Montag, 18. November 2024

Rezension zu "Ghost Mountain" von Rónán Hession

 

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Von Ghost Mountain seinen Menschen


Wo zuvor nur Felder waren, steht plötzlich über Nacht ein Berg und verändert das Leben der umliegenden Gemeinde. Anhand eines Reigens ganz gewöhnlicher und doch einzigartiger Charaktere erkundet dieser feine Roman die Gipfel und Abgründe des menschlichen Daseins. Warmherzig, humorvoll, weise, zart und geradezu im Vorbeigehen macht er dabei ganze Welten auf. 
(Quelle: Inhaltsangabe - Blessing Verlag)








Nachdem mir Rónán Hessions Debütroman Leonard und Paul so gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf seinen neuen Roman. Ghost Mountain ist ebenfalls eine ruhig erzählte Geschichte, die jedoch einige Überraschungen im Handlungsverlauf bereithält.


In einem ruhigen Ort taucht plötzlich ein kleiner Berg auf, der aufgrund von bestimmten Merkmalen schnell den Namen Ghost Mountain bekommt. Die Bewohner der Gemeinde gehen mit der neuen Sensation unterschiedlich um – genauso unterschiedlich, wie sie selbst sind: Da ist das Ehepaar Ruth und Ocho, die mit verschiedensten Problemen zu kämpfen haben.

„Die Grundfesten seiner Persönlichkeit waren erschüttert. Oberflächlich deutete nichts darauf hin. Doch er spürte in sich einen feinen Riss, der ihn mit Sorge erfüllte. Diese Sorge sollte das dünne Mauerwerk der Selbstsicherheit zersetzen, das ihn zusammenhielt.“ – Seite 26, eBook


Dann ist da die Frau, die Ghost Mountain entdeckt hat und gleichzeitig einen Verlust erlitten hat, sowie ein Mann, der zunächst nur der „stadtbekannte Säufer“ genannt wird. Auch ein Landeskartenbeamter – ebenfalls zunächst namenlos – spielt eine Rolle. Diese und noch einige weitere Figuren sind oft speziell, aber sehr gut ausgearbeitet.
Nach und nach und mit einer eher ruhigen Art gibt der Autor Einblicke in die so verschiedenen Leben. Dabei spielt Ghost Mountain immer eine Rolle - mal nur am Rande und dann wieder sehr zentral. Der Berg löst unterschiedliche Gedanken bei den Menschen aus.

"Ghost Mountain beeindruckte sie. (…)
Am meisten beeindruckte sie aber die Art, wie Ghost Mountain erschienen war. Nicht die Plötzlichkeit. Nicht das Rätselhafte. Am meisten beeindruckte sie, dass er erschienen war und keine Botschaft hatte.“
– Seite 84, eBook


Zwischendurch und besonders im ersten Teil ist da auch ein leiser Humor, der einen ab und an schmunzeln lässt:

„Ocho war zum ersten Mal seit Monaten wieder beim Joggen. Er wollte mit seinem Körper Kontakt aufnehmen, aber sein Körper wollte das nicht. Schon vor dem Wendepunkt pfiff er aus dem letzten Loch.“ – Seite 80, eBook


Später geht es mit interessanten Einblicken weiter: Manchmal tiefsinnig und bewegend und dann ziemlich erschütternd mit Geschehnissen, die man so nicht erwartet hätte. Die Geschichte ist insgesamt in drei Teile aufgeteilt, die zugleich Zeitsprünge sind. Das ist ganz gut gelungen. Auch wenn einiges und auch manchmal ziemlich skurriles passiert, bleibt der ruhige und manchmal unaufgeregte Stil erhalten.


Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman, der ruhig erzählt wird und zugleich einiges bereithält. Anfangs mit leisem Humor, später überraschend, bewegend und auch mal erschütternd. Gleichzeitig bleibt der ruhige Erzählstil die ganze Zeit erhalten. Von unterschiedlichen Charakteren und ihren Leben bis hin zu einem geheimnisvollen Berg – der Handlungsverlauf hält einige Überraschungen bereit. Nur ab und an fand ich manche Abschnitte etwas zu merkwürdig. Nicht ganz so stark wie der Roman Leonard und Paul aber dennoch ein lesenswertes und besonderes Buch.



Meine Bewertung:




Titel: Ghost Mountain
Autor: Rónán Hession
Übersetzt von: Andrea O'Brien
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 352
Verlag: Karl Blessing
Erstveröffentlichung: 16. Oktober 2024



Vielen Dank an das Bloggerportal und Blessing für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 13. November 2024

Rezension zu "Tod und Teufel" von Frank Schätzing


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Jacop der Fuchs – Band 1

1260: In Köln strebt die spektakulärste Kathedrale der Christenheit dem Himmel entgegen. Glanz und Bedeutung wachsen mit jedem Tag. Für Abenteurer und Pilger aus aller Welt wird die Stadt zur Verheißung – für Jacop den Fuchs, liebenswerter Herumtreiber und Dieb, wird sie zur Hölle. Ungewollt beobachtet er, wie ein riesiger Schatten den Dombaumeister in die Tiefe stößt. Er hat den Mord als Einziger gesehen. Aber der Schatten hat auch ihn gesehen. Wenig später ist jeder, dem Jacop davon erzählt, tot. Von Verschwörern und dem gespenstischen Mörder gejagt, findet er schließlich Unterschlupf beim versoffenen Kleriker Jaspar und seiner Nichte Richmodis. Sie beschließen, Jacop zu helfen – in einem Kampf  David gegen Goliath! Doch Richmodis ist smart, Jaspar schlau, und der Fuchs trägt seinen Beinamen nicht von ungefähr ...
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Emons-Verlag)




