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Samstag, 13. Juli 2019

Rezension zu "Die wahre Geschichte von Regen und Sturm" von Ann M. Martin

Zum Buch

Ruth, Regen und der Sturm

Ruth mag Wörter, vor allem Homonyme, so wie Ruth und ruht. Ihr alleinerziehender Vater kann damit nichts anfangen. Warum kann Ruth sich nicht benehmen wie andere Kinder? Die beste Idee, die er je hatte, ist, Ruth einen Hund mitzubringen. Sie nennt ihn Regen, denn er wurde im Regen gefunden – und das Wort ist ein Homonym.
Als ein Hurrikan die kleine Stadt heimsucht, geht Regen im Unwetter verloren. Dad hätte den Hund nie raus lassen dürfen. Bei Sturm! Ohne Halsband! Verzweifelt macht sich Ruth auf die Suche. Ein Glück, dass sie noch Onkel Weldon hat, der sie so viel besser versteht.
(Quelle: Klappentext)



„Ich bin Ruth Howard, und mein Vorname ist ein Homonym. Um genau zu sein, er ist ein Homophon, also ein Wort, das ausgesprochen wird wie ein anderes, aber nicht so geschrieben. Mein Homophonname ist Ruht.“ – Seite 7


…mit diesem Satz beginnt die Geschichte des zwölfjährigen Mädchen Ruth, die eine ganz besondere Vorliebe hat: Wörter – insbesondere Homophone. Dazu mag sie noch Regeln und Zahlen, besonders Primzahlen. Das Buch ist leicht verständlich in der Ich-Perspektive aus Sicht von Ruth geschrieben, in der sie uns Lesern ihre Geschichte selbst erzählt. Ruth erzählt über ihren Alltag und dass sie Autistin ist. In der Schule hat sie es nicht immer leicht, doch ihr Onkel Weldon versteht sie – und interessiert sich für Homophone. Sie erzählt über ihren Vater, ihren geliebten Hund und den Hurrikan.
Die Hauptfigur wächst dem Leser schnell ans Herz, genau so wie ihr Hund, den sie Regen genannt hat. Doch eines Tages gerät ihr so wohlgeordneter Tagesablauf ins Wanken: Regen geht im Unwetter verloren und Ruth macht sich auf die abenteuerliche Suche nach ihm.
Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass Ruth von ihrer Diagnose erzählt: Hochfunktionaler Autismus. Sie schildert, was es bedeutet, wie ihr Alltag aussieht und was sie nur schwer ertragen kann – gleichzeitig macht sie dadurch die Diagnose für den Leser verständlich. Da ihre Vorliebe ja bei homophonen Wörtern liegt, wird bei jedem dieser Wörter auch das Gegenstück in Klammern beigefügt, was dem Buch einen ganz eigenen Charme gibt, der mir persönlich sehr gut gefällt:


„Zum Nachtisch gab es Eis am Stiel (Stil). Ich war in meine Homophonliste vertieft, als ich Scheinwerferlicht sah, das durch die Küche kreiste, und einen Wagen (Waagen, wagen) in unsere Auffahrt kommen hörte." – Seite 31


Die Geschichte ist oft berührend und entwickelt sich in eine andere Richtung, als zunächst gedacht. Ruths Hund Regen und auch ihr Onkel spielen dabei eine zentrale Rolle.

Mein Fazit: Eine sehr berührende Geschichte über ein besonderes Mädchen, das einem schnell ans Herz wächst. Das Buch lässt sich leicht lesen und hat durch die eingefügten homophonen Wörter einen ganz eigenen Charme. Sehr bewegend, wichtig und lesenswert.


Meine Bewertung: 





Titel: Die wahre Geschichte von Regen und Sturm
Autorin: Ann M. Martin
Genre: Jugendbuch
Seitenanzahl: 240
Verlag: Carlsen / Königskinder
Erstveröffentlichung: 24. April 2015

 Update Februar 2021: Dieses Buch ist mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich.


Montag, 8. Juli 2019

Rezension zu "Das Schloss in den Wolken" von Lucy Maud Montgomery

Zum Buch

Liebe und ein selbstbestimmtes Leben

Kanada, in den 1920er Jahren: Valancy Stirling ist gerade neunundzwanzig Jahre alt geworden, wohnt im Haus ihrer Mutter und wird von der gesamten Verwandtschaft verspottet: Sie ist noch immer unverheiratet! Auch einen Verehrer hat sie nicht. Valancy fühlt sich immer unwohler in Gegenwart ihrer Familie. Doch dann passiert etwas, was ihr Leben von gleich auf radikal verändert – daraufhin befreit sie sich von allen Konventionen. Sie zieht von zu Hause aus und sucht sich eine Anstellung. Valancy blüht in ihrer neu gewonnenen Freiheit auf und verliebt sich sogar.
Und sie findet endlich ihr Blaues Schloss, den Zufluchtsort ihrer Tagträume, im richtigen Leben. Doch dann erreichen sie weitere Neuigkeiten, die wiederum alles auf den Kopf stellen…



