Freitag, 19. Oktober 2018

Rezension zu "Die kleinen Wunder von Mayfair" von Robert Dinsdale

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Spielzeug und dessen Magie

Jedes Jahr pünktlich zum ersten Winterfrost öffnet ein ganz besonderer Spielzeugladen seine Türen.  Dahinter erwartet die Besucher das Wunderland von Papa Jacks Emporium: Spielzeug, soweit das Auge reicht – und alles ist einem magischen Zauber versehen.
Es ist November im  Jahr 1906: Als die 15-jährige Cathy auf eine besondere Zeitungsannonce von Papa Jacks Emporium stößt, schöpft sie wieder Hoffnung. Denn die junge Frau ist alleinstehend und sucht dringend ein neues Zuhause - sie ist schwanger. So macht sie sich auf die Reise nach Mayfair und hofft auf eine Anstellung in Londons magischstem Spielzeugladen. Cathy ist sofort überwältigt von dem, was sie in diesem Geschäft entdeckt und ist glücklich, dort arbeiten zu dürfen. Doch schon bald gerät sie zwischen die Fronten von Papa Jacks Söhnen: Kaspar und Emil wetteifern um Cathys Gunst…
Als Jahre später der Erste Weltkrieg ausbricht, ist plötzlich vieles anders – kann das Emporium auch in dieser schweren Zeit bestehen bleiben?


„Es gibt viel zu sehen. Was von außen wie ein bescheidenes kleines Geschäft gewirkt hat, entpuppt sich als weitläufiges Labyrinth. Auf in den Boden eingelassene Schienen gleitet eine Miniaturlokomotive an ihm vorbei, gleich dahinter teilen sich die einzelnen Gänge in Dutzende weitere auf, die wild übereinandergestapelten Etagen wirken wie die optische Täuschung eines Meistermathematikers.“ – Seite 9/10, eBook


Schon auf den ersten Seiten dieses Buches wird man vom Zauber des besonderen Spielzeugladens eingenommen, der hier die Hauptrolle spielt. Papa Jacks Emporium – eine Welt voller Wunder und Magie, die nur in der Winterzeit geöffnet hat. Besonders gefallen haben mir die vielen detailreichen Beschreibungen dieses besonderen Schauplatzes – auch die magischen Spielzeuge sind toll: Ob es Papierbäume sind, die aus Pappschachteln sprießen, Patchworkhunde oder Spielzeugsoldaten – alles wird hier wundervoll beschrieben.
Doch die Hauptfigur hier ist die anfangs 15-jährige Cathy. Sie ist schwanger und weißt nicht wohin. So kommt sie über eine geheimnisvolle Annonce schließlich in das Emporium. Schnell lernt sie die beiden Brüder Kaspar und Emil kennen, die in einer ganz eigenen Welt zu leben scheinen. Doch beide suchen ihre Aufmerksamkeit…
Die Handlung geht über viele Jahre – auch der Erste Weltkrieg spielt hier eine Rolle. In dieser Zeit verändert sich für Cathy und das Emporium vieles. Die Handlung nimmt vor allem im letzten Drittel einen sehr überraschenden Verlauf – und ein noch überraschenderes Ende.
Der Schreibstil ist flüssig und detailreich – der Autor schafft es, den Leser zu begeistern. Doch neben dem Magischen findet man hier auch ernstere Abschnitte, die eher traurig sind. Die Charaktere lernt man besonders zum Anfang hin sehr gut kennen. Auch wenn mir die Zeitsprünge manchmal etwas zu groß waren, ist sie Handlung spannend und interessant zu verfolgen. Auch erfährt man, wie das Emporium schließlich seinen Anfang nahm.


„Die Lichter sind kaum größer als Stecknadelköpfe und so weiß wie die Schneeflocken, und doch kann man den Blick nicht von ihnen wenden. Lichter wie diese können den Bann der Dunkelheit brechen und die zynischsten Menschen verzaubern.“ – Seite 9, eBook


Mein Fazit: Ein wunderbarer Roman voller Magie und Überraschungen, der sich ganz anders entwickelt, als man zunächst denkt. Im Mittelpunkt steht ein besonderer Spielzeugladen, der sich jeden Winter in ein Wunderland verwandelt. Die magischen Elemente wurden hier sehr schön und detailliert in die Handlung eingefügt – diese ist spannend zu verfolgen und verbirgt so manche Überraschung. Bis auf winzige Kleinigkeiten ist es eine wundervolle und außergewöhnliche Geschichte. Lesenswert!