Tod und Teufel war Frank Schätzings Debütroman und erschien erstmals im Jahr 1995. Nun bildet der historische Krimi den Auftakt der Jacop der Fuchs-Trilogie. Am 16. Oktober 2024 ist mit Helden der zweite Band erschienen. Bevor ich Schätzings neuestes Buch lese, habe ich mich für einen re-read von Tod und Teufel entschieden – der Roman ist passend zur Fortsetzung am gleichen Tag als überarbeitete Neuausgabe erschienen.


Hauptschauplatz hier ist Köln im Jahre 1260: Im Mittelpunkt steht der junge Jacop, der wegen seinen feuerroten Haaren auch 'der Fuchs' genannt wird. Er ist vor kurzem nach Köln zurückgekehrt, versucht sich mit kleinen Diebstählen über Wasser zu halten und vergisst auch seine wenigen Freunde nicht. Doch plötzlich ändert sich Jacops Leben schlagartig: Er ist zur falschen Zeit am falschen Ort und wird Zeuge, wie der Dombaumeister Gerhard Morart von einem Baugerüst gestoßen wird. Jacop kann den Mörder nur als dunklen Schatten ausmachen. Dieser jedoch scheint ihn gesehen zu haben - denn plötzlich wird er zum Gejagten und die Todesfälle um ihn herum häufen sich. Ständig auf der Flucht vor dem mysteriösen Mörder bleibt Jacop nur eine Möglichkeit, um am Leben zu bleiben: Er muss schnellstens den Täter entlarven. Dabei wird er unterstützt von einer kleinen Gruppe, die schon bald selbst um ihr Leben fürchten muss. Auch bleibt noch weitere Fragen offen: Warum wurde der Dombaumeister ermordet? Wusste er etwas, was niemand wissen darf? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

„Dann war die Straße für die Dauer eines Augenblicks menschenleer bis auf den dahineilenden Schlapphutträger, der zu viel gesehen und zu viel gehört hatte.“ – Seite 46, eBook


Ich habe Tod und Teufel vor ungefähr fünfzehn Jahren zum ersten Mal gelesen und hatte die Handlung nur noch teilweise in Erinnerung. Daher war es spannend, noch einmal in die Geschichte einzutauchen. Nach und nach entwickelt sich der historische Roman zu einem Krimi, in dem sich langsam die einzelnen Puzzleteile zusammensetzen. Alles beginnt mit dem Mord an dem Dombaumeister, der aber nur der Anfang von Allem ist. Die Hauptfigur Jacop ist sehr gut gezeichnet und mit ihm auch weitere wichtige Nebenfiguren, wie unter anderem die junge und sympathische Richmodis.
Die Blickwinkel wechseln regelmäßig, sodass man über verschiedene Vorgänge in der Stadt einiges erfährt - und über so manche Figur.
Neben der Story, die einige Geheimnisse, Intrigen und Verschwörungen enthält, werden auch die Schauplätze und das Leben in Köln des 13. Jahrhunderts sehr detailreich beschrieben. Schnell wird deutlich, dass alles sehr gut recherchiert wurde. Die Mischung aus historischen Fakten, Krimi und mysteriösen Geschehnissen ist gut gelungen.

Nur ab und an wird es etwas zu ausschweifend, wodurch der Spannungsbogen immer mal wieder kurz unterbrochen wird. Aber abgesehen davon hat die Story einiges zu bieten mit interessanten Entwicklungen.

"Urquhart ging schneller, während sein Verstand mit jedem Schritt mehr über den anderen herauszufinden suchte. Beobachtungen fügten sich zusammen wie buntes Glas zu einem Mosaik.“ – Seite 46, eBook


Passend zur Neuausgabe wurde auch das Cover komplett neu gestaltet, was mir mit dem etwas düsteren Look sehr gut gefällt.

Mein Fazit: Ein spannender historischer Krimi mit detailreichen Schauplatzbeschreibungen von Köln im 13. Jahrhundert. Von Intrigen und Verschwörungen, einem Mord und einem mysteriösen Fremden bis hin zu einem Wettlauf mit der Zeit – dazwischen gibt es noch einiges an historischen Fakten. Bis auf wenige Längen ein lesenswerter Roman, der mich nun neugierig auf Schätzings neuen Roman Helden gemacht hat.


Meine Bewertung:



Titel: Tod und Teufel
Autor: Frank Schätzing
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 528
Verlag: Emons
Erstveröffentlichung: 1995
Neuveröffentlichung: 16. Oktober 2024


Die Bücher der Jacop der Fuchs-Trilogie:
Band 1 - Tod und Teufel
Band 2 - Helden