Freitag, 28. September 2018

Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

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Leben zwischen zwei Welten

2096: Die Erde hat eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um neuen Lebensraum zu erschließen. Doch die will unabhängig sein: Während die Mars-Bewohner den Raubtierkapitalismus der Erde verdammen, halten die Erdenmenschen den roten Planeten für ein System unkontrollierter Alleinherrschaft. Zur Verständigung zwischen den Völkern sendet der Mars hundert Jahre später einige Jugendliche auf die Erde – darunter auch die kürzlich verwaiste Luoying, eine Enkelin des Mars-Machthabers. Ihr Bruder bleibt zurück. Fünf lange Jahre dauert es, bis die nun erwachsene Frau den loyalen und erfolgreichen Rudy in der roten Heimat wiedersieht. Die Weltenwanderin Luoying muss sich entscheiden: Für oder gegen das starre System - mit möglicherweise tödlichen Konsequenzen nicht nur für sie selbst. (Quelle: Klappentext vom Verlag)


„Am liebsten hatte er sie gefragt, was sie denn machen wolle, wenn sie einmal groß sei. Jetzt wusste sie die Antwort: Sie wollte nicht nur verstehen, was die anderen sagten, sondern hinter die Fassade ihrer Worte blicken.“ – Seite 83, eBook


Als ich den Klappentext gelesen habe, war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste. Denn diesen Roman enthält ein spannendes Szenario. Wie oben erwähnt, hat die Erde im Jahr 2096 die erste Kolonie auf dem Mars gegründet – die Handlung des Buches spielt aber gut 100 Jahre später, als die 18-jährige Luoying nach einem fünfjährigen „Schüleraustausch“ zurück auf den roten Planeten kommt – dort ist sie aufgewachsen. Doch das Leben auf der Erde hat sie verändert –  sie beginnt das System zu hinterfragen, auch gibt es in ihrem Leben einige Unklarheiten. Sie versucht den Geheimnissen auf die Spur zu kommen…


„Sie war eine Wanderin zwischen den Welten, doch sie konnte nicht entscheiden, welche von beiden die unfreiere war: der Mars, wo das System alle grundlegenden Bedürfnisse erfüllte, oder die Erde, auf der einem ständig die Armut drohen konnte. Aber eines wusste sie: Alle Menschen liebten die Freiheit. Sie mochten noch so verschieden sein, in diesem Punkt waren sie alle einander gleich.“ – Seite 168, eBook


Man wird an diese komplexe Geschichte langsam herangeführt - am Anfang des Buches bekommt man einen kurzen, aber sehr guten Einblick, was in den 100 Jahren seit der Marsbesiedelung geschehen ist – es gab einen großen Krieg zwischen Erd- und Marsbewohnern. Nun, im Jahr 2190, sind die beiden Planeten dabei, sich langsam wieder anzunähern. Diese Entwicklung ist spannend zu verfolgen.
Neben der interessanten Geschichte rund um die Hauptfigur Luoying hat mir besonders die sehr gute Ausarbeitung gefallen - die Autorin beschreibt hier detailreich, wie das Leben der Marsianer aussieht. Man bekommt einen Einblick in die Architektur der Stadt, die aktuelle Technologie und natürlich auch, wie das marsianische Gesellschaftssystem gestaltet ist - dieses unterscheidet sich sehr zu den Bewohnern der Erde.
Alles in allem ist es aber eine eher ruhige Geschichte – ein besonderer Science-Fiction-Roman, der zwar nicht sehr actionreich ist, aber durch gute Dialoge überzeugt und manches Mal zum Nachdenken anregt.

Mein Fazit: Ein ruhiger, aber beeindruckender Science-Fiction-Roman über zwei Welten, deren Lebensumstände unterschiedlicher nicht sein können. Ende des 22. Jahrhundert angesiedelt, gibt die Autorin einen interessanten und detaillierten Einblick auf den inzwischen besiedelten Mars und dessen Beziehung zur Erde. Die gesamte Ausarbeitung ist sehr gut gelungen – es gibt viele Hintergrundinfos. Anders als die bekannte, oft rasante Science-Fiction-Action, aber lesenswert. Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür.


