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Dienstag, 16. August 2022

Rezension zu "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis

 

Zum Buch


Der Märchenerzähler – Band 1

Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Oetinger Verlag)






Schon lange wollte ich Der Märchenerzähler von der Autorin Antonia Michaelis lesen. Das Buch erschien erstmals im Jahr 2011 und wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Im August 2022 erschien mit Im Schatten des Märchenerzählers eine Fortsetzung.
Schon der unheimliche Buchbeginn zeigt, dass die Story einige Überraschungen birgt:

„Niemand ist da. Niemand sieht. Niemand weiß und niemand wird sich erinnern.“ – Seite 9, eBook


Die siebzehnjährige Anna Leemann steht kurz vor dem Abitur und lebt eher zurückgezogen und in sich gekehrt. Eines Tages wird sie auf Abel Tannatek aufmerksam – ein geheimnisvoller Junge, der anders ist als die anderen und einige Geheinisse zu haben scheint. Gleichzeitig erfährt sie, dass er manchmal die Schule schwänzt und dealt. Trotzdem fühlt Anna sich magisch von ihm angezogen und lernt einen anderen Abel kennen – der, der sich rührend um seine kleine Schwester Micha kümmert und Talent zum Geschichten erzählen hat. Dann erzählt er ein Märchen, von dem Anna nicht mehr loskommt…

Sie dachte an Abels Worte: "Wenn man sich ein ganzes Leben lang kennt, kann man einander auch im Dunkeln sehen.“ Sie lächelte unwillkürlich. – Seite 48, eBook


Das Buch beginnt eher ruhig und etwas unscheinbar – doch im Laufe der Handlung wird es sehr spannend und überrascht im Verlauf völlig. Man lernt die Hauptfiguren Anna und Abel immer besser kennen. Es wird geheimnisvoll und berührend, aber auch überraschend düster und bedrückend.
Die Idee, ein Märchen einzubauen, das immer mehr mit der Realität zu verschwimmen scheint, ist der Autorin sehr gut gelungen und gibt dem Buch etwas Besonderes.
Das Märchen in der Geschichte ist fantasievoll, etwas unheimlich und durch die Figuren sehr gut mit der Realität verflochten – und sich gefährlich weiterentwickelt.

„Das Märchen, in dem Anna landete, war hell und lichtdurchflutet. (…)
Doch sie hörte hinter den Worten eine uralte Dunkelheit lauern, die Dunkelheit aller Märchen, die Kehrseite.
Erst später, viel später, erst zu spät würde Anna begreifen, dass dieses Märchen tödlich war."
– Seite 31, eBook


Ab einem gewissen Punkt bekommt die Geschichte eine sehr düstere Note mit Geschehnissen, die man so nicht erwartet hat. Besonders die zweite Hälfte ist fesselnd und einzelne Puzzleteile setzen sich zu einem unheimlichen Gesamtbild zusammen – mit erschreckenden Wahrheiten…

Mein Fazit: Ein Buch, das nach und nach an Fahrt aufnimmt und völlig überrascht. Geheimnisvoll, manchmal überraschend düster und sehr berührend. Auch das eingeflochtene Märchen ist spannend zu verfolgen und gibt der Geschichte eine besondere Note. Es gibt ungeahnte Wendungen, gefährliche Aktionen und ein Ende, das anders ist als erwartet. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung:





Titel: Der Märchenerzähler
Autorin: Antonia Michaelis
Genre: Jugendbuch / All Age / Drama
Seitenanzahl: 448
Verlag: Oetinger
Erstveröffentlichung: 01. Februar 2011
Neuveröffentlichung: 08. Februar 2022


Die Bücher der Reihe:
Band 1 - Der Märchenerzähler
Band 2 - Im Schatten des Märchenerzählers


Eine weitere Rezension zum Buch findet ihr hier:
Weltenwanderer

Freitag, 12. August 2022

Rezension zu "Der Salzpfad" von Raynor Winn

Zum Buch

 
Eine Reise voller Hoffnung

Alles, was Moth und Raynor noch besitzen, passt in einen Rucksack. Sie haben alles verloren – ihr Zuhause, ihr Vermögen und Moth seine Gesundheit. Mit einem kleinen Zelt machen sie sich auf, den South West Coast Path, Englands berühmten Küstenweg, zu wandern. Mit einem Mal ist ihr Zuhause immer nur dort, wo sie gerade sind. Sie kämpfen mit Vorurteilen, Ablehnung und der Sorge, dass das Geld für den nächsten Tag nicht mehr reicht. Und zugleich entdecken sie auf ihrer großen Wanderung das Glück: herzliche Begegnungen, ihre neu erstarkte Liebe und die Fähigkeit, Kraft aus der Natur zu schöpfen. Allen Prophezeiungen zum Trotz führt sie der mehrmonatige Trip zurück ins Leben und öffnet die Tür zu einer neuen Zukunft.
(Quelle: Inhaltsangabe - Goldmann Verlag)


In Der Salzpfad schreibt Raynor Winn über eine schwierige Zeit in ihrem Leben, über neue Hoffnungen und ein großes Projekt. Nachdem sie durch eine Fehlinvestition alles verloren haben und ihr Mann Moth zudem noch eine erschreckende Diagnose von seinem Arzt erhält, fassen sie im Jahr 2013 einen Plan: Sie möchten den South West Coast Path wandern – der mit 1014 Kilometern längste Fernwanderweg Großbritanniens. Mit nur wenig Habseligkeiten in Rucksäcken und einem Zelt machen sie sich auf den Weg und erleben einiges – mit Höhen und Tiefen…

Dieses Buch ist eine Mischung aus einem Reisebericht über den Wanderweg, der an Englands Südwestküste entlangführt und Einblicken in das Leben von Raynor und Moth Winn. Die Geschichte der beiden ist sehr interessant und bewegend. Auch, dass sie trotz aller Schicksalsschläge nie die Hoffnung verlieren und sich zudem noch in dieses große und nicht ganz einfache Abenteuer wagen, ist beeindruckend.

„Das ist verrückt.“
Das war es vielleicht, aber wir mussten es tun. Wenn nicht, würden wir uns damit auseinandersetzen müssen, was uns nach diesem Sommer erwartete. Keiner von uns war dafür bereit.
– Seite 51




Vorne im Buch ist eine Karte mit den Stationen des South West Coast Path abgebildet, sodass man hier einen Überblick über ihre Reise bekommt. Zudem gibt es noch Bilder der Reise im Mittelteil des Buches.

„Haben wir einen Plan?“
„Natürlich. Wir wandern, bis wir aufhören zu wandern, und vielleicht finden wir unterwegs so etwas wie eine Zukunft.“
„Das ist ein guter Plan.“
– Seite 83


Auch wenn Raynor und Moth zwei starke Persönlichkeiten sind, hat dieses Buch doch einige Längen. Manches wird zu knapp abgehandelt und manchmal hat mir die Tiefe etwas gefehlt. Schön wäre es, wenn es noch strukturierter gewesen wäre und man sich die einzelnen Stationen besser hätte vorstellen können. Dennoch gab es gute Schauplatzbeschreibungen und interessante Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen.



Mein Fazit: Eine gute Mischung aus Reisebericht und persönlicher Lebensgeschichte. Die abenteuerliche Reise von Raynor und Moth ist beeindruckend - man bekommt sowohl einen Einblick in ihre Wanderung auf dem Salzpfad, als auch in ihre persönliche Lebensgeschichte.
Dennoch konnte mich das Buch nicht ganz abholen. Neben vielen lesenswerten Abschnitten gab es immer wieder langatmige Stellen, wo mir die Tiefe gefehlt hat und es manchmal etwas unübersichtlich wurde. Insgesamt ein Buch mit Stärken, aber auch kleinen Schwächen.


Meine Bewertung:




Titel: Der Salzpfad
Autorin: Raynor Winn
Genre: Reisebericht
Seitenanzahl: 416
Verlage: Dumont-Reiseverlag - August 2019
              Goldmann
(TB) 21. Juni 2021