Montag, 27. Juli 2020

Rezension zu "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury

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Eine Zukunft, in der Buchbesitz unter Strafe steht

Es ist eine Horrorversion des Internet-Zeitalters, die Bradbury vorausgesehen hat: Lesen ist geächtet, Wissen nicht erwünscht, auf Buchbesitz steht Strafe, und die Menschen werden mit Entertainment und Dauerberieselung kleingehalten. Der Feuerwehrmann Guy Montag, der an den staatlich angeordneten Bücherverbrennungen beteiligt ist, beginnt sich nach einem traumatischen Einsatz zu widersetzen und riskiert dabei sein Leben. 






Der im Jahr 2012 verstorbene Autor Ray Bradbury wäre am 22. August 2020 100 Jahre alt geworden. Passend dazu erschien am 22. Juli 2020 im Diogenes-Verlag Bradburys Debütroman Fahrenheit 451 in einer großartigen Neuübersetzung. Dieser Klassiker erschien erstmals im Jahr 1953 (in deutscher Übersetzung zwei Jahre später). Auch wenn der Roman inzwischen schon stolze 67 Jahre alt ist, ist es dennoch ein zeitloses Buch, denn Bradbury schildert hier ein gruseliges Zukunftsszenario: Buchbesitz ist strafbar, Bildung ist unerwünscht – die Universitäten gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Wer auf den Straßen zu langsam fährt, wird verhaftet. Zudem steht ein Krieg vor der Tür.
Auch die Feuerwehr hat inzwischen andere Tätigkeiten: Sie löscht schon lange keine Brände mehr (alle Häuser sind feuerfest), sondern legt welche: Sie verbrennen Bücher, da dessen Besitz und auch das Lesen strafbar ist – somit verspritzen sie kein Wasser sondern Kerosin. Der dreißigjährige Guy Montag ist seit zehn Jahren ein Feuermann und hat sein Tun nie infrage gestellt. Doch alles ändert sich, als er seine neue Nachbarin Clarisse kennen lernt, die die Welt nicht so hinnimmt und vieles hinterfragt - dieses regt Guy Montag zum Nachdenken an. Nach einem besonders schlimmen Einsatz beginnt er zu rebellieren – dazu gehört auch das Lesen eines Buches. Er beschließt, aus seinem bisherigen Leben auszubrechen und geht einen gefährlichen Weg…

Schon der Titel des Buches ist ausdrucksstark: Fahrenheit 451 – das ist die Temperatur (232 Grad Celsius), bei der Buchpapier Feuer fängt - allein diese Tatsache und auch das Buchbesitz unter Strafe steht ist ein Horrorszenario für alle Buchliebhaber:

Die Bücher lagen da wie große Haufen Fische zum Trocknen. Die Männer tanzten, rutschten und stolperten über sie hinweg. Buchtitel funkelten mit ihren goldenen Augen, fielen, waren verschwunden.
„Kerosin!“
Sie pumpten die kalte Flüssigkeit aus den Tanks, versehen mit den Ziffern 451 (…) Sie bedeckten jedes Buch damit und pumpten das ganze Zimmer voll. – Seite 31, eBook

 Doch diese Dystopie ist Ray Bradbury sehr gut gelungen – von Anfang an ist man gefesselt von dem detaillierten Schreibstil und staunt über dieses sehr erschreckende Szenario.

„Der Mechanische Spürhund in seinem leise summenden, leicht vibrierenden, sanft beleuchteten Hundezwinger in der hintersten dunklen Ecke der Feuerwache schlief und schlief doch nicht, lebte und lebte doch nicht. Das matte Licht um ein Uhr in der Früh, der Mondschein vom klaren Himmel, fiel durch das große Fenster und berührte hier und da Messing, Kupfer und Stahl der kaum merklich zitternden Bestie.“ – Seite 21, eBook

Man findet sich schnell zurecht und erfährt nach und nach mehr Details dieser Welt, wie sie unheimlicher nicht sein kann. Spannend zu verfolgen ist der Weg der Hauptfigur, die plötzlich sein Leben ändert und schließlich mit Verbündeten dafür kämpft, dass das Wissen und die Erinnerung nicht verloren geht – gerade das hat der Autor sehr gut umgesetzt.  

