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Mysteriöses im viktorianischen London…
Charlotte Reckitt ist schön, stolz und gesetzlos. Ihre Coups
sind phänomenal, ihre Erfolge beachtlich. Und sie ist eine Schlüsselfigur im
Leben zweier Männer: William Pinkerton, berühmt-berüchtigter Detektiv, und Adam
Foole, Gentleman-Dieb mit Witz und Chuzpe. Für den einen war sie einst die
Erfüllung all seiner Träume, für den anderen ist sie die letzte Spur einer
lebenslangen Besessenheit. Eine atemlose Jagd beginnt.
(Quelle: Klappentext)
Mit Die Frau in der Themse hat Steven Price ein
beeindruckendes Werk hingelegt. Das besondere an diesem Roman: Der
detailreiche und bildgewaltige Schreibstil. Besonders die Schauplätze werden
mit kleinsten Details ausführlich beschrieben – ob nebelverhangene Orte, düstere
Gassen oder die Inneneinrichtung eines Hauses - man hat beim Lesen alles genau
vor Augen.
„Dieser Nebel war überall, unentwegt, wehte durch die Straßen und waberte am Boden auseinander, ein lebendiges Wesen. In manchen Nächten zischte er leise, wie Dampf aus einem Ventil.“ – Seite 7/8, eBook„Gaslichtspritzer auf dem Kopfsteinpflaster. Schatten, die im Dunkel an den Backsteinmauern klebten. Keine Menschenseele, nur Dunkelheit und das Kriegsdenkmal, das wie ein spitzer Fels über dem Waterloo Place thronte.“ – Seite 282, eBook
Neben den detailreichen Schilderungen sind auch die
Charaktere unheimlich gut ausgearbeitet. Wir Bekommen in das Leben der Hauptfiguren
einen sehr guten Einblick: Zum einen ist da der Detektiv William Pinkerton, dessen
verstorbener Vater jahrelang den
berühmt-berüchtigten Tresorknacker und Dieb Edward Shade verfolgt hat – ohne
Erfolg. Inzwischen hat dieser ominöse Fall Williams Interesse geweckt und endlich
scheint er eine Spur zu haben. Diese führt zu Charlotte Reckitt, die vor zehn
Jahren Shades Komplizin war. Doch als William sie endlich aufgespürt hat, kommt
alles anders:
„Vor sechs Wochen war er in diese Stadt gekommen, um eine Frau zu verhören, die gestern Abend nach einer langen Verfolgungsjagd auf der Blackfiars Bridge von der Balustrade gesprungen und im Fluss verschwunden war. Er erinnerte sich an die Dunkelheit, das schwarze Wasser, das schäumend über ihr zusammenschlug.“ – Seite 8, eBook
Auch der Gentleman-Gauner Adam Foole ist von Amerika nach London
gereist, um Charlotte Reckitt aufzusuchen – ihn verbindet ebenfalls etwas aus
der Vergangenheit mit ihr. Doch die Geschehnisse entwickeln sich anders als
erwartet und nehmen einen überraschenden Verlauf…
Der Roman ist mit seinen 928 Seiten sehr umfangreich, doch davon
sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn es lohnt sich! Die gesamte Geschichte ist vielschichtig, atmosphärisch
dicht, auf besondere Weise fesselnd und sehr bildgewaltig. Auch wie sich die
zunächst losen Fäden langsam miteinander verbinden, ist spannend zu verfolgen –
alles überwiegend im Szenario des viktorianischen, nebelverhangenen London im
Jahr 1885.
„Undeutliche Gestalten glitten an den Gebäuden vorüber, er konnte ihre Gesichter nicht ausmachen. Immer aufdringlicher hatte er das Gefühl, dass irgendeine Gestalt auf ihn lauerte.“ – Seite 196, eBook
Die Kapitel sind in regelmäßigem Wechsel aus der Sicht von
William Pinkerton und Adam Foole geschrieben. Zwischendurch gibt es auch immer
wieder Rückblicke in die Vergangenheit der Charaktere, wo sich nach und nach
ein Gesamtbild der einzelnen Lebenswege zusammensetzt. Hier geht es auch in
andere Länder, deren Schauplätze ebenfalls
detailreich beschrieben werden. Neben den starken Hauptcharakteren sind auch
die Nebencharaktere unheimlich interessante Persönlichkeiten, wie etwa Adam
Fooles Ziehtochter Molly.
Mein Fazit: Ein beeindruckendes Buch, atmosphärisch dicht
und meisterhaft geschrieben. Neben detailreich beschriebenen Schauplätzen,
durch die das Flair des viktorianischen Zeitalters sehr gut zur Geltung kommt,
gibt es starke Charaktere und eine packende Handlung, die vielschichtig ist,
überraschende Entwicklungen und so manches Abenteuer bereithält. Steven Price nimmt uns auf 928 Seiten mit auf
eine Zeitreise ins London der 1880er Jahre. Die Story hält einige
Überraschungen bereit und überzeugt auf ganzer Linie.
Meine Bewertung:
Titel: Die Frau in der Themse
Autor: Steven Price
Genre: Historischer Krimi / Mystery / Roman
Seitenanzahl: 928
Verlag: Diogenes
Erstveröffentlichung: 25. September 2019
Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für das
Rezensionsexemplar! :)


