Montag, 19. September 2016

Rezension zu "Die Nachtigall" von Kristin Hannah

Zum Buch

Die Nachtigall hat gesungen...

Frankreich im Jahre 1939: Die Schrecken des Krieges rücken immer näher.  Das wird Vianne Mauriac schmerzlich bewusst, als ihr Mann Antoine einberufen wird. Ohne zu wissen wann und ob er je zurückkehren wird, versucht sie stark zu bleiben, um ihre achtjährige Tochter Sophie zu beschützen. Doch schon bald erreicht sie und ihre jüdische Freundin Rachel die Nachricht, dass ein Großteil Frankreichs von den Deutschen besetzt wurde - so auch ihr bis dahin idyllisches Heimatstädtchen Carriveau. Eine düstere Zeit voller Entbehrungen steht Vianne bevor, doch sie versucht nicht aufzugeben - für Sophie. Wird die Liebe zu ihrem Kind und ihrem Mann sie die schwerste Zeit ihres Lebens überstehen lassen?

Auch Viannes jüngere Schwester Isabelle durchlebt auf ihrer Flucht aus Paris schlimme Zeiten. Ihr Überleben verdankt sie Gäeton, einem Kämpfer der Rèsistance. Isabelle ist sofort angetan von dem jungen Mann und dessen Ziele. Nach und nach lässt sie sich auf riskante Aktionen ein, die bei einer Entdeckung ihr Tod bedeuten könnte. Doch ihr waghalsigstes Unternehmen führt sie über den Pfad der Nachtigall - der Weg, über den sie abgeschossene Piloten aus dem Land führt. Doch schon bald erfahren die Deutschen von der Fluchtroute und suchen verstärkt nach der geheimnisvollen Nachtigall...

So unterschiedlich ihre Kämpfe um Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit auch sind, Vianne und Isabelle sind sich doch näher, als sie denken. Beide zahlen einen jeweils einen hohen Preis...


"Sie waren schon immer von Grund auf verschieden gewesen. Vianne befolgte die Regeln, Isabell war die Rebellin. (...) Maman hatte ihnen versichert, das sie eines Tages die besten Freundinnen würden. Aber noch nie schien es unwahrscheinlicher, dass sich diese Voraussage jemals erfüllen würde." - Seite 129


Schon auf den ersten Seiten zieht einen das Buch in seinen Bann: Eine ältere Dame wird von ihren Erinnerungen eingeholt. Kurz darauf beginnt schließlich die Geschichte der Schwestern Vianne und Isabelle. Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können und daher in der Vergangenheit schon oft aneinander geraten sind. Doch die Schrecken des Zweiten Weltkrieges holen sie beide gleichermaßen ein.
Kristin Hannah ist ein großes Erzähltalent. Gekonnt wechselt sie regelmäßig zwischen den beiden Schwestern hin und her, beschreibt ihr Leid, ihr Kampf und ihre Gefühle sehr detailreich. So manches Mal habe ich die Luft angehalten und gehofft, dass sie jeweilige Situation gut ausgeht. Über der Handlung steht die Besetzung Frankreichs, dessen Grauen einmal mehr sehr erschüttert. Zur besseren Übersicht gibt es vorne im Buch eine Karte von Frankreich, wo die besetzen und freien Zonen, sowie die Fluchtroute eingezeichnet sind.

Die Buchgestaltung ist mehr als gelungen: Das Cover ist schlicht und edel, natürlich passenderweise mit dem Umriss des Vogels. Was es mit der Nachtigall genau auf sich hat, erfährt man in der Geschichte. Auch unter dem Schutzumschlag verbirgt sich noch etwas Schönes: Der in Gold schimmernde Titel auf dem Buchrücken.


"Sie war verletzend, diese Stille, aber sie verstand es auch. Bei all den Risiken, die sie eingingen, war Liebe vermutlich die gefährlichste Wahl von allen." - Seite 311


Mein Fazit: Die Nachtigall ist ein besonderes, sehr gelungenes Buch. Der Schreibstil ist sehr flüssig, man möchte die 608 Seiten am liebsten in einem Rutsch durchlesen. Diese Geschichte ist sehr facettenreich. Sie ist zugleich bewegend und dramatisch sowie herzzerreißend und oft traurig. Das Buch hält einige Überraschungen bereit, die einem beim Lesen doch sehr nahe gehen. Mich hat die Geschichte - besonders das Ende -  in ihren Bann gezogen und sehr berührt.  Eine absolute Leseempfehlung.