Meine Bewertung:



 
Titel: Die kleinen Wunder von Mayfair
Autor: Robert Dinsdale
Genre: Roman / Fantasy
Seitenanzahl: 464
Verlag: Droemer Knaur
Erstveröffentlichung: 26. September 2018

 Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 16. Oktober 2018

Rezension zu "Aetherresonanz" von Anja Bagus

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Band 2 der Aetherwelt-Reihe

Im Jahr 1912: Nach wie vor steigt der Aether als grüner Nebel aus den Flüssen und Seen auf – so auch in Baden-Baden, der Heimatstadt von Annabelle Rosenherz. Die junge Frau hat die dramatischen Ereignisse, die vor kurzem geschehen sind, noch nicht ganz verarbeitet. Doch ihre neue Arbeit hilft ihr, mit dem Erlebten umzugehen. Zudem wurde nun das Amt für Aetherangelegenheiten geründet, das sich mit der Forschung und der Auswirkung der geheimnisvollen Substanz befasst.
Annabelle hat jedoch noch weitere Sorgen - das rätselhafte Verschwinden ihres Vaters vor über einem Jahr. In der Hoffnung, mehr darüber zu erfahren, besucht sie einen alten Freund der Familie: Der Industrielle Rudolf Bader ist Besitzer der Bader-Aetherwerke. Dort angekommen, merkt Annabelle schnell, dass auf dem riesigen Anwesen etwas nicht in Ordnung ist. Die Entdeckung die sie schließlich macht, kann unheimlicher nicht sein…
Zur gleichen Zeit ermittelt die Polizei mithilfe des Amts in einer Reihe von unerklärlichen Todesfällen, dessen Spur sie nach und nach zu den stampfenden Dampfwerken der Aether-Werke führt. Verbirgt sich hinter den hohen Fabrikmauern ein dunkles Geheimnis?


Er musterte die bunten Kleider, feinen Stoffe und reich geschmückten Damenhüte, die steifen Zylinder und die rot bebänderten Strohhüte, die blitzenden Uhrenketten und Manschettenknöpfe. Jeden von ihnen konnte es als Nächsten treffen, sie konnten alle zu Monstern werden und niemand konnte das verhindern.“  -Seite 19, eBook


Aetherresonanz ist der zweite Roman um Annabelle Rosenherz aus Anja Bagus‘ Aetherwelt-Reihe. Die Handlung spielt kurz nach den dramatischen Geschehnissen aus dem ersten Band und zeigt deutliche Veränderungen, was die Forschungen des Aethers angeht. Denn nun wurde das Amt für Aetherangelegenheiten geründet, das sich mit den Auswirkungen der rätselhaften Substanz befasst. Direkt am Anfang des Buches gibt es einen kurzen Rückblick auf die Geschehnisse des Vorgängers, was immer sehr hilfreich ist. Annabelle arbeitet nun im „Adlerhorst“, das nun den Menschen hilft, die sich durch den direkten Kontakt mit Aether verändert haben – diese wurden bisher abfällig als „Verdorbene“  bezeichnet und weggesperrt. Diese Arbeit liegt ihr sehr am Herzen, hat sie doch schon selbst eine Veränderung durch die Substanz erlebt. Doch dann wird eine Reise, von der sie sich eigentlich Klarheit über das Verschwinden ihres Vaters erhofft hat, zu einem wahren Albtraum…
Auch die Fortsetzung startet spannend – neben den neuen Entwicklungen rund um die Aetherforschung findet man hier wieder eindrucksvolle und auch beängstigende Apparaturen, spannende Fantasy-Elemente und dunkle Geheimnisse. Vor allem im letzten Drittel wird es sehr packend und dramatisch.


„Annabelle schluckte und war sich bewusst, dass sie hier etwas Einmaliges sah, etwas, was es so noch nicht gegeben hatte. Wieder einmal hatte sich die Welt unwiederbringlich verändert.“ – Seite 296, eBook


Der Schreibstil ist klar und beschreibt die einzelnen Schauplätze sehr gut. Schon bekannte Charaktere finden hier wieder ihren Platz, auch mit Annabelle und Paul geht es interessant weiter.

