Freitag, 22. April 2022

Rezension zu "Brüder des Windes" von Tad Williams

 

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Eine Vorgeschichte aus Osten Ard

Tausend Jahre vor den Ereignissen, die im Drachenbeinthron geschildert werden: Die (fast) unsterblichen Sithi herrschen über die nördlichen Regionen von Osten Ard. Da tauchen Gerüchte auf, dass einer der ältesten und tödlichsten Drachen von ganz oben im Norden in das Reich eingedrungen ist. Am nächsten Morgen ist einer der beiden Söhne der mächtigsten Familie der Sithi verschwunden…

Unter den Sithi Osten Ards gibt es keine anderen zwei, die so geliebt und bewundert werden wie die beiden Söhne der Herrscherfamilie: Hakatri, ein stets verlässlicher Junge, und sein stolzer und leidenschaftlicher kleiner Bruder Ineluki, der spätere Sturmkönig. Sein Temperament reißt den jüngeren hin, einen gleichermaßen kühnen wie schrecklichen Schwur zu leisten: Er will das tödliche und furchtbare Ungeheuer Hidohebhi zur Strecke bringen und vernichten. Aber damit bringt er nicht nur seinen Bruder und sich selbst in die größte Gefahr, sondern er beschwört auch eine Katastrophe für alle Sithi herauf, womöglich sogar auch für das ganze menschliche Geschlecht.
(Quelle: Inhaltsangabe - Klett Cotta)


Schon lange wollte ich die Bücher um die Welt Osten Ard von Tad Williams lesen. Bevor ich mit der Reihe Das Geheimnis der Großen Schwerter beginne, habe ich mich zunächst für sein neuestes Buch entschieden. Brüder des Windes erzählt eine Vorgeschichte, die ca. eintausend Jahre vor den Geschehnissen im Auftakt-Band Der Drachenbeinthron angesiedelt ist.

Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Pamon Kes geschrieben, der Waffenträger und die rechte Hand von Hakatri, dem ältesten der beiden „Brüder des Windes“. Er schildert die dramatischen Ereignisse, die sich damals zugetragen haben.
Hakatri und Ineluki sind Brüder, die zwar unzertrennlich sind, aber von ihrer Art unterschiedlicher nicht sein können. Als bekannt wird, dass sich einer der ältesten und gefährlichsten Drachen in einem der nördlich gelegenen Täler niedergelassen hat und dort für Tod und Zerstörung sorgt, leistet Ineluki einen Schwur: Er wird das Ungeheuer töten.
Zusammen mit seinem Bruder Hakatri und weiteren Verbündeten macht sich Ineluki auf den Weg – nicht ahnend, was er mit seinem Schwur auslösen wird…

Da dieses Buch mein erster Roman von Tad Williams ist, brauchte ich eine gewisse Zeit, um mich einzulesen – gerade die vielen Begriffe und Bezeichnungen sind zunächst etwas kompliziert. Doch nach und nach konnte ich in die Geschichte eintauchen und war sofort fasziniert von den detaillierten Schilderungen der vielen Schauplätze.

„Der düstere Himmel und der am Hang hängende Nebel dämpften alle Farben, und ich konnte mich kaum des Gefühls erwehren, durch eine ganz und gar fremde Welt zu reiten, die sich keinen Deut für uns interessierte.“ – Seite 69, eBook


Man bekommt einen guten Einblick in die Clans, Völker und Stämme, erfährt einzelne Geschichten aus vergangenen Zeiten, von Verbannten und dem Zusammenleben der verschiedenen Völker.
Auch spielt hier das wertvolle Hexenholz eine zentrale Rolle.
Die Handlung ist eher ruhig erzählt, ab und an wird es auch mal etwas langatmig – jedoch gibt es immer wieder spannende Abschnitte. Besonders der Kampf mit dem Drachen ist packend zu verfolgen:

„Ich erinnere mich an das klaffende, gezackte Riesenmaul und an eine schieferfarbene Zunge. Und ich erinnere mich auch, dass die schwarz-goldenen Augen wie Laternen glommen (…)

Er war noch größer, als ich bei unserer ersten Begegnung gedacht hatte, ein Alptraum aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt“
(Pamon) – Seite 142 / 143, eBook


Neben den Brüdern lernen wir auch den Erzähler Pamon gut kennen, der auf den Reisen auch einiges über sein eigenes Volk erfährt. Überraschend ist, wie sich die Geschichte in der zweiten Hälfte entwickelt, denn diese ist mir dem Kampf des Drachen noch lange nicht vorbei…

Zu Verbindungen mit den bereits erschienenen Romanen kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Mir hat dieses Buch auf jeden Fall gut gefallen – durch die vielen detaillierten Beschreibungen bekommen auch Erstleser einen guten und interessanten Einblick in die Welt. Perfekt wäre zu der abgebildeten Karte am Anfang des Buches hier noch ein Glossar gewesen.

Mein Fazit: Eine lesenswerte Vorgeschichte aus Osten-Ard, die im Handlungsverlauf einige Überraschungen bereithält. Detailreiche Beschreibungen der Schauplätze geben einen sehr guten Einblick in die Welt von Osten Ard. Die Geschichte selbst ist eher ruhig erzählt, hält aber auch einige Abenteuer bereit. Mir hat dieser Einstig gut gefallen und bin nun sehr gespannt auf den Drachenbeinthron.


