morden geht weiter – diesmal gemeinsam mit Björns innerem Kind. Mit diesem führt er nun auch regelmäßig Dialoge (was interessant, aber manchmal etwas zu ausschweifend ist). Zudem zieht er einen weiteren Ratgeber Herrn Breitner zurate: „Das innere Wunschkind“. Passende Zitate daraus finden sich wieder am Anfang der einzelnen Kapitel.
Der bekannte schwarze Humor kommt natürlich auch hier nicht zu kurz. Wie schon im Vorgänger nimmt der Autor einiges aufs Korn – mit bissigen Kommentaren und gleichzeitig trockenem Humor – sehr gut gemacht.

„Ich war achtsam. Ich hatte einen guten Kontakt zu meinem inneren Kind aufgenommen, Und trotzdem war mein Leben seit Montag problembeladener als je zuvor. (…)
Und dann waren da noch die Toten.“
(Björn) – Seite 248, eBook


Natürlich läuft auch wieder einiges nicht so, wie Björn es sich vorgestellt hatte, zudem gibt es eine mysteriöse Bedrohung durch einen Unbekannten – es bleibt spannend und interessant.

„Vier Tage, bis Freitag, waren in der Tat eine Menge Zeit, um ein Problem aus der Welt zu schaffen. Da hatte ich in jüngster Vergangenheit schon in kürzerer Zeit wesentlich mehr Probleme sehr achtsam umbringen lassen.“ (Björn) – Seite 120, eBook


Mein Fazit: Eine gelungene Fortsetzung – etwas ruhiger als der Vorgänger, aber mindestens genau so schräg und unterhaltsam. Auch hier kommt der bekannte schwarze Humor nicht zu kurz – gemischt mit einem lockeren Schreibstil und skurrilem Verlauf ein wirklich guter Krimi. Weiterhin spannend mit interessanten Entwicklungen - sehr lesenswert. 4,5 Sterne von mir.


Meine Bewertung:



Titel: Das Kind in mir will achtsam morden - Band 2
Autor: Karsten Dusse
Genre: Krimi /Humor
Seitenanzahl: 480
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 11. Mai 2020


Die Bücher der Achtsam morden-Reihe:
Band 1 - Achtsam morden
Band 2 - Das Kind in mir will achtsam morden
Band 3 - Achtsam morden am Rande der Welt