Sonntag, 19. Mai 2019

Rezension zu "Auris" von Vincent Kliesch & Sebastian Fitzek

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AURIS - Band 1

Die kleinste Abweichung im Klang einer Stimme genügt dem berühmten forensischen Phonetiker Matthias Hegel, um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe bereits überführt werden. Hat der Berliner Forensiker nun selbst gelogen? Allzu freimütig scheint sein Geständnis, eine Obdachlose in einem heftigen Streit ermordet zu haben. Die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge, darauf spezialisiert, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren, will unbedingt die Wahrheit herausfinden. Doch als sie zu tief in Hegels Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in größte Gefahr …  
(Quelle: Auszug aus dem Klappentext)




„Hegel hatte sich auf die akustische Spurensicherung spezialisiert. Auf die phonetische DNA, die jeden Täter unverwechselbar machte: Dialekte, Klangfarben, Stimmfrequenzen, Sprachfehler. Hegels nahezu fledermausartiges absolutes Gehör hatte ihm unter seinen Kollegen den Spitznahmen Auris eingebracht, was von dem lateinischen Wort für Ohr abgeleitet war.“ – Seite 12, eBook


Der packende Thriller beginnt mit einem Vorwort von Sebastian Fitzek, wo er schildert, wie ihm die Idee zu dieser Story gekommen ist und wie es dazu kam, dass Vincent Kliesch diese dann in ein Buch umgewandelt hat. Und dieses ist ihm sehr gut gelungen – schon der Anfang ist dramatisch. Zunächst erfahren wir einiges über den forensischen Phonetiker Matthias Hegel,  der zu einem brisanten Fall gerufen wird – gerade hier lernt man besonders die Vorgehensweise seiner Arbeit kennen, was sehr interessant ist. Schon kurz darauf zeigt er sich selber an – angeblich hat er einen Mord begangen. Auch Jula Ansorge ist eine interessante Hauptfigur, der Schreckliches widerfahren ist. Doch abgesehen von ihrem eigenen Schicksal ist sie davon überzeugt, dass Hegel unschuldig im Gefängnis sitzt. Somit geht sie auf Spurensuche, was schnell sehr gefährlich wird…
Der Thriller nimmt schon ganz zu Anfang an Fahrt auf, es wird packend und ist an manchen Stellen auch nicht ohne  – es geschehen Ereignisse, wie sie rätselhafter nicht sein können. Oft enden die meist kurzen Kapitel mit einem Cliffhanger, was die Spannung weiter erhöht.
Obwohl das Finale nochmal einige Überraschungen bereit hält, hätte ich mir hier noch mehr Aufklärung gewünscht – auch das Thema Phonetik hätte gerne noch ausführlicher behandelt werden können. Doch abgesehen von dieser kleinen Kritik ist dieses Buch sehr gut geschrieben.


„Jula sah sich um. Das unheimliche Gefühl, dass ihre böse Vorahnung sich in wenigen Augenblicken  auf schreckliche Weise erfüllen würde, verstärkte sich." – Seite 114, eBook


Mein Fazit: AURIS liest sich flüssig, ist packend und rasant – ähnlich im Stil eines Fitzek-Thrillers, jedoch mit eigener Note. Vincent Kliesch hat die Idee der Story, die von Sebastian Fitzek stammt, sehr gut umgesetzt. Die Geschichte bleibt die ganze Zeit über temporeich und überrascht mit ungeahnten Wendungen. Ein Buch, was man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Bis auf Kleinigkeiten wirklich gut gelungen! Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür.


Meine Bewertung: 




Titel: Auris
Autoren: Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 352
Verlag Droemer-Knaur
Erstveröffentlichung: 02. Mai 2019 


Die Bücher der Reihe:
Band 1 - AURIS
Band 2 - AURIS: Die Frequenz des Todes




Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 17. Mai 2019

Rezension zu "Dry" von Neal & Jarrod Shusterman

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Wenn die Wasserversorgung plötzlich abbricht…

Als die sechzehnjährige Alyssa an einem heißen Frühsommertag den Wasserhahn aufdreht, bleibt es trocken – nicht ein Tropfen Wasser kommt heraus. Kurze Zeit später erfahren sie und ihre Familie, dass es bei den Nachbarn und in weiten Teilen Südkaliforniens nicht anders ist. Während die Nachrichten verkünden, dass sich die Bevölkerung nur etwas gedulden soll, beschleicht Alyssa schon vom ersten Moment an ein ungutes Gefühl. Als sich die Situation auch Tage später nicht ändert und in den Supermärkten das Wasser längst ausverkauft ist, entsteht eine gefährliche Jagd auf die letzten Reste. Die Situation spitzt sich gefährlich zu und für Alyssa und ihre Freunde beginnt ein Kampf ums überleben….





„Der Wasserhahn in der Küche gibt sehr bizarre Geräusche von sich. Er keucht und hustet, als hätte er einen Asthmaanfall. Er gurgelt wie ein Ertrinkender, spuckt einmal und verstummt dann ganz.“ – Seite 7, eBook


…mit diesen Sätzen beginnt Dry – der neue Roman von Neal Shusterman, der dieses Buch in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat. Das Autorenduo hat hier eine Situation erschaffen, die beängstigender nicht sein kann: Wasserknappheit. Die Handlung baut sich langsam auf: Was zunächst nur nach einer kurzen Unterbrechung der Wasserversorgung aussieht, entpuppt sich schließlich zu einer Art Apokalypse, in der es schließlich nur noch ums Überleben geht. Alles beginnt mit dem Ansturm auf Supermärkte und Tankstellen, wo Hauptfigur Alyssa und ihr jüngerer Bruder Garrett schnell feststellen müssen, das sie zu spät kommen.