„Die Ferienhäuser in Muskoka mochten ihren Reiz haben, aber dort, am flammenden Firmament, zwischen den Tannenwipfeln, ragte ihr Blaues Schloss in die Höhe. Valancy streifte die alten Jahre, Gewohnheiten und Hemmungen von sich ab wie tote Blätter. Sie wahren Ballast, die sie nicht brauchte.“ – Seite 141


Das Schloss in den Wolken ist erstmals im Jahre 1926 erschienen und stammt von Lucy Maud Montgomery, aus deren Feder auch die Anne auf Green Gables – Bücher stammen. Mit Valancy Stirling hat die Autorin eine tolle Hauptfigur erschaffen, die sich von allen Zwängen der damaligen Zeit befreit und ein ihrem neuen, selbstbestimmten Leben ihr Glück findet.


„Nach dem Essen saßen sie beieinander und unterhielten sich stundenlang, oder sie saßen da und schwiegen in allen Sprachen der Welt.“ – Seite 250


Das Buch ist schön geschrieben mit detailreichen Schilderungen der Schauplätze. Die Handlung an sich ist eher ruhig und auch wenn man schnell ahnt, wie es ausgeht, ist es dennoch interessant und packend zu verfolgen. Besonders zum Ende hin bekommt die Geschichte nochmal einen neuen Schwung.

Mein Fazit: Ein schöner zeitloser Klassiker der sich wunderbar und leicht lesen lässt. Die Hauptfigur macht eine große Entwicklung durch und diese ist interessant zu verfolgen. Auch die detailreichen Schilderungen der Schauplätze im Kanada der 1920er Jahre sind sehr gelungen. Ein schönes Buch für zwischendurch, dem ich 4,5 Sterne gebe.


Meine Bewertung:



Titel: Das Schloss in den Wolken
Autorin: Lucy Maud Montgomery
Genre: Klassiker
Seitenanzahl: 368
Verlag: Carlsen / Königskinder

Freitag, 5. Juli 2019

Rezension zu "Eine Geschichte der Zitrone" von Jo Cotterill

Zum Buch


Bücher und beste Freundinnen

Wie gern hätte Calypso eine richtige Freundin! Vielleicht wird es ja Mae, die Neue in der Klasse? Die ist genauso ein Bücherwurm wie sie. Auch wenn für Mae ein Buch nur gut ist, wenn sie am Ende richtig heulen muss. Aber Calypsos Dad findet, man soll sich nicht auf andere einlassen. Er hat ohnehin keine Zeit für so was – er schreibt sein Meisterwerk über die Geschichte der Zitrone. Und scheint darüber oft zu vergessen, dass er eine Tochter hat. Je mehr Zeit Calypso bei Mae und ihrer herzlichen Familie verbringt, desto klarer wird ihr, wie seltsam, staubig und leer ihr eigenes Zuhause ist…
(Quelle: Klappentext)



„Lesen ist für alles gut. Man kann an Orte reisen, zu denen man im echten Leben nie käme. Man kann ein Mensch sein, der Man nicht ist. Man kann Dinge tun, die man sonst nicht tun dürfte.“ – Seite 154


Eine Geschichte der Zitrone ist eine wundervolle Geschichte über Freundschaft und Bücher, aber auch über Einsamkeit und Krankheit. Hauptfigur ist das elfjährige Mädchen Calypso, die schon früh den Tod ihrer Mutter verkraften musste. Sie lebt zusammen mit ihrem vielbeschäftigten Vater in einem alten Haus, das das Sonnenlicht irgendwie nie ganz erreicht. Calypso ist ein echter Bücherwurm und flüchtet sich am liebsten in Geschichten. Doch dann lernt sie Mae kennen, die neu in ihrer Klasse ist. Auch Mae liest für ihr Leben gern und zwischen den beiden entwickelt sich eine enge Freundschaft. Zum ersten Mal fühlt Calypso sich nicht mehr so einsam. Doch schon bald macht sie eine traurige Entdeckung, die weitere Ereignisse nach sich ziehen – in dieser Zeit braucht sie mehr denn je die Unterstützung ihrer besten Freundin…

Die Handlung lässt sich angenehm leicht lesen und ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Calypso geschrieben. Was mir sehr gut gefallen hat, dass hier auch einige Buchtitel genannt werden und diese in die Geschichte mit einbezogen werden – z.B. Anne auf Green Gables oder auch über  Das Tagebuch der Anne Frank wird gesprochen.
Neben Büchern und Freundschaft spielen natürlich auch die Zitronen eine gewisse Rolle, wenn auch anders als zunächst gedacht. Doch die Geschichte hat noch viele weitere Facetten, es wird traurig und berührend. Calypso macht keine leichte Zeit durch, aber sie bleibt stark.


„Eine Reise besteht aus lauter kleinen Schritten, oder? Und manchmal muss man sich hinsetzen oder ein Stück zurückgehen, weil das, was vor einem liegt, zu beängstigend ist oder man zuerst etwas anderes zu erledigen hat. Aber ohne kleine Schritte wird es niemals zu einer Reise.“ – Seite 236


 Passend zum Titel ist auch die gebundene Ausgabe in zitronengelb gehalten mit einem schönen Schutzumschlag. Wie alle Königskinder-Bücher ist auch diese Geschichte besonders.



Mein Fazit: Wieder ein wundervolles Buch aus dem Königskinder Verlag. Die Geschichte hat viele Facetten:  Es geht um Bücher, Freudschaft, Einsamkeit und auch Krankheit. Auch wenn es mal traurig wird, verliert das Buch nie seine Leichtigkeit. Es ist angenehm geschrieben, berührt und ist wirklich lesenswert.


Meine Bewertung: 




Titel: Eine Geschichte der Zitrone
Autorin: Jo Cotterill
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 256
Verlag: Carlsen / Königskinder



Noch ein Update (Februar 2021): Dieses Buch ist mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich.

Sonntag, 30. Juni 2019

Rezension zu "Die Anatomie der Nacht" von Jenn Bennett

Zum Buch

Kunst, Anatomie und Nacht…

Als spätabends die letzte Bahn ausfällt, wartet Beatrix „Bex“ Adams auf den Nachtbus. Sie hofft, dass ihre Mom nicht schon vor ihr zu Hause ist und ihr Fehlen bemerkt – denn so spät soll sie nicht mehr unterwegs sein. Nachts sind andere Leute unterwegs – und vielleicht hätte sie sonst nicht Jack kennen gelernt: Der schwarzgekleidete Typ, der in ihrem Alter ist und den etwas Geheimnisvolles umgibt. Kurz darauf lernt Bex Jack näher kennen und erfährt, dass er der Graffitikünstler ist, der seit einigen Wochen San Franciscos Bauwerke mit goldenen Buchstaben verziert. Beide haben eine Vorliebe für außergewöhnliche Kunst, denn Bex mag anatomische Zeichnungen.
Nach und nach kommen die beiden sich näher und erfahren so auch einige Geheimnisse voneinander…


„Er war künstlerisch veranlagt. Ich war künstlerisch veranlagt. Ich lächelte und war albern glücklich darüber.“ – Seite 104


Ich bin ja schon seit längerer Zeit begeisterte Leserin der Bücher aus dem Königskinder-Verlag, (ein Imprint des Carlsen-Verlages), der von 2013 bis 2018 viele tolle und außergewöhnliche Bücher herausgebracht hat.  Diese fielen besonders durch die schönen Cover und den sorgfältig ausgewählten Geschichten auf. „Die Anatomie der Nacht“ ist mir zunächst durch den Titel aufgefallen – er klingt dunkel-geheimnisvoll. Dahinter verbirgt sich die Geschichte von Bex und Jack, die sich im Nachtbus kennen lernen. Die Autorin Jenn Bennett hat mit den Beiden zwei tolle und interessante Charaktere geschaffen:  Bex möchte medizinische Illustratorin werden und hat eine Vorliebe für anatomische Zeichnungen. Jack ist auch ein Künstler – aber auf andere Art. Er verziert nachts die Stadt mit Graffitis – an verschiedenen Orten tauchen gesprühte Worte in goldener Farbe auf. Nur Bex weiß von seinem Geheimnis. Nach und erfahren wir auch warum er das tut.  


„Sich lebendig zu fühlen ist vielleicht wirklich nur ein Adrenalinstoß, aber mit einem hatte Jack Recht: Es war das Risiko definitiv wert.“ – Seite 347


Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Liebesgeschichte, die schön erzählt und keineswegs kitschig ist. Beide haben zudem noch mit persönlichen Problemen zu kämpfen, die im Laufe der Geschichte sichtbar werden. Es wird mal schön und auch berührend, mal geheimnisvoll, etwas dunkel und auch mal traurig.
Die Handlung wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Beatrix, die von allen nur Bex genannt wird, erzählt. Die Story ist schön geschrieben, nach und nach wird vieles, was zunächst nur am Rande eine Rolle spielte, sichtbar und hält ein gelungenes Finale bereit.

