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Momentaufnahmen und Beobachtungen
Ferdinand von Schirachs neues Buch Kaffee und Zigaretten
verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu
einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen
und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des
Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um
Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso
wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige
Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des
Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu
bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht.
In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und
Themen ist Kaffee und Zigaretten das persönlichste Buch Ferdinand von
Schirachs. (Quelle: Klappentext)
„Irgendwann will sie wissen, warum er ist, wie er ist. Wie soll ein heller Mensch das Dunkle begreifen, denkt er. Er versucht es mit den Worten der Ärzte, sie hört zu und nickt. Depressionen seien keine Traurigkeit, sagt er, sie sind etwas ganz anderes. Er weiß, dass sie es nicht verstehen wird.“ – Kapitel 1, Seite 13, eBook
Nach der beeindruckenden Kurzgeschichtensammlung Strafe
ist Kaffee und Zigaretten mein zweites Buch des Autors Ferdinand von Schirach
und konnte mich ebenso begeistern. Das herausstechende Merkmal ist hier wieder
der Schreibstil: Klar und direkt ohne viel Drumherum, aber gleichzeitig so
detailreich, dass man sich die verschiedenen Begebenheiten und Orte bildhaft
vorstellen kann. In achtundvierzig übersichtlichen Kapiteln erzählt Ferdinand
von Schirach viel Persönliches: Er schildert Erinnerungen an für ihn besondere Orte,
unvergessene Begegnungen mit verschiedenen Personen und bestimmte Augenblicke aus
seinem Leben. Vieles sind Momentaufnahmen – mit wenigen Worten verwebt er seine
Eindrücke und Gedanken zu einer kurzen Geschichte. Neben persönlichen
Erlebnissen gibt es auch einige Kapitel, wo er Beobachtungen schildert – z.B. interessantes
zum Trend der Ausmalbücher für Erwachsene oder woher der Name „Magenta“
ursprünglich stammt.
Die einzelnen Kapitel haben keine chronologische Ordnung, sie sind meist
unabhängig voneinander angereiht. Dieses ist aber nicht verwirrend, sondern
wirklich gut so, wie es ist. Die Kapitel handeln von u. a. von Würde,
Einsamkeit, Herkunft und vielem mehr. Vieles ist interessant und regt zum Nachdenken
an.
„Die Würde steht nicht zufällig am Anfang unserer Verfassung, ihre Unantastbarkeit ist ihre wichtigste Aussage. Dieser erste Artikel besitzt eine „Ewigkeitsgarantie“, er kann nicht geändert werden, solange das Grundgesetz gilt. (…)Sie ist nur eine Idee, sie ist zerbrechlich und wir müssen sie schützen.“ – Kapitel 18, Seite 60, eBook
Mein Fazit: Ein sehr beeindruckendes Buch. In achtundvierzig
Kapiteln schildert Ferdinand von Schirach Begegnungen, Erinnerungen und
Momentaufnahmen aus seinem Leben -
ebenso seine ehrliche Meinung zu bestimmten Themen sowie interessante
Beobachtungen – mal traurig, meist aber
nachdenklich und auch ernst. Der Schreibstil ist brillant – schnörkellos,
direkt und klar, dennoch detailreich und bildgewaltig. Ein besonderes Buch, das
mir sehr gut gefallen hat!
Meine Bewertung:
Titel: Kaffee und Zigaretten
Autor: Ferdinand von Schirach
Genre: Autobiografische Erzählungen / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 192
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 04. März 2019
Vielen Dank an das Bloggerportal
und Luchterhandfür das Rezensionsexemplar!

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