Mein Fazit: Eine packende Fortsetzung, die fast so gut ist wie ihr Vorgänger Aetherhertz. Die Handlung schließt nahtlos an die letzten dramatischen Geschehnisse an und enthält wieder einen gelungenen Mix aus Steampunk, Fantasy, Krimi und Action. Besonders im letzten Drittel wird es düster und spannend. Sehr lesenswert - ich vergebe hierfür 4,5 Sterne.

Meine Bewertung: 






Titel: Aetherresonanz - Ein Annabelle Rosenherz-Roman
Autorin: Anja Bagus
Genre: Steampunk/Fantasy
Seitenanzahl: 407
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

Die Aetherwelt-Romane

Die Annabelle Rosenherz-Romane:
Band 1 - Aetherhertz
Band 2 - Aetherresonanz
Band 3 - Aethersymphonie

Weitere Romane aus der Aetherwelt:
Band 4 - Waldesruh
Band 5 - Glasberg
Band 6 - Rheingold
Band 7 - Ruhelos


Weitere Infos rund um die Aetherwelt und Neuigkeiten von Anja Bagus findet ihr auf ihrer Homepage: https://www.anja-bagus.de/
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar! :)

Freitag, 12. Oktober 2018

Rezension zu "Aetherhertz" von Anja Bagus

Zum Buch

Band 1 der Aetherwelt-Reihe

Im Jahr 1910: Seit der Jahrhundertwende steigt grüner Nebel aus Flüssen und Seen auf – der Aether. Diese Substanz stellt viele vor ein Rätsel, vollständig erforscht ist sie noch nicht. Doch die Industrie zieht ihren Nutzen daraus und betreibt u.a. Luftschiffe damit. Doch der Aether birgt auch viele Gefahren, besonders für Menschen, die sich der Substanz ohne Schutz aussetzen. Dieses kann lebensverändernde Folgen nach sich ziehen. Zudem bevölkern seit dem Auftauchen des grünen Nebels seltsame Kreaturen die Auen.
Auch in Baden-Baden steigt der Aether aus den Flüssen auf. Mitten in der Stadt lebt die junge Frau Annabelle Rosenherz. Sie liebt die Forschung und interessiert sich besonders für Gifte. Als plötzlich mehrere junge Frauen an einer mysteriösen Vergiftung sterben, geht Annabelle dem auf den Grund. Doch ihre Ermittlungen sind nicht ganz ungefährlich – schließlich hat sie selbst ein Geheimnis, dass unter keinen Umständen entdeckt werden darf. Doch ihre Verfolger sind nicht weit…


„Nebel stieg über der Oos auf – er leuchtete schwach grünlich vom Aetheranteil. Vielleicht sollte sie einfach hineinreiten und schauen, was passierte. Es gab Geschichten, dass man sich im Aethernebel wochenlang verirren konnte und wenn man herausfand, glaubte, es seien nur ein paar Stunden vergangen.“ – Seite 12, eBook


Ich hatte schon länger vor, die Aetherwelt-Romane von Anja Bagus zu lesen. Die Kombination aus Steampunk und Krimi ist ihr hier sehr gut gelungen. Die Handlung spielt im Jahr 1910. Seit gut zehn Jahren steigt grüner Nebel aus den Gewässern auf. Er wird Aether genannt und birgt nach wie vor viele Rätsel – er ist zugleich ein Segen für die Industrie und ein Fluch für die Menschen. Die Geschehnisse rund um der Aether sind sehr interessant und detailreich beschrieben.
Doch auch die sonstigen Geschehnisse in Baden-Baden sind mysteriös-spannend: Junge Frauen sterben an einer Vergiftung, die unerklärlich ist. Hauptfigur Annabelle Rosenherz geht dem auf dem Grund. Zusammen mit dem Kunsthistoriker Paul Falkenberg findet sie schnell etwas heraus, das viel weitreichender ist, als zunächst geahnt. Als Leser lernt man neben Annabelle auch Paul sehr gut kennen, der in seiner Freizeit mechanische Apparate erfindet, die mit Aether betrieben werden.
Nach und nach erfährt man mehr über Anabelles Lebensweg: Ihr Vater, Professor Rosenherz, ist seit einem Jahr spurlos verschwunden…
Besonders gefallen hat mir der Mix aus verschiedenen Genres: Neben Steampunk und Krimi, gibt es immer wieder phantastische Elemente und auch eine kleine Liebesgeschichte – zudem kommt auch die historische Atmosphäre sehr gut zur Geltung,
Die Covergestaltung ist ebenfalls sehr gut gelungen – die Farben sind toll gewählt und geben dem ganzen etwas Geheimnisvolles – es macht neugierig auf das Buch.