Mein Fazit: Eine berührende Geschichte mit besonderen Charakteren. Gerade die beiden Hauptfiguren haben mir unheimlich gut gefallen – genauso wie die vielen Facetten: Es wird mal geheimnisvoll und etwas dunkel, dann wieder schön und auch sehr berührend. Auch die Liebesgeschichte ist toll erzählt – ganz ohne Kitsch. Ein sehr gelungenes Königskind, das ich empfehlen kann! 

Meine Bewertung: 




Titel: Die Anatomie der Nacht
Autorin: Jenn Bennett
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 352
Verlag: Carlsen / Königskinder

Freitag, 20. Juli 2018

Rezension zu "Der Himmel über Appleton House" von S. E. Durrant

Zum Buch

Die Sehnsucht nach einem Zuhause

Das Mädchen Ira und ihr kleiner Bruder Zac leben seit einiger Zeit in dem Kinderheim „Skilly House“ – sie gehören mit zu den längsten Bewohnern, da sie unbedingt zusammenbleiben wollen. Sie haben schon in vielen Häusern gelebt, doch bisher hat sich noch keine passende Familie gefunden – dabei wünsche sich die beiden nichts sehnlicher, als endlich ein richtiges Zuhause zu haben. Doch dann schöpfen Ira und Zac neue Hoffnung: Sie werden in den Ferien von Martha Freeman ins „Appleton House“ eingeladen – staunend bewundern die beiden Geschwister das alte Haus mit dem großen, verwunschenen Garten. Zuerst noch unsicher, aus Angst gleich weder weggeschickt zu werden, fasst Ira langsam Vertrauen zu der gutmütigen Frau. Doch als sie anfängt, sich im Appleton House und bei Martha heimisch zu fühlen, geschieht etwas, das die Träume der beiden Geschwister in Frage stellt…


„Und jetzt schläft er und sieht aus wie ein Engel und ich wünschte, Martha könnte ihn sehen, denn dann würde sie verstehen, dass er ganz verschiedene Seiten hat. Er ist tollpatschig und gerät immer in Schwierigkeiten und tut so, als wäre ihm alles egal, aber gleichzeitig ist er unheimlich liebenswert.“ – Seite 96


Der Himmel über Appleton House erzählt die Geschichte zweier Geschwister, die schon früh bei mehreren Pflegefamilien gelebt haben und dann schließlich ins Kinderheim kamen. Das Mädchen  Miracle, das von allen nur „Ira“ genannt wird, wünscht sich nichts sehnlicher, als das Zac und sie endlich ein Zuhause finden – und bleiben dürfen. Dann verbringen sie die Ferien bei Martha im Appleton House, das bei den beiden sofort einen Zauber auslöst. Doch dann geschieht etwas, was alles infrage stellt…
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Sicht der zehnjährigen Ira geschrieben, die hier anfangs von kleinen Momenten aus ihrem bisherigen Leben erzählt und dann ausführlich von der Zeit, als sie und ihr Bruder Zac das Appleton House besuchen. Die Geschichtespielt Ender 1980er Jahre und ist sehr einfühlsam und auch mal traurig – besonders Ira kommt sehr erwachsen rüber, da sie sich ständig um ihren jüngeren Bruder sorgt. Dabei hat sie auch eigene Träume. Die Schreibweise ist sehr angenehm und zieht den Leser trotz der eher leisen Töne in ihren Bann.


„Ich wünschte, wünschte wirklich von ganzem Herzen, wir wüssten, warum unsere Mutter uns verlassen hatte und wer und wo sie war. Denn nichts zu wissen bedeutet, dass alles Mögliche passiert sein könnte und alles, was Zac und ich uns ausdenken, wahr.“ – Seite 134


Mein Fazit: Ein wundervoller und berührender Roman, der die Geschichte zweier Geschwister erzählt, die sich endlich ein richtiges Zuhause wünschen. Die Charaktere, besonders die Hauptfigur Ira, sind stark dargestellt und auch die Schauplätze, die oft etwas verwunschen wirken, runden diese Geschichte perfekt ab. Mir hat dieses Buch mit seiner einfühlsamen, ruhigen und besonderen Art sehr gut gefallen und kann es nur weiterempfehlen.


Meine Bewertung: 





Titel: Der Himmel über Appleton House
Autorin: S. E. Durrant
Genre: Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 240
Verlag: Carlsen / Königskinder


Noch ein Update (Februar 2021): Dieses Buch ist mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich.