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Auf den Spuren des österreichischen Filmregisseurs G.W. Pabst
Einer der Größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Zur Machtergreifung dreht G. W. Pabst in Frankreich; vor den Gräueln des neuen Deutschlands flieht er nach Hollywood. Aber unter der blendenden Sonne Kaliforniens sieht der weltberühmte Regisseur mit einem Mal aus wie ein Zwerg. Nicht einmal Greta Garbo, die er unsterblich gemacht hat, kann ihm helfen. Und so findet Pabst sich, fast wie ohne eigenes Zutun, in seiner Heimat Österreich wieder, die nun Ostmark heißt. Die barbarische Natur des Regimes spürt die heimgekehrte Familie mit aller Deutlichkeit. Doch der Propagandaminister in Berlin will das Filmgenie haben, er kennt keinen Widerspruch, und er verspricht viel. Während Pabst noch glaubt, dass er dem Werben widerstehen, dass er sich keiner Diktatur als der der Kunst fügen wird, ist er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen. (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Rowohlt Verlag)
LICHTSPIEL ist der neue Roman von Autor Daniel Kehlmann gleichzeitig mein erstes Buch von ihm. Der historische Roman über den Filmregisseur G.W. Pabst ist beeindruckend geschrieben.
„Das Gespräch stockte. Es war einer jener Momente, in denen alles gesagt scheint, in denen es einem plötzlich vorkommt, als wäre die Gegenwart aufgebraucht und nichts mehr übrig als drohende Zukunft.“ – Seite 84, eBook
Im Mittelpunkt steht der Lebensweg des österreichischen Filmregisseurs Georg Wilhelm (G.W.) Pabst. Nachdem er erfolgreich Filme in Frankreich gedreht hatte, flieht er vor dem drohenden Krieg nach Hollywood. Doch als dort der Erfolg ausbleibt und er aus Österreich einen Brief seiner kranken Mutter erhält, reist Pabst zusammen mit seiner Frau Trude und seinem Sohn Jakob für einen Besuch zurück. Die Grausamkeiten, die inzwischen im ganzen Reich stattfinden, spürt die Familie mit aller Deutlichkeit. Noch während sie beschließen, das Land so schnell wie möglich wieder zu verlassen, beginnt der Zweite Weltkrieg und eine Ausreise scheint unmöglich. Als bekannt wird, dass Pabst zurück in Deutschland ist, möchte der Propagandaminister in Berlin den bekannten Filmregisseur unbedingt haben. Ein Widerspruch wird nicht geduldet und die Versprechungen sind groß. Pabst, ein unpolitischer Mensch, der nie für die Nazis Filme drehen wollte, glaubt, dass er den Versprechungen widerstehen kann. Doch plötzlich ist er mittendrin – und kann dem nicht entkommen…
„Die Uhr zeigte halb zwei, und vor ihnen lagen nur noch die bleichen Stunden des frühen Morgens. Und sie wussten, dass sie, die einander kaum kannten und die der Zufall zusammengewürfelt hatte, nie mehr in dieser Runde zusammenkommen würden; einige von ihnen würden Glück haben, und die anderen würden untergehen.“ – Seite 84, eBook
Ich muss zugeben, dass mir vor diesem Roman der Filmregisseur G.W. Pabst (1885-1967) völlig unbekannt war. Doch sowohl die Inhaltsangabe als auch ein Interview von Daniel Kehlmann auf der Frankfurter Buchmesse (das ich online gesehen habe) haben mich neugierig gemacht. Der Schreibstil ist klar, flüssig und hat ein gutes Tempo. Gleichzeitig hat er aber auch eine besondere Note, auf die man sich einlassen muss. Nach dem Prolog, in dem ein Assistent von Papst sich an die gemeinsame Zeit mit ihm zu erinnern versucht, lernt man die Hauptfigur selbst kennen, der sich zu Beginn in Hollywood aufhält. Anfangs gibt es neben den aktuellen Geschehnissen – von Misserfolgen in Amerika und die Rückreise nach Österreich – auch einige kurze Rückblicke in frühere Jahre. Von Pabsts ersten Schritten in der Schauspielerei bis hin zu seiner Arbeit als Regisseur und zu seinen frühen Erfolgen – u.a. mit Greta Garbo. Sowohl die Einblicke in die Vergangenheit als auch die Geschehnisse in der damaligen Gegenwart lassen sich gut verfolgen.
Der Roman ist aus verschiedensten Blickwinkeln geschrieben – die Personen bewegen sich alle im engsten Kreis um Pabst, natürlich gibt es auch Abschnitte aus dessen Sicht. Viele Momentaufnahmen werden detailreich wiedergegeben, auch die Schauplätze sind bildgewaltig beschrieben. Über allem schwebt die beklemmende Atmosphäre der wohl dunkelsten Zeit Deutschlands.
„Aber finden sie es nicht seltsam, Pabst, dass wir mitten im Weltuntergang so einen Film drehen? So ein … Kunstwerk?“
„Sie sagen das, als wäre es etwas Schlechtes.“
„Eher etwas Seltsames.“
„Die Zeiten sind immer seltsam. Kunst ist immer unpassend. Immer unnötig, wenn sie entsteht. Und später, wenn man zurückblickt, ist sie das Einzige, was wichtig war.“ – Seite 233, eBook
Ein zentrales Thema ist der Film Der Fall Molander, dessen Material bis heute verschollen ist, auch ist über die Umstände der Dreharbeiten nichts Konkretes bekannt (Info S. 295, eBook). Hier hat Kehlmann eine ganz eigene Vorstellung erschaffen – die unheimlicher nicht sein kann. Gleichzeitig wird danach etwas aus dem Prolog klarer und führt schließlich zu einem überraschenden Ende.
Sofort wird deutlich, dass der Autor sehr gut recherchiert hat. Gekonnt verwebt er historische Fakten mit fiktiven Elementen und hat daraus einen sehr lesenswerten Roman gemacht. Hier verschwimmt alles so gut miteinander, dass man manchmal nicht genau weiß, was wahr ist. Gleichzeitig wird manches gekonnt umschrieben und etwas unscharf gehalten, anderes wiederum ist sehr klar.
Mein Fazit: Ein sehr gelungener Roman über das Leben des Regisseurs G.W. Pabst. Gekonnt verwebt der Autor historische Fakten mit fiktiven Elementen – und das mit einer besonderen Erzählweise. Der Schreibstil ist flüssig, klar und hat eine besondere Note. Von detailreichen Schauplatzbeschreibungen und gut gezeichneten Charakteren bis hin zu der beklemmenden Atmosphäre der damaligen Zeit – alles lässt sich sehr gut verfolgen. Nicht immer einfach, aber sehr interessant und am Ende auch überraschend. Lesenswert!
Meine Bewertung:
Titel: Lichtspiel
Autor: Daniel Kehlmann
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 480
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2023
Verlag: Rowohlt


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