Meine Bewertung: 





Titel: Wandernde Himmel
Autorin: Hao Jingfang
Genre: Science Fiction / Roman
Seitenanzahl: 752
Verlag: Rowohlt Polaris


Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Sonntag, 23. September 2018

Rezension zu "Der Spielmann" von Oliver Pötzsch

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Band 1 der Faustus-Serie

Im Jahr 1486: Der achtjährige Johann Georg, der von seiner Mutter „Faustus“  genannt wird, wächst in Knittlingen auf, einem kleinen Ort im Kraichgau. Doch die sonst so ruhige Idylle wird gestört, als Ende Oktober die Gaukler in die Stadt kommen – und daraufhin Kinder verschwinden.
Johann macht sich darüber nicht weiter Gedanken, denn er ist von den Spielleuten fasziniert, besonders von einem, der sich deutlich von den anderen abhebt: Der geheimnisvolle Zauberer Tonio del Moravia – ein blasser Mann mit stechend schwarzen Augen, der Johann voraussagt, das er eines Tagen ein großer Gelehrter werden wird.
Einige Jahre später schließt sich Johann Tonio an und reist fortan mit ihm durch die deutschen Lande. Begierig saugt Johann alles auf, was der geheimnisvolle Mann ihm beibringt. Noch ahnt er nicht, dass von Tonio und seinen Lehren eine dunkle Gefahr ausgeht. Er scheint mit dunklen Mächten im Bunde zu stehen, die Johann weiteres Leben bestimmen werden…


„Faustus hatte ihn seine Mutter genannt, der Glückliche … Noch nie war ihm der Name so falsch erschienen wie in dieser dunklen Stunde. All seine Klugheit, sein Witz, seine Neugierde hatten ihn nicht nach oben geführt, sondern stattdessen in diesen Abgrund, aus dem es kein Zurück zu geben schien.“ – Seite 90, eBook


Mit Der Spielmann, dem Auftakt zu seiner Faustus-Serie, ist Oliver Pötzsch wieder ein guter Roman gelungen. Überwiegend historisch, aber auch mit vielen mysteriösen und sehr düsteren Elementen – diese Kombination hat mir gut gefallen. Die Handlung beginnt in Johanns Kindheit und nimmt in den folgenden Jahren einen spannenden Verlauf. Johann muss viele Rückschläge verkraften und kommt durch den unheimlichen Zauberer Tonio del Moravia mit dunklen Mächten in Berührung. Um Tonio, der sich selbst als Astrologe und Chiromant bezeichnet, ranken sich während der ganzen Handlung viele Geheimnisse – man merkt sofort, dass hinter diesem blassen Mann mehr steckt – etwas Dunkles, was nach und nach ans Licht kommt.
Der Schreibstil ist wie schon in Oliver Pötzschs Henkerstochter-Romanen ausführlich, klar und packend. Es gibt viele interessante Schauplätze, die auch über Deutschland hinaus reichen. Ein zentraler Punkt nehmen die Gaukler und Spielleute ein, die von Ort zu Ort ziehen.  Johanns Weg, der hier über viele Jahre geschildert wird, hat Höhen und Tiefen. Er erlebt Unheimliches und macht einige Veränderungen durch. Auch die Figuren, die Johanns Wege kreuzen, lernt man sehr gut kennen.


„Dann verließ er für immer sein Zuhause und machte sich auf den Weg. Noch wusste Johann nicht, dass ihn dieser Weg in die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen führen würde. In die ganze Welt und darüber hinaus.“ – Seite 86, eBook


Um den berühmten Schwarzkünstler Doktor Johann Georg Faustus wurden viele Erzählungen, Romane und Gedichte verfasst. In seinem Nachwort erzählt der Autor, wie der Wunsch entstand, ebenfalls ein Roman über Faust zu schreiben. Ebenfalls sehr interessant ist der kleine Reiseführer, mit dem Interessierte auf Fausts Spuren durch Deutschland reisen und somit auch viele Romanschauplätze entdecken kann.

Mein Fazit: Ein packender historischer Roman, der viele düstere und mysteriöse Elementen enthält – diese Kombination ist sehr gut gelungen. Oliver Pötzsch erzählt hier detailreich die Geschichte von Johann Georg Faustus in seinen jungen Jahren – diese nimmt viele interessante Wendungen. Besonders zum Ende hin wird nimmt die Spannung nochmal zu. Der Auftakt ist sehr lesenswert und macht neugierig auf den 2. Band, der im September 2019 erscheinen soll. Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür. 