Wir werden in den kommenden Wochen, im kommenden Monat und Jahr vielen einsamen Menschen begegnen. Und wenn sie uns fragen, was wir tun, dann könnt ihr antworten: „Wir erinnern uns.“ Auf lange Sicht werden wir uns damit durchsetzen. – Seite 125, eBook

Mein Fazit: Ein zeitloser Klassiker, der auch nach 67 Jahren noch fesselt und zum Nachdenken anregt. Ray Bradbury schildert detailreich ein erschreckendes Zukunftsszenario – spannend wird es, als die Hauptfigur anfängt, sich gegen die strengen Regeln aufzulehnen. Großartig geschrieben – sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 




Titel: Fahrenheit 451
Autor: Ray Bradbury
Genre: Dystopie / Klassiker
Seitenanzahl: 272
Verlag: Diogenes
Erstveröffentlichung: 1953
Neuveröffentlichung: 22. Juli 2020



Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 25. Juli 2020

Rezension zu "Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte" von Bernhard Hennen

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Die Chroniken von Azuhr – Band 1

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken. Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen. Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des Schwarzen Mondes in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird ...  
(Quelle: Klappentext)




„Die Flammen waren bis auf drei Schritt heran. Ölige Inseln, die auf dem Wasser trieben. Aus ihnen erwuchsen, wie einer Mär entsprungen, die blassblauen Feuer. Sie tanzten unstet im immer weiter auffrischenden Luftstrom, der durch den Kanal zog.“ – Seite 61

Mit Die Chroniken von Azuhr hat Bernhard Hennen ein neues, spannendes Fantasy-Abenteuer erschaffen. Besonders wird es schon zu Beginn, denn zunächst erfahren wir in einem längeren Vorspann, welche dramatischen Geschehnisse sich vor 53 Jahren ereignet haben. Schon dieses ist sehr spannend zu verfolgen. Die damaligen Ereignisse spielen in der Gegenwart später noch eine zentrale Rolle. Im Mittelpunkt steht der fast siebzehnjährige Milan Tormeno, der sich zunächst mit einer waghalsigen Aktion gegen seinen mächtigen und skrupellosen Vater auflehnt. Dabei lernt er die geheimnisvolle Felicia, die eine der geschicktesten Diebinnen der Stadt zu sein scheint, und die Konkubine Nok kennen. Noch ahnt er nicht, dass er schon bald in gefährliche Verstrickungen gerät…

Etwas später im Buch gibt es eine sehr überraschende Entwicklung und legt einen gefährlichen Plan offen, der alles verändern könnte. Auch eine alte Prophezeiung spielt eine Rolle, von der noch keiner ahnt, wie mächtig diese sein wird…

„Hier gab es nichts, was er fürchten müsste. Und doch spürte auch er es. Letzte Nacht war ein weiterer Stern am Himmel verschwunden. Das Unheil kam näher. Die Dunkelheit gewann an Macht.“ – Seite 318

Die Story spielt in einer eigenen, gut konstruierten Welt namens Azuhr, in der die Insel Cilia im Mittelpunkt steht – auch spielen geheimnisvollen Märchen und Sagen wie um den unheimlichen Krähenmann oder auch die Weiße Königin eine Rolle. Ist etwas Wahres dran oder sind es nur Mären, die sich die Menschen seit Jahrhunderten erzählen?
Das Buch lässt sich gut lesen, man findet sich schnell zurecht, da alles sehr detailliert beschrieben ist – von den Schauplätzen bis hin zu der Lebensweise, die einen leicht historischen Flair hat. Auch die Charaktere sind klar gezeichnet – nach und nach lernt man sie besser kennen. Um einige ranken sich Rätsel - umso überraschender ist die Enthüllung.
Die Geschichte an sich ist abwechselnd rasant und dann wieder etwas ruhiger – oft wird es sehr düster und mal brutal, aber auch geheimnisvoll, spannend und natürlich magisch. Die Handlung nimmt manches Mal einen Verlauf, den man so nicht erwartet hat. Eine gute Mischung für ein Fantasy-Abenteuer.

„Die schillernden Federn leuchteten im Abendlicht. Wie Rubine funkelten die Blutstropfen, die den abgebissenen Pfauenkopf säumten.“ – Seite 7

Unbedingt erwähnenswert ist die tolle Gestaltung des ersten Bandes – das Paperback hat neben einer aufklappbaren Karte der Fantasywelt noch einen blauen Buchschnitt. Das macht das Buch zu einem echten Hingucker. 



Mein Fazit: Ein gelungener Auftakt einer neuen Fantasy-Saga, die voller rasanter Abenteuer, geheimnisvollen Wegen und düsterer Magie steckt. Die Handlung entwickelt sich spannend und nimmt einen Verlauf, mit dem man so nicht gerechnet hat. Auch die Charaktere sind geheimnisvoll und entwickeln sich interessant. Verschwörungen, gefährliche Pläne, mysteriöse Sagen und eine alte Ruinenstadt spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Sehr lesenswert!



Meine Bewertung:




Titel: Die Chroniken von Azuhr 1 - Der Verfluchte
Autor: Bernhard Hennen
Genre: High-Fantasy
Seitenanzahl: 576
Verlag: Fischer TOR
Erstveröffentlichung: 29. Dezember 2017

Die Bücher der Chroniken von Azuhr:
Band 1 - Der Verfluchte
Band 2 - Die Weiße Königin
Band 3 - Der träumende Krieger

Dienstag, 21. Juli 2020

Rezension zu "Schatten der Welt" von Andreas Izquierdo

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Von Licht und Schatten im Leben…

Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi pfeifen auf den Ernst des Lebens. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens „Halley“ die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten. 

1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war, und doch scheint ein Neuanfang möglich … (Quelle: Klappentext)



Von Andreas Izquierdo konnte mich im Jahr 2016 bereits sein Roman Romeo & Romy begeistern – nun war ich gespannt auf Schatten der Welt. In diesem Buch haben mir vor allem die drei Hauptfiguren gefallen, da sie vom Wesen her völlig unterschiedlich sind, sich aber gleichzeitig eine große Freundschaft zwischen ihnen entwickelt.
Die Handlung ist hauptsächlich in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Carl Friedländer geschrieben. Er ist der Sohn des ansässigen Schneiders ist gleichzeitig der ruhigste und schüchternste der drei. Artur und Luise, die von allen Isi genannt wird, pfeifen auf Regeln und kommen in der Vorkriegszeit auf gewagte, aber auch schlaue Ideen.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1910, besonders am Anfang lernen wir die jungen Hauptfiguren und ihre unterschiedlichen Charakter sehr gut kennen. Doch dann beginnt der Erste Weltkrieg - was dieser schließlich mit sich bringt, konnten die drei nicht ansatzweise erahnen – eine schwere Zeit beginnt für jeden von ihnen. Es ist interessant zu verfolgen, wie sich die Leben von Carl, Artur und Isi entwickeln. Sie erleben einiges – Freud und Leid liegen oft nah beieinander. 
Der Schreibstil ist klar und die Geschichte lässt sich leicht lesen. Mir persönlich hat die erste Hälfte der Geschichte (die Zeit vor dem Krieg) gefallen. Hier hat die Handlung einen ganz besonderen Charme und es liest sich gut. Besonders das Thema Fotografie kommt hier sehr schön zu Geltung.

„Ich stand vor dem Schaufenster eines Fotografen. Dem ersten in Thorn. Dem ersten in meinem Leben. Es hingen nur drei Bilder in einer mit schwarzem Samt abgedeckten Auslage: ernste Gesichte, mal würdevoll, mal skeptische blickend, Menschen in ihrem besten Kleidern. Niemand den ich kannte, niemand, der auf irgendeine Weise besonders aussah oder gar berühmt war. Doch war es genau dieser Umstand, der mich so faszinierte, denn in dieser Sekunde wurde mir bewusst, dass es etwas gab, das die Zeit anhalten konnte.“ (Carl) – Seite 48, eBook

Später, als sich die Wege der drei Freunde trennen und der Schrecken des Ersten Weltkriegs beginnt, geht dieses gewisse Etwas vom Anfang etwas verloren. Dennoch ist auch die zweite Hälfte des Romans interessant zu lesen. Jedoch war mir das Ende zu abrupt. Dieses hätte gerne noch etwas ausführlicher ausgeführt werden können.

Die Story ist mal leicht, mal dramatisch, mal traurig und berührend – der Wechsel hat mir insgesamt gut gefallen. Auch die Schauplätze sind gut beschrieben und geben die damalige Zeit sehr gut wieder.

„Alles sah danach aus, als könnte uns nichts passieren. Aber dann kam die Sache mit dem Hund. Und die Erkenntnis, dass die Fallstricke des Lebens immer dort lauerten, wo man sie am wenigsten erwartete.“ – Seite 102, eBook

Mein Fazit: Ein berührender Roman, der die Geschichte von drei Freunden erzählt. Besonders gefallen haben mir die drei Hauptfiguren, die unterschiedlicher nicht sein können. Es ist interessant, ihre jeweiligen Wege zu verfolgen, der sie auch durch die dunkle Zeit des Krieges führt. Mich hat besonders die erste Hälfte der Handlung begeistert. Bis auf Kleinigkeiten und einem zu abrupten Ende hat mir das Buch sehr gut gefallen und empfehle es gerne weiter. 


Meine Bewertung: 



Titel: Schatten der Welt
Autor: Andreas Izquierdo
Genre: Roman
Seitenanzahl: 544
Verlag: DuMont
Erstveröffentlichung: 21. Juli 2020


Vielen Dank an den DuMont-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!