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Viel Zeit ist vergangen, seit Abel Tannatek, der Märchenerzähler und Wolf, den Tod fand. Sein Sohn Elias weiß nicht, ob er ihn hassen oder vermissen soll. Doch dann, kurz vor seinem 18. Geburtstag, macht Elias eine merkwürdige Entdeckung: Seine Mutter Anna schreibt dem Märchenerzähler Briefe – und bekommt Antworten. Elias beginnt ihr nachzuspionieren. Lebt sein Vater etwa noch? Wer ist der Schatten im Wald, den er manchmal zu sehen glaubt und was verheimlicht Micha, Abels Schwester? In den geheimnisvollen Briefen liest er ein neues Märchen, ein gefährliches, mörderisches Märchen, so wie jenes vor 18 Jahren. Auf den Spuren der Liebe seiner Eltern verliebt sich Elias selbst zum ersten Mal. Und er beginnt, sich vor sich selbst zu fürchten. Was wenn er wie sein Vater ist?
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Oetinger Verlag)
Im Schatten des Märchenerzählers ist die Fortsetzung von dem Roman Der Märchenerzähler, der erstmals im Jahr 2011 erschien und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war. Die bewegende Geschichte um Anna und Abel habe ich erst vor kurzem gelesen und nun war ich demensprechend neugierig auf die Fortsetzung.
Diese spielt 18 Jahre nach den letzten traurigen Ereignissen im Vorgängerband – Hauptfigur hier ist der siebzehnjährige Elias Leemann – der gemeinsame Sohn von Abel und Anna. Mit seinen fast 18 Jahren ist er nun so alt wie damals sein Vater, als er den Tod fand. Alle sagen ihm, wie ähnlich er ihm sieht und er selbst weiß nicht, wie er zu Abel stehen soll.
Dann macht Elias eine seltsame Entdeckung: Seine Mutter Anna schreibt Briefe an den Märchenerzähler – und erhält Antworten. Seine Neugier lässt ihn nachforschen und er entdeckt schon bald ein mysteriöses Märchen, das dort geschrieben steht. Schnell wird klar, dass dieses gefährlich und tödlich ist und die Figuren immer mehr mit den realen verschwimmen – wie damals.
Und in Elias keimt ein Verdacht: Lebt sein Vater noch? Die Suche nach der Antwort ist gefährlich.
Und dann ist da noch das Schmetterlingsmädchen, das ihm nicht mehr aus dem Kopf geht…
„Du hast deine Flügel vergessen“, sagte er leise und schloss die Schachtel, um sie in die Tasche zu stecken. Ein Schmetterlingsgrab. Ein kaputter Traum vom Fliegen. – Seite 39, eBook
Auch dieses Buch beginnt mit einem sehr mysteriösen und rätselhaften Kapitel, dass im Laufe der Handlung aufgeklärt wird. Die Fortsetzung ist im gleichen intensiven Erzählstil wie „Der Märchenerzähler“ geschrieben, was mir sehr gut gefällt. Im Mittelpunkt steht neben Elias noch Micha – die damals sechsjährige Schwester von Abel. Auch das geheimnisvolle, schwarzhaarige Mädchen und ihr kleiner Bruder spielen eine zentrale Rolle.
Es wird mal leise und berührend, dann wieder dramatisch und gefährlich. Auch hier sind manche Abschnitte nicht einfach und legen erscheckende Fakten offen.
Gleichzeitig gibt es hier auch eine gute Portion Mystery – geheimnisvolle Schatten und mysteriöse Figuren. Aber auch das neue Märchen ist sehr gut eingearbeitet und erzählt von einer gefährlichen Reise, die nicht alle überleben werden.
„Dies war eine Zwischenwelt zwischen Wahrheit und Traum. Wenn sie schnell genug rannten, dachte Elias, konnten sie vielleicht springen. Auf die andere Seite. In das Märchen.
