Sonntag, 24. November 2019

Rezension zu "Die Zeuginnen" von Margaret Atwood

Zum Buch


Die Fortsetzung von Der Report der Magd

Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht. - Als am Ende vom Report der Magd die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds Report zuschlug, blieb ihr Schicksal für uns Leser ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit „Die Zeuginnen“ nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead. 





„So wurden die Dinge gehandhabt, so war es einfach, so musste es sein für die Zukunft Gileads; die wenigen mussten Opfer bringen für das Wohl der Vielen.“ – Seite 88, eBook


Zunächst einmal finde ich es großartig, dass Margaret Atwood knapp vierunddreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung ihres Klassikers Der Report der Magd eine Fortsetzung geschrieben hat. Denn einiges blieb am Ende des packenden Romans noch unklar. Hier erfahren wir u.a. noch mehr über die fiktive Republik Gilead und was mit Desfred  nach den letzten Ereignissen geschah – allerdings nicht von ihr selbst, sondern in Form von drei Erzählungen. Drei Frauen –die Zeuginnen- erzählen ihr eigenes Schicksal und wie sie die Republik Gilead erlebt haben. Zunächst wirken die einzelnen Aussagen zusammenhanglos, doch nach und nach werden die einzelnen Fäden miteinander verbunden und ergeben ein überraschendes Bild. Das Buch selbst ist in der Ich-Perspektive geschrieben,  in regelmäßigem Wechsel der drei Frauen. Das Interessante hier: Jede der drei Zeuginnen hat den Schreckensstaat Gilead anders erlebt.
Ein zentraler Punkt ist hier das Leben dem totalitären Staat, in dem Frauen keine Rechte haben - wir erfahren noch mehr Details und wie es dort nach Desfreds Verschwinden weiterging. Dieses Szenario ist weiterhin unheimlich und beklemmend.


„Ich erreiche einen Wendepunkt. Das Rad des Schicksals dreht sich so unstet wie der Mond. Bald werden sich die, die ganz unten waren, aufwärts bewegen. Und natürlich umgekehrt.“ – Seite 178, eBook


Wie schon beim Vorgänger hat mich hier auch wieder der Schreibstil von Margaret Atwood überzeugt – dieser ist detailreich und klar. Genau diese Mischung macht die Dystopie, die fünfzehn Jahre nach den letzten Geschehnissen im „Report der Magd“ spielt, wieder so packend. Gerade die verschiedenen Blickwinkel sind spannend zu verfolgen. Auch der Epilog, der weit in der Zukunft angesiedelt ist, hält noch interessante Informationen bereit.
Um bestimmte Einzelheiten zu verstehen, würde ich empfehlen, zuerst den Vorgänger zu lesen.

Mein Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die sich so spannend liest wie ein Krimi. Noch offene Fragen aus dem Vorgänger Der Report der Magd werden beantwortet, auch gibt es weitere Einblicke in das beklemmende Szenario des Schreckensstaates Gilead. Die anfangs lose wirkenden Erzählungen setzten sich zu einem überraschenden Bild zusammen. Sehr lesenswert! 


Meine Bewertung: 




Titel: Die Zeuginnen
Autorin: Margaret Atwood
Genre: Dystopie / Drama
Seitenanzahl: 576
Verlag: Berlin / Piper
Erstveröffentlichung: 10. September 2019


Die Bücher:
Band 1 - Der Report der Magd
Band 2 - Die Zeuginnen



Vielen Dank an den Piper-Verlag  und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen