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Von Schicksal, Liebe und einer lebenslangen Suche
Es ist gleißend heller Hochsommer, als der dreizehnjährige Patch entführt wird. Für seine beste Freundin Saint bricht an diesem Tag die Welt zusammen. Sie isst, schläft und atmet nur noch, um ihn zu finden und nach Hause zu holen.
Patch verbringt unendliche Stunden allein in einem stockdunklen Raum. Bis er eine Hand in seiner fühlt. Das Mädchen sagt, es heiße Grace, und es holt Patch aus dem Dunkel, indem es die Welt mit seinen Worten malt.
Patch wird schließlich befreit, doch nicht erlöst. Denn niemand glaubt ihm, dass es Grace wirklich gab. Er will sie um jeden Preis finden und das Verbrechen sühnen, das ihn nicht loslässt. Auch Saint sucht den Täter und die Wahrheit, aber mit ganz anderen Mitteln als Patch. Selbst wenn das bedeutet, dass sie ihn für immer verlieren könnte.
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Piper Verlag)
In den Farben des Dunkels ist der neue Roman von Autor Chris Whitaker. Von ihm ist mir noch gut Von hier bis zum Anfang in Erinnerung geblieben. Auch hier erzählt er eine bewegende Geschichte, die tief berührt.
Alles beginnt im Sommer 1975: Die dreizehnjährige Saint und der gleichaltrige Joseph -genannt Patch- sind beste Freunde - bis zu einem Nachmittag, der alles ändert. Patch gerät in eine gefährliche Situation und ist plötzlich verschwunden. Eine nervenaufreibende Suche beginnt – gleichzeitig verschwinden mehrere junge Frauen und werden nie gefunden. Doch Saint gibt nicht auf, widmet ihre ganze Zeit der Suche nach Patch. Bis sie schließlich einer Spur folgt…
Patch ist zeitgleich in einem dunklen Raum gefangen mit Grace – er sieht sie nicht, doch sie erzählt im viel und rettet ihn mit ihren Gesprächen aus der Verzweiflung. Doch eines Tages ist sie weg…
„Er ging zu Boden und fasste sich an die Wunde. Im Wald ringsum wurde es Nacht, aber er sah weder Mond noch Sterne. (…)
Seine beste Freundin Saint lief durch die Straßen und hielt verzweifelnd Ausschau, auch als es eigentlich keine Hoffnung mehr gab.
Noch wusste niemand, welche Tragödie sich entfalten und ihrer aller Leben bestimmen sollte.“ – Seite 22, eBook
Als Patch schließlich befreit wird, will er nur eines: Grace finden und sie retten. Doch hat sie wirklich existiert? Viele zweifeln daran, doch Patch sucht nur noch verbissener. Saint, die einen völlig anderen Patch zurückbekommen hat, hilft ihm – in ihrer eigenen Verzweiflung und auf der Suche nach ihrem alten Freund. So beginnt eine lebenslange Suche, die sowohl Patch als auch Saint alles abverlangen wird…
Das Buch beginnt im Jahr 1975 und erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte – es ist sehr interessant, die Lebenswege der verschiedenen Figuren zu verfolgen. Neben Patch und Saint rücken auch einige der Nebencharaktere, die man anfangs gar nicht so im Fokus hatte, mehr in den Mittelpunkt. Von Anfang an wird der einnehmende und detaillierte Schreibstil sowie die gute Figurenzeichnung sichtbar: Der Autor hat eine ganz eigene Art, einzelne Momentaufnahmen sehr atmosphärisch zu beschreiben. Ob es Landschaftsbeschreibungen sind oder die Gefühle der Figuren – alles ist gut geschildert.
Es wird sehr berührend und oft auch traurig – man fühlt mit den Charakteren, die ihre ganz eignen Sorgen und Ängste haben, mit.
„Kennst du das, wenn plötzlich alles einen Sinn hat? Einen Sinn und einen Zweck.“
„Wie Farben im Dunkeln“, sagte Patch.
„Ja, ganz genau. Nichts ist wirklich dunkel, wenn Farben in der Welt sind.“ – Seite 603, eBook
Gleichzeitig wird es auch auf besondere Weise spannend – wer steckt hinter dem Verschwinden der Mädchen und wer hat Patch entführt? Und gibt es Grace wirklich? Daneben gibt es noch viele Nebenschauplätze, was sich alles sehr gut ergänzt.
Mittendrin war ich mir kurz unsicher, ob Patchs Verhalten und diese verbissene Suche nicht ein bisschen zu viel und alles etwas zu ausschweifend ist – doch nachdem ich den Roman zu ende gelesen und alles im Gesamten betrachten habe, finde ich, dass alles genau so passt. Gerade am Ende setzen sich viele Puzzleteile zusammen und ergeben ein sehr überraschendes Gesamtbild – zudem wird es noch einmal ziemlich spannend, interessant und auch ziemlich emotional.
„Im Licht der Sterne sah sie die Umrisse ihres alten Bienenstocks. Sie erinnerte sich an jene Zeit, als wäre jeder Moment eine Perle des Sommers, perfekt und makellos. Von früh am Morgen bis spät in die Nacht war es immer hell gewesen, als hätte es damals gar keinen Platz für Dunkelheit gegeben.“ - Seite 383, eBook
Das Buch ist umfangreich und hat stolze 261 Kapitel – diese sind aber meistens eher kurz und manche geben auch mal nur kurze Momentaufnahmen wieder. Der stetige Wechsel zwischen verschiedenen Blickwinkeln ist gut gelungen.
Mein Fazit: Eine bewegende Geschichte, die tief berührt und durch eine detailreiche und einnehmende Erzählweise überzeugt. Atmosphärisch dicht und in vielen, aber kurzen Kapitel erzählt der Autor von einer lebenslangen Suche, die allen alles abverlangt. Gleichzeitig ist auch eine spannende Kriminalgeschichte eingeflochten, die größere Ausmaße annimmt als zunächst gedacht. Dazu spielt noch die Liebe eine Rolle, es wird traurig, dramatisch und auch mal leicht poetisch.
Eine besondere Geschichte, die mich von Anfang an gepackt hat und sehr lesenswert ist.
Meine Bewertung:
Titel: In den Farben des Dunkels
Autor: Chris Whitaker
Übersetzt von: Conny Lösch
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 592 (Print), 793 (eBook)
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 27. Juni 2024
Vielen Dank an den Piper-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!