Meine Bewertung: 



Titel: Die Nachtigall
Autorin: Kristin Hannah
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 608
Verlag: Rütten & Loening / Aufbau-Verlag
Erstveröffentlichung: 19. September 2016



Vielen Dank an den Aufbau-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 15. September 2016

Rezension zu "Im Schatten unserer Wünsche" von Jeffrey Archer



Zum Buch
Band 4 der Clifton-Saga

Im Jahre 1957: Auch nach den vergangenen dramatischen Ereignissen kehrt bei der Familie Clifton keine Ruhe ein. Während Harry an einem neuen Buch arbeitet, konzentriert sich seine Frau Emma auf die Arbeit im Vorstand des Familienunternehmens, der Barrington Schifffahrtsgesellschaft. Dort steht eine große Entscheidung an, die gleichzeitig ein großes Wagnis für das Unternehmen bedeutet. Doch Emma hat kein gutes Gefühl und versucht alles, um die Mitglieder vom Gegenteil zu überzeugen.
Als sie die unerwartete Nachricht erreicht, dass der Vorstandvorsitzende zurücktreten wird, bietet sich ihr eine große Chance, das Familienunternehmen vielleicht doch noch zu retten...
Über allem steht bei den Cliftons noch die Sorge um ihren Sohn Sebastian, der zusammen mit seinem Freund Bruno in einen schweren Autounfall verwickelt war. Schon bald verhärtet sich der Verdacht, dass dieser Unfall kein Zufall war. Denn die Familie hat einen mächtigen Widersacher, der mit allen Mitteln versucht, sie zu vernichten...


"Er betrachtete so viele Dinge als selbstverständlich und verschwendete keinen Gedanken daran, wie das Leben anderer Menschen aussah oder wie privilegiert er in ihren Augen vielleicht war. Während der restlichen Fahrt schwieg er, denn ihm war schmerzlich bewusst geworden, dass die Geburt das erste Los in der Lebenslotterie darstellt." - Seite 127, eBook


Nach dem äußerst dramatischen Ende des 3. Bandes war ich natürlich mehr als gespannt, wie die Geschichte der Cliftons weitergeht. Der Prolog gibt nochmal kurz die letzten Geschehnisse des Vorgängers wieder, um dann nahtlos daran anzuknüpfen. Auf den ersten Seiten erwartet den Leser schon Einiges, sofort ist man wieder mitten in der großen Familien-Saga. Neben den Hauptcharakteren Harry, Emma und ihrem Sohn Sebastian erfährt man auch einiges über einen Feind der Familie, der unglaubliche Pläne verfolgt. Auch gibt es einen neuen Charakter, der hier eine ganz besondere Rolle spielt.
Wie schon bei den drei Vorgängern sind hier die einzelnen Abschnitte in Jahre und Personen aufgeteilt, um die es hauptsächlich geht. Langweilig wird es nicht, im Laufe der Geschichte kommt so manches Geheimnis und einige perfide Pläne ans Licht.


"Er drehte sich auf seine Seite und nahm an, dass der Schlaf innerhalb weniger Minuten kommen würde, doch obwohl seine Lider bleischwer waren und er sich völlig erschöpft fühlte, konnte er nicht einschlafen. Etwas stimmte nicht." - Seite 382, eBook


Mein Fazit: Auch der mittlerweile 4. Band der großen Familiensaga ist sehr lesenswert. Die Handlung ist spannend und oft dramatisch. Es werden wieder einige große Intrigen geschmiedet, mit denen man so gar nicht rechnet. Auch wenn das Buch im Mittelteil mal einzelne Längen hat, wird es an anderen Stellen dagegen sehr packend. Es wartet ein großes Ende mit einigen Überraschungen - und natürlich der schon bekannte Cliffhanger. Eine sehr gute Fortsetzung.


Meine Bewertung: 




Titel: Die Clifton Saga 4: Im Schatten unserer Wünsche
Autor: Jeffrey Archer
Genre: Historischer Roman / Familiensaga / Drama
Seitenanzahl: 544
Verlag: Heyne 


Die Bücher der Clifton-Saga:
Band 1 - Spiel der Zeit
Band 2 - Das Vermächtnis des Vaters
Band 3 - Erbe und Schicksal
Band 4 - Im Schatten unserer Wünsche
Band 5 - Die Wege der Macht
Band 7 - Winter eines Lebens


Vielen Dank an das Bloggerportal und Heynefür das Rezensionsexemplar!