„Irgendwas fühlt sich komisch an. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber es hängt in der Luft wie ein Geruch. Es ist die Ungeduld der Menschen vor den Kassen. (…) Es herrscht eine Art primitive Ur-Feindlichkeit, nur verdeckt von einer dünnen Schicht aus vorstädtischer Höflichkeit, die langsam fadenscheinig wird.“ – Seite 13, eBook


 Nach und nach verschärft sich sie Lage, die inzwischen „Tap-Out“ genannt wird. Es wird spannend und unheimlich aufgrund der Situation. Auch wenn der Schreibstil entsprechend eines Jugendbuches einfach gehalten ist, ist die beklemmende Atmosphäre ist von Anfang an spürbar und bleibt während des ganzen Romans bestehen. Was geschieht, wenn es plötzlich kein Wasser mehr gibt und zu was die Menschen in so einer Situation fähig sind, wird hier detailreich beschrieben – manche Handlungen sind überraschend.
Das Buch ist überwiegend in der Ich-Perspektive geschrieben – abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der jugendlichen Hauptcharaktere. Interessant ist, dass es zwischendurch immer wieder sogenannte Snapshots gibt; Die Perspektive von anderen Menschen, deren eigene Situation kurz beschrieben wird.

Mein Fazit: Ein packendes Jugendbuch, das ein wichtiges Thema aufgreift: Wasserknappheit. Die Handlung baut sich langsam auf und nimmt einen beängstigenden Verlauf. Sehr gelungen ist die beklemmende Atmosphäre, die während der ganzen Geschichte bestehen bleibt. Es wird spannend und auch überraschend, regt gleichzeitig aber auch zum Nachdenken an. Sehr lesenswert.


Meine Bewertung: 




Titel: Dry
Autoren: Neil & Jarrod Shusterman
Genre: Jugendbuch /-drama
Seitenanzahl: 448
Verlag: FISCHER Sauerländer


Vielen Dank an die S. Fischer-Verlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Montag, 13. Mai 2019

Rezension zu "Kaffee und Zigaretten" von Ferdinand von Schirach

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Momentaufnahmen und Beobachtungen

Ferdinand von Schirachs neues Buch Kaffee und Zigaretten verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist Kaffee und Zigaretten das persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs. (Quelle: Klappentext)


„Irgendwann will sie wissen, warum er ist, wie er ist. Wie soll ein heller Mensch das Dunkle begreifen, denkt er. Er versucht es mit den Worten der Ärzte, sie hört zu und nickt. Depressionen seien keine Traurigkeit, sagt er, sie sind etwas ganz anderes. Er weiß, dass sie es nicht verstehen wird.“ – Kapitel 1, Seite 13, eBook


Nach der beeindruckenden Kurzgeschichtensammlung Strafe ist Kaffee und Zigaretten mein zweites Buch des Autors Ferdinand von Schirach und konnte mich ebenso begeistern. Das herausstechende Merkmal ist hier wieder der Schreibstil: Klar und direkt ohne viel Drumherum, aber gleichzeitig so detailreich, dass man sich die verschiedenen Begebenheiten und Orte bildhaft vorstellen kann. In achtundvierzig übersichtlichen Kapiteln erzählt Ferdinand von Schirach viel Persönliches: Er schildert Erinnerungen an für ihn besondere Orte, unvergessene Begegnungen mit verschiedenen Personen und bestimmte Augenblicke aus seinem Leben. Vieles sind Momentaufnahmen – mit wenigen Worten verwebt er seine Eindrücke und Gedanken zu einer kurzen Geschichte. Neben persönlichen Erlebnissen gibt es auch einige Kapitel, wo er Beobachtungen schildert – z.B. interessantes zum Trend der Ausmalbücher für Erwachsene oder woher der Name „Magenta“ ursprünglich stammt.

Die einzelnen Kapitel  haben keine chronologische Ordnung, sie sind meist unabhängig voneinander angereiht. Dieses ist aber nicht verwirrend, sondern wirklich gut so, wie es ist. Die Kapitel handeln von u. a. von Würde, Einsamkeit, Herkunft und vielem mehr. Vieles ist interessant und regt zum Nachdenken an.


„Die Würde steht nicht zufällig am Anfang unserer Verfassung, ihre Unantastbarkeit ist ihre wichtigste Aussage. Dieser erste Artikel besitzt eine „Ewigkeitsgarantie“, er kann nicht geändert werden, solange das Grundgesetz gilt. (…)
Sie ist nur eine Idee, sie ist zerbrechlich und wir müssen sie schützen.“ – Kapitel 18, Seite 60, eBook


Mein Fazit: Ein sehr beeindruckendes Buch. In achtundvierzig Kapiteln schildert Ferdinand von Schirach Begegnungen, Erinnerungen und Momentaufnahmen aus seinem Leben  - ebenso seine ehrliche Meinung zu bestimmten Themen sowie interessante Beobachtungen  – mal traurig, meist aber nachdenklich und auch ernst. Der Schreibstil ist brillant – schnörkellos, direkt und klar, dennoch detailreich und bildgewaltig. Ein besonderes Buch, das mir sehr gut gefallen hat! 



Meine Bewertung: 




Titel: Kaffee und Zigaretten
Autor: Ferdinand von Schirach
Genre: Autobiografische Erzählungen / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 192
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 04. März 2019



Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhandfür das Rezensionsexemplar!