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Alle Toten fliegen hoch – Band 5
Was passiert, wenn man durch einen gesundheitlichen Einbruch auf einen Schlag aus dem prallen Leben gerissen wird? Kann das Erzählen von Geschichten zur Rettung beitragen? Und kann Komik heilen? Nachdem der Erzähler Joachim Meyerhoff aus so unterschiedlichen Lebenswelten berichtet hat wie einem Schüleraustausch in Laramie, Amerika, dem Aufwachsen auf einem Psychiatriegelände, der Schauspielschule und den liebesverwirrten Jahren in der Provinz, gerät der inzwischen Fünfzigjährige in ein Drama unerwarteter Art. Er wird als Notfall auf eine Intensivstation eingeliefert. Er, der sich immer durch körperliche Verausgabung zum Glühen brachte, die „blonde Bombe“, für die Selbstdetonationen ein Lebenselixier waren, liegt jählings an Apparaturen angeschlossen in einem Krankenhausbett in der Wiener Peripherie. Doch so existenziell die Situation auch sein mag, sie ist zugleich auch voller absurder Begebenheiten und Begegnungen. Der Krankenhausaufenthalt wird zu einer Zeit voller Geschichten und zu einer Zeit mit den Menschen, die dem Erzähler am nächsten stehen. Er begegnet außerdem so bedauernswerten wie gewöhnungsbedürftigen Mitpatienten, einer beeindruckenden Neurologin und sogar wilden Hamstern. Als er das Krankenhaus wieder verlassen kann, ist nichts mehr, wie es einmal war. Joachim Meyerhoff zieht alle literarischen Register und erzählt mit unvergleichlicher Tragikomik gegen die Unwägbarkeiten der Existenz an.
(Quelle: Inhaltsangabe - KiWi-Verlag)
„Natürlich wusste ich, dass ein Lebensfaden jederzeit reißen kann. Dennoch möchte ich davon erzählen, wie es ist, wenn die Selbstverständlichkeit der Existenz von einem Moment auf den anderen abhandenkommt. Man eben noch das war und jetzt dies sein soll.“ – Seite 10, eBook
Hamster im hinteren Stromgebiet ist der inzwischen 5. Band der biografischen Romanreihe Alle Toten fliegen hoch von Joachim Meyerhoff. Tatsächlich ist dieses mein erstes Buch von ihm und ich war sofort beeindruckt von seinem klaren und detaillierten Schreibstil. Hier berichtet der Erzähler über einen schweren Einschnitt in seinem Leben: Ein paar Monate nach seinem einundfünfzigsten Geburtstag erleidet er einen Schlaganfall – er spürt seine linke Körperhälfte nicht mehr. Von dem plötzlichen Auftreten der Symptome und dem endlosen Warten auf den Krankenwagen über die Panik, nie wieder als Theaterschauspieler auf der Bühne stehen zu können bis hin zur Angst, einen erneuten Schlaganfall zu bekommen – alle Momente und Gedanken schildert der Autor sehr detailreich.
„Ich fröstelte und lachte in meinem Krankenhausbett. Und eigentlich lachte ich nur, um nicht zu verzweifeln, um nicht schutzlos dem Irrsinn ausgeliefert zu sein, der mich in meinem Zustand so nachdrücklich dazu aufforderte, in totaler Ernsthaftigkeit zu erstarren.“ – Seite 180, eBook
Als er später schlaflos auf der Intensivstation mit seinen so unterschiedlichen Mitpatienten liegt, kommen ihm viele tragikomischen Momenten und Situationen in den Sinn – gerade dieses und die Schilderungen seiner Reisen, die er in den letzten Jahren unternommen hat, lockern die Erzählung sehr auf. Es wird – trotz der ernsthaften Situation- sehr unterhaltsam. Manchmal auch rührend, wenn er von den wichtigsten Menschen in seinem Leben erzählt.
Gleichzeitig bekommen wir einen haargenauen Bericht über seine komplette Zeit im Krankenhaus – von seinen Begegnungen mit dem Personal und seinen Bettnachbarn bis hin zu den Schilderungen von seinen Untersuchungen.
„Im gesamten Flur waren Handläufe entlang der Wände montiert. Ein Ballettsaal für schwankende Gestalten.“ – Seite 136, eBook
Einzige Kritik: Manche beschriebene Situationen waren mir fast schon zu intim mit zu vielen Details, auch die Gedanken, die er über manche der anderen Patienten auf der Intensivstation hatte, waren manchmal ein bisschen zu herablassend. Ansonsten ist es ein sehr lesenswertes Buch.
Ich bin inzwischen sehr neugierig auf die Vorgänger und habe vor, diese noch zu lesen. Doch auch wenn man –wie ich- keine Vorkenntnisse der Reihe hat, kommt man wunderbar zurecht. Auch der Titel ist wunderbar gewählt.
Mein Fazit: In Hamster im hinteren Stromgebiet erzählt Joachim Meyerhoff über seinen Schlaganfall und die Zeit im Krankenhaus. Gleichzeitig ernst und nachdenklich, aber auch sehr tragikomisch und locker – eine gelungene Mischung. Interessant sind auch die Berichte über seine Reisen u.a. nach Norwegen und Afrika, wo er einiges erlebt hat. Bis auf Kleinigkeiten ein wirklich lesenswertes Buch, das ich gern weiterempfehle.
Meine Bewertung:
Titel: Hamster im hinteren Stromgebiet
Autor: Joachim Meyerhoff
Genre: Biografischer Roman
Seitenanzahl: 320
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erstveröffentlichung: 10. September 2020
Alle Toten fliegen hoch - die Bücher:
Band 1 - Amerika
Band 2 - Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Band 3 - Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Band 4 - Die Zweisamkeit der Einzelgänger
Band 5 - Hamster im hinteren Stromgebiet
Band 6 - Man kann auch in die Höhe fallen
Vielen Dank an den KiWi-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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