„Was verband diese Frauen? Sie waren unter ganz unterschiedlichen Umständen gestorben, aber beide zeigten Symptome einer Vergiftung. Sie hatten zu wenig Informationen.“ – Seite 70, eBook


Mein Fazit: Ein gelungener Auftakt der Aetherwelt-Reihe. Die Kombination aus Steampunk, Krimi und Fantasy hat mir unheimlich gut gefallen – auch historische Elemente kommen nicht zu kurz. Der Schreibstil ist klar und die Handlung bleibt bis zum Ende hin packend. Auch die mechanischen Apparate und der geheimnisvolle Aether machen den Roman zu etwas Besonderem. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und bin gespannt auf den zweiten Band.



Meine Bewertung:



Titel: Aetherhertz - Ein Annabelle Rosenherz-Roman

Autorin: Anja Bagus
Genre: Steampunk/Fantasy
Seitenanzahl: 400
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

Die Aetherwelt-Romane

Die Annabelle Rosenherz-Romane:
Band 1 - Aetherhertz
Band 2 - Aetherresonanz
Band 3 - Aethersymphonie

Weitere Romane aus der Aetherwelt:
Band 4 - Waldesruh
Band 5 - Glasberg
Band 6 - Rheingold
Band 7 - Ruhelos

Weitere Infos rund um die Aetherwelt und Neuigkeiten von Anja Bagus findet ihr auf ihrer Homepage: https://www.anja-bagus.de/

Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar! :)

Montag, 8. Oktober 2018

Rezension zu "Sechs Koffer" von Maxim Biller

Zum Buch

Sechs Koffer – sechs Geschichten

In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. In seinem neuen Roman erzählt Maxim Biller von einem solchen Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht. Sechs Koffer – die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich – ist ein virtuoses literarisches Kunststück. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. (Quelle: Auszug aus dem Klappentext)



Auf dieses Buch bin ich durch dessen Nominierung für den deutschen Buchpreis aufmerksam geworden. Die Inhaltsangabe verspricht eine besondere Geschichte und eine spannende Suche nach der Wahrheit: Es geht um den Großvater des Erzählers, der im Jahr 1960 aufgrund seiner Schwarzmarkt- und Devisengeschäfte festgenommen und wenig später hingerichtet wurde. Doch den Enkel lässt dieser Fall nicht los, denn er ist fest davon überzeugt, dass ein Familienmitglied Schuld am Tod des Großvaters ist.
Das Buch ist in sechs Kapitel aufgeteilt, in denen der Erzähler von den einzelnen Familienmitgliedern erzählt. Der Schreibstil bleibt während der ganzen Handlung gewöhnungsbedürftig: Es ist in der Ich-Perspektive aus Sicht des Erzählers geschrieben, der aber gleichzeitig auch aus dem Blickwinkel der einzelnen Familienmitglieder berichtet. Ich habe auf einen spannenden Roman mit Krimi-Elementen gehofft, doch ich habe irgendwie nicht richtig in die Handlung herein gefunden - diese ist eher gestückelt und nicht fließend und wechselt oft zwischen den Jahren hin und her. Dabei ist der Anfang sehr vielversprechend – denn gerade im ersten Kapitel bekommt man einen guten Einblick in das, was einen erwartet. Jedoch ließ meine Begeisterung dann schon kurz darauf nach – mir fehlte einfach der rote Faden und das Ende ist auch eher schwach.
Das Cover finde ich allerdings schön gestaltet – der große Schriftzug fällt sofort ins Auge.



Mein Fazit: Leider konnte mich Sechs Koffer nicht ganz überzeugen. Der Anfang hat mir noch gut gefallen – danach verliert sich die vielversprechende Geschichte leider oft in Nebensächlichkeiten. Die Handlung wirkt gestückelt, dadurch kam keine richtige Spannung auf. Zudem hat mir einfach der rote Faden in dem Buch gefehlt. Sehr schade! 


Meine Bewertung: 




Titel: Sechs Koffer
Autor: Maxim Biller
Genre: Roman
Seitenanzahl: 208
Verlag: Kiepenheuer & Witsch



Vielen Dank an Netgalley für das Rezensionsexemplar!