Meine Bewertung:




Titel: Brüder des Windes
Autor: Tad Williams
Genre: High Fantasy
Seitenanzahl: 368
Verlag: Hobbit Presse / Klett Cotta
Erstveröffentlichung: 13. April 2022



Die bisher erschienen Bücher aus Osten Ard in chronologischer Reihenfolge und mit dem Datum der dt. Erstveröffentlichung:

-
Brüder des Windes (Vorgeschichte) (2022)

1. Reihe - Das Geheimnis der Großen Schwerter
- Band 1 - Der Drachenbeinthron (1988)
- Band 2 - Der Abschiedsstein (1993)
- Band 3 - Die Nornenkönigin (1996)
- Band 4 - Der Engelsturm (1996)

Das Herz der verlorenen Dinge (Zwischenband/Übergangsbuch zur 2. Reihe) (2017)

2. Reihe - Der letzte König von Osten Ard
- Band 1.1 - Die Hexenholzkrone 1 (2017)
- Band 1.2 - Die Hexenholzkrone 2 (2017)
- Band 2.1 - Das Reich der Grasländer 1 (2020)
- Band 2.2 - Das Reich der Grasländer 2 (2020)
-
Band 3.1 - In Vorbereitung (geplant Herbst 2022)



Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 19. April 2022

Rezension zu "Das unglaubliche Leben des Wallace Price" von T.J. Klune

Zum Buch



Vom Tod und dem Leben danach…


Der erfolgsverwöhnte Anwalt Wallace Price kennt nur drei Dinge: Arbeit, Arbeit und noch mal Arbeit. Es kommt ihm daher äußerst ungelegen, als er eines Tages tot umfällt und in der Zwischenwelt landet. Dort erwartet ihn der Wächter Hugo, der Wallace auf seine Reise ins Jenseits vorbereiten soll. Doch Wallace ist noch nicht bereit, und so wird ihm Zeit gewährt, um seine Angelegenheiten zu ordnen. Zeit, in der Wallace den wahren Sinn des Lebens entdeckt. Und die Liebe findet...
(Quelle: Inhaltsangabe - Heyne Verlag)






Nachdem mich Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte so begeistert hat, war ich demensprechend gespannt auf den neuen Roman von T.J. Klune. Das unglaubliche Leben des Wallace Price hält wieder eine tolle Geschichte und eine interessante Entwicklung der Figuren bereit.

Einer der Hauptfiguren ist der Anwalt Wallace Price – für ihn steht die Arbeit an erster Stelle. Um die Menschen, die ihn umgeben macht er sich nur wenig Gedanken. Als er eines Tages völlig unerwartet stirbt, passt ihm das natürlich überhaupt nicht – er hat ja schließlich noch viel im Büro zu tun.
Wallace findet sich überraschend in einer Zwischenwelt wieder – quasi als eine Art Geist – und wird zu einem Haus gebracht, das schon vom äußeren Erscheinungsbild besonders ist – bunt und schief mit mehreren Stockwerken und einem Teeladen im Erdgeschoss. Betrieben wird dieser von Hugo Freeman, der daneben auch als Fährmann tätig ist und sich den jüngst Verstorbenen widmet. Er hilft den ihnen, sich zu orientieren und gibt ihnen Zeit, sich auf den endgültigen Übergang vorzubereiten.

Wallace ist völlig überfordert – zunächst kann er seinen Tod nicht akzeptieren und sich nicht an seinen aktuellen Zustand als Geist gewöhnen. Doch nach und nach lernt er Hugo und die anderen Bewohner des Hauses besser kennen und erfährt neben manchen Geheimnissen auch Trauriges.
All dieses lässt ihn sein eigenes Ich und sein vergangenes Leben überdenken …

„Rückschau ist ein mächtiges Werkzeug, Wallace. Wir erkennen nicht immer, was wir direkt vor Augen haben, geschweige denn, dass wir es zu schätzen wüssten. Erst wenn wir zurückblicken, sehen wir, was wir schon immer hätten wissen sollen.“ – Seite 166


Genau wie im Parnassus-Roman machen die Figuren eine spannende Entwicklung durch – besonders die Hauptfigur ist später nicht mehr wieder zu erkennen. Das, und die starke Charakterzeichnung der einzelnen so unterschiedlichen Figuren haben mir sehr gut gefallen. Ab und an wird es humorvoll, gleichzeitig wird es auch überraschend berührend mit bewegenden Momenten.

„Die Wolken vor dem Mond zogen sich zurück, und sie sahen einander an in diesem entlegenen Winkel der Welt.“ – Seite 289


Auch das besondere Haus namens Charons Fähre, das auch auf dem großartigen Cover abgebildet ist, spielt eine große Rolle.






Gut erklärt wird auch das Verhältnis zwischen der Welt der Lebenden und dem „Zwischenreich“. Die ganze Handlung entwickelt sich anders, als ich zunächst gedacht hatte und hält einige Überraschungen bereit – dass Ende ist stimmig und passt.

„Wir kommen alle irgendwann einmal vom Weg ab. Und das nicht, weil wir einen Fehler gemacht oder eine falsche Entscheidung getroffen haben. Sondern weil wir so schrecklich und wunderbar menschlich sind.“ – Seite 442

Mein Fazit: Ein wundervolles Buch – humorvoll und gleichzeitig berührend mit schönen Botschaften. Ein gelungenes Wohlfühl-Buch mit toller Fantasy und besonderen Charakteren, die einem schnell ans Herz wachsen. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung:



Titel: Das unglaubliche Leben des Wallace Price
Autor: T.J. Klune
Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 480
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 11. April 2022