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Eine Reise voller Abenteuer
Im Juni 1954 wird der achtzehnjährige Emmett aus dem Gefängnis entlassen. Zuhause in Nebraska wartet sein kleiner Bruder Billy auf ihn. Nach dem Tod des Vaters möchten sie einen Neuanfang in Kalifornien wagen, wo sie ihre verschwundene Mutter vermuten. Alles ist bereit für die Fahrt mit dem 48 Studebaker, doch plötzlich tauchen zwei Freunde aus dem Gefängnis auf. Sie haben allerdings ein anderes Ziel, New York City. So beginnt eine Reise mit den witzigsten und unglaublichsten Begegnungen – Clowns, Landstreicher, arbeitslose Schauspieler, Bettler und besonders gefährliche Pastoren. ‚Lincoln Highway‘ erzählt die ergreifende Odyssee von vier vaterlosen Jungen entlang der ersten Autobahn Amerikas.
(Quelle: Inhaltsangabe - Hanser Verlag)
Vor ein paar Jahren hat mich der Roman Ein Gentleman in Moskau von Amor Towles begeistert – nun war ich sehr neugierig sein neues Buch Lincoln Highway. Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder, die sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch Amerika begeben.
Nachdem der achtzehnjährige Emmett Watson eine Strafe verbüßen musste, kehrt er nun nach über fünfzehn Monaten wieder heim. Zusammen mit seinem achtjährigen Bruder Billy plant er, ihre Heimat in Nebraska zu verlassen und auf dem Lincoln Highway Richtung Westen zu reisen – mit San Francisco als Ziel.
„Das ist der Lincoln Highway“, erklärte Billy und fuhr an der schwarzen Linie entlang. „Er ist 1912 erfunden worden und nach Abraham Lincoln benannt, die erste Straße, die Amerika von Osten nach Westen durchquert.“
Billy setzte die Fingerspitze auf den Anfang am Atlantik und fuhr an der Linie entlang.
„Der Lincoln Highway fängt in New York am Times Square an und geht bis zum Lincoln Park, San Francisco, der dreitausenddreihundert Meilen weiter westlich liegt.“ – Seite 33
Doch als plötzlich zwei ehemalige Mitinsassen von Emmett auftauchen, beginnt die Reise der Brüder anders als geplant – nämlich in Richtung New York…
Schon auf den ersten Seiten wird der angenehme, ruhige Schreibstil des Autors sichtbar. Alles wird detailreich beschrieben – vom bisherigen Zuhause und das Schicksal der der Brüder, über Emmetts geliebten Studebaker bis hin zu den vielen Schauplätzen, die im Laufe der Geschichte auftauchen. Auch ist die Atmosphäre der 1950er Jahre sehr gut eingefangen.
Ich muss zugeben, dass ich eine ganz andere Vorstellung von dem Handlungsverlauf hatte - somit war die Geschichte mit den vielen ungeahnten Wendungen und Geschehnissen eine ziemliche Überraschung - aber im positiven Sinne. Auf diesem ziemlich abenteuerlichen Road-Trip passiert einiges. Der Autor wechselt regelmäßig zwischen den Hauptfiguren – durch die verschiedenen Blickwinkel bekommt man einen guten Überblick über die Ereignisse. Auch wenn man ab und an das Gefühl bekommt, dass der rote Faden etwas verloren geht, bleibt es interessant.
Neben den Hauptfiguren Emmett und Billy, gibt es noch ihre Nachbarin Sally und die beiden Freunde Woolly und Duchess, die die Pläne der beiden Brüder ordentlich durcheinanderwirbeln.
Sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere könnten unterschiedlicher nicht sein – gerade diese Vielfältigkeit ist hier sehr gut gelungen.
„Denn Freundlichkeit fängt da an, wo die Notwendigkeit aufhört.“ – Seite 114
Was mir ebenfalls sehr gefallen hat und hier unheimlich gut eingearbeitet wurde, ist ein großes rotes Buch mit den Geschichten verschiedenster Helden und Abenteurern. Dieses hütet Billy wie ein Schatz, liest immer wieder darin und zieht es bei einigen Situationen zurate. Im Laufe der Handlung spielt es immer wieder eine zentrale Rolle.
„Billy berührte das Papier mit Ehrfurcht.
„Hier lädt Professor Abernathe den Leser ein, sein eigenes Abenteuer aufzuschreiben.“
„Du hast dein Abenteuer ja noch nicht gehabt“, sagte Emmett mit einem Lächeln.
„Es hat, glaube ich, jetzt angefangen“, sagte Billy. – Seite 167
Sehr gelungen ist auch das Cover, das mich in der Buchhandlung magisch angezogen hat. Vorne im Buch findet man auch eine Karte mit der Strecke des Lincoln Highway, sowie die wichtigsten Punkte von Emmetts und Billys geplanter Reise.
Mein Fazit: Ein Road-Trip der besonderen Art – sehr überraschend und anders als erwartet, aber dennoch großartig und sehr lesenswert. Von den fein gezeichneten Charakteren über detailreich geschilderte Schauplätze bis hin zu den abenteuerlichen Geschehnissen und sonderbaren Begegnungen – alles angenehm ruhig und auch bewegend erzählt. Ein Lesehighlight.
Meine Bewertung:
Titel: Lincoln Highway
Autor: Amor Towles
Genre: Gegenwartsliteratur / Roman
Seitenanzahl: 576
Verlag: Hanser
Erstveröffentlichung: 25. Juli 2022


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