Dann sah er den Schatten zwischen den Bäumen.“ – Seite 123/124, eBook
Neben neuen Charakteren tauchen auch viele bekannte Figuren auf – 18 Jahre später. Um alle Zusammenhänge zu verstehen, würde ich empfehlen, vorher den ersten Band zu lesen. Es gibt immer wieder Rückblicke auf vergangene Geschehnisse. Gerade aus Abels Vergangenheit wird noch einiges sichtbar – sehr erschreckendes und tieftrauriges kommt ans Licht, was nochmal einige offene Fragen beantwortet und einiges klarer erscheinen lässt.
Es ist keine einfache Lektüre - am Anfang des Buches befindet sich deshalb eine Triggerwarnung mit einem Hinweis zum Ende des Buches, wo aufgezählt wird, welche Themen im Buch vorkommen.
Ab der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte nochmal ordentlich an Fahrt auf und einzelne Puzzleteile werden zusammengeführt, sodass sich schließlich ein Bild ergibt, das überraschender nicht sein kann. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse.
„Wir fallen. Irgendwann.“, flüsterte Zara. „Aber zuerst fliegen wir, damit es sich lohnt.“ – Seite 256, eBook
Beide Bücher sind gut aufeinander abgestimmt. Es gibt einige Parallelen und auch ein paar Wiederholungen, aber dennoch überwiegt neues.
Meine Fazit: Eine gelungene Fortsetzung – mal leise und berührend, dann wieder mysteriös und etwas düster. Auch das Märchen ist gut eingeflochten und verschwimmt nach und nach mehr mit der Realität. Wieder eine bewegende Geschichte, die an einigen Stellen erschreckend, traurig und nicht leicht ist und noch lange nachhallt. Sehr gut geschrieben - eine Leseempfehlung.
Meine Bewertung:
Titel: Im Schatten des Märchenerzählers
Autorin: Antonia Michaelis
Genre: Jugendbuch / All Age (ab 16 Jahre) / Drama
Seitenanzahl: 464
Verlag: Oetinger
Erstveröffentlichung: 12. August 2022
Die Bücher der Reihe:
Band 1 - Der Märchenerzähler
Band 2 - Im Schatten des Märchenerzählers
Eine weitere Rezension zum Buch findet ihr hier:
Weltenwanderer
Vielen Dank an den Oetinger-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Hallo Nicole!
AntwortenLöschenFreut mich, dass dich der zweite Band jetzt auch wieder so packen konnte!
Ich fand ihn etwas schwächer, vielleicht weil doch so vieles wiederholt wurde von der Handlung her ... aber das, was da über die Vergangenheit aufkam, war schon sehr hart muss ich sagen. Aber es war der Autorin vielleicht wichtig, das alles nochmal aufzurollen um zu zeigen, was damals wirklich los war. Gerade wegen den vielen negativen Stimmen... jedenfalls fand ich es als Fortsetzung auf jeden Fall gelungen!
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo Aleshanee,
Löschenja, ich fand es wirklich packend und wie sich am Ende alles zusammengesetzt hat... - sehr gut geschrieben.
Ja, was da noch aus der Vergangenheit sichbar wurde, war wirklich heftig.
Das kann ich mir auch gut vorstellen, dass es der Autorin wichtig war, nochmal einiges von damals aufzurollen.
Eine sehr gelungene Fortsetzung.
Liebe Grüße
Nicole
Hallo Nicole, :)
AntwortenLöschenwie schön, dass dich der zweite Band so begeistern konnte. :) Durch Zufall habe ich das Buch diese Woche im Buchladen gesehen, allerdings erst mal auf die Wunschliste gesetzt.
Ich habe "Der Märchenerzähler" zwar schon gelesen, würde es dann aber wohl erneut lesen, um wirklich alle Zusammenhänge zu verstehen. Aber lesen möchte ich die Fortsetzung - vor allem auch nach deiner Rezension - auf jeden Fall.
Liebe Grüße
Marina
Hallo Marina :)
Löschenwenn dir "Der Märchenerzähler" gut gefallen hat, dann wird dir wahrscheinlich auch diese Fortsetzung gefallen. Einiges von damals wird nochmal genauer beleuchtet.
Ich glaube, ein re-read vorher ist bestimmt sinnvoll, gerade weil die Bücher sehr miteinander verknüpft sind.
Das freut mich, wenn dir meine Rezension gefallen hat - ich bin auf deine Meinung gespannt!
Liebe Grüße
Nicole