Meine Bewertung: 




Titel: Der Spielmann - Die Geschichte des Johann Georg Faustus
Autor: Oliver Pötzsch
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 784
Verlag: List

Die Bücher der Faustus-Serie:
Band 1 - Der Spielmann
Band 2 - Der Lehrmeister ~ erscheint im September 2019
 

Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Dienstag, 18. September 2018

Rezension zu "Die Glücklichen" von Kristine Bilkau

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Zukunftsängste

Isabell und Georg sind ein glückliches Paar. Sie leben in einer schönen Wohnung und sind vor gut einem Jahr Eltern des kleinen Matti geworden. Doch mit der Geburt ihres Sohnes steigt bei Isabell zunehmend die Verunsicherung – sie ist Cellistin und als sie nach der Babypause zu ersten Mal wieder im Orchester spielt, stellt sie beunruhigendes fest. Zudem stehen die Chancen auf eine Vertragsverlängerung schlecht.  Auch für Georg gibt es eine schockierende Nachricht: Er verliert seine Anstellung bei der Zeitung. Zu allem Überfluss liegt noch eine Mieterhöhung im Briefkasten – plötzlich scheint das sich stetig verändernde Wohnviertel unnahbar. Die schwierige Situation verlangt von Georg und Isabell als Paar einiges ab – sie treiben sich gegenseitig in die Enge. Zerbricht ihre einst so glückliche kleine Familie an der aktuellen Lage?


„Noch einmal sieht sie genau hin, zwingt sich, nichts Düsteres erkennen zu wollen oder auch nur flüchtig an etwas Düsteres zu denken. Das ist Georgs Gesicht im Halbdunkel, mehr nicht.“ – Seite 126, eBook


Dieser Roman schildert atmosphärisch dicht die Situation einer jungen Familie, deren Existenz durch Jobverlust plötzlich auf der Kippe steht. In ihrer Wohnung haben sie sich einen Wohlfühlort geschaffen – Isabell genießt die Zeit mit ihrem Sohn Matti. Doch die Verunsicherung nimmt von Tag zu Tag zu – und somit auch die Anspannung, was sich auch auf ihren Beruf auswirkt. Plötzlich droht alles zu zerbrechen…
Die Autorin schreibt sehr detailreich und klar und gibt so einen Einblick in das Leben von Georg und Isabell. Dabei wechselt sie zwischen den beiden Blickwinkeln. So erfährt man, wie unterschiedlich Georg und Isabell manche Momente wahrnehmen und wiederum ihre ganz eigenen Sorgen oft mit sich selbst ausmachen. Die Geschichte ist leise, aber auf eigene Art sehr bewegend, weil das scheinbar so sorglose Leben plötzlich zu zerbrechen droht. Der Ton ist sehr gut getroffen. Einzig am Ende hätte ich mir gerne noch ein paar Antworten mehr gewünscht.


„In dem weißen, schmal geschnittenen Hemd und der gut sitzenden dunklen Hose, den Trench über den Arm gelegt, die alte, wunderschön zerschrammte Ledertasche umgehängt, sieht er aus, als müsse man sich um seine Zukunft keine Sorgen machen, er wirkt nicht wie jemand, der die Minuten und Stunden zu Hause sortiert und verschiebt wie eine unübersichtliche Menge an Puzzleteilen.“ – Seite 142, eBook


Mein Fazit: Eine ruhige und dennoch bewegende Geschichte über den Alltag einer junge Familie, dessen Leben sich durch Jobverlust und Zukunftsängste plötzlich ändert. Atmosphärisch dicht beschreibt die Autorin das Leben der Familie, jeweils abwechselnd aus der Sicht von Isabell und Georg. Die jeweiligen Ängste, Sorgen und auch Wünsche werden sehr detailreich geschildert – genau das gibt diesem Roman eine Besonderheit. Gleichzeitig regt es auch zum Nachdenken an. Das Buch ist sehr gut geschrieben und lesenswert.


Meine Bewertung: 




Titel: Die Glücklichen
Autorin: Kristine Bilkau
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 384
Verlag: Luchterhand (HC,eBook) / btb (TB)



Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar! :)