Montag, 12. September 2016

Rezension zu "Eierlikörtage" von Hendrik Groen


Zum Buch

Die geheimen Tagebücher des Hendrik Groen - Band 1


Hendrik Groen ist 83 1/4 Jahre alt und lebt in einem Amsterdamer Altenheim. Gerade hat ein neues Jahr begonnen und Hendrik hat beschlossen, nun ein Jahr lang Tagebuch zu führen, in dem er unzensiert einen Einblick in den Alltag seines Altenheims gibt. Denn er ist zwar nicht mehr der Jüngste und hat auch so seine Beschwerden, doch er ist noch lange nicht tot. Daher ist er auch alles andere als zufrieden mit dem eher eintönigen Alltag im Wohnheim, der oft aus Kaffeetrinken mit trockenem Kuchen und anschließender Krankheitsdiskussion besteht. Zum Glück ist da noch sein Freund Evert, der den Laden manchmal ordentlich aufmischt. Um zu zeigen, dass man auch im hohen Alter noch einiges erleben kann, gründet er zusammen mit einigen anderen Bewohnern den  Club "Alanito" (Alt aber nicht tot), der regelmäßig Ausflüge unternimmt. Das wird von anderen wiederum eher kritisch beäugt und auch der Direktorin ist der "Rebellenclub" eher ein Dorn im Auge. Doch davon lassen sich die Senioren natürlich nicht abhalten...


"Dienstag, 1 Januar 2013

Auch im neuen Jahr habe ich für Senioren nichts übrig. Dieses Geschlurfe hinter Rollatoren, diese völlig deplazierte Ungeduld, dieses ewige Gejammer, diese Kekse zum Tee, dieses Geseufze und Gestöhne. Ich bin 83 1/4 Jahre alt." -Seite 6, eBook


Mit diesem ersten Tagebucheintrag beginnt die außergewöhnliche Berichterstattung von Hendrik Groen, der mit seinem Alltag im Altenheim nicht ganz so zufrieden ist. Oft zum Schmunzeln, wenn er einzelne Geschehnisse mit seiner trockenen Art schildert, besonders sein Freund Evert mischt den Alltag im Altenheim noch ordentlich auf. Doch zwischen den humorvollen Abschnitten gibt es auch einige, die sehr traurig sind.
Das Besondere an diesem Buch ist, dass es nur aus Tagebucheinträgen besteht, und zwar vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2013. Diese sind so raffiniert geschrieben, dass sich daraus eigentlich eine lückenlose Geschichte ergibt. Der Autor -der laut einigen Berichten doch etwas jünger sein soll als sein Pseudonym- schildert hier humorvolle und interessante Erlebnisse aus dem Leben eines Senioren, der zusammen mit ein paar anderen Mitbewohnern noch einiges erleben will. Doch auch vor ihnen macht das Alter nicht halt...
Neben dem Hauptcharakter kommen aber auch die Nebencharaktere, Hendriks Mitbewohner, gut zur Geltung, über die man im Laufe der Geschichte auch einiges erfährt. Genauso wie über Hendrik selbst - einiges ist sehr überraschend.
Das Cover ist schön schlicht gehalten, mit einer Illustration von Hendrik Groen - genau so stellt man sich den sympathischen Senior auch vor. Gerade durch diese besondere Schlichtheit fällt das Buch sofort ins Auge und verspricht eine außergewöhnliche Geschichte.


"Grietje ist die Freundlichkeit in Person, aber immer ein bisschen verschlossen und reserviert. Ich war überrascht, dass sie mir ihr Herz ausschüttete. Und ein bisschen stolz. Und traurig. Kurz und gut, es war ganz schön schwierig, so viele Gefühle auf einmal." - Seite 286, eBook


"Die bitterbösen Schwestern Slothouwer haben 'versehentlich' eine Vase mit Chrysanthemen über Frau Van Diemen ausgekippt. Edward hat es beobachtet und schwört, dass sie es mit Absicht gemacht haben. (...) Sie sind gestört und blutrünstig. Es gibt eine Menge Aufregung, weil der Wolf in den Niederlanden wieder heimisch geworden ist, dabei laufen hier schon seit Jahren zwei Hyänen herum." - Seite 365, eBook


Mein Fazit: Ein wunderbares Buch, dass gleichzeitig zum Lachen und Weinen ist. Neben witzigen Anekdoten von der sympathischen Hauptfigur gibt es aber auch immer wieder berührende Momente. Diese Mischung ist dem Autor sehr gut gelungen. Es bleibt trotzdem eine leichte und unterhaltsame Lektüre, herrlich geschrieben mit viel trockenem Humor. Eine besondere Geschichte mit vielen Facetten, die man unbedingt lesen sollte. 

Meine Bewertung:




Titel: Eierlikörtage - Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre
Autor: Hendrik Groen
Genre: Roman
Seitenanzahl: 416
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 01. August 2016


Die geheimen Tagebücher des Hendrik Groen:

Band 1 - Eierlikörtage
Band 2 - Tanztee
Band 3 - Herrenabend
 

Vielen Dank an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar!